Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 9 (2.3.1923)
- Date
- 1923-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630008--0872-2632564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 9 JUDISCHE PRESSE Seite 53 I Der Vorstand ersucht dringenst, den Mitgliedsbeitrag bei unserer Kassa erlegen zu wollen oder auf unserem Postsparkassenkonto Nr. 124.904 zu überweisen. Die Höhe des Beitrages bitten wir den Geldverhältnissen entsprechend zu bemessen, da unsere Ausgaben gegen das Vorjahr ein Hundertvielfaches betragen. Wahlberechtigt zur Kenessio Gedaulo sind nur jene Mitglieder, die Vor Schluß des Wählerverzeichnisses ihren Mitgliedsbeitrag bezahlt haben. Der Vorstand. m^^i^x^mx^i^^^^^^^ Dcut$chö$tnrcich. Am 7. Adar hielt Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner S. Fürst in der großen Synagoge der Adaß Jisroel eine Gedenkrede nach den in diesem Jahre verstorbenen großen Gaonim. Nebst den in unserer vorigen Nummer aufgezählten Rabbonim erwähnte er Rabbi Jisroel Ghaim Friedmann, Raho, Rabbi Moses Stern, Havasmezö, und Rabbi Elijohu Bezallel Teitelbaum, Jecsö. Die Gedenkrede klang in einer ernsten Mahnung aus, in erhöhtem Maße für Limud-Hathora und die großen Klall-Interessen des Judentums zu arbeiten. Vortrag M. GL Wölk. Sonntag, den 9. Adar, hielt Herr M. G. Wölk, Mitglied des Zentralkomitees der Agudas Jisroel in Litauen und zurzeit Mitarbeiter des Zentralbüros der Agudas Jisroel in Wien, seinen ersten Vortrag im gutbesetzten Turnsaale der Talmud-Thoraschule über das Thema „Das orthodoxe Judentum und Erez Jisroel". In überaus eindrucksvollen und geistreichen Wendungen präzisierte er den Begriff des orthodoxen Judentums und wies mit historischen Argumenten nach, daß solange der Beth-Hamidrasch die geistige Arbeitsstätte des jüdischen Volkes war und solange seine Führer aus der lebendigen Quelle der Thora schöpfen, keine Staatsgrenzen und territoriale Absonderungen der Einheit und Einzigkeit des jüdischen Volkes irgendwas anhaben konnten. Dieses einzige und einheitliche Volk war mit seiner ganzen Liebe und Sehnsucht Erez Jisroel ergeben. Erst als falsche Propheten die Einzigkeit des Volkes in Frage gestellt haben, wurde auch die Einheit zerstört und die reine Liebe für Erez Jisroel zertrümmert. Agudas Jisroel als Repräsentantin des alten einzigen und einheitlichen jüdischen Volkes, wird die schlummernde Liebe für Erez Jisroel wachrufen und das einstige Land des einzigen Volkes für das, ewige Volk erbauen. Nach dem mit stürmischen Beifall aufgenommenen Vortrag räumte der Vorsitzende eine kurze Pause ein, um Mitglieder zu werben. Nach der Pause sprachen noch Herr Moses Blech und Dr. Joel Pollak über die Bedeutung der Kenessio Gedaulo. Sowohl der materielle wie der moralische Erfolg der Veranstaltung war ausgezeichnet. Agudas Jisroel-Jugendgruppe Wien. Mozze Schabboth den 3. März veranstaltet die Agudas Jisroel-Jugendgruppe Wien in ihrem großen Vortragssaal eine Purim-Feier, zu der die Mitglieder und Gesinnungsfreunde herzlich geladen sind. Beginn halb 8 Uhr abends. Purim-Feier im Internat. Sonntag, den 16. Adar, nachmittags 4 Uhr, findet im Internat für verlassene Knaben, III., Schimmelgasse 6 eine Purimfeier statt und laden wir unsere P. T. Gönner zu derselben höflichst ein. Italien. Mamaner Brief. Seit der Anwesenheit des Herrn Dr. Joel Pollak in unserem Kreise gelang es die schlummernden Kräfte der Orthodoxie und besonders der agudistischen Jugend zu wecken. Die Versprechungen, die der Vorsteher der orthodoxen Gemeinden und die Führer der Jugend dem verehrten Gaste gegeben haben, waren nicht bloß Aeußerungen der augenblicklichen Begeisterung, sondern Gelöbnisse treuer Menschen, die bloß auf den Wegweiser gewartet haben. Im nachfolgenden sende ich Ihnen einige Berichte, aus denen Sie die Richtigkeit meiner Feststellung entnehmen werden. Sonntag wurde hier seitens der Talmud-Tora-Sektion der israelitischen orthodoxen Gemeinde, nach jahrelanger Unterbrechung, wieder die Talmud Thora eröffnet. Der Krieg und seine noch böseren Folgen hat alle diese und ähnlichen Institutionen auf die Daseinsfrage gestellt. Sie war die Prüfung auf ihre Echtheit. Das orthodoxe Gemeindeleben ist siegreich und geläutert aus diesem Kampf hervorgegangen. Man baut wieder auf. 14 jüdische Kinder werden durch das Lernen zu jüdischen Menschen erzogen. Und die Erwachsenen besinnen sich und vertiefen sich in dem Studium der G-tteslehre. „Israel11 veröffentlicht eine Botschaft der Falaschen aus dem Jahre 19 20 an die Juden der ganzen Welt, in welchem sie auf die wiederholte Notwendigkeit, ihnen die heiligen Schriften, namentlich die Tora und die Prophetenbücher zu senden, hinweisen, .damit der Same und Name Israels nicht ersterbe in dem Lande unseres Exils1. Ihre Lage hat sich während der Kriegsjahre nicht gebessert Viele sind durch Epidemien zugrunde gegangen. Dankbar gedenken sie ihres Meisters Jaakob Dr. Faitlovitch, der ihnen Trost gebracht hatte. Die Botschaft schließt mit den Worten: „Möge der G-tt unserer Väter uus und Euoh begnadigen, die Erneuerung und die Freude des Heiligen Landes und Jerusalems sehen zu lassen.' Die hiesige Jugendgruppe hat eine Bibliothek eröffnet, die stark benützt wird. Es ergeht hiemit an alle Jugendgruppen die Bitte, die Fiumaner A.-Jg. kräftig zu unterstützen. Adresse: -Agudas Jisroel, Fiume, Postfach 308. J. E. Fiume. Dienstag fand hier die BrißMilo des Erstgeborenen vom Herrn Bernhard Braun statt, dem großen Förderer jüdischer Wohltätigkeit. Zurückziehung der Ernennung Gallis? Im Zusammenhang mit der Ernenennung vou Commendator Galli zum italienischen Vertreter in Palästina, veröffentlicht „Messagero" folgende Notiz: „Die Nachricht über diese Ernennung hat in katholischen Kreisen und besonders in den Kreisen des Patriarchates des Heiligen Landes eine gewisse Mißstimmung hervorgerufen, indem man sich der Tatsache erinnert, daß Gommendator Galli in der Vergangenheit eine diplomatische Tätigkeit entfaltet hat, die von Sympathie für das zionistische Programm, daß immer noch ernste Beunruhigung in Palästina hervorruft, diktiert war. Nunmehr verlautet aber, daß, wenn auch früher daran gedacht wurde, Gommendator Galli nach Jerusalem zu schicken, der Staatssekretär des Aeußern jetzt diesen Entschluß geändert hat. Gommendator Galli wird in nächser Zukunft nach Damaskus gehen, wo er Italien als Generalkonsul vertreten wird." Schweiz. Landeskonferenz der schweizerischen Agudas Jisroel. Der diesjährige Delegiertentag der schweizerischen Agudas Jisroel-Landesorganisation fand Sonntag, den 9. Adar (25. Februar), im gelben Saale des Volkshauses Zürich statt. Der gut beschickte Delegiertentag wurde um 10 Uhr vormittags vom Präsidenten der Landesorganisation Herrn Rosenzweig eröffnet. Den Kassenbericht erstattete Herr Josef Rothschild, über die Arbeit der Palästinazentrale "referierte Herr J. Erlanger, über den Kriegswaisenfonds Herr Gh. I. Eis. Der geschäftsführende Ausschuß des Zentralrates wurde durch Dr. Ehrmann, Frankfurt, vertreten. (Näherer Bericht folgt.) Basel. Wie alljährlich, hat auch in diesem Wintersemester die Agudas Jisroel Ortsgruppe ihren talmudischen und halachischen Schijur wieder aufgenommen. Letzten Sonntag wurde mit der „Sugje Mitoch" (Traktat Bezah) unter Teilnahme einer zahlreichen Zuhörerschaft unter tiefgründigem Vorlernen von Herrn M. Schwavtz begonnen. Für die weiteren Abende des Wintersemesters haben das Vorlernen bereitwilligst übernommen die Herren Rabb. Dr. Cohn, Botschko, N. W. Lifschitz und N. Sternbuch. Rußland. Fortgesetzter Kampf gegen" die jüdischen Schulen in Bnßland. (J. C. B.) Die Sowjetbehörden in den Kreisen von Charkow und Odessa haben eine Verordnung erlassen, wonach die Errichtung von Schulen in Privathäusern verboten wird. Alle bisher in Privathäusern untergebrachte Schulen werden geschlossen. Durch diese Verordnung werden die jüdischen Privatschulen schwer betroffen, besonders aber die Chedarim, die trotz ihrer seinerzeitigen Schließung durch die Regierung auch in der Form von Privathäusern existierten und die alle in Privathäusern weiter untergebracht sind. England. Die Palästinensische-Arabische Delegation in London. (J. G. B.) Am 22. Dezember trafen der Vorsitzende der Palästinensische-Arabische Delegation Musa Kiazim-Pascha, der Sekretäi der Delegation Schilli Dschenan und das Mitglied der Delegation Aron Tamimi aus Lausanne in London ein. „Morning Post8 führt die Tatsache des Wiedereintreffens der Delegation in London darauf zurück, daß nach der Ansicht Lord Gurzons, die die Delegation betreffenden Fragen in die Kompetenz des Kolonienministeriums, nicht in die des Außenministeriums, fallen. Die Delegation wird deswegen in London mit dem Kolonienministerium Verhandlungen pflegen. Wie „Times" melden, soll Musa Kiazim-Pascha erklärt haben, die Delegation sei im Zusammenhang mit der Tatsche der Bildung eineraeuen englischen Regierung nach London gekommen. Diese neue englische Regierung, meint Musa Kiazim-Pasha, sei gegenüber dem arabischen Volke und seinen Forderungen freundlicher gesinnt, als die frühere Regierung. Sobald ein unabhängiger arabischer Staat geschaffen werden wird, äußerte ferner der Führer der arabischen Delegation, werden die Juden gleich allen anderen ins Land kommen dürfen; natürlich in dem Maße, als ihre Anwesenheit den Bedürfnissen des Landes entspricht. Zum Schlüsse bemerkte Musa Kiazim-Pascha, daß die Politik der früheren englischen Regierung daran die Schuld trage, daß sich gegenwärtig unter den Arabern Palästinas eine starke Zuneigung zu der Türkei bemerkbar macht. Argentiniern Die JCA und die Emigration nach Argentinien. (JPZ) In der letzten Sitzung der Anglo Jewish Association hat Mr. d'Avigdor Goldschmid über die Emigrationspolitik und über die Tätigkeit der JCA in Rußland berichtet. Die JCA hat besondere Aufmerksamkeit dem Zentralbureau der Emigration in Warschau gewidmet, und es ist ermöglicht worden, daß speziell billige Ueberfahrten nach Artentinien für Auswanderer erhalten wurden. Das Warschauer Bureau fungierte als Filiale der Gesellschaft für den Schutz jüdischer Einwanderer, die unter Leitung des Rabbi Haiphon in Buenos Aires besteht und mit dem Arbeitsministerium der argentinischen Regierung zusammenarbeitet, so daß argentinische Eisenbahngesellschaften jüdische Einwanderer beschäftigen. Das Komitee gewährt auch jüdischen Familien in Argentinien, die Verwandte aus Rußland kommen lassen wollen, die Hälfte der Reisekosten. Die durch die JCA empfohlenen Immigranten erhalten ohne jeden Verzug das argentinische Visum. Vom Dezember 1921 bis Juli 1922 sind 4218 jüdische Einwanderer in Argentinien angekommen, von denen 695 in die Kolonien der JCA geschickt wurden. Jerusalem. Eine Deputation, hestehend aus den Rabbinern Abramowitsch und Eliaschar und den Herren Slutzky und Schocher, sprachen im Auftrag des Vereines für Beobachtung des Sabbats bei Herbert Samuel vor. Sie übergaben eine Bitte, welche 25.000 Persönlichkeiten vertraten. Herr Eliaschar führte aus, daß das türkische Gesetz jeden, der durch die Entweihung des Ramadanfastens öffentliches Aergernis erregte, als strafbar bezeichnet, die Entweihung des Sabbats in Jerusalem macht einem großen Teil der jüdischen Gemeinde das Leben unerträglich und halte sehr viele ernste Menschen ab, nach Palästina zu kommen, wo sie einer solchen Verletzung ihrer Gefühle ausgesetzt seien. Auf eine Zwischenfrage Herbert Samuels, bemerkte Rabbiner Eliaschar, daß die Verordnung Entweihung des Ramadanfastens selbst dann ahnde, wenn sie von Andersgläubigen ausginge. Schocher spricht, wie er sagte, als einer der ältesten Siedler von Jerusalem. Er richtete ein Appell an Herbert Samuel, es genau so zu halten, wie Nechemja, welcher seinerzeit bei dem Wiederaufbau des heiligen Landes gleichfalls einen erfolgreichen Feldzug gegen die öffentliche Sabbatentweihung unternahm. Herr Slutzky fügte hinzu, daß er im Besitze einer großen Anzahl von Briefen aus anderen Ländern sei, deren Schreiber sehr gerne nach Palästina mit großem Kapital kämen, die aber angesichts der ungestraften Sabbatverletzungen, dazu sich nicht entschließen können. Herbert Samuel erwiderte, daß er dem Ruhetag großen Wert beilegt. Speziell in Jerusalem wäre es recht, daß der Sabbat strengstens beobachtet würde. Der ganze Sinn des nationalen Heimes verlangt eine jüdische Atmosphäre für die jüdische Gemeinde. Er sei gleichfalls der Meinung, daß Juden, die in Palästina leben oder nach Palästina kommen, eine Umgebung finden sollten, welche der Sabbatruhe gerecht würde. Allerdings sehe er keine Möglichkeit, das türkische Gesetz auf andere Tage als den Ramadan anzuwenden; auch glaube er, es wäre unmöglich die Entweihung des Sabbats unter Strafe zu stellen. Er sehe nur eine Möglichkeit zu helfen und das wäre die Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Die Anstrengungen des Komitees, in wessen Auftrag die Delegation erschienen wäre, die Tatsache, daß sie eine solch große Anzahl von Unterschriften aufgebracht habe, beweist die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit in dieser Richtung. Es wäre außerdem wünschenswert, daß das Komitee Einzelfälle zu seiner Kenntnis bringt, namentlich solche, die sich bei jüdischen öffentlichen Einrichtungen vollziehen. Nachdem Herbert Samuel sich noch geäußert hatte, daß manche Vorschriften in bezug auf die Sabbatbeobachtungen zu strenge wären, wird nur noch versichert, daß er und seine Familie und die Verwaltungsbehörde ein Beispiel für Sabbatbeobachtung zu geben sich-bemühen. Baumwollproduktion und Textilindustrie in Palästina. (JZP) Auf Grund von vorliegenden Ziffern und Daten aus Aegypten, Syrien und anderen in gleicher Zone um Palästina liegenden Ländern, kommt ein Memorandum der zionistischen Exekutive zum Schluß, daß Palästina sehr gute Aussichten für eine umfangreiche Textilindustrie bietet und daß es nicht übertrieben sei, wenn man behauptet, Palästina könne Textilwaren im Werte von 10—12 Millionen Pfund jährlich produzieren, falls die Juden hier wie in anderen Ländern entsprechende Energien und Kapitalien investieren würden. Ein Vergleich mit den großen Textilzentren Lodz, Bialystock u. a., die nur dank jüdischer Energie und jüdischen Kapital eine solche Bedeutung erlangten, zeigt die größeren natürlichen Vorteile, die sich für die Textilindustrie in Palästina als in Polen ergeben. Während Lodz in bezug auf Rohmaterial von Turkestan, Aegypten, U. S. A. usw. abhängig ist, von Ländern, die Tausende von Kilometern entfernt liegen, erhält Haifa oder Jaffa dieselben aus einer Entfernung von nur zirka 400 km. Lodz liegt von seinen Absatzgebieten Tausende von Kilometern entfernt und hat mit tschechischer und deutscher Konkurrenz zu kämpfen. Haifa oder Jaffa hingegen haben ein ausgedehutes Absatzgebiet, während seine nächste Konkurrenz Tausende von Kilometern entfernt liegt. Für den Transport muß Lodz weit ausgedehnte Eisenbahnstrecken benützen, Haifa oder Jaffa kann sich für seinen Export des billigen Wasserweges bedienen. /,