Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 34 (24.8.1923)
- Date
- 1923-08-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630034--1123-2632685- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ml». JÜDISCHE PRESSE m. m kü In tneKwn hörten 2ut Eröffnung der Kenessio, die ich aus gepresstem Herzen gesprochen iNfb^ dH -ffnego imtgeworlen» was etn Organfsmus ist «Di mm er leAMen>Karm. Diese Frage habe ich ln vier 1H9» sesMert, Wir stehen vor ©H1@*n Organftfmi*, den wir «Ifztt&fttien begonnen hahett, vor seinen einstärnm Zelten rnä l«d!vldne«. Die## Tagung hat den M tiefsten Herzen gewünschten Erfolg gebracht. Die Oewinnung der Jugend. Es ist bewiesen, dass das Beete hrt Leben der Agudo. die Jugend ist. QMrt es noch jüdische J ii nglinge, die äftrftn zweifeln, dass ln der Aguda die Zukunft der Jugend Hegt? Ich denke, die deutsche Jugend im Westen Europas wird dieses Gefühl haben und wird sich sagen, es war der MfMi* wert, nach Wien zu kommen, denn es glht einen lebendigen Organismus des jüdischen Volkes. Wenn auch hie und da noch Fehler sind, denn der Organismus lebt, so sind es nur Qeburtswehen, aber er ,wird gross und stark und er wird sich emporringen unter kreissenden Wehen zum Leben. Aber nicht nur die Jungen, auch die Alten, die hierher gekommen stnd, haben gesehen, dass das keine Utopie ist und dass mau die deutschen Juden mit ihrer Kufhrr und die russischen Joden mit ihrer Abwehr gegen die Kultur, doch zusammenfassen kann. Auch der Skeptiker wird sehen, dass das keine Utopie ist, was van Kottewitz über Zürich, Pressburg und Wien erreicht wurde. Wir haben auch gesehen, dass .sich die jü«lischen Arbeitermassen auf dem Boden der Thoro befinden, denn sie wissen, dass alles, was an sosteten Gedanken in der Welt lebt, von Sinais Höbe in die Welt eingezogen ist. UW nun noch ein Wort an eine andere Gruppe, döe sich angliedern muss, nämlich an unsere Frauen. Wir haben hi deT Presse manche ironische Bernerkung gelesen, wo es hiess, dass unsere Genossen aus dem Osten ,verlangt haben, dass diese Versammlung nicht ׳unter der Teilnahme der Frauen stattfinden d«ff*!Wer gehört hat, welche Worte hier über die jüdischen Frauen gesprochen wurden, der weiss es freilich besser. Wir wissen, was wir unseren Frauen verdanken. Es ist erschütternd, wenn der Osten, der die Zeit .versteht, dieses reuige Bekenntnis ablegt, und wie alle Kräfte angespannt werden und wie man sich bewusst ist, und gerade dann, wenn die Kenessio zusammentritt, um das Paladium des jüdischen Volkes hochzuhalten: Was die jüdische Frau bewirkt, und welche Opfer sie bringt, es zu ermögliehen. Es ist bekannt, dass diese Tagung ohne der grössten Opferwilligkeit der jüdischen Frauen nicht hätte stattfinden können. Wir werden unsere Frauen, die im stillen zu Hause walten, segnen. Noch ehe der Organismus des jüdischen Volkes ausgabaut war, ist er genötigt gewesen, auf die Tribtine der Welt zu treten. Wir mussten diese Kenessio abhalten, um vor der ganzen Welt die waihre Gestalt des jüdischen Volkes zu bekunden. Dass wir es konnten, verdanken wir der Tatsache, dass unser Ruf Widerhall gefunden hat und dass uns die Agudas Jsroel als Verkörperung des jüdischen Volkes angesehen hat. Wir können nun de*׳ ganzen Welt mit der Forderung ehtgjentreten, dass von nun an niemand me׳ht im Namen des jüdischen Volkes das Wort ergreifen darf und dass niematvd mehr ohne Zustiimnuing unserer Agvda im Namen des jüdischen Volkes sprechen darf. Wir stehen nun nicht mehr als Einzelzelle, sondern als ein viele Tausende Zellen umfassender Organismus da. Noch heute früh, bevor diese Sitzung begann und als ich schon glaubte, dass wir schon über alle Schwierigkeiten hinweg sind, kamen hintereinander Vertreter zweier Länder zu mir und schütteten mir ihr Herz aus. Der eine meinte, wie es möglich, dass man so enttäuscht von dannen Siehfc?. Ich habe es gesehen, hier regiert der Osten und unsere Brüder aus dem Westen, deren ,־Atisöhauungen wesentlieh mit dem Osten differieren, haben ■keine Möglichkeit, hier zur Geltung zu kommen. Fünf Minuten darauf erschien bei mir ein Vertretet aus dem Osten und sagte: Wie ist es möglich, dass diese Kenessio Oed an Io nicht den Mut gefunden hat, sich mit aller Entschiedenheit auf den Standpunkt der Länder aus dem Osten zu stellen. Wie ist es denkbar, dass wir helmgehen können, ohne den absoluten Sieg unserer Anschauungen zu verkünden? — Hier haben Sie nun das ganze Problem der Aguda aufgerollt. Das ist eben die Harmonie des Organismus, die ist jetzt auf den! Marseiile, Ich kann Ihnen nur sagen, das Ver״ stündnis ist seit Kattowitz in uns gewachsen und ich he®e auch die Zuversicht, dass auch die technische Fom sich immer mehr und mehr verfeinert und vervaSkommen wird, und dass das kommen wird, was wirklich Seholem i^t, nicht Frieden, sondern Har- ,moaife und Vollendung des Organismus,;tfcejr .von einer Einheitlichkeit beihjclpralle Glieder leben lässt. ■Jmer MX eines gehört dazu, und das ist Geduld. Das kann aber nicht auf einmal gewonnen werden. Daau gehören viele Jahre. Vielleicht Jahrzehnte. Ich adelten *Ländern, die bei der Kenessio Gedaulo v§rtreten sind, 20: Habt Oedold «fit Euch selber. Wenn wir auch nicht einer Ansicht sind und die Gegensätze manchmal aufeinanderplatzen, habt Geduld. Und wenn auch die eine oder andere Arbeit noch nicht vollendet ist, was tut das? Unsere Kenessio leidet gewiss noch an manchen Mängel. Wir brauchen uns nicht zu schämen, das offen aiiszttsprechen. Die Weltpresse hat uns mit Wohlwollen und Verständlichkeit begriisst, was dankbar anzuerkenneu ist. Wir werden von der jüdischen, insbesondere von der gegnerischen Presse die gleiche Verstandnlsse nicht erwarten können. Wir regen uns darüber nicht auf, wenn die Gegenparteien versuchen, das was hier vorgegangen ist, zu bagatellisieren und uns in politischer, wirtschaftlicher, sozialer und finanzieller Hinsicht schwach hinzustellen, freilich nur im Interesse ihrer eigenen Parteien. Das Urteil der Weltpresse Ist für uns von höherer Bedeutung, denn es zeigt, dass höher als unsere Unvollkommenheit der Eindruck der Wahrheit und Heiligkeit auf alle Mensehen der Erde wirkt. Die Komission hat Ihnen eine Reihe von Resolutionen zur praktischen Betätigung vorgelegt. Wir werden mit der Ausführung dieser Resolutionen Erez Isroel nicht aufbnuen, wenn wir auch dort Kolonien gegründet und vielleicht 500 Häuser gebaut haben werden. Denn nur Q-tt kann Erez Isroel aufbauen. Wir hoffen, dass diese Resolutionen kein Stückwerk bleiben, weil der Geschäftsführende Ausschuss ein besonderes Dezernat schaffen wird, von tüchtigen Referenten, die sich dieser Aufgabe widmen wollen. Von grösster Bedeutung ist auch die soziale Tätigkelt. Die Orthodoxie hat sie niemals an letzter Stelle gestellt und wenn die Agudas Isroel jetzt den jüdisehen Organismus aufbauen will, so ist die natürliche Konsequenz, dass auch solche Anregungen aus der Kenessio Gedaulo ausgehen. Alle zerstreuten Tätigkeiten sollen zusammengefasst werden, damit das Feuer der Menschenliebe wie ein tröstlicher, erquiekender G-ttesscliimrner sich über uns ausbreitet. Den politischen Kampf, der die Gemüter verdüstert, möge der Schimmer der Menschenliebe verklären und die Brüder wieder zueinander führen. Es sind noch viele Unzulänglichkeiten. Wir haben noch viel zu bauen. In finanzieller, organisatorischer und technischer Hinsicht. Die Seele, das Herz Ist mir voll. Ich gedenke unserer Genossen, die hergekommen sind, um diese Tagung zu ermöglichen. Ich hoffe, dass Dank der Tätigkeit dieser Männer, Himmelsstrahlen ausgehen werden, um diese Tagung zu einem Erlebnis zu gestalten, von dem wir noch unseren Kindern erzählen werden. Die Rede Jakob Rosenheim war der Kulminationspunkt der Kenessio Gedaulo. Hier sprach ein Mann, der der grossen Idee der Agudas Jisroel seit Jahrzehnten mit Leib und Seele, mit Kopf und Herz, mit seinen Händen und mit seiner Habe, die grössten Dienste und Opfer gebracht hat. Die Wirkung der Rede auf die Delegierten war ungeheuer. Kein einziges Auge blieb trocken als Jakob Rosenheim von der Kenessio Gedaulo Abschied nahm, das Herz aller Anwesenden war bis auf das innerste aufgerüttelt und als er seine Rede schloss, jubelten ihm alle Anwesenden entgegen und bewiesen wenigstens dadurch, wie gross die Liebe, die Achtung und die Anerkennung seiner Taten ist, Solange die Agudas Jisroel solche Männer wie Jakob Rosenheim in ihren Reihen hat, wird sie alle Hindernisse beseitigend, ihren Entwicklungsweg bis zu jenem Ziele durchmessen, der auch das Ziel Jakob Rosenheims ist: Die Vereinigung und Vertretung des einzig, wahren, grossen, ewigen jüdischen Volkes zu sein. In Jakob Rosenheim findet der gewaltige echte jüdische Geist die schönste Verkörperung. Nach der Rede Jakob Rosenheims ergriff das Wort Oberrabiner Elia Klatzkin- Lublin, um in tief philosophischen Worten die Bedeutung der Kenessio Gedaulo für den jüdischen Geist aufzuzeigen. Da sich noch 64 Redner zum Worte gemeldet haben, erklärt der Vorsitzende dass es leider nicht möglich ist, die Redner zu Worte kommen zu lassen und nur jene Delegierten sprechen können, die nur im Namen von Organisationen die Abschiedsworte an die Kenessio Gedaulo richten wollen. Vorerst ergreift das Wort der Chofez C h a i m. Dasselbe was sich immer bei den Ansprachen dieses ungeheuer beliebten, grossen Gelehrten abspielte, geschah auch jetzt, und Chofez Chaim sprach: Wieder hörte man Lehren und Weisheiten, wie sie von keinem Munde sonst gehört werden, können. Das ganze Volk, sprach der der Chofez Chaim, kam hieher in ihren Vertretern zu einem KIduschHaschem. Bei solchen Taten wie die Kenessio Gedaulo werden die Kräfte der Mittätigen nicht erschöpft. Je grösser die Taten sind, je grösser wird die Kraft, und wenn nun alle Juden von der ganzen Welt hieher kommen um die Ehre G-ttes auf Erden zu heben und zu stärken, 80 sei es ein grosses Zeichen, ein Zeichen, dass ein Zeitenwende! heran naht. Die Hoffnung muss stark *aiu. Wer an «fiese Hoffnung glaubt und wer sfe hegt, wird gerettet. Mit Leib und Seele O-tt dienen, ist alfefn die grösste Ehre und das grösste Glück. Keine Mittel darf man ausser Acht lassen. Alles was man besitzt muss man der Heiligung G-ttes widmen. Da9 Gesamtleben muss in einem Ziele aufgehen in der Thora. G־tt der Schöpfer hat blos« in sechs Tagen die Welt erschaffen. Als er jedoch Mosche Rabbenu die Thora übergab, da dauerte es 40 Tage und 40 Nächte bis er in seine Hände die Thora legte. Der Chofez Chaim appelliert daher an alle den Keren Jab ne mit allen Kräften zu unterstützen und ist der Meinung, dass es gestattet sei, einen M aas er für diesen Zweck• zu nehmen. Mit einem herzlichsten Neujahrswunsch und Segen nahm der Chofez Chaim von allen Anwesenden Abschied, die ihm mit herzlichsten Jchirufen und Glückwünschen für seine Anwesenheit, die die Kenes9io Gedaulo verherrlicht hat, zu danken. Das Wort ergreift Rabbiner Kahnemann aus Poniewies. ln solchen Zeiten eine Kenessio mit solchen Gelehrten einzuberufen, ist eine grosse Tat und diese Tat muss herrlichste Früchte tragen. Der Kampf gegen den Strom muss aufgenommen werden und das Losungswort zu diesem Kampfe ist: ״Schma Jisroel". Delegierter S. Friedmann bringt eine Deklaration der Jugend zur Vorlesung, in der die Jugend feierlichen Schwur für die Thora und Disziplin gegen die Moezes Gedaulo Hathora ausspricht. Eine ebensolche Deklaration gibt Delegierter Eckermann im Namen der orthodoxen Arbeiterschaft. Nachdem der Rabbiner aus Koretz, Oberrabbiner E p p s t e i u - Slobotka, Abschiedsworte an die Kenessio Gedaulo richteten, spricht Rabbiner Jadler aus Jaffa die Hoffnung aus, dass wir die nächsten hohen Feiertage in Jerusalem im eigenem Heiligtum feiern werden und der Chofez Chaim, der Koben Godel sein wird, der unser Gebet dem Himmel übermitteln wird. Hierauf ergreift das Wort Rabbiner Schapira- Sanok: Die Diagnose wurde in Katowitz gestellt. Die Hilfe für den kranken Volksorganismus ist die Kenes9ioGe daul 0. Wer d i e J u g e n d hat, der hat auch die Zukunft. Wir erklären feierlich in diesem Augenblick und nehmen die vollste Verantwortung auf uns für diesen Ausspruch. Was wir machen, geschieht auf Grund der Thora, Wir müssen alle zu uns rufen. Der Sieg ist unser, denn wir erreichten seit Jahrtausenden, das Höchste was wir erreichen konnten in dieser Zeit. Wir sind wieder ein G־ttesvolk• Es lebe die Agudas Jisroel! Das Wort ergreift zum Schlüsse Präsident Rabbiner Dr. Finchas Kohn: Es ist schwer, manchmal die richtigen Worte zu finden. Die Worte des Abschiedes versagen mir, und 80 möchte ich nur unsere Danke9pflicnt für alle die Treue und Liebe, die uns erwiesen wurde, abstatten. Ich danke herzliehst unseren Mitarbeitern in den versehiedenen Büros, die uns während der ganzen Kenessio Gedaulo aufopferungsvoll unterstützten. Ich danke den Organen deröffentlichen Sicherheit und den Herren Vertretern der Presse, die mit uns in diesen acht Tagen so innig zusammengewachsen sind. Ich danke allen, die zu uns gekommen sind. Für die Juden Wiens sind das Tage der Geschichte gewesen. Ich danke auch dem Führer der grossen polnischen Organisation, O b e r r a bbiner Schapira, dass ich von ihm Dank und Anerkennung gefunden habe. Ich weiss, was das bedeutet. Wir werden weiter Zusammenarbeiten, und es wird uns gelingen, die ganze Arbeit mit CMtes Hilfe zu bewältigen. Das ist die Hoffnung, mit der ich Sie entlasse. Die Kenessio Gedaulo Ist geschlossen! Kaufet nur ßollinger Eiskasten Fabrik: Wien, XV. Staglgasse 10, Telephon 38.-119 Filiale: Wim, VH. H11r״»asse 17, Telephon 33.572 wn, v* ־a <4> ־*> .׳»־•■* TJjsrsEJDXJNra-x Infolge Anhäufung der Lngerbestilude verkaufen wir für kurze Zeit komplette Küchen, und zwar: 1 Kredenz mit Ornament• verglaaung, 1 Abwaschtisch mit 2 Zlnkschaffeln, 1 Kohlenklste, 1 Mistkiste, 1 Stockerl, alles prima weiss emaillackiert, statt K 1,800,000 zum iiusserst billigen Preis von K 1,390,000, Billigste Eink&ufsquelle von: Vorzimmern, Schlaf- und Mäd• chenziimnern, Küchen, Bureau- und Gescliäflseimichtungen. Verkauf sämtl. Küchengeräte. Möbel-Spezialfabrik ״Küchen־ fet״, Karl Kllmbetger & Co., XX. Engelsplatz 6, Ooldeua Medaille 1918. Filialen: 1. Spiegelgasse 15, IV. Margareten• strasse 2, VI. Stumpergasse 51, VIII. Jogefslädterstraase 8 י, XVIII. Währingerstraase 115, XXI. Hauptstraafle 28, XXI Kavran, Wagramerstrasse 118.