Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 18 (4.5.1923)
- Date
- 1923-05-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 116 . _ , _JÜDISCHE PRESSE _ ,_' _Nr. 18 TSCHECH 0-S LOWAKE'I. Religiosität bei Juden und Christen. In Nummer 8 der vorzüglich redigierten liberalen und pazifistischen Halbmonatschrift ״Die Wahrheit“ in Prag veröffentlicht Joseph Lazarus unter dem Titel ״Liegt der Antisemitismus im Interesse der Kirche?" einen interessanten Aufsatz, worin er auf das Interesse der Kirche an der Erhaltung der strengen Religiosität im Judentum hinweist. Der Antisemitismus, wie er besonders in der ״Numerus clausus־״ Bewegung an den Tag tritt, ruft aber Glaubenslässigkeit und Renegatentum im Judentum hervor. Wir können natürlich nicht mit der Beweisführung des Artikels in allen Teilen übereinstimmen. Der Grundgedanke jedoch,׳ den er vertritt, nämlich der einer Konnivenz der Religionsgemeinschaften nicht in politischer, wohl aber in allgemeinkultureller Beziehung liegt doch viel zu nahe, als dass er unbeachtet bleiben dürfte. Er ist übrigens auch früher schon in jüdischen Kreisen (leider nur in solchen) aufgetaucht. Wir verweisen z. B. auf die Gedankengänge Dr. Nathan Birnbaums, der des öfteren auf die Ungläubigkeit als die grösste kulturelle Gefahr der gesamten Menschheit aller Konfessionen in flammenden Worten aufmerksam gemacht hat. Birnbaums Forderung ist allerdings nach innen und nicht nach aussen gerichtet. Das jüdische Volk steht und fällt mit seiner Gläubigkeit und seiner religiösen Kulturmission. Ihr verdankt es alles, was e> besitzt, und in ihr ist die Quelle seiner Leistungen seit seinem Urbeginn bis auf den heutigen Tag. Die Niederringurfg des ״Heidentums" im jüdischen Volke selber ist — nach Birnbaum — die Forderung der Stunde, einerlei ob ein Antisemitismus da ist oder nicht. Das Juden־ tum muss ״Göttis Volk" bleiben, weil dies seine Bestimmung, seine einzige Daseinsberechtigung ist. Birnbaum stellt hiezu ganz bestimmte organisatorisehe und ethische Forderungen auf. Wir fürchten, dass Lazarus ausserhalb des Judentums nicht viel mehr Verständnis finden wird, als Birnbaum in jüdischen ״glaubenslässigen" Kreisen entgegengebracht wird. Wir bringen aus dem genannten Artikel hier das ״Strenggläubigkeit aller Religionsbekenner״ überschriebene Kapitel zum Abdruck, das auch' unsere Leser interessieren dürfte : ״Alle Religionen Europas fusseh auf der Lehre Moses. Zusämmengeininden, halten sie die Weit in Schranken; entzweit, geben sie jedermann den Freibrief zur Glaubenslässig־ keit. Gute Konnivenz der Kirchen erzeugt StrenggKlubigkeit. Schlechte Konnivenz — Unglauben. ♦ ♦ ♦ ׳♦ Grand Sanatorium (Ua$$erbcifan$talt Bratislava (Prmbura). tiefer Ulea Erstklassige diagnostische, diätetisehe u. physikotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe. Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Ohren-, Kehlköpfu, Hautkrankheiten, Röntgenbehandlung. Chemische u. bakterio- // logische Laboratorien. // Täglicher Pauschalpreis v. ÖK 55 aufw. Pauschalpreis für Entbindung v. cK 1100 bis ÖK 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige 2K 15 FREIE ÄRZTEWAHL. Rituelle כשל Verpflegung unter Aufsicht des Pressburger orthodoxen Rabbinates. Es ist unmöglich, den religiösen Sinn einer Glaubensgemeinde wach zu halten, wenn in der Nachbargemeinde Glaubenslässigkeit vorherrscht. Daher das Interesse aller Seelsorger, auf die Strenggläubigkeit der Nachbargemeinde hinweisen zu können. Wo es strenggläubige Juden gibt, dort gibt es auch strenggläubige Christen. So in Polenso in England. Wo die Juden glaubenslässig sind, dort sind es auch die Christen. In Schottland wollte ich Sonntags im Schreibzimmer meines Hotels schreiben. Alle Tintenfässer waren aber weggeräumt. Nichts ahnend, machte ich mich daran, mit Bleistift zu schreiben. Da bat mich der herbeigeeilte Saalwärter, dies zu unterlassen, da es Sonntag sei. Ein Heft wollte ich meinem dort studierenden Sohne in seine Wohnung tragen. Da wurde ich vom Torwart des Hotels aufmerksam g-macht, dass das Tragen von profanen Gegenständen über die Gasse am Sonntag Aergernis erregen würde. Die Schotten feiern ihren Sonntag .ebenso rigotos wie die Juden ihren Sabbat. Der Rabbiner, den ich frug, wie dort die Juden von der christlichen Geistlichkeit angesehen wären, belehrte mich: ״So lange hier nur schottische Juden siedelten, standen diese ob ihrer Frömmigkeit in hohem Ansehen. Die christliche Geistlichkeit brauchte bloss auf das lebende Bibelvolk hinzuweisen, um die eigenö Gemeinde strenggläubig zu erhalten. Seitdem aber vom Kontinente her neologe Juden einwanderten, die den Sabbat nicht hallen, fällt es den christlichen Geistliehen schwer, ihre praktischen Schäflein bei ״aktiver“ Religiosiiät zu erhalten. Das Beispiel ncologer Juden zeigt, dass es viel bequemer ohne Sabbatzwang geht. An der Glaubenstreue der Juden zu rütteln, verursacht nur üble Folgen auf beiden Seiten, Ueberläüfer bringen Unglauben in die Christliehen Reihen. Im Palaste des Lord Samuel Swaithling in London wohnte ich einem Seder-Abende bei. Die zahlreiche Kinderschar mit den Haggada-Büclilein um den Tisch herum. Die feierlichste Stimmung. Der christliche Lord-Mayor von London zur Rechten des Hausherrn. Die jüdische Köchin nach orthodoxer Art am Seder-Tische teilnemend. Die Tür nach Vorschrift geöffnet bei den Worien : ״Wer hungrig ist, der komme und feiere mit uns den Seder.“ Das Beispiel des altbiblischen Familienlebens ruft begre flichervveise beim christlichen Lord Mayor den Wunsch wach, seinen Heiligen Abend nach seiner Keligionsweise ebenso strenggläubig zu feiern. Wo es fromme Juden gibt, dort gibt es auch fromme Christen. Um den Gegenbeweis zu erbringen: Als ich den Kultus- Vorsteher einer neologen österreichischen Gemeinde einlud, mir seinen Sohn zum Seder-Abend zu schicken, nahm dieser die Einladung mit dem Bemerken an, dass sein Sohn noch ’nie eine Seder-Feier gesehen habe. Wie der Vorsteher war, so war auch die ganze Gemeinde, so auch die anderen Religionsgemeinden derselben Stadt. Wo das geborene Bibelvolk in Religions9achen fahrlässig ist, dort werden es auch die Christen. Daher das Interesse der christlichen Seelsorger, die Juden hei Strenggläubigkeit zu wissen.“ Ohne Bad — keine Gesundheit! Dampfbad und Heilanstalt Bratislava (Pressburg), Grössliggasse Nr. 10 Erstklassige Dampf-, Wannen- und Schwimmbäder! Frisiersalons! Maniknre und Pediküre! Vorsicht vor zionistischen Fälschungen! In unserem Lande wird ein hebräisches Flugblatt versandt, das mit der Unterschrift Ra b;b J J i z c h o k J.erucham D i n s k i n s . versehen, von , unflätigen Beschimpfungen gegen Rabbi Josef Chajim Sonnenfeld strotzt. Die Herausgeber und Absender dieser Schmähschrift sind nicht genannt. Alle Zeichen deuten jedoch darauf hin, dass wir es abermals mit einem jener Pamphlete zu tun haben, die die Absicht verfolgen, Zank und Hader unter den Orthodoxen aller Länder, anzustiften, um dann inmitten der Verwirrung die heiligsten Interessen des Judentums den ״Zionisten“ in die Hand zu spielen. Soweit wir unterrichtet, sind, herrscht zwischen den beiden religiösen Autoritäten des Judentums in Jerusalem das beste Einvernehmen, wie dies die erst vor wenigen Tagen veröffentlichte gemeinsame Kundgebung fiir die ״Kenessijoh Gedauloh“ der Agudahs Jisroel beweist. Den Empfängern ähnlicher Schmähschriften in der Slowakei und Karpathorussland wird empfohlen, ihnen keinerlei Beachtung zu schenken, bevor sie sich von deren Echtheit durch Anfrage an kompetenter Stelle vergewissert haben. (Nach Redaktionsschluss erhalten wir ein Telegramm von Rabbiner J. J. Dirkin, Jerusalem, in welchem der greise Rabbi unsere Vermutung bestätigt und das betreffende Zirkular als ein Pamphlet und Fälschung ärgster Sorte bezeichnet). Berichtigung. ״Szombat“ berichtet aus Nove Zamky, d^iss dort die orthodoxen Kaufleute die Absicht hätten, ein separates orthodox-jüdisc 11 es Handelsgremium zu schaffen. Wir erfahren von zuverlässiger Seite, dass in der betreffenden Ver- Sammlung, die der Sonntagsruhe gewidmet war, von keinem Menschen eine Aeitsserung getan wurde, die auf eine solche Absicht sc 11 Hessen Hesse. Nationale Trauer und Zionismus in Prag. Wenn wir aus Anlass des jüdischen Simchas Thora- oder des Purimfestes von zionistischen Vereinen Bälle und Tanzunterhaltungen angekündigt selien, will es uns manchmal scheinen, als ob in jenen Kreisen sich d 0 c 11 allmählich eine Art ״Rückkehr zum Judentum“ durchsetzte. Die Zionisten begännen bereits an ״Freud und Leid“ des jüdischen Volkes einen gewissen Anteil zu nehmen, nur seien ihre Vorstellungen von den Formen, unter denen Juden ihre ״nationalen“ Gefühle und Stimmungen zmn Ausdruck zu bringen pflegen, noch zu sehr von der Moral der nichtjüdischen Umgebung und der zionistischen ״Er- Ziehung“ beeinflusst. Wir sagten uns beruhigend: mögen sie sich doch zunächst an unseren Festen auf ״ihre‘^ Weise freuen: wenn einmal erst noch ein bis zwei Jahre vergangen sind, so werden sie sich schon in einer Art freuen, wie es jüdischen Kindern geziemt. Schliesslich ist doch auch der ״Misrachi“ da. Der wacht doch wohF. darüber, dass die Entwicklung des Zionismus sich in dem ״richtigen“. Bahnen aufwärts bewegt. Und der Einfluss der bedeutendsten zionistischen rabbinischen Autorität, des« Klausenburger Rows ist doch auch nicht wegzumachetu Seine begeisterten Reden sollen laut misrachistischem Zeitungsberichten von geradezu unwiderstehlicher Wirkung sein. Und er redet doch gewiss bei allen Gelegenheiten und in allen Versammlungen seinen zionistischem Gesinnungsgenossen ordentlich ins Gewissen. Worüber sollte er denn sonst reden? Aus diesem Grunde konnte inam mit einer gewissen Neugierde danach ausscliatien, irr welcher Weise die ״rüci-cgokelirfeu“ Zionisten, 25 Jahre nach dem Bestände des Zionismus, die g r o s s e 11 a t i 0־ n a 1 e Trauer während der ts c p h i r a ־ Tage begehen würden. Verlautete es doch seit einiger Zeit bereits, dass ihnen ״La g - b o a u m e r“ kein vollständig unbekannter Tag sei, ja dass sie für diesen 'lag gerade bei uns in der Tschecho-Sfowakei irgend eine grosse Veranstaltung mit ״allgemeiner“ Geldsammlung für einen ihrer idealen nationalistischen Zwecke vorbereitend Wir erwarteten also von diesen Zionisten, die sich seit 25 Jahren ״unterwegs“ zum Judentum befinden, sie־ Würden beispielsweise die T r a 11 c r z e i t hindurch ״sieben volle Wochen“ obligatorisch mit mattschwarzem: Trauerband auf dem linken Oberarm einhergehen oder sie würden allabendlich statt Sephirazählen mit יש□ ומלכות irgendeine Trauerfeier abhalten mit Vorträgen über jenen Rabbi Akiba zumindest, der dein vnationalen“ Aufstand unter Bar-Kochba so nahegestanden sein soll.. Kurz man vermutete so etwas, was der Absicht nach zwar ״jüdisch“ gemeint, praktisch aber recht ״gojisch“־ ausgeführt sein werde. In der Tat, nach wochenlanger Vorbereitung ist nun die Trauerfeier endlich angekündigt. Aber wie merkwürdig! Die Zionisten halten eine . ״nationale“ Trauerfeier ab, genau auf dieselbe Weise,., wie Gojim -rlehawdil — Freudenfeste begehen!, Am dreissigsten Sephira-Abend, 8 Uhr, findet nämlich im Prag ein grosser zionistischer Kabarett- und Tanzabend statt, von dem wohl kein guter Zionist oder Misrachist fernbleib^n kann. ״Das Interesse an der Veran— staltung“, so berichtet mit Genugtuung das offizielle Blatt aller Zionisten unserer Republik ״beweist die grosse Zahl der Vormerkungen, so dass nur noch eine Verhältnismassig kleine Anzahl von Logen und Tischplätzen zur Verfügung stehen“. Um eventuellen . misrachistisehemv Drückebergern die Lust an dem Ausweichen־ zu nehmen,., wird ausdrücklich bekanntgegeben, dass ■dieser ״Kabarett- und Tanzabend“ nicht etwa eine private Feier besonde rs national gesinnter Trauernder, sondern ״als gemeinsame Veranstaltung der jüdischen Vereine anzusehen ist“״ ״Es ist daher Pflicht der Mitglieder der zionistischem und jüdischnationalen Vereine, diese Veranstaltung zu besuchen und durch Propaganda zu unte r— stütze n“. So lautete die zionistische Vorschrift vom Prag. Sollte irgend jemand an einer, solchen Ankündigung: Anstoss nehmen, so ist eas sicherlich ein orthodoxer Jude*- agudistischer Gesinnungsart, der sich zu wahrer ziom'sti-r scher Auffassung jüdischer geschichtlicher Erlebnisse noch nicht emporgerungen hat. Unsere zionistischen und mis— rachistischen Leser bitten wir immerhin um Verzeihung״: dass wir ihnen diese Trauerfeier nicht . recht— zeitig zur Kenntnis gebracht haben. Es täte uns leid,, wenn wir an einer eventuellen Pflichtverletzung mitschuldig wären. Alle Damen, die vorteilhaft aussehen wollen, tiagen Perücken;, Transformationen, Naturscheitel und Teile aus feinstem; dauergewellten Haare aus der Kunstwerkstätte für moderne Haarersatzteile I,, Mahlerstrasse Nr. 5, Teleph. 6392. Katalog gratis, grösstes Haarlager, daher zivile Preise _li-ח-ר—l - ■1—1־1-_ר־ 1_L.[U.,nuuiVL־r־L1MLiurunr»Mitn1 .1 -yr-1 ר~ד ־ *־־' ***-*“* *־*- *-• —*־ —— —■•*־•* —«- ————* - -— —* —• —־ — ■ —־ ■ ־*— —- -- - ThnratrPiiP liirlpn »ichert euer Wahlrecht I HUI HU uUC ÜUUull zur Kenessio Gedaulo | Tretet der Agudas Jisroel als Mitglieder bei.