Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 4 (26.1.1923)
- Date
- 1923-01-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHE V. b. b, Univeritäts Bibliothek, I*$ („JÜDISCHE KORRESPONDENZ"), ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzg-asse 12 a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Srscheint jeden Freitag. — Redaktionsschiaß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K 48.000, Ungarn K 1500, Tschechoslowakei Kö. 70«-, Deutschland Mk. 5000«-, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 100 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 10.000*—. Einzelnummer d.-ö. K 1000, Kö. 1*50. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkaasenamt Wien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Pestsparkassenamt Warschau, KonU Hr. 190.409; für Ungarn! 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Die Kritik hat sich mit dieser Schrift vielfach auseinandergesetzt und es ist klar, daß man dabei nach denjenigen Momenten sucht, welche im positiven Aufbau dieses Zusammenwachsen erleichterten. Die Kritik ist auf dieser Bahn des Suchens auch auf die Religion gekommen. Das war natürlich. Denn wie auch sich der eine oder andere zum religiösen .Grundgedanken stellt, das eine kann doch sicher nicht geleugnet werden, daß die Religion gemeinschaftsbildend wäre. Dies gelang ihr um so eher, je mehr sie das Leben in allen seinen einzelnen Gestaltungen und Bestrebungen zu ergreifen und zu meistern versucht. Mit Recht weist ein Kritiker darauf hin, daß beispielsweise auch die Handwerkszünfte des Mittelalters ursprünglich im religiösen Boden wurzelten und ihre Gliederung in Meister, Gesellen, Lehrlinge mit religiösem Gewand umkleidet und aufrecht erhalten haben. Ist aber erst einmal erkannt und zugestanden worden, daß die Religion in der Frage der Gemeinschaft der Menschheit ein gewichtiges Wort mitzusprechen hat, so haben auch wir etwas zu sagen. t Wir möchten uns doch mit unseren Lesern vorher auf folgende Punkte einigen. Das Wesen der Gemeinschaft beruht auf Freiwilligkeit. Erzwungene Gemeinschaft zerfällt, sobald der Zwang entfällt. Man könnte die höchste Blüte einer Gemeinschaft dahin erklären, daß eine Gemeinschaft dann vorhanden und dann gegeben ist, wenn sich jedes einzelne Glied in bezug auf jedes andere Glied der Gemeinschaft fragt, wie und womit es ihm dienen könne, während hingegen bei egoistischen Organisationen sich jeder überlegt, wie und womit der andere ihm dienen könne und im besten Falle bei jeder Leistung auf eine Gegenleistung rechnet. Es ist also das Wesen der Gemeinschaft damit umschrieben, daß jeder in Opferfähigkeit und Opferbereitschaft sich in den "Dienst des ganzen stellt. Soll dies nicht zur Phrase werden, so kann das nur bei dem einzelnen Individium, bei der einzelnen Persönlichkeit beginnen, von Nachbar zu Nachbar. Wann aber wird diese Opferbereitschaft deutlicher gepredigt, als während des Opferns selbst? Gibt es eine nachdrücklichere Mahnung zur Gemeinschaft, als die Erkenntnis und die Lehre, daß der Weg zu G-tt über die Menschen geht? Wann ferner, ist eine solche Lehre notwendiger, als in dem Augenblick, in dem eine Menschengruppe sich organisatorisch zu einem Ganzen verbindet. Lag und liegt doch immer die Gefahr nahe, daß die Kraft des Ganzen von Einzelnen ausgebeutet werden. Dies war aber der Augenblick, in dem der Allmächtige seinem Volke den Gedanken der Gemeinschaft einprägt, und zwar in den Vorschriften des Pessachopfers. Jüdische Menschen sollten der Welt nicht das Bild des entarteten Sklaven geben, welcher die Kette bricht. Opfernd sollten sie in dunkler Nacht den ersten Strahl des Morgens erwarten, sollten nicht müßige Zeugen des Strafgerichtes an ihre Zwinherren sein, opfernd sollten sie erkennen, daß ein Glied des andern bedarf, opfernd sollte sich der Nachbar zum Nachbar finden. Daraus ergibt sich noch eine andere Lehre. Man ist geneigt zu glauben und zu sagen, daß gerade die Beziehungen zum Allmächtigen, also das religiöse Leben, lediglich Sache des Einzelnen wäre und individuelle Ausgestaltung erfahren muß. Würde dies der Fall sein, so wäre die Religion nicht gemeinschaftsbildend. Wir wissen aber, daß selbst die einfachsten Formen der Religions-Betätigung, das Beten selbst, selbst das Gebet, das ein Kind zur Beseelung des Angedenkens seiner Eltern spricht, eine Gemeinschaft zur Voraussetzung hat. Vielleicht ist der so viel gerühmte und so viel geschmähte Zusammenhalt der Juden all überall darin begründet, daß die für das zarteste Innenleben notwendige Gemeinschaft vorbildlich für alle Phasen des Lebens geworden ist. Das ist aber das letzte Geheimnis der Ewigkeit des jüdischen Volkes. Ihm zu dienen und alle Aeußerungen des Daseins, sowohl des Einzelnen wie des Ganzen gemeinschaftsmäßig zu gestalten, ist Sinn und Ziel der Agudas Jisroel. P. K. Das Schicksal der burgenländischen Knltnsge mein den. Durch die Neuregelung der politischen Verhältnisse in Zentraieuropa wurden Verhältnisse geschaffen, welche die Welt nicht zur Ruhe kommen lassen; da sie die ständige Quelle von wirtschaftlichen und politischen Kalamitäten bilden, lenken sie von Zeit zu Zeit die Aufmerksamst der großen Welt auf sich. Wir möchten an dieser Stelle nicht von diesen Verhältnissen sprechen, sondern die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt auf jenes kleine Fleckchen Erde lenken, die unter dem Namen Burgenland an Oesterreich gekommen ist. So lange der Anschluß an Oesterreich nicht ganz durchgeführt wurde, hat' dieses kleine Land mit einigen hunderttausend Einwohnern die großen Mächte beschäftigt, seither aber schwand es aus dem Mittelpunkt des Interesses und bildet bloß einen Bestandteil jenes Oesterreich, das durch seine Verelendung und Armut das Mitleid der Welt wachruft* Unter diesen Umständen halten wir es für unsere heilige Pflicht, mindestens die jüdische Welt und unsere amerikanischen Brüder, die so viel Herz und Verständnis für die Leiden ihrer Brüder zeigen, auf die Lage dieser Gemeinden aufmerksam zu machen. Im kleinen Burgenland existieren seit Jahrhunderten 10 bis 14 jüdische Gemeinden, von denen sieben unter dem Namen „Schewa Kehiloth* eine eigenartige politische und kulturelle Bedeutung besaßen. All diese ausgezeichneten Gemeinden befinden sich augenblicklich in der drückendsten Notlage; sie besitzen von jeher kulturelle und rituelle Institutionen, die erstklassig genannt werden können. In Mattersdorf und Deutschkreuz bestehen noch heute große Jeschiwoth, die von den gelehrten Ortsrabbinern und aufopferungsvollen Gemeindemitgliedern mit dem letzten Aufwände ihrer jüdischen Energie gehalten werden. Einige Gemeinden, wie Eisenstadt, Mattersdorf, Frauenkirchen, Deutschkreuz, Lackenbach und Rechnitz, blicken auf eine glänzende historische Ein jüdischer König von Zypern. (Sohlüfl.) Don Josefs Ehrgeiz fand in Konstantinopel nicht seine volle Befriedigung, im Jahre 1558 ging er im Auftrage Solimans nach Kuthahije an den Hof Selims, des ältesten Sohnes Solimans. Er überbrachte diesem die Geschenke seines Vaters, 50.000 Dukaten bares Geld und Wertsachen für 30.000 Dukaten. Von diesem Augenblicke an bis zum Tode Selims, blieb der Jude der Liebling und Ratgeber des schwachen, das schwelgerische, üppige Leben liebenden, aber nicht unedlen Fürsten. Soliman selbst schenkte ihm die Stadt Tiberias in Palästina und fünf umliegende Ortschaften, die nur von Juden bewohnt werden durften. Der kühne Traum des Spaniers wäre jetst erfüllt gewesen, doch Don Josefs Ehrgeiz war nun auf höhere Ziele gerichtet. 1566 starb Soliman und Selim folgte ihm auf dem Throne. Als Selim, von Belgrad kommend, in seiner Hauptstadt einzog, war auch Don Josef unter den Würdenträgern, die ihm entgegengingen und sich vor ihm niederwarfen. Der Sultan, Selim der Zweite, hob den Juden Don Josef Nassi auf umarmte ihn und ernannte ihn auf der Stelle zum regierenden Herzog von Naxos und von elf zykladischen Inseln. Der Herzog hatte die Befugnis, nach eigenem Willen ganz unabhängig zu regieren und mußte jährlich bloß 14.000 Dukaten Tribut zahlen. Der Herzog von Naxos blieb jedoch in Konstantinopel, wurde Mitglied des Kriegsrates und ließ durch einen Stellvertreter sein Fürstentum regieren. Der Ruhm Don Josefs erfüllte damals die Welt; im Volke war die Sage verbreitet, daß Selim selbst ein Jude sei und daher den Juden so begünstige und erhöhe. Don Josef, gab dem Sultan Beweise seiner wahrhaft großen staatsmännischen Fähigkeiten, es konnte daher nicht anders sein, als daß die Gesandten der fremden Höfe, deren Schliche er durchschaute und durchkreuzte, einen wütenden Haß gegen den jüdischen Emporkömmling hatten, der nur die Macht seines Herrn wollte. Die Krone Frankreichs schuldete ihm noch immer die 150.000 Skudi, die er Heinrich dem Zweiten geliehen hatte. Karl der Neunte und seine Mutter Katharina von Medici hätten schon darum gerne den Sturz des jüdischen Fürsten herbeigeführt, da sie dadurch die Schuld an ihn zu zahlen, enthoben gewesen wären. Ein Komplott wurde gegen ihn geschmiedet, dem Sultan sollte bewiesen werden, daß ihn sein Günstling schmählich verraten — und falsche Zeugen waren schon bereit, alles zu beschwören. Karl der Neunte ließ sich in geheimer Chiffreschrift über den schönen Plan und dessen Ausführung berichten; — zur rechten Zeit erfuhr dies Don Josef und natürlich gelang es ihm, indem er seinen Gegnern zuvorkam, den Sultan von seiner Treue zu überzeugen. Seine Feinde waren beschämt. Karl der Neunte behauptete nun, da Selim sogar einen außerordentlichen Gesandten an ihn geschickt hatte wegen der alten Kronenschuld, in folgender wahrhaft königlichen Argumentation, daß er vollständig das Recht habe, das Vermögen des Herzogs von Naxos zu konfiszieren. In Frankreich nämlich sei kein Jude berechtigt, Geschäfte zu machen. Da nun der Herzog von Naxos (trotzdem er zur Zeit als das Geschäft abgeschlossen worden, Christ war) ein Jude sei, könne der König sein Vermögen konfiszieren. Der Herzog von Naxos, der Jude Don Josef Nassi, glaubten jedoch selbst im 16. Jahrhund et und selbst von einem König von Frankreich kein Unrecht erdulden zu müssen. Mit Einwilligung Selims ließ er im Jahre 1569 alle französischen Handelsschiffe, die ' in türkischen Häfen ankerten, in Beschlag legen und Karl der Neunte, der König von Frankreich, konnte mit allen Reklamationen sich nicht helfen — er mußte die Demütigung einfach ertragen Die Macht des Herzogs von Naxos war in Europa bekannt; als Maximilian von Oesterreich wegen Erneuerung des Friedens als Gesandten Herrn von Minkwitz nach Konstantinopel sandte, überbrachte dieser außer seinem Beglaubigungsschreiben an den Großvezier ein eigenes Handschreiben des Kaisers an den jüdischen Herzog, in welchem er ihn als Herzog anerkannte — und demselben schmeichelte. Ein seltenes hohes Ziel hatte Don Josef erreicht, seinem Ehrgeize — winkte eine Königskrone. Im Kriegsrat hatte er dem Sultan die Eroberung Zyperns, das durch die Venetianerin Conaro in den Besitz Cyperns gelangt war, und welches unter Omar den Arabern gehörte, mit den glühendsten Engros und Erzeugung b I., Bauernmarkt 24 (Ecke Flelschmarkt) :-: Telephon 67*302 Detail verkaufs - Niederlage s I., Graben 28 Filiale: Koalas fc>»cl, Alte Wiese. Schiff' Felzwarenhaus