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Jüdische Presse · 1923-08-21 · Sonderausgabe 4 (21.8.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
Sonderausgabe 4 (21.8.1923)
Date
1923-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE 4. Sonderausgabe r'SeÜe 2C6 _ rlhrer Gründung in dem Oedanken immer reifer! geworden, der die Einheit darstellt. Ihre Tätigkeit :hatte dadurch gelitten, dass jedes einzelne Land ,nur für sich gearbeitet hat, wodurch unsere Kräfte ן zersplittert wurden. Die Agudä stellt nach dieser ■ Richtung hin eine Besserung der Völksverhältnisse dar. Ich will nicht berichten, was wir getan haben, ich will aber hervorheben, was wir nicht tun konnten, weil sie nicht mitgeholfen haben. Wir mussten eine Reihe von Arbeiten vernachlässigen, weil wir dafür sorgten, dass in Erez Jisroel der Geist der Thora weiter blühe, damit sie nicht unter dem Einfluss der destruktiven Elemente komme und vom richtigen Charakter abweiche. Daher erschien es uns als erste Aufgabe, für die Erzieh u n g in Erez Jisroel zu sorgen und das Schul־• wesen, sowie die Institutionen zur Erziehung der Heranwachsenden Jugend, vor dem Untergange zu schützen. Wir haben 2—3000 Pfund zur Unter- Stützung der Schulen in Erez Jisroel verausgabt. Wir hätten das Geld auch für wirtschaftliche Zwecke verwenden können. Wir musste aber vor allem, den Geist der Thora in Erez Jisroel bewahren. Weiters haben wir zur Stärkung der älteren Generationen und der Landesorganisation eine Zeitung herausgegeben und eine Reihe wirtschaftlicher Unternehmungen eingeleitet. In dieser Hinsicht ist ein weiterer Ausbau notwendig. Ich möchte aber unterstreichen, dass keine Kritik so tief von Ihnen empfunden werden kann, wie vön jenen, die nicht so viel leisten konnten, als sie haben leisten wollen. Sie sollten aber nicht bloss bei Kongressen durch Beifall und Händeklatschen mitarbeiten, sondern sie sollten durch gewaltigesOeffnen der Hände unsunterstüzen, dann werden wir mehr leisten können. Zu diesem Zwecke haben wir beschlossen, die Palästina Kommission zu ersuchen, unsere Vorschläge anzunehmen, die ich Ihnen in Kürze mitteilen werde. Wir wünschen, dass in allen Ländern Kommissionen für Erez Jisroel gegründet werden, die mit uns arbeiten. So ist schon in Besarabien eine solche Kommission geschaffen, die 2 M i 11 i o 11 e n L e i zum Zwecke des Ankaufes von Grund und Boden gesammelt hat. Es ist auch in den letzten Tagen gelungen in W i e n 2000 Pfund zu sammeln, für die ebenfalls Boden angekauft und an Kolonisten weiter verkauft werden wird. Keiner von ihnen sollte den Kongress verlassen, ohne’ sich vorher auf diese Weise ein Stückchen Land gekauft zu haben. Damit jeder, wenn er von Erez Jisroel spricht, auch weiss, dass er dort ein Stückchen Land hat. Dieses ist unser Programm, unabhängig von der Kolonisation des Landes, die die jüdische Elemente verwenden soll. Keiner darf aber sein Land verkaufen, ausser der neue Besitzer erklärt, das auf diesem Stückchen Land nichts geschehen darf, was der Thora widerspricht, da sonst das Land an die Aguda wieder zurückfällt. Beim Verkauf des Landes muss es der Aguda zuerst zum A n k a u f a n g cboten werden. Wir müssen dafür sorgen, dass das geheiligte Land, geheiligt bleibe durch clic Befolgung des Schmittojahres. Die Kolonisten müssen das Schmittojahr einhalten und werden von uns dabei unterstützt. In Erez Isroel herrscht Wohnungsnot. Daher hat auch die Aguda beschlossen, Häuscr zu bauen, wozu das Schmittojahr verwendet werden kann. Eine jede Landesorganisation muss es als ihre Pflicht betrachten, 20 bis 30 Häuser zu bauen. Eine dritte Voraussetzung ist folgende: Wir haben eine Reihe von Geschäfts- und Kaufleuten, die ihre Kräfte im Interesse der Erez Isroel betätigen sollen. Jeder von uns ist verpflichtet, mit Geld zu helfen, aber auch die g e i s t i g e!1 wirtschaf Fliehen Kräfte müssen uns zur Verfügung stehen und jeder Industrielle, jeder Kaufmann, jeder Gewerbetreibender muss nach seinen Kräften auf diesem Gebiete sich betätigen. Gleich dem königlichen Sänger, bemerkte der Redner in geistreicher Interpretierung des Psaimenwerkes ״Imtukum ulaj Milchomo wsojs ani botejacb“, dass der Kampf uns stählt und uns Begeisterung einflösst, weiter zu kämpfen und weiter zu stürmen. Dies alles, unser jugendliches Feuer, unsere Kampfbegeisterung und unser Streben nach Klarheit und Wahrheit, der Agudas Jisroel .zur Verfügung zu stellen, ist unsere Aufgabe und der Zweck unserer heutigen Tagung. Friedmann ist ein junger, feurig begeisterter Redner, von ungewöhnlicher Stimmbegabung und 1 Sprachfülle, sein durchdringender Geist und die lebendlge Geste Hess seine Eröffnungsrede zu einem Ereignis werden. Besonders der Schluss seiner Rede, indem er , zum Eifer und zur Ausdauer im Kampfe gegen alle gegenteiligen Strömungen aufforderte, rief den stürmischen Beifall aller Anwesenden hervor. Das zweite Moment, dessen Bedeutung noch nachträglich eingehender zu würdigen sein wird, die Rede Katzen ellenbogens, des Jugendelegierten von Jerusalem. Man ist versucht zu sagen, mit orientalischer Leidenschaftlichkeit, mit einer zwingenden Logik, wie sie nur selten zu finden ist, mit einer durchdringenden Beredsamkeit und eindringltchem Pathos, sprach Katzeneilenbogen über Wir müssen ferner dafür sorgen, dass das heilige Land Erez Isroel, das heilige Land bleibe. Bisher mussten wir Kinder zur Erziehung hinausschicken. So mussten wir die Kinder nach Frankfurt schicken. Das darf aber nicht in Hinkunft mehr Vorkommen und die Kinder müssen dort erzogen werden können. Die Wenigen, die in den Kolonien als ehrliche Juden leben wollen, müssen dazu auch die Möglichkeit haben. Wir müssen dazu sehen, dass Erez Isroel das Land wird, mit dem sich jeder Jude mit reinem Herzen beschäftigen kann, ohne zu fürchten, dass er von der Thofa abfällt. Die Aguda wird alle ihre Kräfte anstrengen, um Erez Isroel zu diesem Lande zu mach en, damit jeder, der in Erez Isroel lebt, auch dem Geiste der Thora Rechtiung trägt. Unser verehrter Freund Rabbi Ch. Sonnenf e I d hat während meines Besuches mir gesagt, wir dürfe,n uns vom׳Pessimis inus nicht abschrecken lassen. Und sollen das Gute darin erkennen, und mitarbeiten wollen, dann werden wir auf dem betretenen Wege zum Ziele gelangen. Wir wollen nicht nach fremden Gesetzen leben, sondern nach unseren G-ttesgesetzen. Wir wollen unsere Jugend dafür begeistern. G-t t allein kann das Land auf bauen, aber wir 1r!ü ssen das Werk zeug sein. Die fünfte, sechste, siebente u. achte Sitzuns. 2D±o Sitzuucxg״. Sonntag den 7. EIuI, 1030־ vormittags. Den Vorsitz übernimmt Sejmdeputierter Oberrabbiner Lewin Sambor. Ais erster ergreift das Wort Oberrabbiner Schorr aus Bukarest um in einer kurzen Ansprache die Richtung, die die Agudas Jisroel einzuschlagen hat, aufzuzeigen. Jeder Politik fern, muss die Agudas Jisroel ihre Postulate ohne Kampf durchsetzen. Rabbiner Dr. Leo Jung New-York spricht über Schmiros Schabbos im allgemeinen und in Amerika im speziellen. Auch auf diesem Gebiete sind wohl die Anfangsarbeiten bereits absolviert worden, doch ist das Gebiet zu gross und zu bedeutend, um mit dem Geleisteten sich bescheiden zu wollen. Redner legt eine ganze Reihe von Resolutionen vor, mit deren Ausführung die Organe der Agudas Jisroel sich befassen müssen. Da nun die Kenessio Gedaulo sich den inneren politischen Fragen zugewendet hat, stehen auf der Tagesordnung zwei Referate. Sejmdeputierter Rabbiner Lew in Sambor ergreift das Wort um sein Reiterat über die Schechita zum Vortrag zu bringen. . Die Schechita wurde von den Antisemiten in allen Ländern als willkommener Anlass zu einer wüsten Judenhetze benützt. Die wirklich humanste Art und Weise der Schlachtung bei den Juden wurde solange' missdeutet;bis''mäh in ihr einen Beweis der Unkultur diesbezüglicher jüdischer Reilgionsgesetze gesehen hat. Ja, unsere Feinde hatten die Frechheit soweit zu gehen, dass sie sogar die Bestimmungen des Schulchan Aruch für ihre Zwecke auszunützen versuchten. Als jedoch diese Methode gescheitert ist, erlebte man, dass im polnischen Sejm die usuelle Schlachtung als!•n ichtig und nicht übereinstimmend mit den Gesetzen des Talmuds erklärt wurde. Redner muss mit grosser Satisfaktion betonen, dass der jüdische Klub im polnischen Sejm, in dieser Frage einstimmig vorgegangen ist und auch in der Zukunft vorgehen wird. Die Aufrollung der Schechitafrage in der Form wie sie im polnischen Sejm vor sich gegangen ist, bedeutet eine Verletzung der Staatsverfassung, die jeder Konfession und Religion׳ vollkommene Freiheit garantiert. Aber nicht nur im Staate Polen wurde die Schechitafrage behandelt. Auch in den anderen Ländern Europas wollte man 'dadurch den Lebensnerv des jüdischen Volkes,, die Thora angreifen. Und deshalb muss die Kenessio Gedaulo aller Welt erklären, dass sie in der Schechitafrage, wie sie in den Parlamenten aufgeröllt wird, einen Angriff auf die heiligsten Rechte des Volkes siest. Der Völker- ' bund wenn er wirklich dieser grösste Aeropag der Menschheit sein will, muss diesen Protest zur Kenntnis nehmen und schützende Massregeln in Anwendung bringen. die schweren Krisen der palästinesischdn Orthodoxie, über deren'bitteren Kämpfe und über die leider noch sehr geringe Siege. Für uns Westler mag die Rede doppelt und dreifach bedeutend gewesen sein, weil wir im Jischuw Hajoschon die Tradition unserer Palästinaarbeit gegenwärtig haben und mit Erschütterung wahrnehmen mussten, dass der Geist der heutigen Zeit den Lebensnerv auch dieses, als unerschütterlich gegoltenen Bollwerkes ergriffen hat. Die Jugend des alten Jischuw ist bedroht und nur einer aufopferungsvollen und selbstlosen Tätigkeit unserer Pioniere dort, ist es zu verdanken, wenn der Redner uns heute noch zur Rettung aufrufen kann, für das was noch zu retten ist. Jedes Detail dieser Rede klang, trotzdem einzelne Sachen schon aus den Zeitungsberichten bekannt waren, wie Schauermärchen, die in Wirklichkeit nur dort möglich sind, wo Menschen wie unsere Gegner in Palästina aller sittlichen Gegensätze ihres Volkes über Bord geworfen haben. Nebst einigen geschäftsordnungsmässigen Debatten kam dann noch Herr Wolle aus Litauen zum Bericht für seine Landsmannschaft zu Wort, musste aber seine Rede, wie bereits bemerkt, vorzeitig abbrechen, um sie in der Sonntag-Abend- Sitzung fortzusetzen. S. S. Delegierter Kirschbraun (Warschau) ergreift das Wort zur Geschäftsordnung. Er richtet die dringende Bitte an alle Redner, sich in der Schechitafrage in gar keine Kritik der Verfügungen der betreffenden Regierungen einzulassen. Hierauf ergreift das Wort Sejmdelegat Oberrabbiner Schapira aus Sanok zu einem Referate über das Erziehungswesen und das religiöse Leben in Polen. Es ist nicht mehr notwendig, die Gefühle zu schildern, die in diesem Momente in der Seele eines jeden Anwesenden erweckt werden, um das grosse Interesse zu erwecken für alle Angelegenheiten, die hier zur Sprache kommen. Mit vollem Recht werden wir Juden das Volk des Buches genannt, weil bei uns die Wissenschaft und das Erziehungswesen, von altersgrauer Zeit bis in die Gegenwart, immer die wichtigste öffentliche Angelegenheit gewesen ist. Es wurde bei uns der Leitsatz aufgestellt, dass jed« Stadt, die fürמ6סי Chinuch nicht sorgt, einer Ruine gleicht. Es muss deshalb in unserer Zeit, wo der Chinuch so darniederliegt, ein Zentrum für das Erziehungswesen geschaffen werden. Und diese Aufgäbe ist ungeheuer schwer zu lösen. Denn was einmal unrein geworden ist, ist sehr schwer wieder rein zu machen. Als Jochanan Ben Sakai das Recht, erhielt, sich von dem Besieger für sich und das Volk eine Gnade auszubitten, bat er um die Zurückgabe von Jab ne. Es warjabne nur ein armseliger Ort, aber die Thora wurde dort gepflegt wie nirgends im ganzen Lande. Und diesem armseligen Dorfe verdankt das Judentum seine Existenz, verdankt die Menschheit alles Grosse, was sie vom Judentum im Laufe der Jahrhunderte erhalten hat. Der Chofez Chaim sagte gestern, dass ein kleines Licht eher die Finsternis und Dunkelheit vertreiben und besiegen kann als alle grössten physichen Mächte. Wir haben ein grosses Licht, das Licht der Thora. Wir stehen jetzt vor der Aufgabe, eine grosse Katastrophe zu verhüten. Die Wirkungen des Weltkrieges sind fürchterlich. Wir haben zwei ganze Geschlechter verloren. Zwei jüdisehe Geschlechter sind durch den Krieg verloren gegangen. Es ist ein Defizit an Seelen, das sehr schwer ersetzt und ausgeglichen werden kann. Auch der Verlust an Talenten ist ungeheuer. Ein Beispiel dieses Verlustes möge gegeben werden. Ein löjähräges Kind kam und bat um Aufnahme in die Jeschiwah von Gliniany. Aus dem Gebiete der Bolschewiken geflohen, wanderte dieser Junge rnit 10 Genossen durch einige Länder um Aufnahme in eine Schule zu erreichen. Von Bialystok über Wilna, Warschau, Lodz und Lemberg wanderten diese Kinder und konnten keine Lehrstätte finden. Bis es nach schweren Mühen gelang,• sie in Gliniany unterzubringen. Nach einem knappen Jahre Unterricht, konnte beim Generalyerhör die an Wunder grenzende Tatsache konstatiert werden, dass das Kind von 15 Jahren 270 Blatt des Talmuds mit allen Komentaren fast auswendig wusste. Dieses junge Genie heisst Elkune Weitzmann und seine Genossen sind ihm fast gleich. Wenn das Ausland, das uns unterstützt, wissen und begreifen würde, was es damit bewirkt, würden die Gaben reichlicher und freigiebiger einfliessen. Kein einziger Staat der Welt ist fähig, mit solchen Prozenten eine Anleihe zurückzuerstatte. Für jede Hundert Dollar des amerikanischen Judentums, zahlen wir mit einem jüdischen Genie, das nicht nur unser Volk mit neuem Glanze überziehen wird, sondern der ganzen kultivierten Menschheit Segen und Nutzen bringen kann. Das Ausland muss geben, weil es einzig und allein geben kann. Leider geht durch Parteiambition die jüdische Erziehung zugrunde. In manchen Ländern ist die Verteilung der eingeflossenen amerikanischen Gelder nicht in entsprechenden Händen, und es leidet darunter ungeheuer die Moral sowie die Erziehung der ,Schüler. Wir sind bereit, bei allen Fragen Rücksichten zu nehmen und Kompromisse zu machen, mit Ausnahme der Frage der Erziehung. Das grösste Unglück, das uns bis jetzt treffen konnte* 1 und auch traf, ist, dass man unsere Worte nicht hören konnte. Jetzt aber ist die Tribüne geschaffen.

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