Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 34 (24.8.1923)
- Date
- 1923-08-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Säte 280 JÜDISCHE PRESSE Nr. 34 § 6. Die Landesarsa-nfeationen haben cte Joden ihres Landes für die agudfstische Idee zu gewinnen und ihre besondere Aufmerksamkeit der Jugenderziehung und tatkräftigen Förderung des Thorastudiums zu widmen. § % Die Landesorganisationen haben den Weisungen der Leitung, die im Rahmen der Kompetenzen der Leitung ergehen, unbedingt Folge zu leisten. S 8 Die Laudesorganisationen haben für den regeämassigen Eingang der Mitgliedsbeiträge zu sorgen und die Zentraffonds mit allen Mitteln zu stärken. § 9. Die Landesorganisationen haben ein genaues Ver- *eldhnis der einzelnen Ortsgruppen des Landes, sowie der zu den Ortsgruppen gehörenden Mitglieder zu führen. IV. Der Zentralrat. § 10. Der Zentralrat bildet das beratende und bc- Sohliessende Organ für wichtigere Angelegenheiten innerhalb des Kreises der laufenden Geschäfte. Er besteht aus 100 Mitgliedern, die von der Kenessio Gedaulo gewählt werden. Ihre Amtsdauer währt bis zur nächsten ordentliehen Kenessio Gedaulo. § 11. Der Gesdhäftsaussohuss und das Exekutivkomitee haben die Mitglieder des Zentralrates über wichtige Vorgänge timliohst regelmässig zu unterrichten. Der Geschäftsaus־ schuss hat in denjenigen Jahren, in denen keine Kenessio Gedaulo stattfindet, eine Sitzung des Zentralrates einzuberufen. Auf Antrag von 35 Mitgliedern des Zentralrates ist der Geschäftsausschuss gehalten, eine ausserordentliche Sitzung des Zenfralrntes einzubemfen. V. Das Exekutivkomitee. § 12. Das Exekutivkomitee besteht aus 5 Mitgliedern, die vom Zentralrat gewählt werden. Das Exekutivkomitee vertritt die‘,Agudas Jisroel gegenüber den politischen Mächten; }hm obliegt vornehmlich die Führung der politischen Verhaudlungen. Es ist hierbei an die Beschlüsse des Zentralrates und des . Geschäftsausschusses gebunden. Seinen Sitz bestimmt der Zentralrat VI. ®er Geschäftsausschuss (des Aktionskomitees). § 13. Der Geschältsausschuss besteht, aus mindestens 7 und höchstens 25 Mitgliedern, die von der Kenessio Gedaulo gewählt, werden. Von den Mitgliedern des Geschäftsausschusses. müssen mindestens 7 an einem Orte wohnen. Der Geschaftsaussahuss führt die laufenden Geschäfte der Gesam(Organisation und instruiert das Exekutivkomitee. Seinen Sitz bestimmt der Zentralrat. t § H Dem Geschäftsaussohusss stellt das Recht zu, für bestimmte: Tätigkeitsgebiete der Agudas Jisroel ständige Kommissionen einzusetzen. VII. Der Rabbinische Rat. § 15. Der ־ Rabbinische Rat ist die oberste Autorität der Agudas Jisroel. Er entscheidet alle mit den Bestimmungen der Thora in unmittelbarem oder mittelbarem Zusammenhang stehenden Frageri der Gesamtorganisation. Der Rabbinisdhe Rat fst über alle Geschäfte der Gesamtorganisation fortlaufend in Kenntnis zu halten, so dass er Gelegenheit hat, auftauchende Fragen auch aus eigener Initiative zur Entscheidung zu bringen. § 16. Der Rabbinische Rat besteht aus sämtlichen rabbinisehen Räten der Länder. Er bedarf der Sanktion durch die Kenessio Gedaulo, die bis zur näohsten ordentliohen Kenessio Gedaulo gilt. Der Rabbinische Rat wählt aus seiner Mitte einen engeren Ausschuss und gibt sich selbst eine Geschäftsordnung. Vm. Die Kenessio Gedaulo. § 17. Die Kenessio Gedaulo wird von den einzelnen Landesorganisationen nach einer Wahlordnung beschickt, die von der Kenessio Gedaulo erlassen wird. Die Wichtigkeit der diätätischen Küche. Selbst ft! den feinsten Hotels als auch im bestgeführtesten Haushalt׳ ist es derzeit unmöglich, eine streng diäte, bezw. atonisclie gewürziose Kost herzustcllen, was zut Folge hat, dass Magen- und Zuckerkranke etc. oft nach einer mit bestem Erfolge geleiteten Kur bei neuerlichem Genuss der normalen Kost von Beschwerden geplagt werden, worunter das Allgemeinbefinden leidet und die bestehende Krankheit von Tag zu Tag fortschreitet. Mit Freuden begriissen wir daher die Neuerung des nunmehr emporblühenden Grand Sanatoriums, welches den geräumigen Speisesaal dem grossen Publikum zur Verfügung stellt. Es können daher daselbst nicht nur interne, sondern auch externe Gäste den Vorteil einer den Krankheitszustand angepassten, leicht verdaulichen Kost genicssen, wodurch oft ein bestehendes Leiden gänzlich behoben wird. Anmeldungen für Mittags- und Abendtisch (tsch. K 40) oder nur für Mittagmahl (vier Gänge tsch. K. 25) werden brieflich und telephonisch entgegengenommen. § 18. Die Kenessio Gedaulo tritt mindestens alle 5 Jahre auf Einberufung durch den Geschäftsausschuss zusammen. Gleichzeitig mit jeder Kenessio Gedaulo muss auch der Rabbinische Rat zusammentreten. § 19. Die Kenessio Gedaulo bildet die oberste Körperschalt der Agudas Jisroel für alle Angelegenheiten, die I aiaht in das ZusUmdigkeitsgebiet des Rabbinischen Rates fallen. § 20. Die Kenessio Gedaulo gibt sich selbst eine Geschäfts- Ordnung. Brautausstattungen Billigste Einkaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. I 01101*01« w1«a)!,Isolier- JLlUUvJ. ul stiege 5 (nächst Salzgries), Telephon 65-3-71 u. Transformationen in feinster u. modernster Ausführung! | Mit elnemGrlfl DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHEITELN AUF HAUT gearbeitet, gänzlich unkenntlich, Im Tragen■ Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwellungen werden übernommen. Provinzversand wird prompt effektuiert Wiener Werkstätte für moderne Haarkonfektion modern frisiert Erste Wien, II., Stefanlestrasse 7 (jetzigo Ha lindst.) Passende 8; j Wien, H. Bezirk, Rotensterngasse 13 ——tamm——«bb——wwwnBBBw—1 maronni 1■ nnTrwi amw.xiwmuj.1 fl«♦♦«♦♦«♦♦♦«■♦•♦♦♦♦♦«♦•♦*•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦! Bratislava (Prtsstwrd), Clcrcr Lüea Erstklassige diagnostische, diätetisehe u. physikotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. 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Selbst nach Abschluss des Friedens zwischen Polen und Chmielnitzki war das Land wegen der zurückflutenden Horden noch immer unsicher. Erst als die Ruhe und Ordnung — nach den damaligen Begriffen — einigermässen wiedergekehrt sind, trat Rabbi Jakob den Heimweg an. Wieder musste er alle Beschwerlichkeiten der Wanderung auf sich nehmen, wieder sah er sicli oft gezwungen, lange und schwierige Fussmärsche zu machen, wieder musste er sich oft während der Tage verstecken und die Nächte zur Wanderung benützen. Er ertrug aber auch diese Beschwerlichkeiten mit derselben Gottergebenheit, mit derselben Ausdauer, mit derselben Entschlossenheit, nicht eher zu ruhen, bis er wieder seine Heimat erreicht haben werde. Die ganze Zeit hindurch konzentrierten sich seine Gedanken um die Frage, was denn aus seiner Sarah geworden ist, ob sie es vermocht hatte, den schweren Schicksalsschlag zu überleben, ob ihr Vater noch ani Leben sei und unter wessen Schutz sie sich befinde, für den Fall, dass Rabbi Efraim inzwischen das Zeitliche gesegnet haben sollte. Während all dieser Jahre der Wanderung und des Aufenthaltes in der Fremde kam Rabbi Jakob nie der Gedanke,. Sarah könnte, nachdem sein Tod in der üblichen Weise festgestellt worden wäre, ein zweites Mal geheiratet oder gar ihrem zweiten Gatten Kinder geschenkt haben, die ja nach jüdischem Gesetz als ״Mamserim“, als ״Bastarde“ zu gelten hätten. Er überdachte alle Möglichkeiten, nur nicht diese furchtbare Eventualität. Das war auch sicherlich sein Glück. Denn so sehr er allen physischen und seelischen Strapazen, allen Entbehrungen und Kümmernissen seiner Wanderung Stand gehalten hatte, den Qualen eifies solchen Gedankens wäre er sicherlich erlegen. So aber überdachte sein trotz der Leiden noch immer rege Geist alle Möglichkeiten, verlor aber keine Sekünde die Hoffnung, dass sich noch alles zum Guten wenden würde. Erst als er die Grenzen der Ukraine hinter sich hatte und wieder polnischen Boden betrat, als er schon die Tage zählen konnte, die ihn noch von seiner früheren Kehillo trennen, kam ihm plötzlich der niederschmetternde Gedanke, seine Gattin könnte inzwischen einem anderen angehören. War es sein inneres Gefühl, das plötzlich gerade um die Zeit rege wurde, als Sarah ihren Widerstand gegen eine Wiederverhciratung aufgegeben hatte und in eine neue Verlobung willigte, war es eine Gedankenassoziation, die ihn gefangen nahm, war es der Eindruck, den die ihm inzwischen bekannt gewordenen Beschlüsse der Vier-Länder-Synode in Angelegenheit der Agunot auf ihn gemacht haben, — er wurde von einer inneren Unruhe erfüllt, die ihn erbeben machte, sein Denken und Fühlen beherrschte und ihn allerlei trüber Ahnungen unterwarf. Nicht einmal in seinen Träumen fand Rabbi Jakob Ruhe, ja, nicht einmal während des täglichen Gebetes konnte er den furchtbaren Gedanken verscheuchen, er werde Sarah nicht mehr frei finden. Wie beklommen Rabbi Jakob eine solche Wendüng auch empfinden musste, er sagte sich, dass er sich schliesslich den Tatsachen werde beugen müssen. Sarah würde dann von ihm und auch von ihrem zweiten Gatten Scheidebriefe erhalten. Mit dem Verzicht auf sie konnte und musste er sich abfinden. Was ihm aber keine Ruhe liess, das war die religiöse Seite der Angelegenheit. Sarah, seine ihm vor Gott und Menschen angetraute Gattin, weder Witwe noch geschieden, die Frau eines anderen, ja — er erschauerte bei dem blossen Gedanken — vielleicht schon die Mutter von ״Mamserim“.... Welch furchbarer Schlag, welche Strafe Gottes! Hat das unglückliche jüdische Volk noch wenig erdulden müssen, muss es noch einer neuen Strafe ob dieser, neuen schweren Sünde gewärtig sein! Rabbi Jakob überlief es kalt bei diesem Gedanken und von einer unbeschreiblichen Unruhe getrieben, gab er seinen Plan, seine frühere Kehillo aufzusuchen, auf und setzte sich direkt gegen Wilno, dem Rabbinersitze seines Schwiegervaters, in Bewegung.׳ Ein inneres Gefühl sagte ihm, dass seine Gattin jedenfalls nach dem Erhalt der Trauerbotschaft bei ihrem Vater geblieben ein musste. So sehr er nun seinen! Weg beschleunigte, so sehr er jede Rast verschmähte! und wie getrieben Wilno zueilte, es dauerte Wochen, bevor er dort einlangte. In Wilno angelangt, stellte Rabbi Jakob im jüdischen Viertel eine lebhafte Bewegung fest, ein Kommen und Gehen vieler Menschen, eine Spannung{ und ein neugieriges Erwarten. Auf seine Frage er-׳ hielt er zur Antwort, dass Sarah, die Tochter des! Rabbi Efraim, heute ihre zweite Hochzeit feiere. ״Gelobt bist du, Gott meiner Väter“, rief er in höchster Extase, ״ich bin doch im letzten Mornenl noch bevor es zu spät ist, eingelangt, um dad Schlimmste zu verhüten!“ Ohne sich umzukleiden, eilte Rabbi Jakob ins Lehrhaus, um die Vornahme der Trauung zu ver* hindern. Elftes Kapitel. ״Nun, fremder Mann“, sagte Rabbi Efrairfy nachdem Sarah wieder das Bewusstsein erlangt hatte und in ihr Schlafzimmer gebracht wurde, ״nun müsst Ihr endlich heraus mit der Sprache. Ihr habt erklärt(׳ mein Schwiegersohn, Rabbi Jakob Aschkenasy( lebt, wolltet aber meine Tochter sprechen, bevor Ihr näheres mitteilt. Das ist nun geschehen. Jetzt müsst Ihr sagen, was Ihr wisst und woher Euere Kenntnis stammt‘*. ״Rabbi Jakob, Euer Schv/iegersohn, befinde! sich in der Nähe dieser Stadt“, erwiderte der Fremde. ״Schön“, sagte der Rabbi, ״warum bleibt ei aber aus?.“