Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 8 (23.2.1923)
- Date
- 1923-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE V. b. b. IJi&*^ltfct*»kIlo14^ X#t ftmM&wßtxmg0 („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malsgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K 48.000, Ungarn E 1500, Tschechoslowakei K6. 70--, Deutschland Mk. 5000--, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 100 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 10.000*—. Einseinammer d.-ö. E 1000, Kc. 1*50. 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Daran scheiterte König Saul, daran scheiterten seit Saul so viele Persönlichkeiten, die zur Führung berufen waren. Vielleicht ist es die schwerste Aufgabe für jeden Führer, vom Erzieher angefangen bis zum König, in der tragischen Stunde, da die Masse ihn umschmeichelt und die Sehnsucht von der Masse sich tragen zu lassen, ihn umgarnt, nicht zu erliegen. So hatte damals der geschlagene Amalek gesiegt, weil König und Volk wähnten, ein Vergeltungszug gegen den Amalek sei eine Sache zwischen Volk und Volk, eine rein politische Angelegenheit und ganz vergessen hatten, daß es nichts anderes sein sollte und sein durfte, als der schlichte Vollzug eines g-ttlichen Auftrages. Dieser Irrtum ist auch die so häufig wiederkehrende Tragiii in der jüdischen Geschichte. Wenn man die Geschehnisse nur von diesem Standpunkt aus sieht, dann ist es klar, daß man sie auf ja oder nein dem parlamentarischen Gefüge und Getriebe unterstellt und das heißt ja letzten Endes der Zustand, dem König Saul erlag. Niemals nun war diese Gefahr der tragischen Stunde für den Führer so groß, als gerade in unserer Zeit der Demokratisierung. Dies gilt ja nicht bloß von jüdischen Angelegenheiten, deag die Demokratie, richtig verstanden, hat ja naStf&ur dann Berechtigung, wenn Tifen sind, denen ein bt, ein gemeineispiel, um das das ^magogischste isißJH^feßt die Beschränkung, daß Nichtangehörigo des Staates kein Wahlrecht besitzen, weil nicht ohne weiteres anzunehmen ist, daß diese Nichtangehörigen das gemeinsame Interesse an dem Aufblühen und an dem Bestand des Staates haben. Dem steht nicht entgegen, daß diese Nichtangehörigen zu den Lasten des Staates mit herangezogen werden, da sie ja doch den Schutz gleich den eigenen Staatsangehörigen genießen. Die demagogische Entartung ist deshalb erst dann gegeben, wenn der Boden des gemeinsamen Prinzips verlassen ist und jeder im Zusammenwirken mit den vielen, nur seine eigenen individuellen Interessen um jeden Preis verfolgt. Selbstverständlich liegt in einer derartigen Machtentfaltung etwas erschreckendes und es bedeutet immer eine Feigheit des Führers, wenn er vor dieser Entfaltung zittert, so wie Saul das Volk fürchtete. Hat aber einmal diese Frucht Wurzeln gefaßt, dann gibt es kein Zurück mehr. So sprach Saul ganz folgerichtig: „Ich hatte das Volk zu fürchten begonnen und darum mußte ich auf seine Stimme hören." Es ist freilich leichter, bequemer und bekömmlicher eine ganze Führerschaft darauf zu beschränken, den Stimmen der Massen zu lauschen und ihrem Diktat sich zu beugen. In jüdischer) Dingen ist demnach der ganze Gedanke einer Entscheidung durch die Majorität nur dann möglich, wenn der gesamte entscheidende Körper unverbrüchlich auf dem souveränen Boden der Thora steht. Massenpsychose bedeutet den Sieg Amaleks, sie ist und bleibt eine tragische Stunde für Volk und Führer. P. K. Für die Opfer der Hungerkatastrophe in Rußland. allein die zur gemeinsa sarftes Prin Alltägliche zu Wahlrecht in dem freiheit Autobiographische KohnT Trotz der wirtschaftlichen Krise in den meisten europäischen Ländern, unter der die Judenheit am meisten leidet, verleugnen unsere Brüder ihr jüdisches Herz den Hungernden in Rußland gegenüber nicht. Sowohl in der Schweiz, wie in Holland und der Tschechoslowakei, in den Ländern einer guten Valuta, wurden in der jüngsten Zeit größere Aktionen zugunsten der hungernden Juden in Rußland mit nennenswertem Erfolg durchgeführt! Auch in Wien gelang es den agilen Damen der Mädchengruppe der AgudasJisroel größere Beträge für die Opfer der russischen Hungerkatastrophe aufzubringäaÄ»3Vir möchten trotz dieser schönen Erfolge weisen, daß all diese Summen an der Katastrophe gemessen, bloß kleine Teileuten. In Anbetracht des herannahenden festes, muß die Gebefreudigkeit verwerden. Unsere Brüder in Rußland werden in Anbetracht der religionsfeindlichen Tendenz der Sowjetbehörden, worüber wir p'n dieser Nummer an anderer Stelle berichten, sicherlich viel Schikanen ausgesetzt werden. Es ist'die primitive Pflicht des jüdischen Solidäritätsgtfilltfst in dieser doppelten Not unseren Brüdern irrRaöhmd mit ganzem Herzen beizustehen. Das herannahende Pur im fest wird dem guten jüdischen * Herzen eine willkommene Gelegenheit geben, seine ganze Größe mit großen Spenden für die Opfer der Hungeikatastrophe in Rußland zu dokumentieren. Spendenausweis für jüdische Hangern de in Bußland. (Fortsetzung.J Frl. Sophie Bondi für Telegrammablösung, Hochzeit Steni-Frank K 60.000; Sammlung durch Aba Goldfeld Dachinger 3000; Josef Teitelbaum 13.000; mehrere Ungenannte 2190 (18.190); durch Beth Hamidrasch Talmud Thora 9200; David Saphir 2000; Nathan Adler 30.000; Felix Bondi 2900; Selim Stein 5000; Sammlung des Herrn Pinkas Horowitz in Bistritz; Transylvanien, Rohrlich und Brecher Lei 250; Dr. Julius Halberg 200; Bankdirektor Gjwnes 100; „Hermes", A.-G. 100; Kallus Lajos 100; Soya Sajovics 100; Jakob Klier (Dornawatra) 75; Budusan 60; Chaim ICahan, Adolf Weinberger, Dr. Kendeffy, Markovics Izso, Goloman Herczeg, Kreditbank A.-G, Leib Goldberger, Pinkas Horowitz je 50; J. Rachmuth, Samuel Tabovits, Majer Mandel, Heinrich Löbl, Benö Kaufmann, Aron Ulimann, Pinkas Roth je 40; Abraham Friedmann, Agrar-Bank A.-G. je 30; Mano Horowitz, Lazar Soyovics je 25; Aron Weinberger, Emanuel Potoszmann, Moritz Zibener, Gabor Mihaly, M. Sennensieb, Sajo Kierent'eld, Adolf Gubmann, Hirsch und Rosenteld, Chaim Speter, Dr. Biß Cornel, Selig Speter, N. N., Jakob Reszler, M. Weinberger. Haimann, J. L. Majer, Murkus Roth, David Lax, Josef Klein, David Nußbacker, Eugen Schau, Moses Erczmann (Sechnitz), Fischbach J. (Borgosuseni), Jancovici (Focsani), Ignaz Pfeffermann, Ferenczi Josef, N. N. (Oradea-mare) je 20; Osias Sonder 15; Javai Aron, Lazar Levi, Izsak Geza, J. H. Friedmann, Jakob Schaffer, Mendel Tokajer, N. N., Bolgar, Waldmann, H. L. Balkirs, mon (Schluß.) tolze Usgenosser at. Er sei Spruch nehmen, to-Erzählungen, Romane, dij höchsten r Jndenheitj Ueber die Wirkung seiner Schriftenjm£ jüdische Kreise äußert sich Kohn in s santer Weise. Der sonst so besch« reklamiert da mit berech''«™"^^''70 * Verdienst, daß er sein pathien zu gewinnen v »Ich darf wohl das Vei daß ich sowohl durch als auch durch meine hi die weitesten sowohl a drangen, dem Judentum Nutzen gebracht habe, als eine Flut polemil? Schriften, welche ihre Tendenz . offenkundig zur Schau trugen und schon dadurch nicht in jene Kreise zu dringen vermögen, in denen sie. wirken sollen." Mit welch voller Berechtigung der Dichter dies von seinen Schriften sagen durfte, ersieht man aus einer Besprechung, die in einer katholischen Zeitschrift über eines seiner Bücher erschienen ist. Diese Besprechung ist in mehrfacher Beziehung so beachtenswert, daß sie hier weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden möge. Kohn schreibt nach einigen Bemerkungen über die seine Bücher be» treffenden Rezensionen unter anderem folgendes: „Als Kuriosum zitiere ich aus den 150 günstigen Besprechungen, die über meine Werke erschienen, eine Kritik der ,SL Galler Blätter4. Diese schrieben ^6, vom Jahre 1896: .Franz Hrilicka sagt s „Ghettobildern", ,sie gehören unter die r'. In hohes großer i besonie Kohn ischen Juden, endenz bsaische dem Verr führt Schild ubensgenossen polemisiert er-gegen esten Erzeugnisse ist es rdien. lafi \t D H oiiobilde •ne;e zu das Zeugt ert im Die glücklich. Nirgends einen anderen Kultus,'überall begnügt er sich damit, Pflichttreue und Nächstenliebe im eigenen Lager nachzuweisen, rns'helfste Licht zu stellen und den verdienten Erfolg erringen zu lassen. Nirgends wiro* er unduldsam oder gar aufdringlich, er behält vielmehr einen freien.Blick und •ein*-weites Herz, ja er berührt auch .die. Satzungen seines Volkes mit der Objektivität eines .EV^ählers, der'alten Lesern gleich nahe stehen will. So faßt» er^ überall auch einen köstlichen HumoKdu^chblicken.'wo ein solcher er7 laubt ist, mitunter* wirdseiue.JSfZählung zur eigentlichen HumpÄs^e * v. Das * Buch' ist im* iflphon Grade lesens^L«'; fl^ ' r ' . Man wird nicfft'-ürnhifi »können, dankbar die seltene' Objektivit^^'Anerkennen,' die« in dieser Besprechung'zur;!yÄuS^K'k gelangt," "zumal sie in. einer Zeitschrift erschien,'^je wie bereits betont,- i ausgesprochen katholischen Tendenzen diente.! Aber man wird auch die Meisterschaft des Dichters Kohn bewundern müssen, der für seine, aus echt jüdischem Herzen und unverfälscht jüdischem Geist geschaffenen Gestalten eine solche Beurteilung erzwingen konnte. Wie eine wahre Ironie berührt es da, wenn man gegenüber der anerkennenden, ja enthusiastischen Haltung eines katholischen Schriftstellers (der vermutlich sogar ein Geistlicher war), die Charakteristik liest, die ein Rabbiner — aller- ■ dings ein der radikalen Reform huldigender — einmal in der „Allg. Zeitung des Judenlums" S, Kohn widmete. Jedem Wort des.Lobes folgt ein ziemlich einschränkender, nörgelnder Satz. Da hfißt es zum Beispiel: „Obwohl er niiht zu den Großen gehörte, verdient er, daß ihn selbst weitere Kreise nicht vergessen, denn er besaß als Mensch wie als Schriftsteller neben kleinen Schwächen viele Vorzüge." „S. Kohns Erzählungen sind eine angewandte Theodizee, wie er selbst alle Tage seines Löbens ein Optimist im gewöhnlichen Sinne des Wortes war, ganz ohne Klügelei; denn Klügeln und sich mit religionsphilosophischen Problemen beschäftigen war steine" Sache nicht." Den Mann, der in seiner Frömmigkeit schweren Schicksal^chlägen.gegenüber unerschüttert bleibt, als „gewöhnlichen Optimisten" zu charakterisieren, ist wohl ein starkes Stück. Hart zurechtgewiesen wird Kohn von dem Rabbiner auch darüber, daß er keine großen Reisen gemacht und der modernen-Naturwissenschaft, ja selbst der Philosophie fremd gegenüber stand! Wie beschämt müßte da Kant, der nie über Königsberg hinaus- Engros und Erzeugung t ., Bauernmarkt .24 (Ecke Fleischmarkt) :•: Telephon 67-302 I., Graben 28 Filiale: Kar-lstoacl, Alte Wiese,