Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 22 (1.6.1923)
- Date
- 1923-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Arb'ea .. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 5000, Tschecho-Slowakei Kß. 70, Deutschland Mk. 15.000, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 2C0 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 40.0C0.—. Einzelnummer d.־ö. K 1500, Zahlungen für Oesterreich: Posts Nr. 13.458; für Polen: Postspark: Nr. 190.409; für Ungarn: Poslspar Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei konlo Nr. 53.386; für Jugoslawien: 40.217; f.Rumänien: Banca Marniari & Co, Bukarest; für die Schweiz: Po päM Thora ufo ssenamt w &»״... * -JUto cassenamt Budapest^Konto : Postsparkassenamt Prag, Postsp.-Amt Agram,Ko. N. jsch Blanc & Co für Florenz stscheckk. Luzern VI1.1470. Nr. 22 Wien-Bratislava, 1. Juni 1923 .תיפ״ג p'& בע״ד. וינה־פרעססבויג יד׳ 9. Jahrg. Ein Brief des Chofez Chajitn (Rabbi Israel Meier Hakohen) Mitglied des rabbinischen Rates der Agudas Jisroel an die jüdische Jugend Deutschlands. Mein Herz jubelt, da ich sehe, dass in Deutsch- ]and das Thoraleben wieder aufbliiht wie einst, da Deutschland Stätte des Thorawissens war. Der Schriftvers sagt: ״Und dein Volk, sie alle sind Gerechte.“ Der Sinn des Verses ist: Vor der messianisehen Zeit wird sich der deutliche Unterschied zeigen zwischen der Gesamtheit des Volkes Israel, auf welche gesagt ist: ״Der Anteil Gottes ist sein Volk“ und jenen anderen, die sich vom Wege der Wahrheit trennen. Auf sie Vers: ״und ich werde von euch mich empören und nun ״dein Volk“. Hiermit sind T^emgen gemeint, welche zum Volke gehören, d. h. wer zur Rechten unseres Gesetzes steht (Tefillin legt, den Sabbat nach Vorschrift hält, täglich betet und wie seit altersher auf dem Wege der Thora wandelt). Er wird zur ■höheren Welt gerechnet, zu den Gerechten. ,.Sie werden für immer Anteil haben am Lande.“ Hiermit ist das überirdische Land, das des wahren Lebens gemeint,.sie alle, v/erden sich dessen in Ewigkeit freuen. Aber auch hierbei gibt es Unterschiede. Manche gehören zu dem ״Reis der göttlichen Pflanzung“, denn ״ein Weinberg Gottes ist das Haus Israel“ und ein jeder von ihnen ist ein Zweig der göttliehen Pflanzung. Manche gehören aber zu denen, von denen es heisst: ״seiner Hände Werk, dass er sich dessen rühme.“ Dann — wenn man sich so ausdriieken dürfte — könnte man sagen, dass sich Gott ihrer in der überirdischen31 Welt rühmt: sehet das Geschöpf, das ich geschaffen habe. Das sind die Menschen, welche sich beim Thoralernen abmühen; auf sie sagt R. Meir (Ber. 18): Heil dem, der gross wird in der Thora und sich abmüht beim Thoralernen und seinem Schöpfer Befriedigung Einiges über das Wesen des Chasidismus. Eine der seltsamsten und farbenprächtigsten Blüten am Baume jüdischer Kultur ist die chassidische Gemeinde. Die^ chassidische Lebensauffassung, von den einen als höchster Gipfel jüdischen Wesens schwärmerisch verehrt, von den andern als gefähr־ liehe, wahnwitzige, ja dem Wesen des Judentums entgegengesetzte, Irrlehre verdammt. Der Chassidisrnus, jene Bewegung, die im achzelmten Jahrhundert stürmisch im Judentum sich fühlbar machte, Tausende und Abertausende begeisterter Anhänger und ebensoviele verbissene Gegner gewann. Die chassidische Lehre, von den breiten Massen des Ostens als Erlösung und Erleichterung aufgenommen, vom gelehrten Judentum des Westens kühl, wenn nicht feindlich abgewiesen. Wir müssen uns fragen, worin die ungeheure Anziehungskraft dieser Lehre besteht, was ihr die Kraft gab, drei Jahrhunderte lang zu blühen und in heutiger Zeit noch eine mächtige Genleinde zu erhalten. Man muss mit dem Chassidismus als schwerwiegenden Faktor im jüdischen Leben rechnen, es geht nicht mehr an, ihn als von der Zeit hervorgebrachie, vorübergehende Strömung zu kennzeichnen, in einen Topf mit den andern im Goluth im Judentum entstandenen Sekten, die ein gewährt; denn das ist eine unvergleichliche Befriedigung, sich ihrer rühmen zu können. Wisset, meine Freunde! Wohl ist die Heiligkeit aller göttlichen Gebote sehr gross und der Mensch kann sich durch sie heiligen, so wie der Schriftvers sagt: ״damit ihr gedenket und ausübet alle meine Gebote und heilig werdet eurem Gotte,“ aber der eigentliehe Zweck des Menschen im irdischen Leben ist, dass er seinen Anteil an der Thora erreiche, nach dem Ausspruch R. Jochanans b. Sakkai: ״Wenn du viel Thora gelernt hast, so rechne es dir nicht als besonderes Verdienst, denn hierzu bist du geschaffen.“ So sagt auch der Vers: ״Ein Leuchter ist das Gebot, aber die Thora ein Licht.“ Das Gebot ist mit dem Leuchter verglichen, die Thora aber mit dem Lichte selbst. Wisset, meine Freunde! Diejenigen, welche sich beim Thoralernen abmiihen, haben — abgesehen von ihrem Verdienst um die Thora — noch ein sehr grosses Verdienst: sie stärken hierdurch den Gottesglauben in der Welt. Denn da, wo man nicht tief in die Thora eindringt, wird sie allmählich ganz aufhören und dann wird die Gottesleugnung vermehrt. Dann spricht man: ״Gott sieht uns nicht, Gott hat das Land verlassen.“ Und im Laufe der Zeit geht es weiter von Sturz zu Sturz, und man kommt zur völligen Leugnung Gottes, nach dem Worte des Schriftverses: ..Hütet euch, dass euer Herz nicht betört werde und ihr abweichet und frenuftii Göttern drenetJ‘' Rasc.hi erklärt hierzu: ״und ihr abweichet von der Thora und hierdurch dienet fremden Göttern, denn dadurch, dass der Mensch sich von der Thora trennt, geht er weiter und hängt dem Götzendienst an.“ Und deshalb, Ihr meine Freunde, machet Euch stark in der Thora, werdet zu Helden, dass Ihr zu den Ersten im Reiche gehöret. Wenn die göttliche Herrlichkeit in seinem Reiche, in der Welt sich offenbart, dann wird — wenn man sich so ausdriieken dürfte — Er gewissermassen in Seinem grossen Lehrhause in Jerusaem sitzen, und alle Gerechten der Welt sitzen vor ihm 1;nd einem jeden verleiht man ein Strahlen des Antlitzes nach Massgabe der Thora, die er besitzt. Mancher gleicht dem Lichte der Sterne, wie es heisst: Eintagsfliegendasein führten, zu werfen oder ihn gar zur Zielscheibe eines billigen Spottes zu machen. Man muss einsehen, dass hinter einer Bewegung, die auf Hunderttausende eine geradezu faszinierende Wirkung ausgeübt hat und noch ausübt, die eine Umwälzung im Geistesleben der Juden des Ostens bewirkte, mehr steht als blosse Begeisterung für etwas Neues, mehr als blosser Aberglaube seine Hand im Spiele hat. Man braucht nur in die in letzter Zeit immer reicher anschwellende Literatur über diese Bewegung Einsicht zu nehmen (ich will da nur Namen wie A. von M a r k u s, Philipp und Chajim Bloch, Horodezky einerseits und J. L. P e r e z, Martin Buber, S. Birnbaum anderseits nennen), um die ganze Tragweite des chassidischen Systemes würdigen zu können. Es muss doch auch etwas besonders Grosses und Erhabenes in einer Idee ein, die einen solchen Aufruhr im jüdischen Geistesleben verursachte. Vor allem muss eines festgehalten werden. Entgegen den Behauptungen mancher Chassidimgegner verkündet der Chassidismus keine prinzipiell neue Lehre. Man darf nicht glauben, dass die Chassidim den Talmud oder gar die Bibel nicht voll anerkennen und befolgen. Nicht ein Jota der schriftlich überlieferten Lehre wird verändert. Es handelt sich nicht um Veränderung, wohl aber um Ausbauung, o*der besser gesagt, Verinnerlichung und V e r t i ef u n g der jüdischen Religion, des Gottesbegriffes. | ״und die, weiche die Vielen zur Gerechtigkeit führen, ן werden .,vm wie die Sterne. Manche gleichen dem Lichte des Mondes usw.“ Es bemerkt der Talmud zu dem Verse: ״Und wieder werdet ihr (den Unterschied) sehen . . . zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht gedient hat‘־, das wird selbst auf zwei Gerechte angewandt, von denen aber der eine ihm mehr gejient hat, wenn er z. B. seinen Abschnitt 101.11.al gelernt hat, während der andere es nur iOOuial tat. Obwohl diesem nur ein einziges Mal fehlt, so ist doch ein Unterschied zu erkennen im Strahlen des Antlitzes. Selbstverständlich wird der grosse Unterschied zu erkennen sein zwischen dem, der mit vielen Traktaten oder mit einer ganzen Ordnung (סדר) vertraut ist, und dem, der nur ■eine oberflächliche Kenntnis in einem Traktat oder einer Vorschrift besitzt. In Wahrheit ist jeder verpflichtet, sich beim Thoralernen zu bemühen, je nach seiner Begabung, die Gott ihm verliehen hat. Und wer grössere Begabung ■hat und könnte ein wahrhaft Grosser in der Thora sein, ist aber zu lässig hierzu, der muss sich dafür vor Gott rechtfertigen. Wir alle bitten: ״Gib uns unseren Anteil an deiner Lehre.“ In vielen heiligen Büchern, besonders im heiligen Soharbuche, wird ausgeführt: Als Israel am Sinai stand, waren dort alle Seelen anwesend, und Gott gab einer jeden ihren besonderen Anteil an der Lehre, und ein jeder kann diesen seinen Anteil erlangen, wenn er nur nicht zu lässig ist, sich darum zu bemühen, Unsere Weisen s. A. haben uns die Regel überliefert: Wenn jemand sagt’ ״ich habe mich bemüht, aber nicht gefunden, so glaube es nicht.1 Deshalb ist es richtig, ja Pflicht, dass jeder von Euch!in seiner Jugend einige Jahre der Thora weihe, denn das wird ihm eine Grundlage für sein ganzes Leben sein. Sprechen wir doch täglich: ״Und erleuchte unsere Augen durch deine Lehre — damit wir nicht für immer und ewig beschämt werden.“ Denn wem Gott geraden Verstand verlieh, dass er viele Traktate, vielleicht den ganzen Talmud, hätte lernen können, er aber war hiezu zu nachlässig in Nichts verkehrter also, als einen Gegensatz zwischen Talmudismus und Chassidismus konstruieren zu wollen oder gar, wie dies z. B. Grätz in einer geradezu fanatischen Art tut, den Chassidismus als Feind und Untergraber jüdischen Wesens darzustellen. Es. lässt sich keinerlei prinzipieller Unterschied zwischen Chassidismus und ״Misnagdim“, wie sich ihre Gegner neunen, nachweisen. Um nun das Wesen der chassidischen Gemeinde» deren Bild im Laufe der Zeit sich allerdings,verändert hat, kennen zu lernen und zu verstehen, ist es wohl am besten, ein Beispiel aus der Geschichte des jiidisehen Altertums anzuführen, ein Beispiel, das leicht in Parallele mit der chassidischen Bewegung zu setzen ist. Ich ■meine die Sekte der Essäer, die vor etwa zwei Jahrtausenden im Judentum sich gebildet ■hat. Die chassidische Gemeinde, wenigstens die ursprüngliche, zeigt viel Aehnlichkeit mit dieser Sekte. Gleich ihnen verehren sie einen Rabbi, einen ״Zaddik“ als ihr Oberhaupt, gleich ihnen legen sie grössten Wert auf Reinlichkeit (Mikwo), gleich ihnen versammeln sie sich zu gemeinsamen Mahlzeiten an denen der Rabbi Worte der Thora spricht und auslegt. Schlieslich spielt bei den Chassidim wie bei den Essäern das Gebet eine hervorragende Rolle. Die Bewegung, die der berühmte erste und grösste Rabbi der Chassidim, Israel ben Elieser, genannt der BaalSchem einleitete, war also eigentlich PESSL’s Scheitel and Perücken verschönern jede Frau Sie sind unkenntlich im Tragen, aus feinstem! Naturhaar u. von hochwertiger Qualitätsarbeit Pessl, Wien, I., Kämtnerstr.