Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 16 (20.4.1923)
- Date
- 1923-04-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 100 JÜDISCHE PRESSE Nr. 16 Obenan möchte ich die Belehrung und Beeinflussung durch Schrift und Wort setzen. Es müsste eine volkstümliche, spezielle Sabbathliteratur geschaffen werden und weiteste Verbreitung finden. Ueber die grosse Bedeutung gutgeschriebener, allgemeinverständlicher Volksbücher im Sinne des orthodoxen Judentums gerade bei uns in der Slowakei soll vielleicht nächstens in anderem Zusammenhänge gesprochen werden. Hier möchte ich nur fe'ststellen, dass wir in unserem Lande fast nichts haben, was man der Jugend, den Frauen und Mädchen und den weniger gelehrten Volksschichten zur Lektüre in die Hand geben könnte, um sie über den Sabbathgedanken und die Sabbathpflichten zu belehren und die Opferbereitschaft für den Sabbath bei ihnen rege zu erhalten. Aus den reichen Schatzkammern unserer Literatur müssten die Stellen, die von der Erhabenheit des Sabbaths sprechen, gesammelt und in allen möglichen Tonarten zum geistigen Grundbesitz eines •jeden jüdisehen Mannes und einer jeden jüdischen Frau gemacht werden. Was jüdische und nichtjüdische Denker, Dichter und Schriftsteller über den jüdischen Sabbath gesagt und geschrieben haben, soll jedem Juden schon von der Schule angefangen geläufig sein; in unseren jüdischen Schulbüchern und in der Schullektüre muss dem Sabbath ein breiter Raum bestimmt werden. Der Erhaltung des unvergleichlichen, heiligen Zaubers jüdischer S a b b a t h s t i m m u n g in Haus und Familie sollte zielbewusst und planmässig Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die häuslichen Tischlieder fiir den Sabbath, die זמירות של שבה, müssten von Sangeskundigen besonders gepflegt und deren Melodien zu Familientraditionen gestaltet werden. Auf das Anlegen besonderer Kleidung am Sabbath (während des ganzen Tages und nicht nur beim Gottesdienst!) sollte auch der Aermste bedacht sein. Fiir keinen Fall sollte die spezifische Sabbatht r a c h t — wo eine solche eingeftihrt ist — abgeschafft werden; ihr psychischer Erziehungswert kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Agudas Jisroel - Gr uppen müssten von Zeit zu Zeit besondere Versammlungen für den Sabbath- Gedanken veranstalten und wirkungsvolle Redner sollten sich den Gruppen und Vereinen eigens hieftir zur Verfügung stellen. Die Rabbiner sollten mehrmals im Jahre der Sabbathheiligung דרשוה widmen. Durch die Bereicherung und Vertiefung der allgemeinen Kenntnis vom Sabbath, durch beharrliehe und intensive Bearbeitung der Gemüter würden mit der Zeit alle Volkskreise die Wahrung des Sabbath wieder zu einem wesentlichen Bestandteil der jüdischen öffentlichen Moral und zu einer Forderung machen, der־ sich kein Mensch wird entziehen können, wenn er auf Beachtung in der jüdischen Welt Anspruch erhebt. Ferner müsste sich im öffentlichen Leben der Gemeinden — wohlgemerkt der orthodoxen Gem e i n d e n — und den gesellschaftlichen Vereinen ein konsequenter Standpunkt den מחללי שבת gegenüber durchsetzen. Diese Frage greift tief in das Persönliche hinein und scheint rein negativer Natur zu sein. Sie ist es indessen durchaus nicht. Die Forderung muss positiv gestellt werden, dass in jüdischen Gemeinden, Vereinen, Organisationen, Institutionen und sonstigen jüdischen Vertretungskörperschaften nur solchen Personen die Leitung und Verwaltung an vertraut werden soll, deren Verhältnis zu einem Kardinalgebot des Judentums, wie es die Sabbathheiligung ist, durch ihr persönliches Leben und Handeln im jüdischen Sinne gekennzeichnet erscheint. Ganz gleichgültig, ob es statutengemäss zulässig ist oder nicht, moralisch sollte es als unmöglich betrachtet werden, dass ein öffentlicher מחלל שבת von jüdischen Menschen in j ii d i s c h e n Dingen zum Führer und Vertreter auserkoren wird. Unsere orthodoxen Juden sollten es endlich einsehen, dass sie ihren eigenen Lebensgrundsätzen einen Faustschlag versetzen und die jüdische Gemeinschaft aufs tiefste herabsetzen, wenn sie, aus welchem Grunde immer und zu welchem Zwecke immer, einen ostentativen ״Sabbathschänder“ durch ihre Stimme zur Führerschaft im Judentum verhelfen. Wiederum sollte es Sache der Agudisten sein, hier prinzipienfest und reinigend zu wirken. Bei allfälligen kommenden Wahlen in die Gemeindeverwaltungen und sonstigen jüdischen Körperschaften sollte es nur eine Parole geben :Wählet keine öffentlichen מחללי שבת Es wird sich dann bald zeigen, wie eine solche Wahl- Parole ermutigend wirkt und zur Hebung des Selbstbewusstseins Derjenigen beiträgt, die dem Sabbath zuliebe auf tausenderlei Annehmlichkeiten und Vorteile im Leben verzichten müssen. Schliesslich müssten die Aguda-Gruppen in allen Gemeinden die s o zia 1 e Fii r s 0 rge für die Gewerbetreibenden und Angestellten in Angriff nehmen, die infolge der Sabbathheiligung Wirtschaftliehen Schaden erleiden. A r b e i t s- und Stellen- Vermittlung vom Gesichtspunkte des Sabbath, Schaffung von Verbindungen und Beziehungen als geschäftliche Basis für jüngere Kaufleute, ן die sich unter Wahrung des Sabbath in irgendeiner Branche etablieren wollen, Errichtung von Werk- Stätten fiir gelernte und Arbeiterkolonien für ungelernte fromme Arbeitslose, Veröffentlichung von Firmenlisten der sabbathhütenden Kaufleute und Handwerker, all das und noch vieles andere wären positive praktische Leistungen im Interesse der ״Sabbathruhe“, die von reichem Segen begleitet sein müssten, wenn sie in geeigneter Weise unternommen würden. Ein grosser Teil des ״S 0 n n t a g s r u h e“- Problems würde gegenstandslos werden, wenn wir uns mehr dem Problem der ״Sabbathruhe“ zuwenden würden. Trnava. Aus Trnava (Slowakei) schreibt man uns Am 27. März d. J. verschied hier Herr Adolf Bardach, Holzhändler und langjähriges Vor- Standsmitglied der hiesigen orth. isr. Kultusgemeinde sowie der Chewra K e d i s c h a. Derselbe entstammt einer hochangesehenen alten Rabbinerfamilie. Er zeichnete sich durch wahre Gottesfurcht und Frömmigkeit sowie grossen Wohltätigkeitssinn aus. Der Verblichene, der sich in der ganzen Slowakei gross.er Beliebtheit erfreute, wurde am 28. März unter grosser Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung zu Grabe getragen. Friede seiner Asche! Ehre seinem Angedenken! Ohne Bad — keine Gesundheit! Dampfbad und Heilanstalt Bratislava (Pressburg), Grössliggasse Nr. 10!Erstklassige Dampf-, Wannen- und Schwimmbäder! Frisiersalons! Maniküre und Pediküre! L___ Agudas Jisroel ln Cuz. In den Vorstand unserer jüngst gegründeten Ortsgruppe wurden folgende Herren gewählt: Gemeindevorsteher Ödön Weisz (Ehrenpräses), Se. Ehrwürden Oberrabbiner Leo Fürst (Präses), Franz Wieder (Vizepräses), Sigmund Herz (Kassier), Samu Markstein, Ödön Honig, Lipöt Neuhaus, Viktor Adler und Bela Buchinger. Merkwürdige Spender. Zu unserer Notiz aus Stupava in Nr. 13/14 bestätigt die dortige Misrachi-Ortsgruppe (gez. Ing. Emil Weisz und Käthe Schwitzer), dass die Spender, deren Liste sie veröffentlicht hat, auch dir nicht bekannt seien, doch waren sie, ״soweit ihre Informationen reichen, nicht katholisch“. Vielleicht also evangelisch; denn wären sie ״Juden“ jüdischen Glaubens, würde man sie wohl in einer so kleinen Gemeinde kennen. ״Von einer Mystifikätion könne schon deshalb keine Rede sein, da dergleichen in unserem Verein nicht üblich ist“, schreibt der Misrachi von Stupava. Auch recht. Rabbinerjubiläum. In unserem Berichte über die 25jährige Jubiläumsfeier des Ehrw. Oberrahbiners II e r z 0 g in Stupava ist infolge eines Versehens nicht mitgeieilt worden, dass die schöne Begrüssungsansprache im Namen der Gemeinde von Herrn Gemeindevorsteher Markus W eher gehalten wurde. Gemeindewahl in Pre§ov (Eperies). Die Wahlen in unserer orthodoxen Gemeinde, die am 4. April siattfanden, waren in diesem Jahre ruhig verlaufen und führten zu einem Resultäte, das allen beteiligten Parteien viele Möglichkeiten bietet, sich im Interesse der Gemeinde und des orthodoxen Judentums zu betätigen —wenn sie wollen. Zum Präses wurde der bisherige Präses Herr Lajos Preiss zum Zeichen der Anerken- .vTa vT/ KALENEARIU \T/ vTv nung seiner Verdienste um das Wohl der Gemeinde wiedergewählt. Herr Josef Fischgrund wurde zum Vizepräsidenten gewählt. Die Repräsentanz besteht aus folgenden Herren: Simon Friedmann, Simon Müller, H. Willner, Israel Treitel, Samuel Leuchter, Abraham Fränkel, Simon Lenz, Juda Rosenfeld, M. D. Goldberger, A. Goldstein, N. Gross, M. Herz, Ad. Fritnkl, S. Wahrman, Mart. Schwarz, A. Jordan, J. Arnstein, Julius Eisenstädter, S. Sameth, M. Aussenberg, Is. Wohl, L. Goldiner, H. Schwarz, Dr. S. Neuwirth, J. Sternbach, F. Schwarz, H, Weiss, L. Kronemer, L. Friedmann; als Ersatzmänner B. Stein״ lauf, Jenö Schreiber, II. Spira und Z. Weiss. ♦ ♦ Grand Sanatorium B Wasserheilanstalt Bratislava (Prm&ura), derer lüca Erstklassige diagnostische, diätetisehe u. physikotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe. Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Ohren-, Kehlköpfu, Hautkrankheiten, Röntgenbehandlung. Chemische u. bakterio- // logische Laboratorien. // Täglicher Pauschalpreis v. öK 55 aufw. Pauschalpreis für Entbindung v. cK 1100 bis cK 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige öK 15 FREIE ÄRZTEWAHL. Rituelle כשר Verpflegung unter Aufsicht des Pressburger orthodoxen Rabbinates. Aerztliche Nachricht. Primarius Dr. Josef Keppich, Leiter der chirurgischen Abteilung im Jüdischen Krankenhause in Bratislava, wohnt jetzt Grösslinggasse 21 (gegenüber dem Dampfbade) und ordiniert chirurgischen Kranken nachmittags von 3 bis 4 Uhr. Telephon 14-76. Aguda-Anhänger in Gemeinden, wo Orts- und Jugendgruppen noch nicht organisiert sind, werden dringend gebeten, ihre Adressen der ״Landeaorganisation der Agudas Jisroel. in der Slowakei“ in Bratislawa, Turnergasse 14/16, Postfach 140, freundlichst bekanntzugeben. Agudisten, die vorübergehend in Bratislawa weilen, sollten es nicht versäumen,, im Bureau der Agudas Jisroel, Turnergasse Nr. 14/16, 1. Stock, vorzusprechen. unseres Blattes bevorzugt bei Einkäufen die Firmen, die hier annoncieren, und beruft sich bei Bestellungen in seinem und unserem Interesse auf die 5 VI v Personalia. VTv Mattersburg. Sonntag, den 15. März 1923 fand in Mattersburg (Burgenland) in Anwesenheit zahlreicher Gäste die Verlobung des Frl. Helene Sprinzeles, Tochter des weit, über die Grenzen seiner Gemeinde hinaus bekannten und geschätzten Herrn Bernhard Sprinzeles, mit Herrn Max Kolh aus Oedenburg statt. Die Verlobungsfeier, die einen wahrhaft er— hebenden Verlauf nahm und welche über den Rahmen eines Familienfestes weit hinausging, zeigte, welch grosser Achtung, und Wertschätzung sich beide Familien innerhalb weiterer Kreise erfreuen, und brachte auch die zahlreichen Sympathien, die dem verehrten Brautpaare entgegengebracht wurden, zu beredtem Ausdrucke. An der reichbesetzten Tafel sprachen. Seine Ehrw. Oberrabb. S. Ehrenfeld, Herr Rabb.-Assessor J. Taussig, Herr H. Sprinzeles, Wien, und schliesslich der Bruder der Braut, Herr Ludwig Sprinzeles, der durch seinen formvollendeten talmudischen Vortrag die Aufmerksamkeit aller auf sich lenkte und auch ungeteilten Beifall fand. Das von herrlichen Diwro Thora gewürzte Mahl, in dessen Verlauf. Herr Siegmund Mayer das Wort zu kurzen, aber inhaltsreichen Ausführungen ergriff, hielt die solenne Gesellschaft bis in diespäten Abendstunden im gemütlichen Zusammensein vereint und wird gewiss allen Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. Tag April Ijar | Notizen Sonniag 22. 6. 7. Tod lt. Levi b. Gerson (Ralbag) 6014 — Tod R. Z’bi Auerbach, Worms 5538 Sefira 21 Montag 23. Tod R. Salamon Efraim Lunschitz (Oleloth Efraim), Prag 5379 Sefira 12׳ Dienstag 24. 8. Tod R. Menachem Manes Chajes, Wilna 5696 Sefira 23 Mittwoch 25. 9. Tod R. Avigdor Krob, P! ag-Reg«nsburg 6199 — Tod R. Cbajim Friedländer (Tal Chajim w’habrocho'• Olaliszka (Ung.) 5664 Sefira 24 Donnerstag 26. 10. Tod Elis — Tod R. Alfasi 4833 (nach anderen am 11.) — Tod R. Meir Margolies, Leinberg — Ted R. Feiwel, Ostrovce Sefira 25 F reitag 27. 11. Tod R. Sorah Eideis, Prag — Tod R. Azriel Grün, Alunkäc« 6601 Sefira 26 Samstag 28. 12. ' Achre — Kedoschim — Haftora: Halau Riwene — Perek 3. — Tod R, Arje Leb Chassid, Przemysl 6454 — Märtyrertod R. Jeschia und Frau, Wilna 5483 — Tod R. Israel Chajim, Trencsin 5555 — Tod R. Binjomin Zew Hirschler, Tapolesany 5625 Sefira 27 Spendenausweis. Agudas Jisroel. 1. Organisation: Diverse Mitgliedsbeiträge K 161.000, Purim-Veranstaltung 376.000, Moritz Grünfeld 5000, Hermann Birin20t0, Anonym 10.000, durch B. Rabinovitsch 85.000, Idel Scheivach 12.000, Alexander Steiner 132.000, Arnold Grünfeld 50.100, Melawo Malko 128.000, Dezsö Schlesinger 20.000, Gesammelt auf Hochzeit Felsenburg-Kohn 440 000, Thoraspenden Beth-Hamidrasch ״Thora ez Haim“ 233.000 Mitgliedsbeiträge gesammelt durch Armin Braun : N. Löw-Beer (halbjährig) 30.000, Oskar Herzka 30.000, Arnold Ehrenfeld (halbjährig) 16.000, Josef Koss 60.000, S. Brozlawski (halbjährig 25.000, Ernst Spitzer 24.00 ), Gustav Herzog (halbjährig) 20.000, Max Klein (halbjährig) 12.000, Hermann Roth (ein. Monat) 2000, Emil Richter (ein Monat) 2C0D, Armin Braun- 10.000; zusammen: K 220000, Philip Schenk 24.000, Max Adler