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Jüdische Presse · 1923-04-20 · 16 (20.4.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
16 (20.4.1923)
Date
1923-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b.b JUDISCHE ^;i:.aiyt>iAk 1., i'TBnv^min^ CJÜOISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, Ii., Malzgasse 12a. — Telephon 49 054. Tschecho-SIowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise j Ganzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn K 1500, Tschecho-SIowakei Kö. 7o.-, Deutschrand Mk. &000.—, Schweiz Frcs. 10.-, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 1C0 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 10.010—. Einzelnummer d.-ö. K 10C0, KS. 1.50. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.4i.9j für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-SIowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien. Postsparkassenamt Agram, Konto Nr. 40.217; für Rumänien. Banca Marmarosck Blanc & Co. für Josef Florenz & Co., Bukarest. Nr. IG Wien- Bin atislava, 20. April 1923 «yDT! 1 aTODOnfi-fW .T)D | 9- Jahrg. Das letzte Ziel der Kenessio Gedaulo. Der Prophet Secharia erschaute einst eine Zeit, in der die Völker wähnen würden, dass Israel ein Fluch für die Welt sei. Er verheisst, dass das Irrtümliche dieser Anschauung sich dadurch erweisen würde, dass der Allmächtige seinem Volke Israel dazu •verhelfen würde, e)üne Quelle des Segens für die Welt zu werden. Je tiefer die Völker der Welt sich mit der Leidenschaft des Hasses dem oberwähnten Irrtum hingeben, desto mässiger und hoffnungsfreudiger schürfen wir nach der Quelle des Segens im Dienste der Menschheit. Was immer in solchen Zeiten die Diener des göttlichen Wortes beginnen im Leben des einzelnen und in den Offenbarungen der Gesamtheit, muss in diese Quelle münden, also auch die Kenessio Gedaulo. Das ist so schwer eben nicht, denn es ist heute wohl jedermann klar, dass die Schuld an der Zerrüttung aller menschlichen Verhältnisse nicht in den Verfehlungen irgend eines Kabinetts, nicht in den Irrgängen einer vrfehlten Politik liegt, sondern dass es die vom prund aus verderbte und verderbende Weltanschauung war, welche den Pflug zum Schwert wandelte und alle Fortschritte technischer Wissenschaft in die Form der todbringenden Waffen kleidete. So war allmählich der Gedanke der Liebe aus der Welt geschwunden, ihm folgte der Gedanke des Rechtes und df? Entwertung aller sittlichen Werte. In ekelerregendem Gewand biedermeierischer Heuchelei traten Macht und Gewalt ihren Siegeszug durch die Welt an. Die materialistische Weltauffassung machte sich breit, das Ideale hatte jede Geltung verloren. Dies ist aber auch, was den inneren, wahren Gehalt der Phrase von einem Bankerott der Kultur darstellt; nicltf die Kultur ist bankerott geworden, sondern die Menschen haben die Segnungen der Kultur durch ihre Ideenlosigkeit und Ideenleerheit zu einem Fluch gewandelt. Und solange nicht in der Welt irgend eine Idee wieder zum Führer wird, irgend eine grosse Gruppe der Menschheit sich ohne jede materielle Nebenabsicht und unter Verzicht auf jede Machtstellung in den Dienst einer Sache stellt, solange wird der kranken Welt Genesung nicht zuteil werden. Wenn sich aber Menschen finden, die bekunden, dass ihnen die Idee alles ist, und wenn diese Idee noch dazu die Idee der Ewigkeit ist, die Idee der Beherrschung aller menschlichen Dinge durch etwas, was über dem Gelriebe der Menschen steht, und dieses Getriebe lenkt und leitet, so ist der erste Schritt zur Heilung getan und mit voller Hingabe kann dann die gequälte Menschheit jede Aeusserung der technischen, ästhethischen und ethischen Kultur zum Segen wandeln. Im Lichte dieses Gedankens gewinnt die Kenessio Gedaulo den Charakter eines Bekenntnisses. Vieles ist an die jüdische Welt herangetreten mit dem Versuch, auch diese Welt in den Strudel des Materiellen versinken zu lassen, die hehrste Verheissung wurde in den Staub des Alltags gezerrt und persönlichen Interessen dienstbar gemacht. Jüdisches Wollen wurde zu einem Instrument der Politik. Da soll nun die Kenessio Gedaulo kommen und soll erklären, uns ist die Idee alles, und zwar die Idee der Treue. Es ist, allgemein menschlich gesprochen, ganz einerlei, auf welchen Gedankenbereich sich eine solche Treue bezieht, die Tatsache der Treue an und für sich ist von bleibendem, belebendem Wert. Umso herrlicher und weiter ist die Auswirkung der Treue, wenn sie sich auf eine Idee bezieht, die mit der Wahrheit identisch ist. Wenn in der Kenessio Gedaulo die besten, reinsten Stunden einer mehr als dreitausendjährigen Vergangenheit wieder lebendig werden, wenn im Namen einer so. grossen Z^gjgi Renschen erklärt wird, dass uns die Treue, die nicht erschüttert'werdeil kann durch irgendwelche materielle Rücksichten, nicht abgelöst werden kann durch die Hoffnungen neuer Gesichtspunkte, alles ist, dann dürfte, und zwar zunächst unvermerkt, aber mit desto sichererem Erfolg, der suchenden Menschheit ein Weg gezeigt werden, wie der Fluch sich in Segen wandelt. Dies aber ist die Blüte des jüdischen Schicksals, dass jede einzelne Phasedes wahrhaft jüdischen Wollens der Gesamtheit der Menschen dient. Wenn wir wollen, so kann es sein, dass die Kenessio Gedaulo der armen Menschheit neue Bahnen weist zu einem frohen Aufschwung der Seele und zu leisem Ahnen des wiedererwachenden Glückes. P. K. Rabbi Juda Aszöd s. z. 1. (5556-5628.) (Fortsetzung.) Rabbi Mordechai Benet — und die anderen alten Talmudheroen, die in seinem Geiste wirkten — waren für ihre Jünger nicht nur die Führer und Wegweiser auf dem unermesslichen Gebiete der talmudischen Wisenschaft, sondern auch Erzieher, und zwar durch jene Methode, die, auch nach der Ueberzeugung von Pädagogen und Philosophen, die erfolgreichste ist: durch das eigene Beispiel. Diese Rabbiner verkörperten gleichsam ein ganzes Kompendium der Ethik, dessen überzeugender Kraft sich niemand entziehen konnte. Rabbi Juda Oszäd hatte das Glück, nicht nur der begabteste und gelehrteste, sondern auch alsbald der geliebteste Schüler Rabbi Mordechai Bennets zu sein. Dass der grosse Gelehrte rasch die Ueberzeugung von dem ausserordentlichen Wissen des Jünglings, von seinem verblüffenden Scharfsinn gewonnen hatte, ist nicht weiter überraschend. Aber es zeugt von dem scharfen Blick des seelenkundigen Landesrabbiners, dass er auch in kürzester Zeit die hohen seelischen Tugenden und Vorzüge Juda Oszäds erkannte, der nie dieselben ostentativ hervorkehrte, sondern im Gegenteil, durch sein schlichtes unauffälliges Betragen eher zu verbergen bemüht war. Aber das Antlitz des Jünglings ww^wwwvw strahlte so viel Frömmigkeit, Hochsinn und Güte aus, dass Rabbi Mordechai Benet in ihm wohl schon die zukünftige Leuchte Israels zu erblicken vermochte. Er zeichnete ihn in jeder Weise aus und übertrug ihm die, wenn auch nicht leichte, doch sehr ehrenvolle Aufgabe, in seiner Vertretung einer grossen Schar von Schülern Unterricht zu erteilen. Charakteristischer aber als alles ist die verbürgte Tatsache, dass der greise Landesrabbiner diesem seinem im jugendlichsten Alter stehenden Schüler die Erlaubnis gab, sich in das Studium der kabbalistischen Wissenschaft zu versenken, der zu nahen nur wenigen Auserwählten und dies auch nur im gereiften Mannesalter gestattet ist. Bei Rabbi Juda Üszäd, der selbst eine Ausnahme bildete, durfte getrost eine Ausnahme gemacht werden, ohne bedenkliche Folgen befürchten zu müssen. Und noch eines verdient hervorgehoben zu werden. Man wird es missbilligen, aber menschlich begreiflich finden, dass in einer nach hunderten Schülern zählenden Jeschibah, in deren Mitte gar viele hochbegabte Köpfe sich befanden, das Erscheinen eines so rasch zu besonderer Würdigung •gelangenden Jünglings auch Empfindungen des bitteren, das richtige Urteil trübenden Neides wecken konnte. Aber es dauerte nicht lange und auch die Gefühle der Missgunst und des Neides schwanden angesichts der bezaubernden Wirkung, die das Wesen des in frommer Demut wandelnden Jünglings Ernüchtert. Im House of Lords hat wiederum eine Palästina- Debatte stattgefunden. Mag auch die politische Bedeutung dieser Debatte nicht allzu gross sein, wird sie doch überall, besonders in jüdischen Kreisen, tiefen Eindruck machen; sie wird die jüdischen Massen ernüchtern. Dass die antisemitischen Lords, die scheinbar ganz unter dem Einfluss der arabischen Agitation gegen die Balfour-Deklaration stehen, von der Regierung die Zurückziehung derselben verlangen und die prozionistische Palästina-Politik der Regierung mit gehässigen, vielfach unwahren Daten bekämpfen, ist nicht überraschend. Es hat aber in dieser Debatte Lord Grey, der Führer der liberalen Partei, der vielbewunderte, überlegen-grosse Aussenminister im Asquith-Kabinett, das Wort genommen, und er hat sich offen zu denjenigen bekannt, die, als die Balfour-Deklaration erlassen wurde, nichts gegen den Zionismus gehabt haben. Im Gegenteil, soweit es sich um den Grundsatz des Zionismus handelte, stand er diesem nach eigenem Bekenntnis mit einem gewissen Wohlwollen und mit Sympathie gegenüber. „Heute aber — bekannte der edle Lord — sehe ich ein, dass die Lage ungeheuer schwer ist, wenn die Balfour-Deklaration mit den Zusicherungen verglichen wird, die seinerzeit den Arabern gegeben wurden. Es ist sehr wünschenswert, dass wir im nahen Osten keine neuen Verpflichtungen übernehmen, -vielmehr die bestehenden Verpflichtungen loswerden. Die am wenigsten wünschenswerten Verpflichtungen sind diejenigen, die uns zwingen können, die bewaffnete Macht nicht gegen einen äusseren Feind, sondern gegen die lokale Bevölkerung zu richten, die durch die Verpflichtungen eigentlich geschützt werden sollte. Ich glaube und bedaure es, dass in bezug auf Palästina gerade solche Verpflichtungen übernommen werden." Also sprach er, der in der ganzen Welt bekannt ist durch die moralische Geste, mit welcher er in England den Krieg eingeleitet und in den ersten Jahren des Weltkrieges seine Heimat mit überlegener Diplomatie geführt hat. Also sprach er, der in der ganzen Welt bekannt ist durch seine kühl abwägende, leidenschaftslose, mar! übte. Neid und Missgunst schwanden wie der Schnee vor den Strahlen der Sonne. Noch nicht zweiundzwanzig Jahre alt, erhielt Rabbi Juda Aszöd von seinem Lehrer Rabbi Mordechai Bennet ein dessen Wissen und Fähigkeiten begeistert rühmendes Zeugnis: die Autorisation zur. Bekleidung eines Rabbinates. Mit diesem ausgerüstet, kehrte er nach der mehrjährigen Abwesenheit wieder nach Dura-Szerdahely zurück, wo er selbst bei den vielen grossen Talmudisten, die in dieser alten Gemeinde sich eifrig der Pflege der Gotteslehre widmeten, verehrungsvolle Bewunderung fand. In Duna- Szerdahely führte er auch bald darauf die Gattin heim. Die Autorisation zum Rabbiner und auch die Gattin hatte nun Rabbi Juda Aszöd, es fehlte nur noch das Amt. Er war, bei seiner grossen Mittellosigkeit auf die Erlangung eines solchen dringend angewiesen und er wäre, zumal er noch jung war, inzwischen auch mit dem Posten eines Dajans, der eben in der grossen Gemeinde Szerdahely erledigt war, sehr froh gewesen. Der Oberrabbiner Rabbi Ahron Büchler erklärte ihn als würdig und geeignet für dieses Amt. Niemand bestritt es. Aber es ergab sich, dass unter den älteren grossen Gelehrten, die in Duna-Szerdahely geboren und erzogen waren, und dort viele Familienverbindungen hatten, gleichfalls mehrere Kandidaten für diese Stelle erstanden, die ihren Anspruch auf dieselbe wohl zu begründen vermochten. Juda stand ___________ " -""&"«t,o owui, wum z,u ui-gjujiucu vcjjjjuuuwi. juqa stand ^^w^^^ .......W4n******m0****m***ß......................................,%...................................************ elzwarenhans En gros undErzeugung I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67-302 Detailverkaufs-Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaufbewahrung gegen Versicherung über die Sommermonate.

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