Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 32 (10.8.1923)
- Date
- 1923-08-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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(״JÜDISCHE KORRESP0 ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES 014 _m JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 48.000, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10׳ Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1,600. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Pölert: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53,386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz & Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 32 Wien-Bratislava, 10. August 1923 ,19 בע״ה וינדדפרעססבורג כ״ח אב תיפ״ג. Jahrg. Espinalza. Dieses Wort heisst zu deutsch Freude; in diesem Wort liegt eine von den vielen Erklärungen, welche für die im Westen gebräuchliche Sitte gefunken \v9rden sind, dass für ein Brautpaar der Sabbat vor seiner Verehelichung Sabbat Spinalza genannt und mit besonderer Fröhlichkeit und Feierlichkeit begangen wird. Man darf füglich auch für einen grossen Teil der Judenheit diesen Sabbat als einen Sabbat Espinalza ansprechen, denn es ist die Kenessio Gedaulo die Wiedervereinigung des jüdischen Menschen mit seinem Ideal. Unser Organ, welches sich selbstlos in den Dienst des Aguda-Gedankens gestellt hat, darf gewiss heilige Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass wir schwere innere Krisen bis zu diesem Tag mit des Allmächtigen Beistand überwunden haben und darf deshalb diesen Tag als eine Krönung seines journalistischen Strebens begrossen. Ein Wort der heiligen Schrift, dass wir an diesem Sabbat Espinalza vernehmen, ist ein wunderbares Geschenk und zugleich das Programm der Agudas Jisroel. ___ Wohl wussten wir und haben es erlebt in altersgrauen Zeiten sowohl, als auch in unseren Tagen, dass der einzelne Mensch mit der Kraft seines Willens sich zu jener Vollendung emporheben kann, die man allgemein als Heiligkeit bezeichnet’ und begreift. Dass aber auch ganze Menschengruppen eine, von Generationen zu Generationen sich selbst treue Gesamtheit in ihrer Gänze, heilig genannt wird und zur Heiligkeit emporstreben kann, das ist ein flammender Widerspruch gegen all die falschen Geschichtskonstruktionen, unter denen die Menschen im allgemeinen und die jüdischen Mensehen im besonderen so furchtbar viel gelitten hatten. Man hat namentlich bisher die Interessen der Gruppen immer nur in greifbar nahen Ziele gefunden, weil man sie nirgends wo anders gesucht hat. Und dies taten dieselben Denker und dieselben Philosophen, die wohl dem einzelnen Menschen das Strebeziel bis in die Ewigkeit hinein sich erstrecken Hessen; sobald es sich aber um die geschichtliche Entwicklung von Völkern und Nationen handelt, wird diese weite Zielsetzung auf den engen Raum einer mit Blut getränkten, mit Gewalttat erfüllten Erde beschränkt. Wie wehe wird es uns ums Herz, wenn wir auch in jüdischen Kreisen die Aufgabe der jüdischen Gesamtheit in so schroffem Gegensatz aufgefasst sehen zu der als Ideal begriffenen Aufgabe des jüdischen einzelnen Menschen. Wer da glaubt, dem jüdischen Volke das Wort ״am“ (= Gemeinschaft) zuweisen und auf die Ergänzung ״Kodausch״ (= heiligkeitsfähig) verzichten zu können, der hat Juda seines. Schmuckes beraubt, die Welt betrogen ״uזTC^*5^״^^ügrief7’idal§, ",‘CÖhS^dSfcti die Geschichte geht. Aber darum erfüllt uns heilige Freude, dass es noch Menschen gibt, die ihr Knie demütig der in den Worten Am Kodausch vom Allmächtigen gegebenen geschichtlichen Bestimmung beugen und die zu sich das Vertrauen haben, dass sie einander ergänzend, diese Aufgabe auch lösen können. Von diesem Gesichtspunkte aus, ist die Kenessio Gedaulo eine geschichtliche Bekenntnistat und deshalb eine geschichtliches Ereignis, unabhängig von dem Erfolg, den sie in der jetzigen und in den nächsten Generationen auslöst; eine solche Gesamtheit stirbt nicht und in dem Bewusstsein ihrer Ewigkeit ist Keim zur heiligen Freude und darum ist dieser Sabbat ein Sabbat Espinalza. P. K. אלול. &ני לדורי דרורי לי. Wenn Ich mich neuem Freunde (O-tt) widme widmet sich G־tt mir. Ellul der Monat der Abrechnung mit sich selbst, der Vorbereitung zu dem grossen Tage, da ״alle Bewohner der Welt ziehen vorbei, wie eine Schafherde" — naht heran. Die Sünden die wir gegen G-tt durch Uebertretung seiner Verbote, durch Nichterfüllung seiner Gebote begehen, die kann aufrichtige Reue auslöschen. Ist diese Reue gepaart mit der Erkenntnis, dass nicht die Furcht vpr der strafenden Allmacht unser Verhältnis zu• G-tt zu regeln hat, sondern, dass liebende Verehrung für die Allgüte das Gefühl sein soll, das uns mit dem Allwissenden verbindet, dann werden unsere Sünden zu verdienstlichen Handlungen, die uns den Weg der Wahrheit, des reinen Glaubens gezeigt haben. , - ' Anders verhält sichs mit den Sünden gegen unsere Mitmenschen. Da heisst es vor Allem ״Schaden gutmachen3103י ,״ kann des Verletzten, Benachteiligten Verzeihung erwirken. Ohne diese Vorbedingungen gibt es keine Sühne. — Aber nicht nur die landläufigen Sünden, als Uebervorteilung, illoyale Konkurrenz, Verläumdung, Verhetzung, Zwietracht säen, und wie all die schönen Dinge heissen, die nur Neid, Missgunst, Geldgier, verletzte Eitelkeit gegen unsere Uebermenschen verbrechen lassen, bedürfen der Sühne. Wenn wir uns gegen unsere Nächsten auch absolut tadellos benommen haben, es aber un\.er Rabbi Jakob Aschkenasy. Historisohe Erzählung aus den Tagen Chmielniizkis. Von J. K r e p p e 1. (Fortsetzung.) Siebentes Kapitel. Der Hochzeitstag Sarahs war herangerückt. Das grosse Ansehen Rabbi Efraims und besonders das tragische Schicksal der Braut brachten es mit sich, dass von nah und fern Hochzeitsgäste eingelangt waren. Darunter eine grosse Anzahl der bekanntesten Rabbiner, die direkt eingeladen wurden, um die bereits getroffene Entscheidung über das Schicksal Sarahs nochmals zu überprüfen. , Sarah sass im Brautzimmer, mit dem Brautkranz geschmückt, von ihren Freundinnen und den Hochzeitsgästen umgeben, und lächelte gezwungen zu den Spässen, die der ״Maschalek“, der Hochzeitslustigmacher, nur so aus dem Aermel schüttete. In Berücksichtigung der Stimmung Sarahs hat man diesmal von dem Brauch Abstand genommen, die Braut vor der Trauung mittelst einer ergreifenden Rede des Marschalek zum Weinen zu bringen, damit sie — wie es im Volksmund hiess — sich einfür allemal aus weine und nunmehr nur Freuden erleben solle• Sarah hatte in den letzten Jahren genug geweint, man konnte ihr die Tränen am Hochzeitstage erlassen. Statt dessen sollte sie in eine möglichst lustige Stimmung gebracht werden. Der Versuch gelang allerdings bloss halb. Sarah lächelte gelegentlich ein wenig, blieb aber im allgemeinen ernst und nachdenklich. Inzwischen haben Rabbi Efraim und der Vater des Bräutigams im grossen Lehrsaale die eingetroffenen Rabbiner und Gelehrten um sich versammelt und unterbreiteten ihnen vereinbarungsgemäss das Protokoll der Augenzeugen über den tragischen Tod Rabbi Jakobs, sowie den Inhalt der Diskussionen und die schliessliche Entscheidung des Rabbi Heschel und der 100 Rabbiner. Es entwickelte sich von neuem eine lebhafte Diskussion. Gar mancher der Anwesenden wollte die Gelegenheit benützen, um angesichts des grossen rabbinischen Aeropags seine Gelehrsamkeit und seinen Scharfsinn zu zeigen. Es entwickelten sich Meinungen pro und contra, die gesamte einschlägige Literatur, analoge Entscheidungen der berühmtesten Autoritäten wurden ins Treffen geführt. Schliesslich klärten sich die Meinungen so weit, dass die getroffene Entscheidüng einstimmig gufgeheissen wurde. Rabbi Efraim forderte nun die Anwesenden auf, ihn zur Begrüssung des Bräutigams zu begleiten. Da geschah etwas Ueberraschendes. Ein fremder Mann, ärmlich und vernachlässigt gekleidet, mit einem zerzausten Bart und hcrabwallenden langen Haaren, der scheinbar noch keine Zeit gefunden hatte, den Wanderstaub abzuschütteln, dessen Hereinkommcn die Anwesenden in der Hitze des Gefechtes nicht bemerkt hatten, trat rasch auf Rabbi Efraim mit den Worten zu: ״Verzeihen Sie, Rabbi, ich möchte noch eine Frage vorlegen.“ Erstaunt blickte der Rabbi um sich. Er dachte nicht daran, dass die Frage des Fremden mit dem eben behandelten Thema in irgendwelcher Beziehung steht und meinte:.״Ist es so dringend? Könnt Ihr die Sache bis nach der Trauung aufschieben?“ ״Nein!“ erwiderte der Fremde. ״Es handelt sich eben um diese Trauung!“ Das Staunen des Rabbi steigerte sich noch. Auch die anwesenden Rabbiner wurden etwas ungehalten. - Aber auf einen Wink Rabbi Efraims nahmen Sie wieder um den langen Tisch Platz, den Fremden fragend an■ blickend. ״Rabbi“, sagte dieser, ״mir scheint Ihr habt in Euerer Diskussion eine bekannte Stelle im Rarribam ::)j übersehen“. ״Ihr irrt“, erwiderte Rabbi Efraim, ״wir haben gerade diese Stelle sehr ausführlich erörtert“. ״Dann habt Ihr aber eine Lehrmeiuung des Mordchar) übersehen“, setzte der Fremde hartnäckig fort, ״die gegen Euere Entscheidung spricht“. ״Im Gegenteil“, erwiderte Rabbi Efraim schon etwas ungehalten, ״gerade der Mordchai ist eine Stütze für unsere Entscheidung“. ״So!“, rief nun der Fremde etwas energisch. ״Dann habt Ihr auf den Retno*) vergessen, der ausdrücküch der entgegengesetzten Meinung ist“. Die Fragen des Fremden waren . völlig unstichhältig. Bloss die dritte hatte etwas für sich, aber die Anwesenden hatten über die betreffende Stelle des Remo sehr eingehend diskutiert und sie keineswegs übersehen. Rabbi Efraim hatte die• ersten Einwürfe des Fremden bloss aus Höflichkeit einer Antwort gewürdigt. Die Hartnäckigkeit des Fremden musste aber seinen Unmut hervorrufen,. besonders da es für die Vornahme der Trauung schon höchste Zeit war. Er meinte daher etwas unwirsch: ״Was belästigt Ihr uns in dieser Stunde mit solchen haltlosen Fragen? Wir haben alles durchdiskutiert und kaum , etwas übersehen. Hundert Rabbiner mit Rabbi Heschel an der Spitze haben die Entscheidung getroffen und nun haben sie andere hundert Rabbiner bestätigt. Es hat keinen Sinn und keinen Zweck, die Diskussion nochmals zu eröffnen. Wenn Ihr Freunde am Pilpul habt, so stehet ich Euch morgen gerne zur Verfügung. Jetzt müssen wir die Trauung vornehmen. Das Brautpaar fastet und die Gäste warten“. *) Berühmte rabbinische Autorität. 1 PESSL’S und Perücken verschönern j ©de Frau Sie sind unkenntlich im Tragen, aus feinstem Naturhaar u, von hochwertiger Qualitätsarbeit •9 Kärntnerst*. 28