Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 25 (22.6.1923)
- Date
- 1923-06-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 158 Nr. 25 jöößcim HORsse jk. Jüdische Frauenvereine. Zar Aufklärung. Ganz richtig hat die iöbl. Redaktion bemerkt, dass ich mit meinem Briefe keinen persönlichen Angriff machen wollte. Meine Auseinandersetzung galt ausschliesslich der Sache. Sie war aussahlieslich für die Allgemeinheit bestimmt. Und eben weil sie für die ganze orthodoxe ()Öffentlichkeit bestimmt war, hat die Redaktion die Spalten des Blattes zur Verfügung gestellt. Wenn wir ln den orhodoxen Gemeinden und in den dort bestehenden Frauenvereinen Umschau halten, machen wir die Erfahrung, dass diese sich zumeist mit Ausübung von Wohltätigkeit begnügen. Ich war selbst Zeuge, als eine streng orthodoxe jüdisohe Frau die Bemerkung machte, ihr Sohn, der eine Ehrenstelle in der alten orthodoxen Gemeinde einnahm, sich schämen würde, im Tempel mit Eszrog und Lulov umherzugehen. Jüdische Mütter in orthodoxen Gemeinden schämten sich, dass sie in einen Moment der Schwäche (!) dem Sohne den noch etwas jüdisch klingenden Namen ״David“ gegeben, hiessen ihn ״Eduard" und spielten den Verletzten, wenn jemand im jüdischen Kreise den Mann ״David" hiess. Orthodoxe jüdische Mütter legten grosses Gewicht darauf, dass ihre Töchter die neuesten Gesellschaftsformen sich aneignen, damit man •an ihnen nicht erkenne, dass sie Jüdinnen seien. Ist es nicht beschämend für uns, dass in orthodoxen jüdischen Häusern das Kind ״Pista“ genannt wird, wahrscheinlich — weil dieser Name am wenigsten jüdisch klingt? Wenn man etwas verächtlich machen will, erklärt man, dass dies sehr ״jüdisch“ ist. Wenn die orthodoxen Mütter einer solchen Auffassung sind, was Wunder, wenn die Töchter nicht den Wunsch haben, einen “כן תולה zu ■heiraten. Weshalb wundern wir uns dann, dass die Töchter sich schämen, wenn der Bruder ״Rafael" und nicht ״Richard“ heisst, wenn der Bruder sich חול חמועד den Bart nicht abnehmen will? Ich ehre und schätze unsere Frauen. Eben weil ich das grösste Vertrauen zu dem echtjüdischen Sinn der jüdisch-orthodoxen Frauen habe, erwarte ich die Stärkung der Religiosität, die Befestigung der Orthodoxie, die E i n w u r z e 1 u n g des A g u d a s Jisroels-Gedankens in allen jüdischen Kreisen, die Erziehung der Kinder für!תלמוד ת 1 ר ל und ן ש י ב ךן gerade von den Frauen. Diese Auffassung ist bei mir nicht neu. Auf dem Delegiertentage der slow. Aguda in Trenasen-Teplitz habe ich auch dafür plaidiert, dass man sich mit der Erziehung der Töchter intensiver befasse. Denn so wie wir Opfer bringen, die Söhne zu תו ל ח und zu strengjüdischen Männern zu erziehen, so müssen wir mit allen Mitteln dafür sorgen, dass ihnen g 1 e i c h g e - sinnte Frauen zur Seite stehen sollen. Ganz richtig ist die Bemerkung, dass der Allmächtige, da er haben wollte, dass die heilige ת ל ל ח im jüdischen Volke ewigen Bestand haben sollte, sich zuerst mit den jüdischen Frauen ins Einvernehmen gesetzt habe. pic schönsten Geschenke kaufen Sie in der Kunstu. Antiquitätenhandlung Adele Mirscliler, Wien, I., Fleischmarkt 18 Erfreulicherweise gibt es in allen Gemeinden Frauen, welche von dem Eindruck des sogenannten ״Zeitgeistes" verschont geblieben sind und ein streng thoratreues Leben führen und auch ihre Kinder in diesem Sinne erziehen. Nachdem aber nicht alle orthodoxen Frauen so überzeugungstreu sind, so sind die Kinder verschiedenen Eindrücken und Einflüssen ausgesetzt. Oft genug wollen dann umgekehrt Kinder die Eltern beeinflussen und auf neue Bahnen leiten. Da können die Frauenvereine Grosses, Wertvolles leisten. Die Vereinigung bedeutet ״Kraft“. Wenn sich die Frauen vereinigen, dass s i e s e 1 b s t — ohne Rücksicht auf die Mode oder auf die herrschende Auffassung — nur in strengjüdischer Weise sich kleiden, ihr Haus und ihre Kinder auch in gutjüdischem Sinne führen und erziehen, Ag n n würden sie auch Erfolg haben, denn sie hätten eine stärke Waffe, äussere Einflüsse siegreich zu bekämpfen. Haben zunächst die gleichgesinnten Frauen ihr jüdisches Vorhaben durchgesetzt, dann werden auch die anderen Frauen sich bestreben, ihnen nachzuahmen und sich ihnen anzuschliessen. Und dies muss als die wertvollste Wirkung eines orthodoxen Fr auenver eines gelten. Wenn sich Frauen• zusämmenschliessen und ihnen das Ziel vorschwebt: die Erfüllung von jüdischen Frauenpflichten, welche bis jetzt von wenigen geübt und häufig gänzlich vernachlässigt wurden, das erfüllt mich mit besonderer Genugtuung, denn das ist dann Verwirklichung meines Programmes. Und wenn der Hauptzweck eines solchen Vereines die Erfüllung der rituellen Vorschriften bei weiblichen Toten ist, dann ist eine solche Vereinigung doch nur lobens- und nachahmungswert. Vor einigen Jahren haben wir hier bei der Jugend das tägliche!תורל“ Lernen (Schiurim) eingeführt. Mir wurde die Aufgabe zuteil, wöchentlich dreimal Vorträge zu halten. Bei diesen Vorträgen habe ich einigemale betont: ״In erster Reihe halte ich diese Vorträge und Ermahnungen für mich, dann für meine Familie, für meine Kinder und zuletzt für meine anderen Zuhörer.“ Herrnan Lövy. Anmerkung: Wir haben sowohl die beiden Artikel Herrn Lövys als auch den offenen Brief von Frau Fleischmann der Oeffentlichkeiit übergeben, weil w;ir sie für geeignet hielten, viele unserer Leserinnen zum Nachdenken über brennende Probleme unserer jüdischen Gegenwart zu bewegen. Herrn Lövy schuldet man nur Dank dafür, dass er einen an sich belanglosen Anlass — die Gründung eines Frauenvereines in einer orthodoxen Gemeinde ־— benützte, um vor aller Oeffentliiahkeit auszusprechen, was die besten Juden unseres Landes seit Jahrzehnten mit Sorge erfüllt. Unsere Frauen müssen sich endlich der Grösse der Verantwortung, die auf ihnen lastet, mehr bewusst werden als bisher. Frau Fleischmann legt gleichfalls recht eindringlich dar, dass Sie und mit ihr G. s. D. noch sehr zahlreiche jüdische Frauen die Aufgaben kennen und auch erfüllen, die jüdische Lehre und jüdische Not ihnen auferlegen. Dass dies alle orthodoxen Frauen tun, ist die Forderung der Zeit. Herr Lövy hat in Frau Fleischmann eine wackere Partnerin gefunden, zumal (wir wollen jetzt das Redaktionsgeheimnis ein klein wenig verraten) der ״Brief an eine Dame in K." — nicht an sie gerichtet war. Das Manuskript Herrn Lövys enthielt den genauen Namen der Adressatin. Frau Fleaschmann war darin nicht apostrophiert. Die Red. Aguda-Vortrag in Bratislawa. Am ש״ק פ׳ שלח hielt Herr Dr. Ernst Ehrentreu aus München in der Jugendgruppe einen ausgezeichneten rTYlCfVortrag, der einen tiefen Eindruck machte . Der Redner entwickelte in seinem Vortrage sehr anschaulich das Programm der Aguda und erwärmte die zahlreich erschienene Jugend für die Ideale unserer תוה״ק* Seine Ausführungen zeigten hohen Schwung und aufrichtige Begeisterung und lösten bei allen Anwesenden Gefühle der grössten Anerkennung aus._ Frauenarzt Dr. Rudolf Grosz hat seine Ordination in Franzensbad (Kurhaus Hygiea) bereits begonnen. Erteilt auf Wunsch Auskunft. (Entgeltlich.) Jüdische Lehrerin. Fräulein Debora Reich aus Trnava hat am 15. Juni an der slowakischen Mädchenpräparandie in Trnava die Lehrerinprüfung mit ״Auszeichnung" bestanden. Der Regierungsvertreter Direktor P i s e c k y hat die junge Dame anlässlich der Prüfung belobt. Fräulein Reich gedenkt ihren Beruf als Lehrerin in einer orthodoxen Gemeinde auszuüben. Eigentümer und Herausgeber: ״Jüdischer Verlag G. m.b. H.“, II., Malzgasse Nr. 12 a. — Verantwortlicher Redakteur: Jakob Deutsch, Wien, 1״ Kölnerhofgasse Nr. 2. Für die Tschecho-Slowakei: Heinrich Schwarz, Bratislava. — Druck: Druckerei und Verlags-A.-G. Ig. Steinmann, Wien, IX., Universitätsstrasse 6. KALENS ÄRIUM. Tag Juni Tamus Notizen Sonntag 24 10. Noah entsendet den Raben. Montag 25. 11. Tod R. Isak Chajes, Prag 5455. — Vertreibung der Juden Wiens 5459. — Märtyrertod der Rabbiner R. Elieser, R. Chaim, R. Schlomo Tultschin 5408. Dienstag 26. 12. Vision Ezechiels. Mittwoch 27. 13. Tod R. Chaim Kohn-Rappaport, Lemberg. Donnerstag 28. 14. Tod R. Josef lrani, Konstantinopel 5394. — Tod R. Elchanan, Buczacz 6447. — Talmudischer Gedenktag. Freitag 29. 16. Tod R. Chajim (Or. Hachajim) 6503. — Tod Schagas Arje. — Tod R. Arje L. Haiberstamm, Przemysl. Samstag 80. 16. Balak. — Haftora: Wehojo Scheerith. — Perek 6. — Tod Churs. Kaufet nur j30llingers Eiskasten Fabrik: Wien, XV. Staglgasse 10, Telephon 38.419 Filiale: Wien, VII. Burggass8 17, Telephon 33.572 u************************************ti . ♦ ♦ ♦ ♦ Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Pressburg), tiefer Wes Erstklassige diagnostische, diätetisehe u. physikotherapische Anstalt für Nerventiftd l&iiere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe. Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Ohren-, Kehlköpfu, Hautkrankheiten, Röntgenbehandlung. Chemische u. bakterio- // logische Laboratorien. // Täglicher Pauschalpreis v. ÖK 55 aufw. Pauschalpreis für Entbindung v. cK 1100 bis ÖK 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige 5K 15 FREIE ÄRZTEWAHL. Rituelle כשל Verpflegung unter Aufsicht des Pressburger orthodoxen Rabblnates. In England und in Amerika ist die österreichische Völkerbundanleihe dreifach überzeichnet worden Bis zum 30. Juni 1923 wird die Zeichnung in Oesterreich denselben Erfolg aufweisen ★ ו*******4*********************»****.,