Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 23 (8.6.1923)
- Date
- 1923-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 148 JÜDISCHE PRESSE Nr. 33 Grosser Erfolg der Verbandsleitung der orth. israel. Kultusgemeinden des Burgenlandes. Empfang dar Verbandsleitung beim Landeshauptmann in Sauerbrium. Die Bemühungen der Verbandsleitung der aut. orth. israel. Kultusgemeinden, über die die ״Jüdische Presse“, Wien, wiederholt berichtet hat, sind fast mit vollem Erfolg gekrönt worden. Hauptsächlich haben drei wichtige Fragen die Verbandsleitung beschäftigt: 1. Organisatorisch-finanzielle, 2. Schulfragen im Zusammenhang mit den Abbauplänen der Landesregierung, 3, die innere Organisation der Schulen, die jetzt 1m Burgenlande neu eingerichtet werden, wobei man auf die speziellen Bedürfnisse der jüdisehen Schulen keine Rücksicht nahtn« Die Verbandsleitung hat in den letzten Monaten eine rührige Propaganda entfaltet und in vielen Gemeinden des Burgenlandes öffentliche Protestversammlungen abgehalten, in denen die Pläne der Landesregierung, welche die innere Organisation der jüdischen Schulen und die speziellen Bedürfnisse der jüdischen Konfession auf dem Gebiete des Schulwesens nicht respektierten, entschieden zurückgewiesen wurden. Auch haben die Abbaumassnahmen der Regierung, denen eine Berechtigung keineswegs abgesprochen werden kann, die Verbandsleitung peinlich berührt, da sie nicht rechtzeitig von den Absichten der Regierung verständigt worden ist, so dass sie ausserstande war, auf geellschaftlichem Wege die Summen aufzubringen, die zur Bezahlung der nach den Regierungsplänen abzubauenden Lehrkräfte, auf die aber die jüdischen Schulen ohne Gefährdung ihrer Leistungsfähigkeit nicht verzichten können, nötig wären. Um all diese Fragen endgültig zu regeln, und um besonders in der Zukunft zu vermeiden, dass solch schwerwiegende Entschlüsse ohne Hinzuziehung der legitimen Vertreter der israelitischen Kultusgemeinden des Burgenlandes geschehen, hat die Landesregierung für den 31. Mai die Verbandsleitung zu sich eipgeluden, Vorher fand schon mit Hinzuziehung von Herrn Oberrabb. Dr. Pollak (Wr. Neustadt) am 17. Mai eine Besprechung im Kultusministerium in Wien statt, wo das einschlägige Material von den Referenten für jüdische Angelegenheiten gründlich durchberaten wurde. Diesem vorbereitenden Schritt folgte nun der Empfang beim Landeshauptmann, an dem seitens der Verbandsleitung Herr Präses Oberrabb. S. L ö w y, F rau e n k i r c h e n,, Präsesstellyertretei:;, Qberrabb. Ehrenfeld, Mattersdorf, Bürgermeister Emil Spitzer, Präses der israelitischen Kültusgemeinde Eisenstadt, Julius Rosenbaum, Beirat Deutsch-Kreuz, Gemeindepräses Trebitsch, Mattersdorf, uM Gemeinderat Kerpel, Mattersdorf, teilpahmen. Präses Oberrabbiner Lövy hielt an den Landeshauptmann eine stellenweise von tiefer Erregung getragene Ansprache» in welcher die Wünsche der burgenländischen Judenschaft bekanntgegeben wurden. Nach einer Erwiderung seitens des Herrn Landeshauptmannes Hofrat Rausnitz, setzten sich die Herren, nachdem der Landeshauptmann die betreffenden Herrn Referenten zu sich gebeten hat, zum Konferenztisch. . Die Konferenz dauerte zweieinhalb Stunden. Alle Angelegenheiten wurden auf Grund der Denkschritten, welche die Verbandsleitung der Landesregierung überreicht hat, eingehend und gründlich erörtert. Das Resultat der Konferenz war, dass i n der Frage der Schulorganisationen und unserer Einrichtung derselben die Regierung den Standpunkt der Verbandsleitung zur Gänze akzeptiert hat. Das bedeutet die Aufhebung der früheüen Verordnung in Betreff der Regelung der Feiertage. Die Regierung wird noch vor Beginn des neuen Schuljahres eine neue Verordnung erlassen, in welcher für die jüdischen Schulen die Feiertage dem Wunsche der Verbandsleitung gemäss festgestellt werden. Ausserdem werden noch weitere zwei Wochenstunden für jüdische Disziplinen in dem amtliehen Schulplan freigegeben. In der Frage des Abbaues konnte die Landesregierung unter dem Druck der wirtschaftlichen Schwierigkeiten den Standpunkt der Verbandsleitung nicht restlos akzeptieren. Es wurde aber erreicht, dass statt einer allgemeinen generellen Abbaumethode ein individuelles Verfahren eingerichtet wird, wobei manche Härten vermieden werden können. Ferner betonte der Landeshauptmann, dass er die Verbandsleitung in ihren w e iteren. Plänen und Organisationsbestrebungen mit allem Nachdruck unterstützen wird. Er begrüsst es persönlich mit grösster Befriedigung, dass der burgenländischen Regierung in allen Kultusangelegenheiten, soweit sie die israelitisehe Konfession betreffen, ein Organ zur Verfügung steht, das von den Vertretern der einzelnen Kultusgemeinden gewählt, die Verantwortung der Regierung teilt und in den Aufbauarbeiten des Landes ihr fördernd zur Seite steht. Die Annulliernng der Wahlen in den Gesetzgebenden in Palästina. Die antizionistische Pröpagända der Araber hat einen grossen Erfolg zu verzeichnen. Die englische Regierung hat nach Ratifizierung des Palästina-Mandates, das die völkerrechtliche Anerkennung der Balfottrdeklaration bedeutet, Palästina eine neue Ve?« fassung gegeben, die im Namen Sr. Majestät des engfischen Königs am Oelberg feierlichst verlautbart wurde. Nach dieser Verfassung soll ein Gesetzgebender Rat als Parlament des Landes figurieren. Dieser Gesetzgebende Rat wird so zusammengesetzt, dass die Bürger Palästinas nach einem demokratischen System Vertreter wählen, aus deren Mitte die Mitglieder des gesetzgebenden Rates hervorgehen. Obwohl den Arabern dieses Wahlsystem eine erdrückende Majorität gebracht hätte, haben sie die ganze Verfassung nicht zur Kenntnis genommen und auf den Wahlaufruf der Regierung mit einer Boykottbewegung geantwortet, die, von fanatischen Nationalisten geführt, erreicht hat, dass der überwiegende Teil der arabischen Bevölkerung sich der Teilnahme an den Wahlen enthalten hat. Die palästinensische Regierung hat diese Propaganda gegen die Wahlen erst mit Strafmassnahmen unterdrücken wollen, doch scheint es mit der Orientpolitik der englischen Regierung unvereinbar zu sein, die Araber zu verstimmen. Wir glauben, dass die Annulierung der Wahlen hauptsächlich von diesem Gesichtspunkte aus zu beurteilen ist. Die konservative Regierung Englands, die im Orient Ruhe haben will, will die Araber zufrieden stellen. Schwerer als die tatsächliche Bedeu-, tung der Annullierung der Wahlen ist die Wirkung zu bewerten, die diese Verfügung auf die Stimmung der Araber üben wird. Erst heute, da nunmehr die politische Konstellation zugunsten der Araber verschoben wird, kann man die ungeheure Kurzsichtigkeit der offiziellen zionistischen Politik ermessen. In dem Zeitpunkt, wo fast jeder Tag eine günstige Gelegenheit gebracht hat, um mit den Arabern, wenn schon nicht eine Interessengemeinschaft, so doch dauernde freundliche Beziehungen zu schliessen, haben selbst verantwortliche zionistische Führer in Palästina und ausserhalb des heiligen Landes wüste Hetzreden gegen ein Volk gehalten, das einstweilen die Majorität der Landesbewohner in Erez Jisroel bildet. Aber nicht nur dieser schwere Fehler gibt ein erschreckendes Bild der politischen Unfähigkeit der damaligen zionistischen Leitung, auch ihr Verhalten nach innen, den übrigen jüdischen Parteien gegenüber, ist nichts weniger als vernünftig zu bezeichnen. Die sogenannten Assimilanten wurden als tot erklärt, die Orthodoxie mit Hohn übergangen. Es war dies die traurige Politik des vom Siegesrausch betörten Wahnwitzes. Jetzt wurden ihnen das Misstrauen gegen diese zionistische Politik in der Erfolglosigkeit von Keren Hajessod, und nach aussen in dem mäch~ צ tigfen Anscli'wellefi äer':J;afabiSöh£ff ׳ ä‘Mtiiiöf1istiÄ־(Sfl,׳,!‘' Propaganda quittiert. Ob sie den Mut haben werden, dies einzugestehen und sowohl nach innen wie nach aussen einen neuen vernünftigen Weg einzuschlagen, bleibt erst ab^riWarten. NACHRICHTEN. Deutschästweid). Frau Wolf Pappenhelm ע״ה In dem weltumspannenden Werk des Königs Salomon, im Buche Koheles steht geschrieben, ein Geschlecht kommt, das andere vergeht, und die Erde bleibt immer bestehen. Ein alter weiser Lehrer bemerkt hierzu: Ich habe es schon einmal umgekehrt vernommen; die Erde kommt, die Erde geht, und der Mensch bleibt immer bestehen. Es ist klar, dass man zu verschiedenen Zeiten versucht hat, für diese merkwürdige Ergänzung, die wie ein Rätselwort uns dünkt, zureichenden Aufschluss zu finden. Einer der feinsinnigsten Erklärer sucht den Gegensatz dahin zu lösen, dass darin angezeigt sei die verschiedenartige Stellung, welche ihrer geistigen Anlage nach, gemäss dem Schlage ihres Herzens die beiden Geschlechter, Mann und Weib, zu den Fragen des Lebens und Weltgeschehens einnehmen. In der Tat ist es .eine Frage von herzbezwingender Weite, wie der Mensch die Kluft zwischen dem Gehenden und dem Bleibenden ausfüllt, wie man sich selbst treu bleibt, angesichts des furchtbaren Wechsels zwischen der Höhe und Tiefe, des Lebens, zwischen den Stunden des Jubels und den Tagen der Tränen. Die Ideale, die sich der kämpfende Mann in seinem Ringen mit den Unbilden der Natur geschaffen hat, wechseln, und das Problem, welches die spröde Erde dem staubgewordenen Menschen entgegenstellt, erhebt zu jeder Zeit dräuend sein Haupt, an jeder Wiege des kommenden Geschlechtes, an jedem Verdämmern des vergehenden Geschöpfes. Nur eines aber zwingt die spröde Natur und überdauert die Stunde des Todes, das ist der Gedanke der selbstlosen Hingabe, die das Leben meistert und den Tod bezwingt. Wie verschiedenfach auch die Aufgabe sein mag, welches das vielgestaltete, teils bunte, teils umdunkelte Leben an den Menschen stellt, ob die Erde mit ihrer lockenden Gabe sich lächelnd dem Menschen nähert, oder ihm alles zu versagen scheint, eines bleibt bestehen: der Schlag des Herzens. Und wenn dieser Schlag des Herzens sich wandelt in helfende Tat, sich verzehrt in der Sehnsucht nach milden tröstenden Gedanken, und wenn nur gar der Schlag dieses Herzens melodisch abgetönt ist nach den Melodien, die wir vernehmen aus den Höhen der ewigen Klarheit, dann bleibt eine solche Harmonie ewiglich bestehen und kein Grab vermag sie uns zu entreissenen. Dies aber, das keusche, letzte Geheimnis der Ewigkeit, bleibt uns als Bild des Lebens der sei. Frau Luise Pappenheim. Wir glauben, dass ein solch bleibender Wert nicht noch ergänzt zu werden braucht durch einzelne Züge des Lebens. Das ist aber auch das Bild der echten jüdischen Frau, und erst wenn dieses wieder in seine Rechte eingesetzt ist, ist der Weg zum Heile Israels und zum Segen der Menschheit aufs neue erschlossen. Bitte lesen! KAPITALISTEN Die jetzt so schwere Zeit gebietet jedem, sein Geld 60 gut und so sicher als möglich anzuiegen. Sein Vermögen, sei es in Bargeld, Wertpapieren, Schmuck oder Realitäten, nutzbringend zu vei werten, gle chwohl ob »ich selbes im ln- oder Ausland befindet. Wir überr e ■inen die kostenlose Durcnführung und sichern Ihnen einen monatlichen Verdienst von 4 bis 12 P o/.ent bei vollster ein wandfreier Sicherstellung. Der kleinste und grösste Betrag kann placiert werden. Kapitals- 1il kzahlung zu jeder Zeit ohne Kündigung durch protollkoi rtes Bankgeschäft, Wien, 1#., Währlngerstr. 60, 11. Stg. 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