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Jüdische Presse · 1923-07-27 · 30 (27.7.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
30 (27.7.1923)
Date
1923-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 5000, Tschecho-Slowakei Kö. 70, Deutschland Mk. 15.000, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 40.000.-—. Einzelnummer d.-ö. K 1600. Zahlungen für Oesterreich: Poits: Nr. 13.458; für Polen* Postsparka י Nr. 190.405; für Ungarn! Postspar Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: 40.217: f.Rumänien: BancaMannart 8: Co, Bukarest; für die Schweiz i Po1 jarkassenamtWien, Konto isenamt Warschau, Konto fossenamt Budapest, Konto : Postsparkassenamt Prag, Postsp.-Amt Agram,Ko. N, >sch Blanc & Co für Florenz stscheckk. £.11zern VII. 1470. h!.. 30 | ' Wien -Bratislava, 27. Juli 1923 ,בע״ה ויכדדפרעססבורג י״ד אב תיפ״ג ' 9. Jahrg. An unsere Abonnenten! Wahrend des Kongresses erscheint die ״Jüdische Presse“ mit den Kongressberichten täglich. Jeder orthodoxe Jude hat das eminente Interesse, über diesen ersten Weltkongress der thoratreuen Judenheit iniormiert zu sein. Der heutigen Auflage liegen bei. Das Abonnement für die tägliche Ausgabe während des Kongresses beträgt d. ö. K 20*000. Wir ersuchen um freundliche prompte Ueber־ Sendung dieses Betrages, damit die Abonnement- V'sten rechteitig fertiggesteilt werden können. Die Administration der ״Jüdischen Presse“. Der Trost der Geschichte. In zwei Erscheinungsformen suchen die Menschen seit Beginn der geschichtlichen Zeit — und für uns beginnt die geschichtliche Zeit mit Adam — Geltung zu gewinnen. Entweder war es der einzelne Mensch, welcher die ihm innewohnenden Kräfte des Körpers und des Geistes, die Kraft derJ^ede,.oder den Zauber״ des Auges dazu verwandte, um die von ihm als bestehend erkannte Lebensaufgabe in der Bezwmgung oder in der Führung anderer zu lösen. Das war das heroische Zeitalter, in welchem wir einzelne Menschen emporsteigen sehen, einzelne Menschen yon dem Vertrauen ihrer engeren oder weiteren Umgebung getragen sehen, einzelne Menschen .in lineingeschränkter Selbstaufopferung sich hingeben sehen. Solche Menscheii gehen fast stets als tragische Gestalten durch die Geschichte; diese Tragik steigt 'dann zur fast unfassbaren Höhe, wenn solche Mensehen am Ende ihret־ Tage mit Recht oder Unre'cht•!wähnen, ihre Aufgabe wäre nicht gelöst. Die flehent- | liehe Bitte Moses, über den Jarden gehen zu dürfen, wirkt deshalb so fqrchtbar erschütternd, auch noch nach Tausenden von Jahren. Wenn aber die Menschheit solch ragende Glieder nicht mehr erzeugt, da treten die anderen Erscheinungsformen in ihre Rechte, unter deren Einfluss man glaubt, was dem einzelnen nicht' gelänge, muss wohl den vereinten Kräften aller gelingen. Und damit hebt das demokratische Zeitalter an, stets bestrebt, die Menschen, ihr können und ihr Streben möglichst zu nivellieren, so dass aus dem stolzen Wort yon der freien Bahn, die dem Tüchtigen geebnet werden soll, meistens eine freie Bahn für den Untüchtigen wird. Auch dieses demokratische Zeitalter hat eine Tragik, wenn wir sehen, wie ganze Menschengruppen, die tatsächlich durch die Vereinigung ihrer Kräfte eine gewisse Höhe erklommen haben, durch eigene oder, scheinbar fremde Schuld in die Tiefe, oder gar in das ,Nichts hinabsinken. Während aber die Empfindung für die Tragik, die sich am einzelnen Menschen .vollzieht, sich allmählich durch den Weg des Mitleides zur Bewunderung verdichtet, sterben Völker gewöhnlich rühmlos. ‘. ־ Wie gross aber muss die Lebenskraft der Kinder Israels sein, wenn sie auch im schnöden Sturz!noch WörF-und^OhrMben füFW^^rä'e^Tmstös. Die jüdische Geschichte ist niemals aus dem Stadium des heroischen Zeitalters herausgetreten, von der Akeda auf dem Berge Moria an bis zu den letzten Opfern des Hasses der Völker. Es war immer der Stolz der jüdischen Gesamtheit, grosse Männer zu erzeugen und an ihnen sich emporzuranken; es war und ist immer der Stolz dieser grossen Männer, dem Ganzen sich willig zu opfern. Die Tragik yerschwindet und die Grösse bleibt bei jüdischen Mensehen. Das ist die tiefe Kunde des' Sabbaths des .Trostes, an welchem der Prophet uns zeigt, dass es eine Kraft gibt, die den einzelnen und die Völker wie dürres Gras in das Tiefste zurückwirft, die aber anderseits Wunder wirkt, wenn sie iti grossen Mensehen und in Völkergruppen als wirksam erkannt ist. Der Trost, den der Allmächtige bietet, geht durch einzelne Menschen an das Ganze, er gipfelt im Heroismus des thoratreuen jüdischen Menschen, der tröstend Trost findet. P. K. Waisenfürsorge. Das Jüdische Hilfswerk der Agudas JLsroel veranstaltet in den auf der Südbahnlinie liegenden Sommerfrischen: Baden, Vöslauv und Sauerbrunn am 29. Juli einen Sammeltag. So ein Sammeltag nach Schabbos Nachmu -beginnt bei der Waisenfürsorge der Agudas Jisroel eine Tradition zu werden. ,Vor zwei Jahren fand die Eröffnung des ersten Waisenhauses in Baden statt, und man musste alle ,verfügbaren Kräfte konzentrieren, um die Eröffnung des Waisenhauses, das ungeiähr 50 Kinder fasst, zu ermöglichen. Ein Jahr darauf stand der Sammeltag im Dienste einer neuen Aufgabe. Diese Aufgabe bestand in der Adaptierung und Inbetriebsetzung eines zweiten Waisenhauses in Baden, das, mit der; Hilfe des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisröel in der Schweiz für Mädchen gegründet worden ist. Der dritte Sammeltag, der am 29. Juli stattfinden; soll, 'Tiat nebsTdeif’zwef Waisenhäusern in Baden ätfeh für das Knabeninternat in Wien Mittel aufztibringen. Die Anstalten, für die gesammelt wird, sind Stützpunkte eines Wohlfahrtswerkes, dessen grandiose Grösse erst dann beurteilt werden kann, wenn man sich die neueste Gründung des Jüdischen Hilfswerkes* ״Die jüdischen Werkstätten in Wien“ hinzudenkt. Man hat hier mit Wohlfahrtswerken zu tun, die aus der Not der Zeit geboren, nach einem wohl durch- •dachten, grosszügig konzipierten Plan, errichtet und ausgebaut werden. Die Waisenhäuser fnit dein' Internat in Wien sorgen für die Waisenkinder und Pogromopfer beiderlei Geschlechts, vom sechsten Lebensjahr an, um sie dann in den Werkstätten zu Rabbi Jakob Aschkenasy. Historische Erzählung aus den Tagen Clnnielnitzkis. Von J. K r e p p e 1. (Fortsetzung.) Drittes Kapitel. Der Gesundheitszustand des greisen Rabbi Efraim verschlechterte sich zusehends. Waren die traurigen Ereignisse der letzten Jahre,, das furchtbar®. Unglück, von dem seine Glaubensbrüder heimgesucht wurden, ohnehin geeignet, die Gesundheit dieses Führers in Israel zu erschüttern, so hatte die Haltung seiner einzigen Tochter, die er als eine Auflehnung gegen den Willen G-ttes, als eine Ver- Ietzung des dem Vater schuldigen Gehorsams auffasste, das ihrige dazu beigetragen, die physischen Kräfte desselben schwinden zu lassen. Noch blieb sein Geist frisch, noch sasserwie früher Tage und halbe Nächte beim Studium der Thora, noch hielt er, täglich vor seinen Schülern Vorträge und noch beantwortete er eigenhändig jede aus nah und fern einlaufende religiöse Frage.Aber es war augensichtlich, dass dies nicht mehr lange der Fall sein würde. Die unglückliche, verzweifelte ״Aguna“*) Sarah, die bisher allen Mahnungen und Forderungen ihres Vaters trotzte und in dem unerschütterlichen Glauben an die Rückkehr ihres Jakob von einer Wieder- Verheiratung nichts hören wollte, musste angesichts dieses Standes der Dinge in sich gehen und sich fragen, ob denn ihre bisherige Haltung vor G-tt *) Aguna Angebunden, eine Frau, die vom Gatten verlassen, weder einen Scheidebrief, noch eine Todesnachricht erhalten hat. und den Menschen die richtige sei. Es plagte sie weniger die Sorge, dass sie nach dem befürchteten Ableben ihres Vaters schutzlos bleiben und, G־tt behüte, der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen würde, denn Rabbi Efraim hatte keine Reichtümer angehäuft; was ihm nach Bestreitung seines Lebens- Unterhaltes zu bleiben pflegte, widmete er den Armen und Bedürftigen. So furchtbar eine solche Aussicht für Sarah sein musste, sie würde sich damit abgefunden haben. War doch ihr Glaube an die Rückkehr ihres Gatten unerschütterlich und sie sagte sich: ״Ich bin doch nicht besser als die Töchter des Kalba-Sebua, des reichsten Mannes von Jerusalem, die 24 Jahre hindurch ihres Akiba harrte, obwohl der grössten Not preisgegeben". Was sie aber erschütterte und was mehr als alle Mahnungen, Bitten und Drohungen ihres Vaters auf Ihr Gemüt wirkte, das war der furchtbare Gedanke, dass si$ vielleicht mit ihrem Starrsinn dazu beitragen könnte, den Lebensfaden desselben vor der Zeit abzureissen, dass sie die letzten Stunden ihres Vaters verbittern, dass sie seine Agonie, seinen Todeskampf, verlängern könnte. Wusste sie doch, wie schwer ihn der Gedanke bedrückte, er könnte von .dieser Welt abberufen werden, bevor er sie in Sicherheit unter den Schutz eines würdigen Gatten gebracht habe und musste annehmen, wie sehr dieser Gedanke, auch in seinen letzten Stunden, auf ihn lasten werde. In dieser seelischen Verfassung fand sich Sarah, als Rabbi Efraim sie an sein Krankenbett rief und an sie nochmals die befehlende Bitte richtete, der Pflichten einer jüdischen Tochter eingedenkt zu sein und sich G-ttes Ratschluss zu unterwerfen, bereit seinen Wunsch zu erfüllen. Sie fand wohl nicht die Kraft, laut und vernehmlich ihre Zustimmung zu einer Wiederverheiratung zu erteilen, Bloss ihre Lippen murmelten ein stilles ״Ja“, was Rabbi Efraim mit Freude erfüllte und ihn ausrufen Hess: ״Nun muss ich noch einige Zeit leben! Nun' habe ich noch eine Aufgabe zu׳ erfüllen! Ich muss dich wieder versorgt sehen, bevor ich meine Seele ihrem Schöpfer zurückstelle!״ Der schwache Greis fand in sich plötzlich die Kraft' sein Krankenlager zu verlassen und seinen Vertrauten die neue Wendung bekannt zu geben. Er setzte sich gleich mit einigen Kollegen im Lande in Verbindung, um für seine Tochter einen würdigen Gatten ausfindig zu machen. Es fanden sich gar viele Bewerber, die Schwiegersohn des Rabbi Efraim werden wollten. Sarah bemühte sich, so schwer es ihr fiel, ein freundliches Gesicht zu zeigen. Ihre Jugendfrische kam wieder zum Vorschein und der alte Rabbi dankte täglich G-tt, ihm seine Tochter wieder gegeben zu haben. Sein Eifer auf der Suche nach einem geeigneten Schwiegersohn liess ihn seine Altersschwäche vergessen und er erholte sich zusehends. : Binnen weniger Wochen wurde die Verlobung Sarahs mit dem Sohn des Rabbiners von Lemberg, dem Spross einer bekannten Rabbinerfamilie, in aller Stille, entsprechend den noch immer ernsten Zeiten und dem Gemütszustand Sarahs, gefeiert. Der Bräu* tigam stand ihrem ersten Gatten weder an Gelehr* samkeit, noch an anderen Tugenden nach und Rabbi Efraim konnte seiner Tochter gegenüber darauf hinweisen, dass ihr G-tt für den schweren Verlust verschönern jede IEPra־u. Sie sind unkenntlich im Tragen, aus feinstem Naturhaar u. von hochwerüger Qualitätsarbeit / \ V: 1 < .׳

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