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Jüdische Presse · 1923-07-20 · 29 (20.7.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
29 (20.7.1923)
Date
1923-07-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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rfr. 29 JÜDISCHE PRESSE Ober die wirtschaftliche Wertlosigkeit, wenn nicht gar Schädlichkeit des alten Jischuw anstecken und täuschen zu lassen. Seid überzeugt, dass von morgen an, diese treuen Menschen des alten Jischuw ohne jedes Bedenken als Kulturschädlinge denunziert werden. Front und Programm sind klar, die Pioniere sind bereit, und das Kulturheim werden ,wir erobern, n. s. Die neuen Grenzen. Der zukünftige Historiker des jüdischen Volkes Wird den Weltkrieg als Abschluss einer ,vergangenen Epoche und die Nachkriegszeit als Wendepunkt in der jüdischen Geschichte betrachten müssen. Dem allgemeinen Zuge der Zeit folgend, wird auch das jüdische Leben in Europa in seinen Grundfesten erschüttert, neue Lebensformen geschaffen, doch vorerst herrscht als Folge dieser Umwälzungen Verwirrung und Unklarheit in der jüdischen Oeffentlichkeit. Die alten Grenzen wurden aufgehoben und neue Grenzen konnten bis nun nicht aufgestellt werden. Doch auch in Amerika, das nicht unter dem unmittelbaren Einfluss des Krieges zu leiden hatte, lassen sich Anzeichen dieser Grenzverschiebung und Verwirrung konstatieren. Auch dort beginnt man sich mit der Frage zu beschäftigen, wie diesem chaotischen Zustande ein Ende bereitet werden kann. Die Meinungen sind besonders dadurch interessant, dass sie nicht vom sogenannten Zeitgeiste infiziert sind. Wir wollen im nachstehenden den Inhalt dieser vorherrschenden Meinungen im wesentlichen widergeben: Nicht zum ersten Male in der modernen jiidisehen Geschichte befindet sich das jüdische Leben und Denken in einem Prozesse der Auflösung und der Desorganisation. Als S. R. Hirsch vor sechzig Jahren nach Frankfurt am Main kam, fand er das ganze süddeutsche Judentum in vollkommener Auflösung. Das religiöse Leben war in Frankfurt, das ehemals ein produktives jüdisches Zentrum gewesen ist, ganz ausgestorben. Aehnliche Zustände herrschten in Mittel- und Westeuropa. Die erste Tat S. R. Hirschs war es nun, Grenzen für das praktische alltägliche jüdische Leben zu schaffen, und er stellte zwei Hauptsäulen auf, auf denen er dann seine ganze programatische, aufbauende Tätigkeit stützen konnte. Es war dies Schmiras Schabbos und die Milah. Die Sabbathentweihung und die Unterlassung der Beschneidung war und ist gleichbedeutend mit dem Verlassen des jüdischen Glaubens und der jüdischen Nation. Die Folgen dieser rigorosen Grenzbestimmüng waren die allerbesten. Frankfurt am Main wurde dasselbe, was es seinerzeit gewesen ist. Ein produk- 6*‘*ל w. tives jüdisches Zentrum. Es war der grosse Verdienst Samson Rafael Hirsch, dass er durch diese neu geschaffenen Grenzen ein neues jüdisches Leben in Mitteleuropa erweckte, und das mitteleuropälsCljs Judentum .von dem absoluten Untergange gerettet hat. Sollen nun neue Grenzen für das Jüdische Leben in Amerika aufgestellt werden, so müsse« ,wir tfös auf das Beispiel S. R. Hirsch stützen. Denn es ist Lüge, dass die alten Grenzen unbrauchbar geworden sind. Eine ebensolche Lüge, wie die Behauptung, dass die Fundamente des heutigen jüdischen Lebens richtig und für die Zukunft tragkräftig sind. Weder konventionelle Lügen noch moderne Ideeßn können in £11kunft das jüdische Leben in Amerika am Leben erhalten. Die neuen Grenzen, die zi! schaffen sind, sind nur aus dem Jahrtausende altem bewährtem und erprobtem Schatze des jüdischen Glaubens und der jüdischen Religionsgesetze zu holen. Oder gibt es Juden, die annehmen können, das Judentum in einem chaotischen Zustande leben und gedeihen kann. Wer an dem jüdischen Glauben nicht die Hauptstütze seiner ganzen geistigen und körperlichen Existenz besitzt, kann nicht den Nansen Jude für sich in Anspruch nehmen. Er ist dann ein Zwitter, an dem weder sein Volk noch die Menschheit irgend etwas Positives besitzen. 16. August s: 1923. :: ד אלול x תדפ״ג. x Erinnerungen an Kattowitz, österreichischen Thronfolgers in Sarajewo ein. Nur die wenigsten konnten sich im ersten Moment über die Tragweite dieses Ereignisses klare Rechenschaft abgeben. Aber instinktiv fühlte man, dass sich' grosse Dinge vorbereiten. Die Konferenz wurde zu Ende geführt, aber 4 Wochen später war es klar, dass von einer Abhaltung der Kenessio keine Rede mehr sein kann. Es spricht für die Werbekraft des Agudagedankens, dass der einmal ausgestreute Samen nicht mehr verloren ging. Zusammen mit dem Gros der orthodoxen Juden Galiziens, die nach Wien ״evakuiert“ wurden, übersiedelte auch die galizische Aguda hier- 11er, die unter der tatkräftigen Leitung ihres Präsideuten, Herrn J. J. Thumim, und publizistisch gefördert durch den Schreiber dieser Zeilen, hier im Westen festen Fuss gefasst hat. Nachdem die Wiener Orthodoxie die Sache in ihre Hand genommen hatte, konnte die Organisation derartige Fortschritte aufweisen, dass Wien heute der Sitz der Zentrale der ״Agudas!Jisroel“״una die Stadt ist, in der die erste ״Kenessio“ stattfinden wird. Die Anhänger der Aguda haben den Beschluss der Kattowitzer Konferenz, mit aller Kraft für den Ausbau der Organisation zu arbeiten, getreu erfüllt. Die ״Kenessio Gedaulo“ wird das in Kattov/itz begonnene Werk krönen. Die hälfnis des und das Verzu Erez Jisroel. Von J. K r e p p e 1. IV. Nach dem Referat Rosenheim entwickelte sich' eine überaus lebhafte Diskussion, an der sich beteiligten: Rabbiner Schnur-Tarnow, Dr. Schächter- Budapest, Rabbiner Lipschütz-Kalisch, Rabbiner Deiches-Leeds, Rabbiner Rottenberg-Wadowice, Rabbiner Fürst-Wien, Rabbiner Dr. Freimann-Holleschau, Rabbiner Hilrnann-Glasgow, die Rabbiner TabbinoAvitz- Poltawa, Dr. Katz-Zabrze, Dr. Reich-Marburg, sowie die Herren Rektor Hoffmann-Berlin, M. Schmelkes und Aron Markus-Krakau, Dr. Frank und Dr. Meller- Altona, Direktor Gabel-Grosswardein, Dr. Auerbach- Hamburg, Winogrodski-Dwinsk, Dr. Sergey-Rlga, etc. etc. Sämtliche Redner begriissten mit grosser Begeisterung die Gründung der Agudas Jisroel und beleuchteten die Aufgaben derselben. Schliesslich wurde die nachstehende Resolution unter lebhafter Zustimmung einstimmig angenommen: ״Die heute in Kattowitz versammelten Vertreter der thoratreuen Juden aus allen Ländern erklären nach Anhörung der unterbreiteten Referate die ״Agudas Jisroel“ als gegründet und verpflichten sich, für den Ausbau der Organisation mit aller Kraft zu arbeiten. Die ״Agudas Jisroel“ dient der Förderung aller jüdischen Interessen auf religiöser Grundlage, unter Ausschluss jeder politischen Tendenz.“ Die Resolution lag in hebräischer und deutscher Sprache vor. Es verdient vermerkt zu Averden, dass der hebräische Text als der wichtigere behandelt wurde. Nachdem noch ein Arbeitsbeirat nach Ländern gewählt wurde, erklärte der Vorsitzende die Konferenz für geschlossen. Der Arbeitsbeirat hat sofort eine konstituierende Sitzung abgehalten. . Tags darauf begaben sich die Teilnehmer an der Konferenz nach Krakau, wo die erste öffentliche Ver- Sammlung der Aguda abgehalten wurde. Obwohl für diese keine Propaganda gemacht wurde, eilte die gesamte Krakauer Orthodoxie in den Versammhingssaal, der derart überfüllt war, dass im Hofe eine zweite Versammlung veranstaltet werden musste. Als erster Redner sprach Rabbiner Dr. Klein- Nürnberg, ferner die Herren Rosenheim, J. J. Thumim-Przemysl, der in scharfsinniger Weise die Notwendigkeit der Aguda aus Talmud und Midrasch nachwies, Schmelkes, Qr. Meller, Rabbiner Rabinowitz-Poltawa, Freiwald, Dr. Munk, Dr. Peiper, Rabbiner M. Horowitz etc. Es wurde an Ort und Stelle die erste Ortsgruppe der Agudas Jisroel gegründet. Die Kattowitzer Konferenz hat unter der ,Orthodoxje aller Länder eine derartige Begeisterung ausgelöst, dass der Gedanke überall Anhänger finden konnte. Im Laufe der nächsten Monate entstanden fast in allen Ländern Landesorganisationen, die eine rege Tätigkeit entfalteten. Die Organisationsarbeit machte derartige Fortschritte, dass die Abhaltung der ersten ״Kenessio Gedaulo“ für Eiul 5674 festgesetzt würde. Es sollte leider anders kommen. Am 28. Juni 1914 fand in Lemberg eine Landeskonferenz "der galizischen Organisation statt, die sich mit den Vorbereitungen zur Kenessio befasste. Während der Beratung gen langte die Nachricht von der Ermordung des En gros und Erzeugung I., Bauernmarkt 24 (Ecke Flelschmarkt) Tel. 67302־ Detailvepkaufs- Niederlage: l.y Graben 28 Filiale: Karlsbad» Alte Wiese. ' Pelzaufbewahrung gegen Vereioheruog Uber die Seiqmermonate Von Lewy Jzchok Kahane. Rabbi Simon Sohn Jochais sagte: Drei Gaben veriieh der Heilige, er sei gepriesen dem Volke Israel, deren alle er aber nur durch Leiiden teilhaftig werden lässt. Es sind dies: ״Thora, Erez Israel und künftiges Leben.“ Diese dreifach geschlungene Einheit erwies sich im Laufe unseres geschichtlichen Daseins als unzertrennbar und unverrückbar. Vom ersten Augenblicke unseres geschichtlichen Werdens, von jenem Momente angefangen, als wir ,von der Gottheit dazu auserkoren wurden, ein ״heiliges und auserwähltes Volk“ zu sein, leiden wir um dieser Dreiheit ,willen: Thora, Erez Jisnael und künftiges Leben. In freudiger Ergebenheit erdulden ■wir diese Leiden, dessen eingedenk, •i!ss ohne diese Leidensopier das uns ,voranleuchtende erhabene Endziel nicht zu erreichen ist. Es ist der Ewigkeitsborn, dem wir entquollen und dem wir durch die verwirrende Mannigfaltigkeit und den Wechsel der Erscheinungen Zuströmen. Ein hartnäckiges Volk ״עם קשה עורף״ sind wir und das ist es was uns unverwüstlich macht, uns unsere Thora und unser Land ungebrochen aufrecht erhält. Ja wenn nicht aufrecht doch zumindest ungebrochen erhält. Mit aller Macht und Grösse unserer Seele halten wir fest an dem was uns an Ewigkeit verkündet wurde über unsere Thora und un$er Land. Als wir durch rohe Gewalt aus unserem Lände gerissen wurden und noch unter den eisernen Fesseln uns wanden, da schwuren wir, die Greri.ze unseres Landes kaum überschritten: ״אם אשכחף ירשלים תשכח ימעף vergesse ich Dein Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen. Und wie unserer Thora so sind wir dem Gelöbnise hingebungsvoll verbunden: אם לא אעלה אח ירשלים על ראש שמחת dass ich lasse Jerusalem meine höchste Freude sein“. Niemals trennt sich unsere Seele von unserem heiligen Lande, weder in unseren Gebeten, noch in unseren Festen, noch bei unseren Speisen. 0, Jerusalem, meine Herzenswonne! Bei der zweiten Rückkehr aus dem Exil war die Deklaration unseres Führers Esra ״מי בכם מכל עמ1 יהיה 11׳ עמן אעל לירשלים אשר ביתרה 1יבן את בית ד א׳ ישראל" Jeder unter Euch im ganzen Volke, mit dem Gott ist, gehe hinauf nach Jerusalem in Jehuda und baue das Haus des Ewigen des Gottes Israels. Und mit einem tiefen Seufzer wehklagte er: ״ובעונותני נתנו אנחנו מלכינו כהנינו ביד מלכי הארצית בחרב בשבי ובבושת פנים כהיום הזה" so kennen wir den Aufbau des Landes und so verstehen wir Volkserneuerung, jüdische Renaissance לא ככל הגוים בית ישראל Nicht allen Völkern gleich ist Israel. Bei uns gibt es keinen Numationalismus. Ein ״Nationales Heim“ kennen wir nur im Sinne der von unserem Propheten uns geoffenbarten Zukunftsbestimmung: Kommt, lasst לפו ונעלה אל הרה בית א׳ יעקב ויורנו מררכיו כי ״ מציון תצא תורה ורבר ד׳ מירשליםns auf den Berg des Ewigen gehen, zum Hause des G-ttes Jakobs, dass er un9 lehre seine Wege. Das Land selbst als solches erscheint geheiligte!׳ als irgend ein anderes: ״עמא קדישא לארע קדישא סלןך״ Schon die Institution des Schmitta-Jahres, das ja im Sinne der münd«׳ liehen Ueberlleferung der Huldigung G-ttes als des eigent*׳ liehen Herrn des Landes ״כי לי כל הארץ״ geweiht war, wie auch das eigenartige Gesetz des Häuseraussatzes muss als solches Symbol der besonderen, ich möchte sageA physikalisch verankerten Heiligkeit und göttlichen Auserwäliltheit unseres Landes, angesprochen werden. Unstet und flüchtig, gehetzt und geplagt wandern wir in der Verbannung umher, die Thora an die Brust gepresst und unser Land im Herzen. Mit der Zähigkeit unserer unversiegbaren Kraft verteidigen wir dieses unser heiligstes Erbgut. Keine Macht in der Welt ist imstande dieses Ewigkeitsvolk auf die Dauer niederzuringen. Wohl ist uns unser glorreiches Land entrissen, unsere Ewigkeit aber trotzt den zeitlichen Gewalten. ״על חומתיך ירשליס הפקדתי שומרי□״ O Jerusalem auf Deine Mauern habe ich Wächter bestellt. Ja, diese Wächter des Landes, sie bewachen nG*ttes Weiberg“, sie ringen schwer für das Volk und sein Heiligtumj die Thora. Jedoch zu unserem tiefsten Schmerze, fast einsam stehen sie an der äusseren Front. •Die im Hinterlande sind, haben bisnun leider ihre Aufgabe nicht erfüllt und scheinen sich leider ihrer grossen Pflichten, den kriegführenden Brüdern an der Front gegenüber nicht bewusst zu sein. Fürwahr! Der Jammer der Galuth scheint doch bei einem Telle des Volkes die heilige Geltung unseres Landes und die inbrüstige Liebe zu demselben in demselben Masse ein wenig getrübt zu haben, als er andererseits die Heiligkeit unserer Thora wankend zu }tiachp.ijr droht, wiewohl in beiden Fällen verschiedeirartfgc psychologische Motive zugrundeliegen. Andererseits aber dürfen wir mit Befriedigung feststellen, dass, namentlich in den letzten Jahren, ein starker seelischer Drang grosse Sehnsucht und Enthusiasmus für das Land unserer Väter im Volke entfacht hat. Wir haben kein Jota preigegeben von unserem Dreibund j ״Thora, Erez Israel und künftiges Leben“. Wenn man nun fremde geistige Strömungen i^ uns hineinbringen will, in die Mauern unseres uralten, geschichtlich traditionellen Gottesbaues bedrohliche Breschen zu schlagen sich anschickt, die unvermeidlich zu den traurigsten Folgen füliren müssen, so dürfen wir nicht saumselig sein. Mit vereinter Kraft holen wir aus und stehen auf der Hut, auf dass wir die Traditionsmauer Schiff5 Felzwarenhans

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