Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 7 (16.2.1923)
- Date
- 1923-02-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 40 JÜDISCHE PRESSE Nr. 7 bei der Schaffung dieser Organe. Er war auch ein hervorragendes Mitglied des Gründungs-Sejms der Litauischen Republik. Seine Autorität war selbst in dieser Körperschaft so groß, daß er im Präsidium derselben Sitz und Stimme hatte. Trotz seiner Aktivität und Energie, hat sein bescheidenes Wesen und seine peinliche Korrektheit selbst in Kreisen der Gegner ihm unbedingte Achtung und große Verehrung gesichert. Im litauischen Sejm hat er sich besonders mit seiner Rede gegen die Todesstrafe hervorgetan, eine Rede, die auf alle Mitglieder des Sejms tiefen Eindruck gemacht hat. Donnernd klangen die Worte irfiHfl ifi aus dem Munde des patriarchalischen Rabbiners, der selber damals leider schon den Todeskeim in sich trug. Seine letzten Kräfte verzehrte er im Kampfe gegen die linksstehenden Elemente, T3ie anläßlich der zweiten Tagung der litauischen Gemeinden und im Sejm selbst für die Ausschaltung der religiösen Momente aus der jüdischen Gemeinde und aus dem jüdischen öffentlichen Leben arbeiteten. Seine Reden, die er bei diesen Anlässen gehalten hat, klangen wohl aus dem Munde eines Sterbenden, sprachen aber für das ewige unveränderliche jüdische Leben. Die letzten Monate verbrachte er im jüdischen Krankenhause in Berlin. Als sein Zustand hoffnungslos geworden ist, raffte er sich auf und kehrte nach Litauen zurück, um in dem Litauen zu sterben, das in seiner Jugend noch die berühmteste Stätte jüdischer Frömmigkeit und jüdischer Gelehrsamkeit war und wo er in den letzten Jahren als der Angesehenste, für die geheiligte Tradition der Väter mit seinen besten Kräften gewirkt hat. Palästina. Die Zahl der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. (J. G. B.) Die von der Arbeiterorganisation veranstaltete Zählung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina ergab folgendes Resultat: In Jerusalem befinden sich 4597 jüdische Arbeiter, in Tel Aviv 3757, in Jaffa 1308, in Haifa 1851, in Tiberias 365 Arbeiter. Die Zahl der Arbeiterschaft in den Kolonien ist folgende: Petach Tickrah 452, Rischon le Zion 253, Ghederah 149, Sichron Jacob 140. Aehnlich ist das Verhältnis in den Siedlungen von Emek Israel. Die Gesamtzahl der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina beträgt 16.554. Neue Unruhen in Jaffa. (JGB) In Jaffa sind neue Unruhen ausgebrochen, in deren Verlauf sich Zusammenstösse zwischen Arabern und der jüdischen Bevölkerung ereignet haben. Den 16. Jänner wurde die Leiche des ältesten Polizeiinspektors Tefwik Bey aufgefunden. Alle Anzeichen wiesen darauf hin, daß Tefwik Bey ermordet, worden sei. Die Mörder konnten nicht mit Sicherheit festgestellt werden, doch sind mehrere Personen, sowohl Araber wie Juden, unter dem Verdachte der Beteiligung am Morde verhaftet worden. Am 17. Jänner fand die Beisetzung des ermordeten Beamten unter großer Beteiligung statt. Sämtliche Läden der Stadt waren während der Trauer- Zeremonie geschlossen. Noch bevor die Beisetzungs- Zeremonie zu Ende war, überfiel eine Gruppe Araber die Juden, worauf sich die Kämpfe entwickelten. Die englische Gendamerie griff energisch ein und stellte bald die Ordnung wieder her. Der Polizeiinspektör Tefwik Bey hat sich in der Unterdrückung der Jaffa-Unruhen im Mai 1921 hervorgetan. Der Bericht der Untersuchungskommission über die Jaffa- Unruhen erwähnt darüber, daß Tefwik Bey und der erste Inspektor Cohon diejenigen waren, die durch ihre überlegene Haltung die damaligen Unruhen lokalisiert haben. Zum Millionen-Vermächtnis Sir Eadoories für Palästina. Der verstorbene Sir Ellis Kadoorie, Shanghai, hat einen Betrag von 150.000 Pfund der Palästina-Regierung hinterlassen, die zur Errichtung von Schulgebäuden für jüdische und arabische Schulen verwendet werden sollen. Ein Komitee aus Vertretern der Regierung und der Zion. Organisation hat bestimmt; daß die für jüdische Schulen bestimmten Beträge zum Bau von Gebäuden für das Gymnasium in Jerusalem, die Tachkemoni-Schule in Jaffa und eine Schule in Tiberias verwendet werden sollen. Es ist vielleicht überflüssig zu bemerken, daß man bei der Zusammensetzung des Komitees an dre Vertreter des orthodoxen, das ist des ältesten und größten Schulwerkes in Palästina vergessen hat. Sie mußten sich erst mit Protesten den ihnen gebührenden Platz erzwingen. Die Wahlen in den palästinensischen gesetzgebenden Rat nach Religion. (,T. C. B.) Der Oberkommissär von Palästina, Sir Herbert Samuel, hat auf Grund der Verfassung eine Vorschrift erlassen, daß die Distriktsgouverneure allein bevollmächtigt sind, die Bevölkerung in den religiös gemischten Bezirken in getrennte religiöse Kataster einzuteilen. In jedem Bezirk wird für jede religiöse Gruppe eine besondere Wahlliste aufgestellt, werden. Der Kampf der Zionisten gegen die Reaktion in der Slowakei undRussokarpathien. Unter diesem Titel berichten die „Zidovske zprävy", das in tschechischer Sprache geschriebene Wochenblatt des Prager jüdischen Nationalrates, dessen Redakteur der Sekretär des Nationalrates Waldstein ist, über den Silleiner Misrachi-Kongreß vom 4. Februar d. J. in einem Artikel, der wie gewöhnlich voll ist von denunziatorischen Angriffen gegen das konservative Element in der Slowakei und Russokarpathien. Wir befassen uns sonst nicht mit den Ausführungen des Blattes, das allwöchentlich die niedrigsten Beschimpfungen der konservativen Judenschaft der Slowakei und Russokarpathiens systematisch bringt und dessen Spezialität vollkommen haltlose und erfundene Denunziationen der Orthodoxie bilden. Der Grund hiefür ist, weil dieses Blättchen nicht nur in der Slowakei und Russokarpathien nicht einmal dem Namen nach bekannt ist, sondern auch in Böhmen und Mähren von beinahe Niemanden gelesen wird, weil die sogenannten zionistischen Nationaljuden dort durchwegs kulturell deutsch orientiert, die tschechische Sprache mangelhaft oder gar nicht beherrschen und ein eigenes deutsch geschriebenes Organ haben, das — wenn auch durchaus den politischen Parteistandpunkt mit größter Energie verfechtend — sich des agressiven denunziatorischen Vorgehens seiner tschechischen Kollegin enthält. Diese Divergenz wird nur verständlich, wenn man erführt, daß eben diese „Zidovske zprävy" allen Aemtern nicht nur in den Zentralstellen, sondern auch in der Slowakei und Russokarpathien gratis zugeschickt wird und die höhere und niedere Beamtenschaft den eigentlichen Leserkreis des Blättchens bildet. Das Blatt ist das Sprachrohr jener, knapp ein halbes Dutzend zählenden „Führer" der zionistisch-nationalen Juden, die bis zum Umsturz im tschechischassimilatorischen Lager stehend, der tschechischen Sprache vollkommen mächtig, immer als „Präsident" oder „Sekretär" oder „Redakteur" vorgeschoben werden, wenn es sich darum handelt, für die selbstverständlich „durch und durch loyalen Zionisten" etwas bei der Regierung durchzusetzen. Es sind dieselben Heiren, die am 28. Oktober 1918 den jüdischen Nationalrat in Prag in einer Tafelrunde von insgesamt acht Menschen selbst gegründet haben und bis heute als einzige solche „sich selbst gewählte" Organisation, die übrigens von der Regierung nie offiziell anerkannt wurde — in der Republik weiterbesteht, ohne daß sie es gewagt hätte, die breiten Schichten der Judenschaft aufzurufen und sich'so durch Wahlen oder dergleichen eine ehrliche Legitimation zu verschaffen. Selbstverständlich ist die Berufung auf die Stimmen, die bei den Parlamentswahlen im Jahre 1919 auf die „Vereinigten jüdischen Parteien" abgegeben wurden, wiederum ein auf Irreführung berechneter Bluff, nachdem diese ad hoc und unter den gegebenen besonderen Verhältnissen geschaffene Wahlvereinigung gar nichts mit Zionismus und jüdischem Nationalrat zu tun hatte und heute, wo die „Konservativen" in der Slowakei und Russokarpathien mit ihren durchschnittlich 85 Prozent Juden außerhalb der „Vereinigten" stehen, von irgend einer Bedeutung der seinerzeitigen , Wahlfirmau und ihres ziffernmäßigen Ergebnisses nicht mehr gesprochen werden kann. Wir haben die Aufzählung dieser Fakten für notwendig Sehalten, um einmal vor der Oeffentlichkeit zu erhärten, warum wir auf das Sprachrohr dieser Gesellschaft nicht reagieren. Es ist uns egal, ob nun dieses Blatt die niedrigsten Denunziationen gegen die Orthodoxie bei der Regierung oder ihrer Beamtenschaft anzubringen sucht, oder die lächerlichsten Bluffriachrichten bringt, als ob es in der Republik 4000 (viertausend) Misrachisten gäbe, während doch jeder Eingeweihte weiß, daß es lange, lange noch keine 400 (vierhundert) sind, die der Organisation angehören, und daß in ganz Böhmen, Mähren und Schlesien nur eine kleine Ortsgruppe in Mährisch-Ostrau besteht. In Prag seihst existiert außer dem „Federations- Obmann" sage noch ein einziger Misrachist. Wir haben es um so weniger notwendig uns speziell gegen die auch in dem Artikel der „Zidovske zprävy" vom 4. d. M. wiederkehrenden Verdächtigungen unserer staatlichen Loyalität zu verteidigen als die berufenen Führer der slowakischen und russokarpathischen konservativen Judenheit sich erst vor ganz kurzer Zeit an den maßgebendsten Regierungsstellan in Prag überzeugen konnten, daß den Vorbringungen dieser Bluffgesellschaft nicht mehr Beachtuug geschenkt wird, als ihnen gerechter Weise gebührt. Nur noch eines möchten wir, nachdem wir uns schon einmal mit einem Artikel der „Zidovske zprävy1 befassen, unseren Lesern schon# aus dem Grunde nicht vorenthalten, weil wir gelegentlich der Erörterung eines so traurigen Kapitels jüdischer Politik, die in Denunziationen ihre Hauptbetätigung sucht, auch ein heiteres Moment nicht verschweigen wollen. Der angeführte Artikel schließt, nachdem er der tschechoslowakischen Regierung seinen tiefsten Widerwillen darüber zum Ausdruck bringt, daß sie es gewagt hat, dem Willen von neun Zehnteilen der jüdischen Gemeinden Russokarpathiens zu entsprechen und -den Anschluß an die orthodoxe Zentralkanzlei in Bratislava gutgeheißen, mit folgender Drohung, deren Haupt effekt eventuell — und man sieht, daß es sich um ein in Fleisch und Blut übergangenes Prinzip handelt — wiederum auf eine Denunziation herauskommt. Es heißt da wörtlich]: „Sollte die zionistische Organisation gezwungen sein; auf Grund der ihr vom Völkerbund erteilten Rechte, eine eigene Abteilung für Slowakei und Russokarpathien zu errichten, welche direkt der Weltorganisation unterstehen würde, dann wird dies bloß eine Folge jener Kurzsichtigkeit sein, welche sich auch in auderen Sektionen der staatlichen Verwaltung auf so unglückliche Art geltend macht.u Also wisse> tschechoslowakische Republik, daß die Selbstständigkeit, auf welche du dir so viel zu Gute tust, trotz der mehr alsfvier Jahre, die seit dem Umsturz verflossen sind, noch keineswegs so unangefochten ist, wie du glaubst, denn — und wenn du es, trotzdem du Mitglied des Völkerbundes bist, noch nicht weißt — die zionistische Organisation hat das Recht, in einzelnen Teilen deines Gebietes Vorkehrungen zu treffen, die „die Kurzsichtigkeit deiner staatlichen Verwaltung" und „ihre unglücklichen Folgen" beseitigt! Wir sehen schon, wie infolge einer Intervention der Herren Sokolow oder Weitzmann in Genf Minister Beneä schlaflose Nächte bereitet werden, die so widerstandsfähige tschechische Krone auf den Devisenmärkten der Welt herunterlizitiert wird, und nur durch schleunige retardirende Verhandlungen mit Herrn Waldstein das Gleichgewicht in der Stellung der tschechoslowakischen Republik in Mitteleuropa wieder hergestellt wird. — —! Die orthodoxen Gemeinden in Podkarpatka-Rus. Soeben langte die erfreuliche Nachricht von der Sanktionierung des Anschlusses der orthodoxen Gemeinden in Podkarpatka-Rus an die Preßburger Zentralkanzlei ein. Das Gouvernement hat die Statuten am 12. Februar gutgeheißen und damit hat die Vereinigung der orthodoxen Gemeinden auf dem gesamten Gebiete der tschechoslowakischen Republik durch eine einheitliche, nach unserer Anschauung geformte, vertretende Körperschart gesetzliche Kraft erlangt. Dieser Erfolg ist um so erfreulicher, als es bekanntlich an Gegenbestrebungen, welche die organisierte Stoßkraft der Orthodoxie mit allen Mitteln zu brechen trachteten, nicht gemangelt hat. Es ist den Gegnern nicht gelungen, die Zusammenfassung der orthodoxen Gemeinden zu hintertreiben. Das orthodoxe Judentum in der Tschechoslowakei bildet mit diesem Anschluß die größte orthodoxe Vereinigung der Welt. Wir kommen auf die Bedeutung dieses Ereignisses noch zurück. Komorn. Am iTVtP rDtt? feierte der jüngste Sohn unseres verehrten Herrn Oberrabbiners sein Bar- Mi z w o h-Fest. Die Gemeinde benutzte dieses freudige Ereignis, um Sr. Ehrwürden Zeichen der Verehrung und Anhänglichkeit zu liefern und nahm zahlreich an der Feier teil. Der Barmizwoh hielt eine schöne Charifus und Magidus-Droschoh. Sein Bruder Samuel Deutsch sprach sehr eindrucksvoll und erntete reichen Beifall. Zum Schlüsse ergriff Sr. Ehrwürden das Wort. Seine tiefdurchdachte Rede machte auf die gesamte Zuhörerschaft nachhaltigen Eindruck und gestaltete dieses Familienfestzü einem unvergeßlichen Erlebnis. Komorn* Bei der jüngst stattgefundenen Gemeindewahl wurden folgende Herren in den engeren Vorstand gewählt: Präses: Aron Rosenbaum, Vizepräses: Michael Raab, Tempel-Vorsteher: Ernst Mayer und Ludwig Freund, Kassier: Bernh. Schwarz, Kontrollor: Elias Stern. Von der Jüdischen Fürsorgezentrale in Prag. Die große Not der Nachkriegsverhältnisse, welche sowohl die ärmeren Schichten der Juden in unserer Republik als vor allem die ausgewiesenen und vertriebenen Glaubensgenossen aus unseren Nachbarländern aufs schwerste bedrückt, hat es in Prag zuwege gebracht, daß sich alle Schichten der jüdischen Bevölkerung, Tschechen, Deutsche, Assimilanten und Zionisten vereinigt haben, um durch systematische Aufbringung von Geldmitteln und systematische Erfassung und Linderung aller Not Hilfe zu bringen. Daß bei dieser gemeinsamen sozialen Arbeit die Orthodoxen, so klein auch hier ihre Anzahl ist, nicht fehlen durften, war selbstverständlich; die stete Anwesenheit eines orthodoxen Vertreters und die rührige, oft initiative Arbeit der Orthodoxen war vielfach von Erfolg begleitet, der um so höher anzuschlagen ist, als die überwältigende Ueberzahl der Nicht- Orthodoxen sich widerspruchslos in alle Vorschläge fügte. Es sei erwähnt, daß die Bureaus der Jüdischen Fürsorgezentrale am Schabbos und Jomtow geschlossen sind, was man seinerzeit vom hiesigen „Joint" nicht sagen konnte. Die Durchwanderer werden ausschließlich mit Koscherkost versorgt, es wird dafür gesorgt, daß sie über Schabbos in Prag bleiben können. Häftlinge in Gefängnissen und Polizeikommissariaten werden besucht und ihnen alle möglichen religiösen Freiheiten erwirkt. Kranke in sämtlichen Prager Spitälern werden besucht und mit Koscherkost täglich versehen. Die Hauptaufgaben, die sich die Jüdische Fürsorgezentrale gestellt hat, sind sehr großzügig und erheischen einerseits große Geldmittel, andererseits eine intensive Mitarbeit von allen Seiten; es ist sehr zu bedauern, daß sich die Erkenntnis von der Größe dieser Aufgaben und von ihrer kolossalen Bedeutung für das Volkswohl sowohl bei Privatpersonen als bei Vereinen und auch ganzen Kultusgemeinden nur sehr langsam Bahn bricht. Und doch ist es nun bei Beteiligung aller Juden möglich, dem Wanderbettel zu steuern, wie er seit dem Kriegsende ungeahnte Dimensionen angenommen hat. Nur bei allgemeiner reger Mitarbeit aller Interessierten ist es möglich, eine durchgreifende Reform der Arbeitsvermittlung zu schaffen. Die beiden genannten Aufgaben, Bekämpfung des Wanderbettels und Arbeitsvermittlung, müssen Hand in Hand gehen .und gerade hier ist die Jüdische Fürsorgezentrale auf die Mithilfe der Kultusgemeinden in der Slowakei angewiesen. Jugendfürsorge und Krankenfürsorge, vor allem aber Studentenfürsorge bilden die weiteren Zweige der Tätigkeit in der Jüdischen Fürsorgezentrale; dieselben sind nur scheinbar lokale Fragen, in Wirklichkeit versieht Prag hier einen schweren, verantwortungsvollen Di,enst im Namen der gesamten tschechoslowakischen Judenheit. Sonntagsruhe. Die Frage der Einführung einer allgemeinen Sonntagsruhe beschäftigt seit geraumer Zeit die Gemüter der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung von Bratislawa. Nicht nur die Juden, sondern auch der ganze Handelsstand unserer Stadt, wird durch die Agitation eines Teiles der Handelsangestellten für eine vollständige Sperre in Unruhe versetzt und würde bei einem etwaigen Erfolg dieser Bestrebungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Für viele der kleineren Kaufleute würde er wirtschaftlichen Ruin bedeuten. Die verschiedensten Instanzen der städtischen und staatlichen Behörden werden bald von der einen bald von der anderen Seite um Intervention angegangen und immer noch ist kein Ende abzusehen. Die an der Erhaltung der bisherigen gesetzlichen beschränkten Sonntagsruhe halten ihren Standpunkt auch gegen die ungünstige und der entgegengesetzten Richtung zuneigenden Polizeiverordnung aufrecht. Heute fand eine gemeinsame Monatsversammlung des Handelsgremius, der Gewerbekorporation und des Gewerbevereines statt, an der mehrere Tausend Personen teilnahmen. Es wurde eine Resolution im Sinne des bisherigen Zustande« angenommen. Man erhofft von dem Zusammenwirken aller interessierten Kreise guten Erfolg.