Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 49 (29.12.1922)
- Date
- 1922-12-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kf. 48 rÜDTSCTffi PRESSE Seite 295 Tagung der Jugendorganisationen. Für Montag, den 25. Dezember (6. Teweth), war seitens der provisorischen Leitung des Jugendamtes beim G. A. des Zentralrates, eine Sitzung der korrespondierenden Mitglieder einberufen. Die Sitzung, die in den Räumen der A. J. J. Breslau stattfand, wurde durch Herrn Feilchenfeld (Breslau) in Vertretung von Herrn W r e s c h n e r, in Anwesenheit der Vertreter der A. J. J. Landesorganisationen Deutschlands, Oesterreichs, Tschechoslowakei und der Zeirc Emuno Jisroel eröffnet. Da einzelne Landcsorganisationen noch nicht vertreten waren, wurde die Hnrgegennahnie der Berichte der Anwesenden beschlossen, und die Debatte für die Sitzung des zweiten Tages verschoben. Als Erster berichtet S i g in u n d S t e r n (Wien) in einem ausführlichen Referat über die Entwicklung der A. J. Jugendbewegung in Oesterreich, die sich nach wie vor in aufsteigender Linie bewegt, wenn auch nach den kolossalen Leistungen des Anfanges eine zeitweilige Reaktion eingetreten ist, so können wir heute mit Genugtuung feststellen, daß dieselbe nun schon gänzlich überwunden ist. Die Arbeit der einzelnen Sektionen haben Dimensionen angenommen, denen oft ganz unzulängliche Mittel gegenüberstanden, und ist es nur der aufopferungsvollen Arbeit der Mitglieder und nie versiegenden Hilfsbereitschaft der Gönner zu danken, daß die A. J. J. in Oesterreich in fast allen Belangen ihren Aufgaben gerecht wurde. Insbesondere wären die Leistungen der Jeschiwes-Sektione, die zeitweilig bis achtzig Bachurim in den Jeschiwos der Slowakei und Ungarn unterhielt, ferner des Presse- und Propaganda- Ausschusses, dessen Tätigkeit es zu danken ist, daß der A. J.-Gedanke in Wort und Schrift gebührend zur Geltung kommt und schließlich der Palästina-Sektion, deren Leistungen, weit über den Rahmen lokaler Bedeutung hinaus, das orthodoxe Siedlungswerk in Palästina durch die bekannte Maschinenaktion nicht unwesentlich gefördert hat, hervorzuheben. Die Arbeits¬ und Unterrichtsausschüsse sorgen für ein Heim und die entsprechende Betätigung der gesetztreuen Jugend. Als nächster beginnt Herr Franz F i s c h o f f für die Tschecho-Slowakei, um dann Herrn R e i n i t z (Presow) das Wort zur eingehenden Berichterstattung zu überlassen. Redner berichtet, unterstützt durch reiches Zahlenmaterial, über die hervorragenden Leistungen des jungen Landesverbandes der Slowakei, auf allen Gebieten agudistischer Betätigung, insbesondere des Jeschiwowesens der sozialen Fürsorge (Stellenvermittelung), Keren Krez Jisroel und Propaganda. Weit höher zu bewerten sind die Leistungen der A. J. Jugendgruppen bei den in der Slowakei erbittert geführten Kämpfen um die Kehillo bei denen die Aguda Jugend stets hinter den bewährten Führern der Orthodox! stehend, denselben und mit ihnen dem orthodoxen Gedanken zum Siege verhalfen, was insbesondere bei den jüngsten Preßburger Gemeindewahlen klar in Erscheinung trat. Als nächster berichtete Herr Ostersetz e r (Hamburg-Altona), der über die Tätigkeit der Z. E. J. in Hamburg, die unter den größten Schwierigkeiten ihre Tätigkeit begonnen und /,ur Entfaltung gebracht hat. Herr K u„o b 1 o w i c z (Hamburg-Altona) teilte ergänzend mit, daß wohl positive Leistungen noch nicht Viele aufgezählt werden könnten, jedoch die Negativen nicht unbedeutend sind. Z. B. wurden anläßlich des Vortrages dos Klausenburger Raws in Haniburg für den Misrachi, eine Diskus-ionsttuppe entsandt, die die Haltlosigkeit aller angeführten Argumente so klar bewies, daß es die Hamburger Misrachi-Gruppe unterlieg über die mit großem Lärm angekündigte Versammlung einen Bericht herauszugeben. Herr Sternbruch (Basel) —- Gast — fordert die Jugend in beredten Worten auf, aufklärend über die besonders schädliche Tätigkeit des Misrachi zu wirken, Herr Rabb. Lipschütz (Kowno) — Gas! — berichtet über die geistige Not in Rußland, die weit mehr als das materielle Elend, Hilfe heischt, er fordert: die Jugend au!', eine großzügige. Aktion hierfür einzuleiten. Pur die Mittel hierzu, und auch sonst für die. Jugendorganisation schlägt Redner die Entsendung einer Delegation der Jugendorganisationen nach Belgien und England und in weiterer Folge vielleicht auch nach Amerika vor. Wenn beides auch momentan nicht zur Durchführung gelangen kann, so ist es doch unerläßlich, daß wenn auch nur theoretisch, mit den. Vorarbeiten begonnen werde. Herr Loeb (Berlin) ......Gast -—■ warnt vor verschärftem Kampf mit dem Misrachi, dessen Konsequenzen vielleicht nicht recht ermessen werden können. Hierauf wurde die Sitzung in vorgerückter Stunde durch den inzwischen eingetroffenen Vorsitzenden der Breslauer Jugendgruppe, Wreschner, geschlossen. Zweiter Tag, Dienstag, den 26. Dezember (7. Teweth), Nach einer überaus anregend verlaufenen Mitgliederversammlung der A. J. J. Breslau wurde Dienstag die Sitzung fortgesetzt. Herr Wreschner eröffnet und erteilte Herrn Dr. M ax Co h e n (Köln) das Wort zum Referat für die deutsche Laudes-Jugendorganisation. Redner berichtet eingehend über die Verhältnisse in Deutschland, wo es insbesondere in kleineren Orten sogenannte Landsjuden, die ganz gute Juden sind, ohne manchmal recht Iwre zu können, gibt. Um auch diese Kreise der Tauro und der A. J. näher zu bringen, hat der O. V. beschlossen, Bezirkssekretäre aufzunehmen, deren Aufgabe es ist, diese Ortschaften ständig zu bereisen, Schiurim abzuhalten und die nötigen Maßnahmen zu treffen, um das Interesse am Lernen und der A. J. wach zu halten. Das erste und vorläufig einzige solche Sekretariat in Hessen hat sich glänzend bewährt, und ist es nur dem Valutaverfall zuzuschreiben, wenn bisher nichts weiter auf dem Gebiet geleistet werden konnte. Das nächste solche Sekretariat ist für Sachsen,, in Aussicht genommen, und ist es dort nur dem Marigel einer geeigneten Person zuzuschreiben, daß dieser Plan noch nicht zur Durchführung gelangte. Es wird die erste Forderung der deutschen Jugendgruppen an das Jugendamt sein, ihnen inshe-'^'leve moralische, womöglich aber auch materielle Hill'.- für -fiese Sekretariate zu gewähren. Hierauf wird in Punkt H der Tagesordnung: ..Jugendamt einga>.e\\;e:!. Peidheün (Wien) berichte1 über Entstehung im»! l;«.»tv.ickehing rh-< | ngeudamtes, da* gewissermaßen ins ^eben gesetzt wurde, ohne daß vorher die T-ebi-nsmü^liehkeiteu. die materiellen und auch mor.'iii-vhen Grundlagen für da<-elbe ge-.e.h;:{kvn waren. Redner herintmej namens der derzeitigen provisorischen I/.'-itiui:; dem Zentral rat den Vorsehlag zu unterbreiten, da; Jugendamt so umzugestalten, daß e--. tatsächlich das v.cde, was er sein soll, wozu es nnerh'ißlich notwendig >v\, einen bezahlten Sekretär zu akzeptieren, der die (ieschäfto des Jugendamtes, dann unterstützt durch die korrespondierenden Mitglieder und einiger Herren?m Orte de« Jugendamtes, übelnehmen und durchführen kann. S i g m ii 'l d S t e r u beriehiet, dal.» du Tätigkeit des jugendamtes in der unbestrittenen unzulänglichen bisherig.-!! l<\>*-m wesentlich unter der mangelhaften Unterstützung .--eitens der augeschlossc.neT) Gruppen, die oft IbielV wochenlang oder gänzlich unbeantwortet Hellen, und materielle Unterstützung überhaupt nicht gewährten, gelitten habe. Wenn das Jugendamt von nun au lebensfähig gestaltet werden soll, müsse dieser Mangel durch die bindende Verpflichtung der Gruppen von vornherein behoben werden. Schließlich unterbreitet Stern ein Schreiben der A. J. J. Wien, in dein dieselbe die. bisherige. Form des Jugendamtes als unzulänglich erklärt, und seine Mitarbeit, nur einem entsprechenden reorganisierten Jugendamte in Aussicht stellt. Redner bittet diesen Brief als den Antrag der versammelten Jugeudgruppenvcrtreter dem Z. R. zu unterbreiten. Reiniz (Presow) beantragt die Regelung der finanziellen Verhältnisse hinzuzufügen. W o 1 k (Kowno) beanstandet, daß die Frage der Zire Jisroel in Litauen noch keiner genügenden Lösung näher gebracht wurde, Redner fordert energisches Vorgehen. Wollen die Z. J. sich anschließen, so muß dies ohne Kautelen geschehen, wollen sie .es nicht, so müsse eine eigene Z. Agudas Jisroel gegründet werden, für die reiches Feld zur Betätigung vorhanden ist. Dr. Cohen (Köln) spricht gegen Antrag Stern und verlaugt die Einsetzung einer Kommission bestehend aus drei Herren, die eine Petition für den Zentralrat in der Frage des Jugendamtes auszuarbeiten haben. Der Antrag wird, angenommen, und die Wahl ergibt Dr. Cohen (Köln) , Stern (Wien), Reiniz (Presow). Rabbiner J o 11 e s (Stry) erklärt sich solidarisch mit den Anträgen der österreichischen und tschechoslowakischen Vertreter und versichert das Jugendamt der^ weitgehendsten Unterstützung seitens der, ostjüdischen Jugend, fordert aber das Gleiche vom neu zu gründenden Jugendamt. Die Vorschläge Tipschütz (Kowno) und Sternbruch (Basel) von Montag werden der neuen Leitung des Jugendamtes unterbreitet. Wreschner (Breslau) schließt; um 1 Uhr nachts die Sitzung. Sir Herbert Sarauel im Emek Israel, Der Oberkommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel, hat neulich eine Reihe Ortschaften, darunter auch die Arbeitsgenossenschaft in Ejn Charud, besucht. Der Oberkommissar hat alle Anstalten der Arbeitsgenossenschaft, wie Schule, Kindergarten und das Krankenhaus, eingehend besichtigt. Der Oberkommissar erkundigte sich besonders nach der sanitären Lage der Siedlung, wobei er darauf hingewiesen wurde, daB die Umgegend von Ejn Charud der einzige den luden gehörende Boden ist, wo die Sümpfe noch nicht trocken gelegt sind und da& diese Tatsache auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Arbeiter sehr nachteilig einwirkt. Die Mitglieder der „Kwuzah" (Arbeitsgenossenschaft) ersuchten den Oberkommissar, ihnen zu erlauben, ihre Verwandten aus Europa nach Palästina zu bringen. Der Oberkommissar versprach, diese fMtte in Erwägung zu ziehen. Seine besondere Befriedigung hat Sir Herber! Samuel darüber ausgedrückt, dafc in der Klinik der „Kwuzah" im laufenden Jahre zirka 3000 Araber unenigelllich behandelt worden sind. (J. C. B.) Eine tägliche Arbeiter-Zeitung in Palästina. Die Exekutive der palästinensischen Arbeiterorganisaüon beschäftigte sich in ihrer lebten Sifcung mit der Frage der Herausgabe einer Tageszeitung für die Arbeiterinteressen in Palästina. Es wurde beschlossen, die Entscheidung hierüber der in etwa zwei Monaten stattfindenden Konferenz der jüdischen Arbeilerschafl zu überlassen. Der Gedanke einer jüdischen täglichen Arbeiterzeitung findet hier lebhaften Anklang. (). C. B.) Türkische Juden für Uebergabe Palästinas an die Türkei? „Daily Telegraph" veröffentlicht eine Mitteilung des seit einiger Zeit wieder in Funktion getretenen türkischen Comite de l'Union et du progres, daB unter der jüdischen Bevölkerung in Konstantinopel und anderen türkischen Städten eine starke Propaganda dafür betrieben werde, daB Palästina wieder an die Türkei zurückkehre. Die Propaganda geht unier der Parole vor sich, dafj die Lage der Juden in den arabischen Ländern unter der türkischen Herrschaft eine viel bessere war, als sie sich gegenwärtig unter der arabischen Macht gestaltet halle. (). C. B.) Die jüdische Presse in Palästina und Dr. Weizmann. Ein Teil der jüdischen Presse in Palästina ergreift die Gelegenheit des Aufenthaltes Dr. Weizmanns im Lande, um seine Tätigkeit einer schweren Krilik zu unterziehen. Die Tageszeitung „Haarez", sowie die neue Wochenschrift „Aspaklariah" konstatieren die schwere Lage der zionistischen Organisation und der jüdischen Bevölkerung in Palästina. Die Verfasser dieser Artikel weisen auf die Notwendigkeit hin, Ersparnisse im zionistischen Budget vorzunehmen und andere Reformen durchzuführen, und machen Dr. Weizmann, dessen Handlungen sie verurteilen, für die schwere Lage verantwortlich. (). C. B.) „Daily Exprefc" gegen Bentwich und Weizmann. „Daily Expreß" seljt die Serie der Sonderberichte ihres Jerusalemer Korrespondenten fort. In einer dieser lebten Nummern beschäftigt sich die Zeitung mit der Person von Norman Bentwich, dem Gerichtssekretär von Palästina. Der Korrespondent nennt ihn einen Menschen von hervorstechenden Fähigkeiten, der aber ein ergebener Jude und ein übermnpffr«"»'*w**"M zeugter Zionisl ist Es ist kaum anzunehmen, dafj Bentwich sich je erlaubt hat. seine persönliche Meinung mit seinen juristischen Patschlägen un Sir Herbert Samuel zu vermengen, aber die Meinungen wollen nicht verstummen, daB es doch so ist, und nichts wird diese Auffassung aus der Welt schaffen. Ein Jude» Gerichissekretär, der einem Juden-Oberkommissar Ratschläge erteilt, das sind Gründe genug, dafj unter den Leuten ein Murren laut werden ko-nn." Der Korrespondent fährt fori: „Ferner weilt hier noch Dr. Ch. Weizmann. Die Araber glauben, daß die Macht Dr. Wcizmanns größer ist, als es den Tatsachen entspricht. Sie sehen in jeder politischen Handlung die Arbeit der zionistischen Kommission, (j. C. B.) Der Wiener akademische Senat und die Forderungen der antisemitischen Studenten. Am 19. d. Mts befaßte sich der akademische Senal der Wiener Llniversitöi mit dem Memorandum der antisemitischen Studenlenschafi wegen Numerus clausus für indische Studenten und Professoren. In dem Beschluß des akademischen Senats wird erklärt, dafj dir Wünsche der deufschnnlionalen Shidenten den Gegenstand von Beratungen des akademischen Senats nicht bilden können, weil dies nicht den geltenden Bestimmungen entspricht. Der akademische Senat hat aber volles Verständnis für die Bestrebungen, den deutschen Charakter der Universität zu Schüben. Die akademischen Behörden werden sich in ihren Wirkungskreisen mit Maßnahmen beschäftigen, die geeignet sind, Ausländer, deren Bildungsgrad dem Niveau der Wiener Universität nicht entspricht, von ihr fernzuhalten. (J. C. B.J ■ » ■ ■ ... i ■) ■ i M I OYAL MA9LSTE CKET CO. Kgl. engl. Postdampferlinäe. .*. Gegründet 1839, The Pacific Steam Navigation Comp. EXPRESSDIENST von Chei»boui*g9 Southampton, Liverpool nach allen Teilen Südamerikas von , Southampton, nach New-York und Ganada ^•ÄVÄME Die ROYAL MAIL Wien I., Stock im gföenplaf* e. Teppichhaus Pu. Haas & Söhn« (Stefansplatz), Telephon 61^4-28, 61*5*25. ftbferiigungsstelle III, Kl.; Wien IV., Favoritenplatz 5.