Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 27 (6.7.1923)
- Date
- 1923-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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f. b. b. (״JÜDISCHE KORRE8POMDEMZ“) Oft!»AM fOR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEM JUDENTUMS. ייווויו Redaktion tmd Administration* Wien, II.׳ Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 6000, Tschecho-Slowakei K<5. 70, Deutschland Mk. 16.000, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 40.000.—־. Einzelnummer d.-ö. K 1600. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 13.458: für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nt. 190.409; Kr Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz &Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 27 * Wien-Bratislava, 6. Juli 1923 .נדה רנודפרעספבורג פ*ב תמה תרפ״ג 9. Jahpg. Jirmias Sendung. Das Unheil, welches in cten ernsten Gedenktagen des 17. Tarnus und des 9. Aw alljährlich so wuchtig zu unserer Erinnerung spricht, wird in der heiligen Schrift selbst auf die Fehler der Führer zurückgeführt. Man geht wohl auch nicht irre, wenn man manches Unheil unserer Tage aus derartigen Quellen ableitet. Da ist es bedeutsam, sich klar zu machen, welche Eigenschaft der Allmächtige selbst ,von den Führern verlangt, mit welcher Fähigkeit er die begabt, die er selbst sichtlich zu Führern kürt. Sie werden im Prophetenwort verglichen zu einer Festung, zu einer eisernen Säule und zu ehernen Mauern, die sich über die ganze Erde erstrecken. In die Sprache unserer Tage übersetzt, ergeben sich’ daraus die drei Voraussetzunen, in welchen sich tatsächlich alles erschöpft, was eine menschliche Oemeinschaft als Vorbild beanspruchen kann. Da ist zunächst die geschlossene Persönlichkeit. Ueber dieses Wort ist viel gesagt und gesprochen worden. Nehmen wir einmal an, dass ein moderner Schriftsteller hn Recht ist, wenn er den Begriff dahin erklärt, dass ״Persönlichkeit“ derjenige ist, der alles — wir zitieren wörtlich — aus einem Punkt und auf einen Punkt bezieht. Es ergibt sich dann für den jüdischen Führer die Mare Forderung, dass dieser Punkt unsere heilige Lehre ist, und zwar in einem solchen Umfange, dass sie Allemherrscherin is׳t Genau so wie es bei dem alten Sanhedrih war, dass dessen Glieder zwar das ganze Wissen ihrer Zeit beherrschten, aber' trotzdem in ihrer geschlossenen Persönlichkeit dadurch nicht berührt wurden, . dass sie vielmehr alle Dinge der Gesamtheit, die ihrer Führung anvertraut war, lediglich ,von dem Stand- Punkt der absoluten Harmonie mit dem Willen des Allmächtigen betrachteten; dasselbe verlangen wir .von unseren Führern, die Geschlossenheit der jüdisehen Weltanschauung und, dadurch bedingt, die Meisterschaft über alle Fragen der Zeit, einer Feste gleich, in die nichts Fremdes sieghaft eindringen kann. Geschlossene Persönlichkeit erzeugt den Cbarakter, der fest bleibt in allen Stürmen gleich einer eisernen Säule. Wer nennt, wer zählt die vergifteten Waffen, die Heute in der Zeit der Umwertung aller Begriffe des Anstandes und der Ehre, gegen den festen Charakter geschleudert worden? Dem gegenüber gibt es nur das eine Vorbild des Akabja ben Mahalaief: Besser, ich heisse ein Narr mein Leben lang, als dass ich heisse ein Untreuer, vor meinem «Schöpfer auch nur eine Stunde. Sind aber diese Voraussetzungen erfüllt, dann ist der jüdische Führer ein Wegweiser zum Glück für die ganze Welt Dann erstrecken sich sein Wille und sein Wort sein Segen und seine Verheissungen gleich einer ehernen schützenden Mauer über die ganze Welt; das ist sein Beruf und seines Berufes Blüte. Mag die Welt es auch heute noch nicht erkennen, so werden doch spätere Zeiten alle die jücüschen Führer verdammen, die engherzig oder gar aus selbstischen Interessen es nickt verstanden 11aben, jüdische Dinge so zu leiten, dass daraus Segen spriesst für die ganze arme, leidende Menschheit. P. K. Um Alles. Unsere Zeit ist dem grossen Worte abhold. Das Gemüt der heutigen Menschheit, erschüttert und erschreckt durch Furchtbares und Unberechenbares, ist misstraurisch ■ geworden gegenüber dem Worte im allgemeinen und dem grossen Worte■, im! Zeit die Zeit der, flammenden Manifeste und Aufrufe ״Au Alle“ ist, ist der direkte und indirekte Einfluss des geschriebenen sowie gesprochenen Wortes auf ein Minimum gesunken. : Dass, dem so ist, liegt an den Wortführern und an den Hörern. Die Ersten besitzen meistens nicht jene innere Resonanz, die notwendig, ist, um ihr Wort stark und eindringlich erklingen zu lassen. Man spürt eine Leere hinter dem Worte, die jeden Schall verschlingt. Und mit dem schreiendem, sich überstürzendem und überschlagendem, hochtrabendem Tone, klingt der Misston überreizter und krankhafter Prinzipienreiterei mit. Der feste, innere Glaube an das eigene Wort fehlt.zumeist. Doch nicht nur der Sprecher, auch der Hörer ist mitschuldig an dem Verfalle des Wortes. Nur bis an die äussere Pforte seiner Seele, das Ohr, lässt er das gehörte Wort ein, sein Inneres bleibt verschlossen und keinem Einflüsse zugänglich. Er horcht nur und hört nicht. Im Eigendünkel hesseren und einzigen Wissens, verkümmert die Seele und bleibt vor der Reife halbwegs subjektiver Einsicht ausgeschlossen. Die Wenigen, hinter deren Worte ein fester, inbrünstiger Glaube unerschütterlich steht, haben eine unmögliche und schier unerfüllbare Arbeit vor sich. Und doch dürfen sie weder verzagen, noch innehalten, im Rufe nach Einsicht und werkmässiger Tat, denn die Not ist bis zum Aettssersten gestiegen, und , der Kampf ist ein Kampf nms' Letzte geworden. Aus dem Zusammenbruche der Lebenswerte und Lebensformen, aus dem Sturze der Ideologien und Prinzipien der verflossenen Iahre, ist das jüdisehe Volk ärmer hervorgegangen, als je ein anderes. Am blossen, nackten Leben• in unzähliger Form bedroht, hin und her gerissen zwischen Faktoren, die sich seiner bemächtigen wollen, steht das jüdische Volk am Scheidewege. Am Ende des einen ist Vernichtung, am Ziele des anderen Leben. Und dbzwar die Entscheidung scheinbar leicht und klar ist, machte sie doch einem Zögern und Zweifeln Platz tmd dies ist ein schrecklicher Beweis der grossen Tragik des jüdischen Volkes. Dre äussere Kraft des, jüdisch,en^pl^!|s4%?4־ ־'seit seine . innere Konstitution, desto einflussreicher waren die Institutionen, von denen die erhaltenden Kräfte hervorgingen. Der Glaube, die Familie und der Gemeinschaftssinn. Alles vermochten die äusseren feindlichen Mächte bewirken, an diesen Fundamenten inneren jüdischen Lebens zerschellten die zerstörerischen Kräfte. Doch was den grössten Anstrengungen gegen die Gesamtheit des jüdischen Volkes nicht gelang, gelingt einer zersetzenden, jeden einzelnen Juden erfassenden Krankheit — . Zeitgeist genannt. Die Miasmen dieses Giftes, das durch alle Poren des Körpers und der Seele in den jüdischen Menschen einsickert, haben bereits Ernte gehalten und fürchterlichen Erfolg gezeitigt. Nicht einzelne, hunderte Fälle, nicht ein gewisser Zeitpunkt, sondern Tag um Tag, bringen schauerliche Beweise. Gelehrte Jüdinnen. (Schluiis.) Sie hat oft und mit guten Gründen Erklärungen des Mathnoth Kehuna zu berichtigen gewusst. Auch schrieb sie ein vortreffliches Hebräisch. Mit 30 Jahren war sie Witwe geworden und es fanden sich viele Bewerber um die Hand der ausgezeichneten Frau. Aber sie lehnte alle Anträge ab und suchte die Freude und Befriedigung ihres Lebens in der Erziehung ihres Sohnes und im Studium des hebräischen Schrifttums. Auch der berühmte Prager Oberrabbiner Jesaia Hurwitz hielt, als er Witwer geworden und im Begriffe stand nach Jerusalem zu. ziehen, um ihre Hand an, aber sie konnte sich nicht entschliessen, die Gattin eines zweiten Mannes zu werden. Inzwischen war ihr «einziger Sohn Samson Bacharach reif für die Rabbinervflärde geworden und erhielt eine Berufung auf den Rabbkiatssitz in Göding. Als er im Jahre 1650 zum Rabbiner in Worms gewählt wurde, ging die Mutter nicht mit ihm dahin, sondern folgte einem alten Herzenswünsche, der sie nach Jerusalem zog. Aber es war der frommen Frau nicht beschieden, auch den Boden Palästinas zu betreten, sie erreichte ihr Ziel nicht, sondern starb auf der Reise im Jahre 1652 in Sophia. Eine zweite Prager Jüdin, Bella F a 1 k- Cohen, war gleichfalls Talmudkennerin, deren der Prager Oberrabbiner Ezechiel Landau mit grosser Achtung gedachte. Auch sie zog es, als sie Witwe geworden, nach Jerusalem, aber glücklicher als Eva Bacharach, erreichte sie ihr Ziel. Sprinza Kempner, die Tochter des Rabbiners Mordechai Kempner in Mähren, kannte die Bibel und die Mischna auswendig, desgleichen auch die Agada des babylonischen Talmuds. Sehr populär wurde der Name der Gelehrten Krendl. Ihre Gelehrsamkeit ist überraschend, besonders wenn man die wecliselvollen Ereignisse und Kümmernisse vor Augen hält, welche diese berühmte Frau mitmachen musste. Sie hat dreimal geheiratet. Zuerst war sie in Wien mit Hirsch!, dem Sohne des Max Schlesinger (Mordehai B. Wolf MarguHes, Jafa) verheiratet. Zum zweiten Male war sie mit Jechiel Mtckl, dem Sohne des berühmten Simon Michls in 1 Fürth, verheiratet. Nach dem Tode Jechiel Michels heiratete sie den Fürther Rabbiner Josef Steinhardt, den Verfasser von Sichron Josef und anderer Schriften. Der sachverständige Gatte setzte seiner gelehr־ ten Gattin, die nun allgemein die Rebbezin Kren dl genant wurde, ein Denkmal, in. dem er in ihrem .Namen einige; Erklärungen mitteilt. Rebbezen Krendl war die Tochter des scharfsinnigen und im Schrifttums besonders bewanderten Rabbiner Lebusch Berlin, der nach seinem noch bekannteren Vater Mordchai, welch letzterer nach seinem Berufe den Namen Moehiach, der Strafprediger, führte, auch Lebusch Mochiach, genannt wurde. Lebusch Mochiach war Mitglied des Eisenstädter Rabbinatskollegiums und Vater des berühmten Gelehrten Jessaia Pick-Berlin, der im Vorworte seines Jesch Seder 1‘Mischna der Schwester Krendl, die durch ihre den Durchschnitt überragende Gelehrsamkeit weit bekannt war, ehrenvoll erwähnt. Sie entstammte somit einer alten, angesehenen Rabbinerfamilie. Manche geistreiche Erklärung eines Bibelwortes wird ihr nachgesagt. In sehr treffender Weise löste sie die Frage, wieso Midrasch behaupten konnte, dem Josef seien zehn Jahre seines Lebens genommen worden, weil er es z e h 11 m a 1 angehört, dass von seinem Jakob als ״dein Knecht Jakob“■ gesprochen, wurde, ohne dass er es abgewehrt hätte. In der Bibel sei doch diese Wendung nur fünfmal zu lesen. Die gelehrte Frau wies auf die Stelle in der Bibel hin, in der es heisst: ״Und der Dolmetsch stand zwischen ihnen“. Somit wurde die Aeusserung von dem ״Knechte Jakob“ durch die Uebersetzung des Dolmetsches doch zehnmal vor Joseph ausgesprochen. Im Jahre 1776 wurde die ״Rebbezin Krendel“ Witwe. Wann sie starb? Dieses Datum war nicht mehr zu eriiieren. ‘*ו*1וי^דוי**ור!ד,וד1ד!דו1*ור ‘*!חי*‘ n lind Perücken verschönern jede Frau Sie sind unkenntlich im Tragen, aus feinstem Naturhaar u. von hochwertiger Qualitätsarbeit y, Wie», I., Kämiaeffstf. 28 'h | fr K'■ wir׳; <ן! -\\