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Jüdische Presse · 1923-08-17 · Sonderausgabe 2. (17.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
Sonderausgabe 2. (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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k 3000 Kenessio Gedaulo-Ausgabe K3000 (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. W.b. 1», NN Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel ׳Sonhtag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 48.000, Tschecho-Slowakei Kö. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1.600. Zahlungen für Oesterreich: PoslsparkassenamtWlen, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konnte Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217: f. Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz fit Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VU. 1470. Sonderausgabe 2. Wien-Bratislava, 17. August 1923 .9 | בע״ה וינה־פרעססבורג ה־ אלול תרס״ג. Jahrg. Die Eröffnungssitzung Ideen und Menschen. Es soll nicht geleugnet werden, dass es uns vor allem auf die Idee ankommt.Wirerblickten von Anbeginn an in der Idee der Agudas Jisroel das Ferment, das die thoratreue Judenheit zum Bewusstsein bringt und ihr die Notwendigkeit des Zusammenschlusses und der Aktivierung ihrer Kräfte beibringt. Die Idee war es, die uns mit sehnsüchtiger Hoffnung in bezug auf die Kenessio Gedaulo erfüllt hat, deren Einberufung wir als einen Markstein der gesamten Juden begrüsst haben. Die Kenessio Gedaulo ist zustandegekommen. Sie tagt. Wir sind bereits nach der Eröffnung, die auf jeden Teilnehmer einen überwältigenden Eindruck gemacht hat. Sie war auch eine Heerschau über die Menschen, die als willige Träger und Diener der Idee in mühevoller, aufopferungs־ voller Arbeit für Agudas Jisroel. arbeiteten. Und die Menschen sind würdig der Idee, der sie dienen. Ist die Idee das treibende Motiv, so sind die Menschen die Werkzeuge, die unmittelbar und anschaulich durch ihre Arbeit in Erscheinung treten. Dass die thoratreue Judenheit über gewaltige Massen verfügt, ist ja jedermann bekannt, dass aber die thoratreue Judenheit über eine solche Fülle :von hervorragenden Führern verfügt, war die Ueberr&schung der Eröffnungssitzung. Die moral!« sehen Genien unseres Volkes, wie der Gerer Rebbe und Chofez Ghajim, der seine vor Alter zitternden Hände gleich mahnend und segnend über die!Versammlung erhob; die geistigen Heroen wie der Wilnaer Rabbiner K. Chaim Oser Grodzenski, Rabbi Elia Klatzkin, Lublin, R. Mosche Mordechai Eppstein Slobotko, politische Köpfe wie Senator Zirelsohn Kischenew, Parlamentarier wie Kirschbraun Warschau, Minzberg Lodz, Dubin Riga, Denker, wie Dr. Kohn und Rosenheim, um nur die hervorragendsten aus der Reihe der Begabungen und Talente hervorzuheben, sind eine beruhigende Sicherstellung für den Erfolg des Weges. Menschen, bei denen man im Zweifel ist, ob sie durch die Idee öder die Idee durch sie an Geltung, Kraft und Reinheit gewinnt. Dieser Umstand allein genügt, um den sicheren Erfolg und die Bedeutung der Kenessio Gedaulo festzustellen. Solche Menschen, die für eine grosse Idee uneigennützig hingebungsvoll arbeiten, die für sich bloss das einzige Verdienst in Anspruch nehmen wollen, Diener der Idee zu sein, | sind unsere Führer, die uns den wunderbaren Sieg I unserer Idee künden und verbürgen. P. | Mittwoch den;3. Elttl pünklich 5 Uhr nachmittags wurde die Grosse Versammlung des thoratreuen Judentums, einberufen von der Weltorganisation Agudas Jisroel, feierlichst eröffnet. Der kolossal grosse Saal in der Zirkusgasse war bis au! den letzten Platz gefüllt, ebenso waren die Galerien, auf welchen Gäste aus sämtlichen Teilen der Welt Platz nahmen, dicht besetzt. Zu beiden Seiten des Präsidiums haben alle grossen rabbinischen Autoritäteil der Welt Platz genommen, an ihrer Spitze der weltberühmte grosse Gelehrte Hagaon Meier Hakohe 11 (Chofez Chaim). Das diplomatische Korps war äusserst zahlreich vertreten. Es erschienen persönlich die Vertreter Deutschlands, der/Fschecho- Slowakei, Polens, Dänemarks und ein Vertreter, des Ministeriums für soziale Verwaltung. Die Bänke der Journalisten zeigten ein äusserst reges Bild. Fast sämtliche Wiener Zeitungen entsandten ihre Berichterstatter. Ebenso erschienen die Vertreter der . grossen Zeitungen des Auslandes, die zurzeit in Wien weilen. Pünklich um 5 Uhr betritt der Geschäftsführenide Aussejiuss masernem Vorsitzenden Rabbiner Dr. Pinchas Kohn an der Spitze, die Präsidententribüne und werden von den Delegierten mit stürmischen J c h i r u f e n begrüsst. Das Wort ergreift der Präsident des Geschäftsführenden Ausschusses, Rabbiner Dr. Kohn. Mit einem Zitate des Propheten Jesaia beginnt Dr. Kohn seine Rede, um mit Erschütterung seine Freude kundzugeben und sein Glück, die grosse, erhebende Ehre zu haben, diese welthistorische, für das Judentum einen freudigen Markstein bildende .Versammlung, eröffnen zu dürfen. Er gedenkt . mit Tränpn in den Augen der Grossen Toten der Bewegung, er gedenkt all derer, die die letzten materiellen und geistigen Kräfte der Bewegung hinopferten, ohne die Schije gehabt zu haben, die herrlichsten Früchte ihrer ungeheueren Arbeit erleben zu können. Er gedenkt ferner aller derjenigen, die in langer stiller Arbeit die Bewegung zu einer weltumspannenden Organisation ausgestaltet haben und heute nicht mehr ihren Ruhmestag erlebten. Ferner gedenkt Dr. Kohn aller jener treuhingebungsvollen Arbeiter und Mitglieder der Agudas Jisroel, deren unermüdliche Arbeit die Fundamente dieser grossen Bewegung bildeten. Durch Aufstehen von ihren Sitzen und durch' eine Minute vollkommener Stille bekundete die ganze Versammlung ihr treues Gedenken an alle die gefallenen Pioniere der Bewegung, und gleichzeitig gab sie dadurch den Beweis, dass die Namen dieser stillen Heroen unsterblich sind. Worte des herzlichen Dankes richtete Dr. P• Kohn an die Vertreter des Staates, durch deren freundschaftlichstes Entgegenkommen die schwierigen Vorbereitungsarbeiten reibungslos von statten gehen konnten. Der Präsident dankt im Namen des Geschäftsführenden Ausschusses und im Namen aller anwesenden Delegaten der Leitung der Stadt Wien und deren Bevölkerung für die Gewährung herzlicher Gastfreundschaft. Minutenlanger Beifall folgte den Ausführungen des Präsidenten und bewies, dass die Worte des Dankes ein Echo im Herzen aller Anwesenden hervorrief. Präsident Dr. P. Kohn endet, indem er das Wort an ,den grossen weltberühmten Hagaon. Meier Hakohen (Chofez Chaim) zur Erteilung des Segens an die Kenessio Gedäulo abtritt• Die blosse Nennung' des Namens des grossen Gaon ruft . minutenlangen, nicht endenwolleiiden Sturm hervor. Jchiruf e und Händeklatschen, helle aufrichtige Begeisterung beweisen die ungeheure Liebe zu diesem Manne, und mit Mühe gelingt es dem Präsidium, die Wogen dieses begeisterten Ausbruches einzudämmen. Ein kleines bescheidenes greises Männchen betritt, gestützt von einigen Delegierten, die Präsidententribüne. Und doch konzentriert sich in diesem kleinen, unscheinbaren Manne die Kraft eines unsterbliehen Volkes, die Kraft eines ungebrochenen Geistes, der seine Strahlen auf Tausende und Abertausende Glieder des ganzen Volkes ausgiesst. In der Person dieses grossen Gelehrten sieht heute das ganze treue jüdische Volk den Führer und Lenker des Volkes und das Symbol unsterblichen jüdischen Geistes. Mit zitternder stiller Stimme, die kaum den nächst. Stehenden hörbar ist, beginnt der ehrwürdige Greis zu sprechen. Mit einer Erzählung aus der Ge*׳ schichte des jüdischen Volkes beginnt er. Er entwirft 3315—5683. Jäh nach dem Erklimmen der höchsten Entwickluugsstufe durch den jüdischen Staat, begann die langsame Auflösung, daun das lawinenartige Rollen in dien Abgrund und plötzlich der Sturz. Das Reich zerfiel) mach Aussen und nach Innen. Die morsche Fäule des inneren Separatismus der einzelnen Stämme zeitigte den Zerfall. Lawinenartig rollte dies Reich dem Verfalle entgegen. Die grausen Marksteine waren: zuerst Teilung in zwei Länder, ein falscher Opfertempel auf dem Berge Garazin. Könige wechselten nach kurzer Regierungszeit, auf gewaltsame Art entfernt. Götzendienst und Feinde brachen ein. Die grossen Propheten erscheinen und verkünden, jedoch von den Volksgenossen nicht erhört, das Grauenvolle der nächsten Zukunft. Ein Elias rettet noch einmal das Volk aus grösster Not und wird zum Moschiach, der ersehnten Erlöser für ewige Zeiten. Bis Salmanassar den ersten Teil des Reiches Israel eroberte. Jesaia, Jeremia treten auf, warnen, drohen* bitten — um, unerbittlich gemacht durch hartnäckige Verstocktheit in Sünde watender Volksgenossen, dien sicheren Untergang des zweiten, eigentlichen Reiches Judas zu verkünden. Bis am 10 Ab die Horden Nebuchadnozors die Mauern der Stadt und des Tempels niederreissen und den vom Schwerte, Hunger und der Pest verschonten Teil des Volkes ins Exil nach Babylon zu schleppen. Nur auf Trümern sass Jeremia und weinte. An den Wässern Babels sassen sie und weinten und schwuren den Eid, es möge ihnen die Rechte verdorren und die Zunge vertrocknen, wenn sie jemals Jeruschalajims vergessen sollten. Doch war ihr Schicksal in jenem Golus verhältnismässig nicht arg. Reich wurden die Exulanten und mächtig im fremden Lande. Und doch genügten alle Güter der Welt nicht, um sie der Heimat vergessen zu machen. Bis sie neuen Mut schöpften und ihr Führer Serubabel, ein Enkel der Könige, die Exulanten um sich versammelte und ihrer heissen Sehnsucht nach dem Lande, auch den Willen zur befreienden Tat htatfügte. - Nehemia’ und Esra Hassöffer benützten dien Eänfluss bei'Cyrus, ' dem Besieger des babylonischen Reiches, um bei ihm die Erlaubnis zur Heimkehr zu erwirken* Maleachi, der letzte Prophet, 1sagte die Erfüllung ihres glühen- .den Wunsches voraus. Bis sie nach 70jähriger Gefamgewschaft zurückehrten in d!as Land ihrer Väter. Oede und wüst war die Heimat. Jerusalem nichts mehr als ein Trümmerliaufen. Die kümmerlichen Reste dem Bevölkerung verroht und dem Glauben entfremdet. Nun hiess es grosse Arbeit, ein Volk, das fast vom Erdboden verschwunden ist, zu neuem Leben zu erwecken. Das sichtbare geistige Zentrum, der Tempel, fehlte. Das Volk kleinmütig geworden, durch die sich ausbreitende Sekte der Samariter uneinig gemacht, von keinem Führer und Propheten geleitet, fortwährend von kriegerischen Nacihbarn beunruhigt, wollte dem Lande ganz den Rücken kehren. Das Land, selbst ein Schauplatz fortwährender Kämpfe, bot nichts für einen Aufenthalt. Es fehlte am Notwendigsten fürs Leben. ׳' Doch es gab zwei Männer, die nicht den Mut fallen Hessen. Nur zwei Männer, gegenüber einer trägen Masse, durch Unglück stumpf gewordenen, VoP kes, Und es genügte. Es genügte, weil die Mittel, die Esra und Nehemia anwendeten, die einzig richtigen verschönern Pessl, Wien, I., jede Frau Sie sind unkenntlich im Tragen, aus feinstem Naturhaar u. von hochwertiger Qualitätsarbeit

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