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Jüdische Presse · 1923-03-16 · 11 (16.3.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
11 (16.3.1923)
Date
1923-03-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 66 JÜDISCHE PRESSE Nr. 11 Oberrabbiner Dr. Brody in Kampfstellung. Oberrabbiner Dr. Heinrich Brody in Prag ist unter die .Kämpfer" gegangen, unter die unentwegten Kämpfer ohne Scheu und ohne Furcht. Er kämpft wacker, zückt sein Schwert mit Verve, holt kühn aus und köpft — die Luft, gleich einem gewaltigen Helden, einem kampfgeübten Fechter. Oh, er weiß wie man's macht, er hat das Zeug dazu! Er zieht nach Zilina, stellt sich an die Spitze seiner mächtigen misrachistischen Schaaren aus der Slowakei, kommandiert die Heere der zionistischen Orthodoxie von Prag, Pilsen und Mukacewo, prüft die Waffen, sie sind blank wie seine Wahrheit, sie sind scharf wie seine Argumente, bläst in das Horn der zionistischen Erlösung Und der »Kampf* entbrennt, tobt und die Splitter der organisierten Orthodoxie und der gesamten slowakischen orthodoxen Rabbinerzunft wirbeln bald im Winde um ihn her, bis die .lebhaften und sich immer wiederholenden Jechi-Doktor-Brody-Rufe" des Zilinaer Misrachi-Delegiertentages ihm ankündigen, der große Kampf sei auf der ganzen Linie ausgefochten, ein gewaltiger Sieg sei errungen, die gesamte Orthodoxie ein Leichenfeld, kein Bratislava mehr, keine Landeskanzlei, keine Agudas Jisroel, kein Weber, kein Issur, kein Cherem, kein Schamto____ Und alles ist nun erlaubt, ,alles ist „mutor", alles, Zionismus, Misrachi, Dr. Brody, alles alles____ Und ruhmgekrönt und staubbedeckt kehrt der mutige Kämpfer und große Sieger unter „lebhaftem Beifall* der Misrachisten und blau-weißem Himmel in sein Prager Rabbinat heim, legt das müde Haupt auf seine frischen Lorbeeren und tiefe und regelmäßige Atemzüge zeugen bald davon, daß solch ein Kämpfer weder Ruh' noch Rast kennt, sondern seinen oberrabbinischen Pflichten obliegt und ganz im Sinne und im Geiste des Misrachi unermüdlich für die Jüdischkeit in Prag wirkt — wie all die Jahre zuvor. Wenn irgendwo und irgendwann, so ist es wahrlich bei der Lektüre der in Nummer 8 der „Judischen Volkszeitung8 veröffentlichten Rede des Prager Oberrabbiners ungemein schwer, sich der Satyre zu enthalten. Wir müssen uns den Ernst der Zeit vor Augen führen, um nicht in diesem Tone fortzufahren, wenn wir bedenken, daß Oberrabbiner Dr. Brody in Prag eine Reise nach der Slowakei unternommen hat, um in Gegenwart von Vertretern einiger Misrachi-Gruppen eine Rede zu halten, worin er den Rabbinern der Slowakei den Kampf ansagt, weil sie, ohne zuvor seine Erlaubnis erbeten zu haben, es gewagt hatten, ihre Ueberzeugung von der religiösen Unzulässigkeit des Zionismus und des Misrachi zum Ausdruck zu bringen und die Orthodoxie der Slowakei vor dem Anschluß an eine solche Organisation aus religiösen Gründen zu warnen. Sein gutes Recht, einen anderen Psak herauszugeben als die orthodoxen Rabbiner der Slowakei in Uebereinstimmung mit den früheren Kundgebungen der meisten rabbinischen Autoritäten des In- und Auslandes, soll durchaus nicht bestritten werden. Wer auf i h n hört, wem seine religiösen Entscheidungen maßgebend sind, wird eben seinem Psak folgen. Die Tausenden der frommen Juden in den slowakischen orthodoxen Gemeinden, die seit annähernd hundert Jahren abgewöhnt sind, sich religiöse Unterweisung vom Prager Oberrabbinat zu holen, erwarteten aber angesichts der erneuerten zügellosen, zionistischen Propaganda in der Slowakei doch'wohl auch mit einigem Recht ein klares Wort von einer Plenarsitzung ihrer religiösen Führer über eine Bewegung, die sich als Vertretung auch des Judentums gebärdet, das allein wir als „Judentum" zu bezeichnen gelernt haben. Daß es dem Prager Oberrabbiner überraschenderweise peinlieh ist, in einer Organisation tätig zu sein, die von allen wirklich maßgebenden religiösen Oberhäuptern mit einem „Issur" belegt ist, macht seinem Empfinden Ehre, vermag aber nichts zu ändern, ebenso wenig wie etwa seine Drohungen von »Kampf* und „Gegenissur" imponieren können. Hält Oberrabbiner Dr. Brody die Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation oder zu ihrer Misrachi-Fraktion (deren Präsident eben derselbe Dr. Brody ist) für die slowakischen orthodoxen Juden vom Religionsgesetz für statthaft, so mag er dem „Issur" der slowakischen Rabbiner einfach seinen „Heter* entgegenstellen und die Zukunft würde lehren, wer der Religion und der Wahrheit und wer dem Abfall und der Begriffsfälschung gedient hat. Eines dürfte man indessen auch von dem kämpfenden Oberrabbiner von Prag verlangen: Auch im Kampfe gegen die verhaßte Orthodoxie schön brav bei der Wahrheit bleiben und sich im Kampfe nicht solcher Waffen bedienen, die seine nicht geringe Selbstachtung sehr verringern müßten. Gewiß, Oberrabbiner Dr. Brody ist Zionist, ein unzweifelhaft guter, treuer, überzeugungsfester, der Idee mit Herz und Seele ergebener, kein Opfer scheuender, eifriger Zionistr Das beweist ja sein bewunderungswerter Bekennermut, mit dem er während der vielen Jahre seiner » rabbinischen Tätigkeit für seinen zionistischen Nationalismus eingetreten war, auch als es noch nicht galt, den orthodoxen Rabbinern in den Rücken zu fallen. Er hat sich den Misrachisten zum Präsidenten verschrieben, nicht etwa aus grimmigem Haß und verhaltener Wut gegen die Orthodoxie, sondern aus reiner, treuer Liebe zu Zion. Er bekämpft die slowakischen orthodoxen Rabbiner und die orthodoxe Landeskanzlei, weil es ihm widerstrebt, in der tschechoslowakischen Republik Leute in Amt und Würden zu sehen, die dem Zionismus nicht hold sind. Daher auch die Entschiedenheit, mit der er sowohl als Zionist wie als gerader, moderner, anständiger, keine Winkelzüge und keine Schleichwege kennender Mann es zu jeder Zeit ablehnt, mit Antizionisten, Wühlern und anderem Gelichter, und sei es auch nur zum Scheine, gemeinsame Sache zu machen und Verabredungen zu treffen, ohwohl er daraus für den Zionismus keinerlei Nutzen erhofft und bloß für die Orthodoxie einen kleinen Schaden erträumt. — Das ist nicht etwa der Rabbi von Mukacewo ohne Kaftan, sondern echter Zionismus, entquollen aus sonnigem, lebensfrohem Tatendurst für Zion, aus leidenschaftlichem, nationalistischem Arbeitsdrang für den zionistischen Judejistaat. (Schluß folgt.) ___________________ -'__w ______ Pmonalia. [ \ Am Dienstag-, den 11. Adar, fand im Bethause „Talmud Thora" die Trauung der Tochter des Ehrw. Herrn Rabbiner Schenk mit Herrn Josef Lok statt. — Die Bethausmitglieder, Freunde und Bekannten benützten dieses freudige Ereignis, um Sr. Ehrwürden Zeichen der Verehrung und Anhänglichkeit zu liefern und nahmen viele hunderte Personen an der Feier teil. — Abends 6 Uhr fand im Turnsaale der „Talmud Thora"-Schule die Hochzeitsfeier statt. Der große Saal war dicht gefüllt mit Gästen. Außer den vorzüglichen Speisen, die den Gästen in Fülle geboten wurden, sind auch viele Diwre Thauro gesprochen worden. Als erster sprach der Vater der Braut, Herr Rabbiner Schenk, dann Herr Oberrabiner Fürst, die Herren Rabbiner Dr. Bach, Flesch, Weiß, Benedikt, Tauber und Herr Wolf Pappenheim. Es war für die Gäste ein wahrer Genuß, die schönen Reden anzuhören. Es wurden auch herrliche Gesänge von unserem Oberkantor Davidowitsch und Kantor Duckes vorgetragen. Ferner wurden viele Arme in sehr schöner Weise bewirtet. Dieses schöne Familienfest, welches bis nach 12 Uhr dauerte, wird allen Gästen in angenehmer Erinnerung bleiben. Freitag, den 21. Adar (9. März), führte Rabbiner Neuwirth, Leiter der Jessode Hathora, seinen Sohn, der den Namen seines in der Wiener Judenheit wohlbekannten Großvaters D av i d Dow erhielt, in Brith Awrohom ein. Die Feier, wie die darauffolgende Sudoh fand unter reger Beteiligungder zahlreichen Freunde und Verehrer der Familie im großen Saale der Jessode Hathora statt. Oberrabbiner Fürst, Oberrabbiner Seidl aus Galanta, wie auch der Vater Rabb. Neuwirth haben in schönen mit vielen Diwrei Thora geschmückten Worten das freudige Ereignis gefeiert. KALBNDARIUM. Tag Nissan März Notizen Sonntag 1. 18. Rosch-chodesch (Neumond) —Errichtung des Mischkan. Montag 2. 19. Opfer des Stamrafürsten Jisachar — König Ferdinand unterschreibt Dekret Vertreibung der Juden aus Spanien — Tod R. Benjamin Lwow, Lemberg. Dienstag 8. 20. Opfer des Stammfürsten Zwülon — Tod R. Jizchok Mochinch, Drohobicz. Mittwoch 4. 21. Opfer des Stammfürsteu Reuwens — Tod Rabbi Juda Leb, Lublin 5518. Donnerstag 5. 22. Opfer des Stammfürsten Simons — Tod R. Heschil Opta in Mezbusch 5585—Pogrom in Korfu 6651. Freitag 6. 23. Opfer des Stammfürsten Gad — Tod R. Samuel Juda Miriz (Vater des legendären Eintagskönig in Polen, Saul Wahl) — Tod R. Mosche Josohna Hurwitz, Horodny 5525 — Tod R. Aron Samuel Ossod, Dunaszerdahely 5663. Samstag 7. 24. Wajikro: HaftororAra süjozarto — Opfer des Stammfürsten Ephraims — Tod R. Moses Aschkknasy, Lemberg 5409 — Tod R. Moses Thumim aus Wien 5899 — Tod R. Jischak Drubitsch (ein Schuler des Boaischem 5504. Frau Dr. Jakob Schächter in Budapest feiert diese Tage in vollkommener geistiget und körperlicher Frische ihren 70. Geburtstag; Durch ihre unermüdliche Arbeit auf humanitärem Gebiete hat sie in allen Kreisen Budapests die größte Anerkennung erworben. . Sie ist auch die Gründerin des orthodoxen Frauenvereines, der nun diesen Anlaß benutzt hat, um seine Gründerin und Präsidentin zu ehren. Der Frauenverein hat auf den Namen yon Frau Dr. Jakob Schächter einen großen Fonds gestiftet, aus dessen Erträgnisse arme Bräute mit Ausstattung versorgt werden sollen. Auch die Chewra Kadischa der orthodoxen Gemeinde stiftete K 200.000 zu Ehren der Jubilantin. Michael .Fleischmann s. A. Montag, den 17. Adar (5. März), wurde Michael Fleischmann 9"T Inhaber der jüdischen Buchhandlung Hirschler & Co., in Wien unter großer Beteiligung der thoratreuen Judenheit Wiens zu Grabe getragen. Im Familienhause würdigte Herr Oberrabiner S. Fürst die hohen menschlichen Eigenschaften des frühzeitig Verblichenen und seine Verdienste, die er im öffentlichen Leben erwoben hat. Am Friedhofe schilderte Rabb. Josef Baumgarten seine Herzensgüte, wie seine treue unermüdliche Fürsorge für seine Familie Eingelaufene Bücher and Zeitschriften. Pessach-Hagada, mit Einleitung (I—XXXV), Erklärungen und Anmerkungen (hebräisch) von Schewach Knöbil, Wien 5683, Verlag „Menorah* Wien-Berlin. Die Hagada, das „Erzahlungsbuch", welches in jedem jüdischen Hause an den beiden Sedernächten verlesen wird, gehört zum Schönsten, was uns an überliefertem Gut erhalten blieb. Uralt muten uns ihre Erzählungen, Hymnen und Gebete und die an sie gebundenen Gebräuche an. Doch nur wenige wissen, wie dieBe Erzählungen und Gebräuche entstanden sind. Knöbil untersucht dies in langen Ausführungen und gibt uns gestützt auf eine erstaunliche Fülle von Feststellungen in verschiedenen Büchern des alten jüdischen Schrifttums in dieser Richtung einen geschichtlichen Ueberblick. Man muß sagen, daß uns ein solches Buch fehlte und der Verfasser hat durch seine Zusammenstellung gewiß eine Lücke in unserer Literatur ausgefüllt. Auch in den Erklärungen zum eigentlichen Texte steckt so mancher originelle Gedanke. Man kann auf dieses scheinbar unansehnliche Buch das alte Wort: „Wende es her, wende es hin, alles ist darin" (Aboth, Abschn. V, 27) anwenden und dem rührigen Verlage gebührt Dank, daß er in dieser schweren Zeit die Drucklegung dieses Buches besorgt. G h a j i in B1 o c h. Eigentümer urid Herausgeber: „Jüdischer Verlag G. m. b. H.*, II., Rembrandtstraße 41. — Verantwortlicher Redakteur: Jakob Deutsch, II., Franz Hochedlingergasse 8. Für die Tschechoslowakei: Heinrich Schwarz, Bratislava. — Druck: Genossenschafts - Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20. — Telephon Nr. 19.772. Fräulein Rözsika Kempten» Upiany (Slowakei) und Herr Leon Kann er, Kanditenfabrikant,, Kraköw (Polen), empfehlen sich als Verlobte. Szidonie Glück Alfred' Seidel Wfcn II. Wien IL Galanta Verlobte Manci Stern Samn Stern Budapest Wien ü. Verlobte Adar 5683 . Budapest—Wien, im , F März 1928 Residenz-Atelier jUggS Wien, I., Flelschmarkt 1, Telephon Nr. 23.224. Aufnahmen täglich von 9 bis 6 Uhr, an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr. Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (PrePurg), tiefer 0kg Erstklassige diagnostische, diätetische und eihysikotherapische Anstatt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie; Gebartshilfe. Orthopädie. Abteilungen für *ygen-, Obren-, Kqbll(opf- und UauttrankWtgn, RWgqnbebaodlypfl. Oberohe uod bakterlglQfllsch? Ubpratprfen, Täglicher Pauschalpreis von 6K 55 aufwärts Pauschalpreis für Entbindung von 5K 1100 bis 5K 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige 5K 15, Freie Aerxtewahl. Rituelle ißfö Verpflegung unter Aufsicht des Prefiburger orthodoxen Rabbinates.

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