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Jüdische Presse · 1923-08-21 · Sonderausgabe 4 (21.8.1923) · page 7

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
Sonderausgabe 4 (21.8.1923)
Date
1923-08-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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C Sonderausgabe JÜDISCHE PRESSE *M.., NACHRICHTEN. Deut$ci)ö*t«rr<ieb. Oberrabbiner Benzion Katz in Czernowltz gewählt. pmcn rangen wechselvollen Kämpfen ist endlich die Frage der Besetzung der orthodoxen Rabbinerstelle In Czernowitz entschieden. Oberrabbiner Katz wurde einstimmig auf diesen Posten gewählt. Oberrabbiner Katz entfaltete seit Kriegsbeginn in Wien, wohin er als Flüchtling kam, eine überaus eifrige und erspriessliche Tätigkeit. Er war ein stets hilfsbereiter Berater der armen Flüchtlinge, für die er eine umfassende Fürsorgetätigkeit entfaltete. Im Kriegswaisenfonds der Aguda hat er zur Errichtung des Badener Waisenhauses durch seine aktive Arbeit viel beigetragen. Doch das Schwergewicht seiner enormen Arbeitskraft verlegte er auf das Erziehungsgebiet Seiner organisatorischen und pädagogischen Begabung ist die Gründung des grossen Schulwerkes ״Or Thora״ zu verdanken, wo für die Flüchtlingskinder, die früher in den Aguda-Chadorim unterrichtet wurden, ein modern eingerichtetes Schulhaus geschaffen wurde. Ueber dies Schulwerk hinaus beeinflusste Oberrabbiner Katz als Vizepräsident des ״Thoratreuen Erziehungsrates“ die Entwicklung der Thoralehränstalten in Wien sehr wohltätig. Er lässt mit seinen Scheiden aus Wien eine empfindliche Lücke zurück. Wir hoffen, dass er mit seiner grossen Begabung und Arbeitskraft in Czernowitz ein Wiederauf blühen der glaubenstreuen Judenheit und' besonders der Thoralehranstalten herbeiführen wird. CftatKn, ״Jawne“ in Litauen. Kowno. Bin Bild hell erwachenden Lebens entrollt das schöne Büchlein ״Jawne“, dias uns aus Kowno zugeht. Die Enziehungsgesellsehaft ״Jawne“, in einer schweren Zeit zur Lindenumig geistiger Not geschaffen, hat ■in einem Zeitraum von drei Jahren sich wahrhaft segensreich betätigt, aus unsäglich steinigem Boden manche herrliche Blüte ■hervorgetzaubert, die noch in Zukunft reiche Früchte tragen wird. Seit seinem Bestehen stand ״Jawne“ in enger {Verbindung mit 115 Städten und Städtchen, in denen ChedaTim, Schulen, Abendkurse und Jugendvereine gegründet, unterhalten und unterstützt wurden. . ln;vielen Gemeinden hatte das Eingreifen des ״Jaiwne“ zur Folge, dass die Eltern ihre Kinder aus den zionistischen• und radikalen Volksschulen herausholten und in die, Unterrichtsamstalten des ״Jawne“ schickten. Der stanken Nachfrage aus den Gemeinden nach Lehrern konnte' ״Jawne“ nicht in genügendem Masse nachkommen. Die von den ״Zeiire Jisroel“ eingerichteten Lehrerkurse waren nur Ansatz und Anfang, und so mussten andere Wege zur Vorbereitung und Heranbildung von geeigneten Lehrkräften gesucht werden. Neben Rat, Anweisung und moral!- scher Hilfe jeglicher Art verabreichte ״Ja/wne“, wo es nötig war, auch materielle Unterstützung. Von höohster Bedeutung sind die ersten Versuche ■auf dem Gehfeie der Mädchen erziehung, für die bis jetzt in Litauen,, zum grossen Schaden für das Judentum, überhaupt nichts geschehen ist. Bin gutes Beispief bietet hierfür T e 1 s c h, das eine höhere jüdische Mädchenschule besitzt, die anerkanntertnasseh zu den besten Unterrichtsanstaiten des Landes, auch in pädagogischer Beziehung, gehört Auf gleichem Niveau steht die Mädchenschule ״Snlamith“ in I< e 1 m. Erstrebt wird zur Zeit bei den Staatsbehörden die Legalisierung des ״Jawne“ als offizielle Erzlehungsorganisalion, was ihm erst die Macht und Mittel geben wird, seine Tätigkeit nach Wunsch auszudehnen. Zurzeit sind dem ״Jaw ne“-Verband über 100 Schulen und Lehranstalten angeschlossen, in denen 300 Lehrer wirken und 7000 Schüler unterrichtet'werden. Alles in allem höchst erfreuliche und ermutigende Erfolge! Kowno. Der Wahltermin für die jüdische Nationalversummlung ist, wie bereits gemeldet ,wurde, für den 27. und 28. September bestimmt worden. Die jüdische Nationalversammlung wird das erste Parlament des ganzen litauischen Judentums sein, im Gegensätze za den bisherigen Gemeindeversammlungen. Die Anzahl der Abgeordneten wurde mit 80 festgesetzt. Man rechnet mit zirka 10 Kandidatenlisten, da alle Parteien separate Listen aufstellen werden. Da jedoch ganz Litauen einen Wahlkreis bildet, werden keine Stimmen verloren gehen. Das Interesse für die Wahlen ist sehr gross. Man hofft, dass die Nationalversammlung alle regelnden Fragen der jüdischen Autonomie beantworten wird und sie ,selbst im breitesten Ausmasse durchführen wird. £ttglana, Von der Adas Jisroel-Gemeinde. Lcmion. In der Generalversammlung der Ad!?.;' (sroel- Gemeinde (North London Bes hamedrasch), die am Sonntag unter Vorsitz des Vizepräsidenten, Joseph Weil, stattfand, wurde Herr Oscar Phillip zum Gemerndepräses gewählt. Die Versammlung beschloss, ihren Vertreter im Board of Deputies zu ersuchen, in Gemeinschaft mit Rabb. Dr. Schönfeld die Interessen der Orthodoxie in der Seheohita-Frage weiter in der bisherigen Welse zu vertreten. Ferner wurde auf Antrag des Herrn Goodmann der Vertreter .der Gemeinde im Board of Deputies beauftragt, dort die Frage der Jewish Agency zur Sprache zu bringen und die Umbildung der Agency durch Heranziehung der unabhängigen Orthodoxie zu fordern. Palästina, Stumme Zeugen. Jerusalem. Das Museum!n Jerusalem erhielt letzthin von Dr. A. Schaplro ln ,Saffed ein schauervoll sinniges Geschenk überwiesen: eine Kosakenmütze und einen Geldbeutel, beide aus Pergamtenfotzen einer Thorarolle angefertigt. Die Gegenstände stammen aus Persien, wo Kosaken ln letzterer Zeit wiederholt Judenmetzeloien angerichtet haben. Im Begleitschreiben des Stifters, heisst es: ״Mögen kommende Generationen sehen, was wir und unsere Väter erlebt und erlitten haben.“ Jerusalem. Aus Jerusalem wird gemeldet, dass 130 jüdische und moslemitische Bahnarbeiter in Haifa die Arbeit niederlegten. Der Streik Ist ein Protest gegen den Befehl der palästinensischen Bahndirektion, wonach alle 1 Bahnbediensteten Freitag und Samstag arbeiten müssen. Ruhetag ist einzig und allein nur der Sonntag. Die Agudas Jisroel-Konferenz ln Palästina. Jerusalem. Am 22. Tarnus tagte hier die . grosse Agudiakonferenz mit der Tagesordnung ״Kenessio Gedaulo“. Es beteiligten sich an der imposanten Versammlung die Komiteemitglieder der Aguda sowie Delegierte aus den Ortsgruppen in Jaffa, Saffed und Liberias. Ausserdem waren viele Mitglieder aus Jerusalem erschienen. Den Vorsite führten abwechselnd die Herren Rabbiner Bravermann, Deutsoh, I Horowdoz und M. L. Bernstein. Herr Rabbiner I. B. Horowacz eröffnete die Versammlang mit einem Willkommensgniss und , einem längeren Referat über die Bedeutung faer Kenessio Gedaulo. Die Kenessio, sagte er, wird sich als all-einige Vertreterin der Orthodoxie legitimieren, die sich endlich von der Vormumdschaft befreit und selbst ihre Sache in die Hand nimmt. Hauptaufgabe ist,, im Geiste der Thora und Mizwo die Fragen des Tages im Leben von Klal Jisroel zu lösen. Zur religiösen Führung und Wegweisung ist der Rabbinlsehe Rat gewählt. Die Kenessio wird das Märchen widerlegen, als wollte die Orthodoxie das Judentum spalten. Zwist und Spaltung werden erst dann ■ln die Reihen getragen, wenn die Neuerer sich anschicken, das Judentum unter neuen Grundsätzen, ohne Berücksichtigung der Jüdischen Lebensinteressen, aufzubauen. Das erlebte man auch bei dem Feldzüge gegen den ,asohkenasischen Waäd in Jerusalem. Redner bedauerte aufs tiefste, dass auch viele der Frommen sich vom grossen Strome binreissen lassen und nloht einsehen, dass ein Gedeihen für die jü׳diisehe Sache nur aus einem Zusammengehen von Führern und Geführten in geistiger und religiöser Beziehung erblühen kann. Will die Gegenseite sich von unserer Frfedensltehe überzeugen, so gebe sie ihre streitbare Taktik auf und verzichte darauf, uns,beherrschen zu wollen, dann würde sich ein Weg zur gemeinsamen Arbeit finden. Es. werden dann Begnüssungen von den Führern Rabbi Chalim Sonmenfeld und I. I. Diskin verlesen, ln denen sie auch bitten, alle Fragen, die der Kenessio Gedaulo Vorzu logen sind, mit ernster Gründlichkeit zu prüfen, bisbesondere diejenigen, die Bezug haben auf die nächsten Aufgaben in Brez Jisroel. Es gelangen noch andere Begrüssungstelegrainime aus Pressburg, Frankfurt a. M., Luzern (Schweiz), Tfberlas und Saffed zur Verlesung. Darauf erstattet Rabbi Mosche^ Blau den Rechensohaftsbericht der Jerusalemer Aguda. Dieselbe. zählt 800 ordentliehe Mitglieder, die sioh aus der geistigen Etite der Be- Völkernng rekrutieren. Die Aktivität der Jerusalemer Landesorgamtsation führte zur Gründung von Agudaguppen fast in allen Städten und Kolonien Palästinas, sogar in Bagdad, wo 200 Mitglieder den Agudabeitrag zahlen. Audi unter den Sephandim, ja den Jemeniten, gewännt der Ägudagedanke immer mehr an Boden. Eine Kommission für Einwanderer ״Lischkas toaol|m“ sorgt für die religiösen Ghajuzwm, ebenso lässt sich die Aguda angelegen, sein, für die Notleidenden in der Ukraine usw. Untexstützungsgelder zu sammeln. Unter den aufgebrachten 1000 ägyptsohen Pfund stammen 150 aus Bagdad. Es wurden Gesellschaften ins Leben gerufen mit dem Zwecke, Baugrund für jüdische Ansiedlungen zu erwerben. Manche Schule und Jesohrwa, die vor dem Zusammenbruch standen, konnte au {gerichtet werden. Auch für die Mädchenertziiebimg wurde Sorge getragen. Von grosser Bedeutung erwies sich die Schaffung des eigenen Organes ״Kol Isroel“. Bei Anlass der Wahlen in den Gesetzgebenden Rat griff die Aguda aktiv ein und verhinderte es, dass in gut jüdischen Vierteln Jünglinge von radikaler Gesinnung als Kandidaten aufgestellt wurden, wie sie auch sonst dem nationalen Waad die Möglichkeit nahm, im Namen des ganzen jüdischen Volkes zu sprechen. Es ergibt sich von selbst, dass die Leiter der Aguda Hand in Hand mit den j Führern der orthodoxen Gemeinde und den Vertretern des Waad Hoaschkenasim zur Wahrung der gemeinsamen Interessen gehen. Gemeinsames Ziel ist: Selbständigmachung der Orthodoxie auf der ganzen Linie. Ausserdem konnte er die Mitteilung machen, dass die Palästfriazenfcrale in Frankfurt a. M. einen ansehnlichen Betrag geschickt hat, um mit dem Bodenankani in Erez Jisroel einen Anfang zu machen, und ist zu hoffen, dass diese Anfänge zu guten zukunftverifoeissenden Erfolgen führen. Jfmtrika. New-York. Der Gouverneur des Staates New- York, Mr. Smith, schreibt In einem Briefe an den Verein für jüdische Erziehung in New-York, die Tatsache, dass Tausende von Kindern ohne religiöse Erzjehung aufwachsen, müsse das Gewissen eines jeden im Staate wachrufen. Gouverneur Smith schiiesst, er hoffe, das9 die Bürger jüdischen Glaubens sich an der Kampagne zur Unterbringung von 10.000 jüdischen Kindern In religiösen Schulen beteiligen werden. Polen, Walsenfürsorge. Warschau. Bei der Beratung über die Versorgung schutzloser Kinder im Sejm hielt) der Deputierte. Herr Rabbiner Lewin, e!ine längere Rede, die wegen IhfvS pöMtischen wie moralisch-ethischen Gehaltes den grössten Eindruck im Hause machte. Auch die Presse glossiert die Rede sehr beifällig. Er erachtet es als eine der höchsten moralischen Pflichten des Staates, die schutzlosen Kinder der Strasse zu entziehen und sie vor Elend und Verwahrlosung zu retten. Auf die jüdischen Kriegswaisen übergehend, teilte er mit, dass das Lemberger jüdische Komitee in verschiedenen Städten Kleinpolens 38 Anstalten unterhält, in welchen 2049 Waisenkinder erzogen werden, unter ihnen 715 Vollwaisen. Ausserdem werden In Ostgalfeien 13.617 Waisenkinder, Knaben und Mädchen; auf privatem Wege versorgt. Ein' ähnliches Komitee in Krakau übt seine Tätigkeit in Wesbgal feien aus. Das ganze Problem ist damit nloht gelöst, und die Tatsache, dass ln einem Teil des Landes, nämlich in Kleinpolen, 15.666 jüdische Waisenkinder amtädch gezählt sind, abgesehen von den Tausenden, die die Statistik nloht erfasst hat, spricht Bände von der Jüdischen Tragödie während des Krieges und der Pogromaera. Mit kräftigen Worten tritt der Deputierte dafür ein, dass die Regierung bei der Uebenwaohung der Versorgung und BewiflUgung von Subventionen besondes auf die religiöse Erziehung der Kinder Bedacht nehme, was nicht zuletzt auch im Interesse des Staates und der menschlichen Gesellschalt liege., Er befürwortet die Annahme des Projektes der Minderheiten, das über diesen Punkt folgendes besagt: ״Als Lebensnobwendigkeiit beim Kinde ist neben der körperliehen Erziehung atloh eine geistige und moral-religiöse Einwirkung zu betrachten,' geleitet von Personen fn einein Geiste, der der religiösen und nnihunlon Ei1׳!••?״!•! des Kindes angepasst ist.“ Reizende Brutm üftttzeltsflesclitike Juwelen, Gold- und Siiberwaren, Uhren, Silber-Essbestecke, Tempelgeräte etc. Bruder Goldmann, Ulen, 1״ Kflrntoersir. 53 vis-ä-vis der Oper. // Samstag geschlossen. t$cI>«i)00!$־waKei. Präsident Masaryk in Nitra. Am 12. dieses Monats besuchte der Präsident der Republik, der jetzt in Male Tapolöaiiy weilt, die Stadt Nitra, wo er von allen Vereinen und Korpo- ' rationen feierlich empfangen wurde. Seltenster orthodoxen jüdischen Gemeinde begrüsste der Gemeindepräses Hermann Steiner den Präsidenten, der mit einigen freundlichen Worten dankte. Um'S'Uhrnachmittags'hat der ^upan zu Ehren des Präsidenten im; Pracmsaale, des/Komitatshauses ein Dejeuner gegeben, .wozu, auch der Oberrabbiner derorthodoxen, Gemeinde, Moses :Katz, geladen war« Ueber die Teilnahme des Oberrabbiners berichtet eine politische Tageszeitung folgendes: Es war ein interessanter Anblick, als aer greise Oberrabbiner den Präsidenten segnete, der>sichtlich gerührt wurde und freundlichst dankte. Oberrabbiner־Katz machte die Bemerkung,.dass er auf den Präsidenten zwei Segensprüche sagen müsse. Einen welchen man?beim Anblick elnesStaats- Oberhauptes und feinen, welchen *man iür dän Anblick eines Gelehrten festgesetzt* hat. Hierauf erwiderte lächelnd der Präsident: ״Wer heute ein;Staats- Oberhaupt sein will, muss ein Gelehrter sein.“ ($• B.) 1i! <1 db!<1 iS *r A A *ft 11T **־ A1 ■fi A A <% dhiitli Schechora'-Tacliania• *"flttfd Die Geburt einer Tochter zeigen an Jacob Joel Braun und Frau Recha geb. Levy, Bratislawa, den 7. Elul 5683. Eigentümer und Herausgeber: «Jüdischer VerlagsQ.ra.b. H44 II« Malzgasse Nr. 12 a. — Verantwortlicher ׳RetlakteBK Jakob Deutsch, Wien, I., Kölnerhofgasse * Nr., 2. Für$<Sj* Tschecho-Slowakei: Heinrich Schwärs, Bratislava. —־ Druck; Druckerei und Verlags-A-G. Ig. Steinmann. ״tWien. r BL UDSw;re!!t!3StB®»*6. ״־— " —

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