Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 12 (23.3.1923)
- Date
- 1923-03-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 72 JÜDISCHE PRESSE Nr. 12 jOberrabbiner Dr. Brody in Kampfstellung. (Schluß.) So felsenfest all das auch dastehen mag, so scheint der Oberrabbiner von Prag dennoch weniger von seinem Zionismus, denn von seiner eigenartig abgetönten Wahrheitsliebe durchdrungen gewesen zu sein, als er in seiner famosen Rede in Zilina auf sein (das heißt des Zionismus oder des Misrachi) »Verhältnis zu der anderen konservativen Partei im Judentum", zur Agudas Jisroel und zur orthodoxen Landeskanzlei zu sprechen kam. Der „urspüngliche8 Aguda-Gedanke sei ein sehr gesunder Gedanke gewesen: Die Zusammenfassung aller konservativen Judeu zur Vertretung der Interessen der Thora. Deshalb hat auch — wie männiglich bekannt — der Oberrabbiner von Prag mit ttfSJ JTTDÜ für die Aguda gearbeitet, wie immer, wenn es für die Interessen der Thora zu arbeiten gilt. — »Bei uns (!) begraben" ist die Aguda erst, seitdem die Heirat mit der slowakischen Orthodoxie sie dem Wahn verfallen ließ, in der Bekämpfung einer Organisation, die den jüdischen Nationalgedanken von dem Baiast der Thora zu befreien sucht, ein Interesse der Thora zu erblicken. Diese »bei uns begrabene" Aguda habe jedoch Kreise, die in Breslau angefangen haben sollen »anders zu denken als in Bratislava". Der Oberrabiner von Prag ist auch Siegelbewahrer der Wahrheit, daß man in Breslau aus eben diesem »anders gedachten" Grunde auf Antrag des Oberrabbiners Weber, den Präsidenten der slowakischen Aguda-Landesorganisation, den in zionistischen Kreisen angebeteten Rabbiner Katz von Nitra und nicht gegen den Antrag des Oberrabbiner Weber irgend ein anderes ixbeliebiges Mitglied aus Bratislava in den geschäftsführenden Ausschuß der Agudas Jisroel gewählt habe. Doktor Brody weiß es auch ganz genau, wahrheitsgemäß zu erzählen, daß „Bratislava" an »Breslau" eine »Aufforderung zur Inaugurierung der Issurpolitik" gerichtet und sich eine »ablehnende Antwort" geholt habe. Diese „begrabene" Aguda sei demnach — auch nach Oberrabbiner Dr. Brody — noch nicht die vollkommenste Verkörperung des Bösen. Sie sei „vielleicht doch schon" bereit, über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit nachzudenken. Die grenzenlose Freude über diese nachdenklich gewordene begrabene Aguda läßt den Oberrabbiner von Prag sogar die Beschlüsse vergessen, die in Breslau in bezug auf die „Weltkonferenz" gefaßt wurden und gaukelt ihm gar zu liebliche Bilder vor die hellsehenden Augen. Der »Issur", nämlich die „ Issur affaire' der orthodoxen Landeskanzlei", hat es dem Prager Oberrabbiner besonders angetan. Denn „Issur" ist ihm ein Greuel, wie es jeder bezeugen kann, der ihn in Prag in einem verläßlich koscheren Gasthaus Trauungen vornehmen sah. „Issur" ist etwas so ungeheuerlich Unmögliches, in seinem Schulchan Aruch Unerhörtes, daß die Schreckengespenster ihm einen solchen „Issur" auf Grund sehr wahrheitsgetreuer Informationen zuerst als „Bann", als staatsgesetzlich verbotenen „Gherem" erscheinen ließen. Dann aber, als das erste Grauen vorbei war und namentlich als das Staatsgesetz sich nicht sehr seinen edlen Wünschen anzupassen wußte, wurde dieser „Gherem" infolge seines scharfen Kampfes (in seiner Phantasie!) umgewandelt und umstilisiert und es verblieb nur noch ein „Heiratsverbot" und "|D3 p Dri TlD flß DT© als wörtliches Zitat aus dem Dokument, dessen Wortlaut er sicherlich besser kannte, als beispielsweise „Weber* in seinem Briefe an den Amsterdamer Oberrabbiner. Nicht etwa Oberrabbiner Dr. Heinrich Brody zitiert unrichtig, oh nein, das ist ja völlig ausgeschlossen. Wie sollte er, der gründliche Forscher in allerlei Manuskripten, einen „Bann" nicht \äußerst genau wiedergeben, wenn er in seiner prachtvollen Kampfrede gewissenhaft verspricht, ihn sich „erst recht anzusehen" und »wenn nötig" zu bekämpfen, sobald er »einmal doch erscheinen sollte". Bevor dieser Bann erschienen ist, fiel es dem Prager Oberrabbiner natürlich nicht im entferntesten ein, ihn zu bekämpfen. Was er bisher in dieser Sache geschrieben, gesagt und — getan hat, geschah wohl nur, um seinem Verbündeten in Munkäcs gefällig zu sein und um sich für den Kampf der Zukunft zu trainieren. — Der Oberrabbiner von Prag, der kämpfende Oberrabbiner von Prag, ist selbstredend ein Gegner der „Trennung", wie er ja „überhaupt kein Freund von Trennungen innerhalb des Judentums" ist. Wir glauben's ihm auf Ehre! Wie wenig er dem Trennungsgedanken zugetan ist, geht doch sonnenklar aus der Perspektive der zionistischen „Trennung innerhalb des Judentums" hervor, die er der „Kanzlei" und „Herrn Weber", als „noch viel wirksamere Kampfmittel gegen die sogenannten Issurim (ja, diese „Issurim"!) als Zeitungsartikel* in sichere Aussicht stellt. Wenn die Zionisten geassert werden, so würden sie — meint, fürchtet oder hofft der Oberrabbiner von Prag — ganz einfach erklären, daß die orthodoxen Rabbiner für sie »in rituellen Dingen keine Glaubwürdigkeit" haben, sich von den nichtgeasserten Kultusgemeinden „trennen" und damit den Rabbinern der Schrecken in die morschen Glieder fährt — rein zionistische Separatgemeinden gründen! Offenbar würden sie auch Bethäuser errichten mit religionsfreien ausschließlich »nationalistischen" Gebeten, Mikwoh mit zionistischen Besuchern, und Rabbonim und Schochtim anstellen mit zionistisch approbierter „Horaah", ojine „Issurim", oder höchstens gegen „Herrn Weber" und die „Kanzlei". Wir empfehlen dem Oberrabbiner von Prag, versuchsweise zunächst aus den zionistischen Mitgliedern seiner Gemeinde ein solches »Minjan" zusammenzustellen. Einen Mohel stellen wir gratis zur Verfügung. Sollte ihm diese rein zionistische Separatgemeinde nicht allzuschwere religiöse Funktionen auferlegen, so würde er dann vielleicht auch einmal Zeit finden, darüber nachzudenken, ob es denn doch nicht möglich sei, daß esRabbinergibt, denen die religiösen Verwüstungen unserer Zionisten einen aufrichtigen Herzensschrei auslösen und die die Verpflichtung, die ihnen ihr religiöser Beruf auferlegt, ernst nehmen, auch wenn die Zionisten, Misrachisten mit samt dem Prager Oberrabbiner noch so sehr Zeter und Mordio schreien. _ I. Ghiskijah. Der 7. Adar in Galanta. Wie alljährlich fand auch heuer anläßlich des 7. Adar in Galanta ein Festmahl der dortigen Ghewrah-Kadischah statt. Die Feier verlief diesmal besonders erhebend, da mit derselben das 25jährige Jubiläum des Vorstehers derselben Herrn M. H. Preßburger verbunden war. Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Benjamin Seidel eröffnete die Feier mit einer schwungvollen in gewohnter Meisterschaft gehaltenen Rede, in der er die Verdienste des Jubilars würdigte, und eindringliche Mussor-Worte an die zahlreich erschienenen Gäste richtete. Während des anschließenden Festmahls wurden Divre-Thora gesprochen und namhafte Beträge für verschiedene jüdisch-wohltätige Zweckegesammelt. Ueber Anregung des anwesenden Mitarbeiters der Agudas Jisroel- Jugendgruppe Wien, Herrn Alfred Seidel, wurde das Benschen zugunsten der Lehrwerkstätten der Agudas Jisroel verkauft, was den Betrag von KÖ 280 für diesen Zweck ergab. Jessode Hathora in Bratislava. Letzten rßtP und Sonntag fanden in der Jessode Hathora-Schule die Prüfungen statt. Die Lehrergebnisse im abgelaufenen Wintersemester erwiesen sich in jeder Beziehung durchaus zufriedenstellend und legen von dem Eifer der Lehrer und Schüler das beste Zeugnis ab. Mit dieser Schlußprüfung scheidet der bisherige Direktor der Schule, Herr Rabbiner Salomon Unsdorfer, von seinem Amt, um sich in Zukunft ganz der Lehrtätigkeit im „Mewaksche Thora-Verein" zu widmen. Aus diesem Anlasse hielt der scheidende Leiter eine Rede, in der er die Grundsätze darlegte, die ihn während seiner Lehrtätigkeit geleitet haben. Die Rede hinterließ einen starken Eindruck. Hierauf sprach Herr Mosche Kohn im'Namen des Vorstandes und der Zöglinge Herrn Rabbiner Unsdorfer den Dank -aus. Babbinerwahl. Se. Ehm. Herr Oberrabbiner Samuel Freifeld in Nove Mesto n. V. wurde unter großer Begeisterung zum Bezirksrabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in S ereth (Bukowina) gewählt. Herr Oberrabbiner Freifeld erfreut sich in seinen bisherigen Wirkungsstätten eines vorzüglichen Rufes. In seiner neuen Gemeinde eröffnet sich ihm ein weites Tätigkeitsfeld für ."Hlfl und ,1X1% wie es sein Wunsch ist. Wir beglückwünschen sowohl die Gemeinde Sereth als auch den neugewählten Oberrabbiner 35T1 Das Pessachfest beim Militär in der Tschechoslowakei. Auf Ansuchen der orthodoxen Landeskanzlei hat das Mini- Bterium für Nationalverteidigung unter Nr. 250076 vi. 15 odd, ex 1923 angeordnet, daß am bevorstehenden Pessach die jüdischen Soldaten vom 28. März bis 3. April zu beurlauben sind. Während des Pessach erhalten die jüdischen Soldaten das Menagegeld auf die Hand ausbezahlt. Jeschiwa-Aktion. Dem slowakischen Landesverbände der Agudas Jisroel-Jugendgruppen ist die Möglichkeit geboten, fünf jüngere Bachurim (jedoch nicht Anfänger) in einer Jeschiwa an einem kleineren Ort unterzubringen. An finanziellen Mitteln brauchen die betreffenden Bachurim nur Kö 60 im Monat zu besitzen. Bewerbungen — in Betracht zunächst nur Waisenkinder — sind bis spätestens Erew Pesach an obige Organisation (Bratislawa, Postfach 140) zu richten. Pnrim an der Preßburger Jeschiwa. Den Q,-nrO der Preßburger Rabbinatsschule bereitete die Mensaleitung in diesem Jahre in Form einer gratis verabreichten EPTlÖ fHISJD eine besondere Freude. Die D'H'IPD sprechen all den hochherzigen Gönnern, die durch Spenden an Geld und Naturalien das Zustandekommen dieser JYTIJJD ermöglichten, auf diesem Wege den herzlichsten Dank aus. Es sind dies die Herren: Hermann Deutsch, Samuel Wagner-Stompfa, Jenö Adler, J. Eckstein, S. Reisner, Weiß &■ Heimler, Roscnak-Malaczka, Adolf Stern, H. Richter, W. Rosenberger, Juda Grünwald, H. Melier, Josef Braun, Josef Frankl, Lemberger & Putz, M. Hochmann, Oskar Nachmias, Frau Berger, Neuhaus, Brüder Liebermann, Kaiman Popper, Lajos Mayer und Z. Haar. In ganz besonderem Maße hat sich Herr Samek die dankbare Anerkennung der Bachurim erworben durch die geradezu väterliche Sorgfalt, mit der er sich um die Speisung der Jeschiwa bemüht und die Opferfreudigkeit, die er dabei an den Tag legt, indem er sich selbst keine Mahlzeit gönnt, ehe er nicht für alle Bachurim gesorgt hat. Die Mikwa des Eabbi Meschulem Tymenitz. In dem Gebäude des jüngst von der Preßburger Gemeinde renovierten Bes Hamidrasch des Chasam Sofer befindet sich die Mikwa des Rabbi Meschulam Tysmenitz. Diese Institution aus alter guter Zeit ist mit hundertfachen Erinnerungen für viele Preßburger Familien verknüpft und gehört zu den wenigen Resten aus jener Zeit, in der der Ruhm derKehilla wurzelt. Gegenwärtig kann sie jedoch nicht benützt werden. Es dürfte nicht unerschwingliche Kosten verursachen, um die Mikwa ebenfalls wieder gebrauchsfähig zu machen. Die Gemeinde würde ohne Zweifel die Renovierung vornehmen, wenn aus den Kreisen der Mitglieder und auswärtigen Gönner Spenden für diesen Zweck eingehen würden. Chasam Sofer» Bes Hamidrasch. Auf Anregung Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbiners Schreiber hat die Preßburger Gemeinde das alte Beshamidrasch, in welchem der Chasam Sofer gelernt und gelehrt hatte, adaptieren lassen und vor kurzem seiner heiligen Bestimmung zugänglich gemacht. Unter recht hohen Kosten wurde diese Lehrstätte, aus der so viel Licht für ganz Israel geflossen ist, wiederum zu einer Lichtquelle für jeden gemacht, der die wärmenden Strahlen der Thora in sich aufsaugen will. Die Räumlichkeiten wurden auf Anordnung des Herrn Oberrabbiners der Schass Chewra und den Bachurim der Jeschiwa mit der Bestimmung übergeben, daß dort während des ganzen Tages ein jeder ungestört dem Lernen obliegen kann. Leider steht der geräumige Sforimschrank — fast leer. Die wertvollen Sforim der alten Schass Chewra sind seinerzeit bei der großen Feuersbrunst ein Opfer der Flammen geworden. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, um Besitzer von Sforim anzuregen, sie dem Bes Hamidrasch zur Verfügung zu stellen. Es wäre sicherlich ein verdienstvolles Werk, in diesem Bes Hamidrasch eine reiche Sforim-Sämmlung unterzubringen und sie der allgemeinen Benützung zu übergeben. Sorget, daß die „Jüdische Presse" in jedes orthodoxe Haus Einsang findet Grand Sanatorium (Ua$$erb<ilaN$talt Bratislava (Preßburg), tiefer Sieg Erstklassige diagnostische, diätetische und physikotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe. Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Öhren-, Kehlkopf- und Hautkrankhelten, Röntgenbehandlung. Chemische und bakteriologische Laboratorien. Täglicher Pauschalpreis von 5K 55 aufwärts Pauschalpreis für Entbindung von 5K 1100 bis cK 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige ÖK 15. Freie Aerztewahl. Rituelle "1^5 Verpflegung unter Aufsicht des Preßburger orthodoxen Rabbinätes. Tag Nissan März Notiz e n Sonntag 8. 25. Opfer des Stammfürsten Menasches — Tod R. Arje Leb aus Turna in Krakau 5536. Montag 9. 26. Opfer des Stammfürsten Binjamins — Tod des „Josef Opiez* 5397 — Tod R. Binjamin Rappaport (Simchas Binjamin) 5579 — Tod Nosen Feitl Reinitz, Hegyaljamad, Ungarn 5612. Dienstag 10. 27. Opfer des Stammfürsten Dans — Tod Mirjams — Tod des großen Talmudisten Rabbi Isaak Alfasi im 90. Lebensjahr 4863 (nach anderen am 10. Ijar) — Märtyrertod Rabbi Anschel, Krakau 5391. Mittwoch 11. 28. Opfer des Stammfürsten öschers — Vierländer Synode, Lublin 5424 -— Tod R. Simcha Bunem Rappaport, Mürzburg 5576. Donnerstag 12. 29. Fasttag für Bechorim — Abends: Bedikus Ghomez — Opfer des Stammfürsten Naftali Freitag 13. 80. Haman schreibt Befehl gegen die Juden — Tod Alschach, Saffed 5383 — Tod R. Josef Karo (Bes Josef), Saffed 5333. Samstag 14. 81. Zaw — Sabbat Hagodaul — W'orwo — Erew Pessach — Tod R. Lewi Rofe, Lemberg 5218 — I. Sedernacht.