Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 25 (22.6.1923)
- Date
- 1923-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecbo-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. —- Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Oanzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 5000, Tschecho-Siowakei Kd. 70. Deutschland Mk. 15.000, Schweiz Frcs. 10. Amerika 2 Dollar. Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk hi (K;0 —. Einzelnummer d.-ö. K 150t1. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkaBsenamtWJen, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowaket: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.336; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Rumänien:BancaMarmarosch Blanc 8t Co für Florenz 8tC0, Bukarest; für die Seime 2׳: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Np. 25 Wien-Bratislava, 22. Juni 1923 .בעיה וינה־פרעססבורג ח״ תמוז תיפ״ג 9. Jahrg. Schulschluss. Freudige Kinderscharen strömen aus den Schulhäusern. Alle Schulreformer haben bisher nicht erreichen können, dass die Kinder ihre Schule gerne haben würden. Es ist doch etwas zwangsmässiges, selbst an der Reformschule. Bei den jüdischen Zoglingen iritt zum Schulzwang überdies eine Einengung ihrer jüdischen Freiheit hinzu. Dies empfinden Kinder aus frommen Häusern am stärksten. Es wird ihnen zu Hause die Heiligkeit, Einzigartigkeit des Sabbatt a g e s gepriesen, doch müssen sie schon im zartesten Alter die Weihe dieses Tages vermissen. Sie müssen am Sabbat die Schule besuchen, und obwohl sie vom Schreiben und verbotenen Arbeiten befreit sind, müssen sie, vielleicht anfangs mit staunenden Kinderaugen, mitansehen, wie ihre jüdischen Kameraden über alles sich hinwegsetzen was ihnen zu Hause als Todessünde bezeichnet worden ist. Auch der laute Spott der Mitschüler und der leise Druck der Lehrer sind wahrlich nicht die geeigneten Mittel, die Sabbatfreude der Kleinen zu heben. Diese Kinder müssen den schroffen Gegensatz zum Elternhause bitter empfinden und wer kann es leugnen, dass solche bittere Empfindungen nicht ohne Eindruck bleiben. Aber nicht nur der Sabbat, auch andere kostbare Güter des jüdischen Hauses und der jüdischen Lehre gehen während der vielen Jahre des gesetzliehen Schulzwanges verloren. Kaum kann cs den ehrlichsten und aufopferungsvollen Anstrengungen der Eitern gelingen, etwas von diesen Gütern zu retten. Für alle Fälle wird die aufrichtige Freude unserer Kinder getrübt, ihre seelische Entwicklung durch die fremden Einflüsse gehemmt. Es sind dies allbekannte Wahrheiten, man kennt sogar die Mittel, um diesem Uebel abzuhelfen. Dieses Mittel ist die jüdische Schule. Ueberall in der Welt, wo jüdische Eltern den Sabbat ihrer Kinder retten wollen, ist eine mächtige Bewegung zu beobachten, die wir am besten als Rückkehr zu der jüdischen Schule bezeichnen können. In A m e r i k a wo selbst die besten Juden mit Wehmut konstatieren mussten, dass die Thora und Sabbat der künftigen Generation verloren gehen werden, ist in den jüngsten Jahren ein radikaler Umschwung eingetreten. Der grosse Hochofen, wie Amerika im allgemeinen bezeichnet wird, vermochte die Juden nicht ganz zu assimilieren. Ein kleiner Rest blieb treu und an dem Beispiel dieses kleinen Restes lernen jetzt breite Schichten in Amerika. Es werden überall jüdisehe Schulen errichtet, damit die Kinder nebst dem Geschäft doch eine jüdische Seele behalten, dass sie neben ihren praktischen Kenntnissen auch etwas Thorawissen besitzen. Ganz überraschend ist diese Wendung in Amerika nicht. Ist doch Amerika das Land der unbeschränkten Möglichkeiten. Viel überraschender ist es, dass selbst in Wien die Bewegung für eine jüdische Schule stärkere Wellen schlägt. Es freut uns besonders, festzustellen, dass es den Führern der thoratreuen Judenheit gelungen ist, ,die Talmud- Thora-Schule auszubauen. Das moderne Schulhaus in der Malzgasse beherbergt jetzt eine Knaben- und Mädchen-Volks- und Bürgerschule. Wie wir aus dem Berichte der Schulleitung entnehmen, wurden die Schwierigkeiten dieses Gründungsjahres staunend rasch übertaucht. Schulbesuch und Lehrerfolg sind gut. Freunde der Schule haben sie mit Lehrmitteln ausgestattet, die jeder Schule zur Ehre gereichen. Die Einschreibungen für das nächste Schuljahr beginnen wohl erst die nächste Woche, doch nach der allgemeinen Stimmung zu urteilen, wird das Schulhaus zu enge sein, um all jene aufzunehmen, die im jüdisehen Geiste erzogen, mit jüdischen Kenntnissen gewaffnet und mit einer unzerstörten, ungebrochenen jüdischen Seele ihren Lebenslauf beginnen wollen. Freudig kehren die Kinder dem Schulhaus ihren Rücken. Heute freuen sie sich, dass sie des Zwanges losgeworden. Morgen werden sie sich freuen, weil ihre Seele in der jüdischen Schule die stärksten Fermente für ihre Zukunft empfangen hat. Vor einigen Wochen fand in Wien ein internationaler Frauenkongress statt, der von Amerika : einberufen wurde und an welchem auch Wiener; Frauen teilnahmen, ohne vorher etwas von dieser j internationalen Frauenorganisation zu wissen. Es; will uns scheinen, dass bei dieser Gelegenheit zum ersten und einzigen Male in diesem Blatte von der jüdischen •Frauenbewegung ,?yxsprochen wurde. Jede Frage wird erst zum Problem gesteigert, wenn wir dazu persönlich Stellung zu nehmen geneigt oder; gezwungen sind. Um Probleme von so weittragender Bedeutung zu lösen, wie solche auf der Tagesordnung; des Kongresses standen, ist mehr . erforderlich wie r eine mehrtägige Beratung, wenn solche noch so ernst und sachlich geführt wird. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Frauen des Auslandes sich längst darüber im klaren sind, dass ihre Mitarbeit auf sozialem Gebiet, in Erziehungsfragen notwendig und unentbehrlieh ist, ganz abgesehen von der Philantropie, auf welchem Gebiete jüdische Frauen־ von jeher Grosses geleistet haben. Die Zeit ist längst vorüber, wo es der Frau genügt hätte, ihre eigene Zeitung zu haben, die sie über Neuerscheinungen der Mode oder über Geheimnisse der Kochkunst unterrichtet, sondern sie will, dass die Zeitung, die für die Ideale kämpft, die in ihrer Seele bewusst oder unbewusst brennen, auch diese Fragen berührt und beleuchtet. Kaum wird sich aber die Leserin dieses Blattes, in deren Händen die jüdische Erziehung unserer Zukunft gelegen ist, damit zufrieden geben, wenn sie für sich darin nur Bezugsquellen für Perücken angeführt findet. Uns will es scheinen, dass die Gegenwartsaufgaben der orthodoxen Frau so wichtig und dringlich sind, dass die ganze Weltorganisation der Orthodoxie, die angestrebt wird, versagen muss, wenn nicht auch gleichzeitig diesem Gebiete besondere Aufmerksamkeit zugewendet wird. Wohl wurde vor einigen Jahren in Wien ein orthodoxer Frauenverein gebildet, der auf dem Gebiete der Mildtätigkeit Erspriessliches leistet. Die Not der Zeit und diese Zeit der Not erfordert mehr als Almosen zu geben, es gilt, soziale Hilfe Gelehrte Jüdinnen. (Fortsetzung.) Auch von Ima Salome, der Tochter des Rabbi Simon ben Gamaliel, bewahrt der Talmud Mitteihm gen, aus denen zweifellos nicht nur ihre Gesetzteskenntnis, sondern auch ihre Schlagfertigkeit hervorgeht. Sie hatte einst mit ihrem Bruder verabredet, die Unparteilichkeit eines nichtjüdisclien Richters auf die Probe zu stellen, indem sie an ihn die Frage riehtete, ob der Satz, dass die Tochter kein Erbrecht habe, noch Geltung besitze. Sie unterstützte ihre Frage durch das Geschenk einer goldenen Lampe, die — nach dem witzigen Worte Jme Salomes: ״Lasse dein Licht leuchten wie eine Lampe!“ — den Geist des Richters dahin erleuchtete, dass er erklärte, diese Bestimmung sei aufgehoben. Am nächsten Tag kam ihr Bruder mit derselben Frage, die er aber im entgegengesetzten Sinne entscheiden wollte, und empfahl seinen Wunsch durch das Geschenk eines ly bischen Esels. Jetzt erklärte der vielseitige Richter, dass seine erste Meinung falsch gewesen sei, denn der Stifter seiner Religion habe doch versichert, er sei nicht gekommen, das Gesetz aufzuheben, sondern es zu erfüllen. Als Rabbi Simon Gamaliel von den zwei einander so schön ergänzenden richterlichen Gutachten hörte, meinte er: ״Der lybische Esel hat die Lampe umgestossen!“ Dass Ima Salome eine geistvollle Frau war, die den Wert der Frau in helles Licht zu stellen verstand und um keine Antwort verlegen war, entnehmen wir einer der Diskussionen, die nach dem Talmud zwischen Rabbi Simon ben Gamaliel und einem römischen Kaiser stattfanden, und der offenbar mitunter auch die geistreiche Tochter des Rabbi beiwohnte. Der Kaiser bemerkte einmal, vielleicht in scherzhafter, aber doch das religiöse Gefühl des Rabbi verletzender Weise: ״Euer Gott ist ein Dieb. Er hat einmal in der Nacht, als Adam in tiefem Schlafe lag, ihm eine Rippe entwendet.“ Bevor noch Rabbi Simon ben Gamaliel das Wort ergriffen, bat Jme Salom: ״Verzeihe Vater, erlaube mir, dem Kaiser die Antwort zu erteilen. Aber vorher mochte ich einen Vorfall erzählen, der mir einmal widerfuhr. Es wurde einst in meinen Gemächern eingebrochen, und da machte ich die Entdeckung, dass mir ein silberner Becher gestöhlen worden war, aber der Dieb hatte statt dessen einen goldenen Becher zitrückgelassen!“ Da unterbrach sie der Kaiser: ״Wie nennst du den einen Dieb, der mit einem weitaus wertvolleren Gegenstand dich bereichert hat?“ ״Nun,“ sagte Jme Salome, ״so hat es auch Gott gemacht, er hat dem Adam eine Rippe genommen und statt ihrer ihm ein herrlich schönes Weib zurückgelassen.“ Trotzdem Jme Salome so wacker im Disput — man kann nicht sagen ihren Mann — so doch ihre Frau stellte, so erfordert doch die historische Objektivität, es nicht zu verschweigen, dass gerade die schärfste und rückhaltloseste Verurteilung des Frauenstudiums von niemandem anderem als von Rabbi Elieser, dem Gatten der schönen und gelehrten Jma Salome herrührt. Ob ihn seine eigenen Erfahrungen in der Ehe hiezu veranlassten, oder ob es nur seine theoretische Ueberzeugung war, die durch nichts erschüttert werden konnte — das verschweigt der Talmud. J alt ha, die Tochter des Exilsfürsien Abba- Mari und Gattin des Rabbi Nachman war nicht nur eine sehr gelehrte, sondern auch eine sehr scharf denkende Frau, gar nicht gewillt, der Meinung eines der Talmudisten, dass der Platz der Frau am Spinnrocken sei, beizupfüchten. Im Talmud wird eine von ihr herrührende geistreiche Auseinandersetzung über bibiisch Erlaubtes, Verbotenes, sowie über Ersatz des Verbotenen mitgeteilt, die ihre ausserordentliche Vertrautheit mit der Gesetzeslehre zeigt. Vielleicht war weniger ihr Stolz auf die fürstliche Abstammung, die nicht ihr Verdienst war als ihr Stolz auf das Wissen, das sie sich erworben, Schuld, dass sie eine der köstlichsten Tugenden der Frau: die Bescheidenheit vermissen Hess. Der Talmud erwähnt auch eine witzige Bemerkung Rabbi Nachmans über die Bescheidenheit der Frauen, aus der man eine zarte Anspielung gegen diese Eigenschaft seiner hochgeborenen Gattin herauslesen kann, richtiger vielleicht gesagt: herauslesen muss. Er sagte einmal, die Frauen sollten sich nicht überheben und diese Lehre schon daraus ziehen, dass selbst die zwei Prophetinnen, die aus dem weibliehen Geschlechte hervorgegangen, Deborah und Hulda zwar sehr wohlklingende aber immerhin aus .״ ,‘rn,‘1>,>,MVvw^a/ttv\arxajnjnnAruijnrnnrLnj~1j~LrLrLr verschönern PESSL’S Scheitel und Perücken m j © d. e ע יי־נ a.גר. 81• sind unkenntlich im Tragen, aus feinstem Naturhaar u. von hochwertiger Qualitätsarbeit Pessl,|Wien, L, Käfntnefstr. 28