Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 47 (15.12.1922)
- Date
- 1922-12-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. JUDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ' ■ ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODl —.,.wm». W Redaktion und Administration: Wien, n., Malagasse 12 a. - Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Srscheint jeden Freitag. ~ Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag:, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganssjährigr: Für Österreich K 48.000. Ungarn K 1600, Tschechoslowakei Kö. 70'-, Deutschland Mk. 5000«-, Schweis Frcs. 10*—, Amerika S Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rnmänien 100 Lei, Jugoslawien 70 Binar, Polen Mk. 10.000*—. Einzelnummer d.-ö. K 1000, Ke. 1*50. Zahlnngen für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto 1 Nr. 13.458; für Polen.* Portsparkassenaaat Waraehan, Konto Hr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsparkaasenamt Agram, Konto Nr. 40.817; für Rumänien: Banca Harraarosoh Blano A 0«. für Josef Floren« U Co., Bukarest. Nr. 47 | Wien-Bratislava, 15. Dezember 1922 «rann V?D2 ro mal jojna " ht- | 8. Jahrg. Der ewige Channka. Nach dem Tode Alexanders des Großen zerfiel sein Reich. Schlaue Feldherren teilten sich in dasselbe. Dann gab es ein großes Reich Aegypten unter der Herrschaft der Nachkommen des Ptolemäus und ein weiteres Reich für die westasiatischen Gebiete unter der Herrschaft der Familie des Seleucus. Zwischen diesen beiden Mächten lag eingekeilt Palästina, von beiden umworben und durch eine nicht immer geschickt geführte Politik von beiden mit stetig wachsendem Mißtrauen beobachtet. Als die Seleuciden gesiegt haben, begann eine neue Aera mit folgenschwerer Richtung. Antiochus erkannte, worin die Widerstandskraft der Juden lag, er beließ ihnen ihr nationales Wollen und bekämpfte (Jas Einzige, worin £r die Existenzmöglichkeit eines jüdischen Volkes erblickte, seine Religion. Es fanden sich feige Gesellen genug, die für irgend eine höfische Gunst ihren G-tt und ihren Glauben verkauften und die durch Erweckung und Förderung der Sportleidenschaften der jüdischen Jugend, diese alsbald in die Schranken gegen die sportfeindlichen Alten zu rufen verstanden. Was Wunder, daß es soweit kam, daß man den spärlichen religionstreuen Rest als Feind und Volksverräter brandmarkte. Natürlich gab es auch damals wohlbestallte und wohlbezahlte Oberpriester, welche schlankwegs erklärten,, im Interesse der nationalen Geltung dürfte das Religiohsgesetz übergangen werden. Es läßt sich denken, welche Entartung unter solchen Führern bei solchen Verlockungen bei den Juden Platz griff. Unter dem Vorwand, einer feineren Hiöiieten^a^^gerf^ anzuschließen, ^vergaß und verhöhnte man sein Bestes. Der geschichtliche Erfolg ist klar. Der Religion folgt alsbald die Nation ins Grab und der weitaus größte Teil des. jüdischen Volkes waren feile Schergen des Antiochus geworden, die ihre niedrigsten Instinkte gegen die eigenen, unter ihrer angemaßten Macht stehenden Volksgenossen auswüteten und die ihren ganzen Einfluß bei den Seleuciden dahin ausnützten, um die wenigen Vorkämpfer der Religion zu verdächtigen und zu verfolgen; um dieses Ziel zu erreichen, schreckte man auch yor den niedrigsten Angebereien nicht zurück. Bis endlich die Anhänger der Religion aus ihrer Reserve heraustraten und unter Preisgabe ihres Lebens die Ehre des Judentums retteten. Das war das Werk des Mathisjahu aus dem Haus der Hasmonäer und seiner Söhne; diese rein religiös orientierten Heiden erhielten den Seleuciden zum Trotz das jüdische Volk. Daran mag man in den kommenden Chanukatagen denken, um endlich reinen T'.sch zu machen mit all den Verführern und all den falschen Priestern. Und auch daran mag man denken: solange -nur ein Tropfen Oeies unberührt bleibt von den Gift der Unreinheit, wird man immer wieder die Lampe im Heiligtum entzünden können und das Ghanukawunder kann sich stetig erneuern in der jüdischen Gemeinschaft. Solange auch nur ein kleines Häuflein allem Gespött und allen Verführern zum Trotz das Wort des Allmächtigen als einzigen Inhalt und einzige Lebensberechtigung des jüdischen Volkstums verkündet, kann inmitten des Gewoges des Volkstodes und Volkswerdens das jüdische Volkstum sich erneuern. Anders nicht. P. K. Die Seelenfänger in der Seegasse. In Israel herrscht flammende Erregung und Entrüstung. Missionäre sind in unserer Stadt und suchen Töchter aus jüdischen Häusern für fremde Ideale zu gewinnen. Die Begeisterung soll in .kurzer Zeit so feste Wurzel geschlagen haben, daß. der Eltern und Freunde eindringliche Mühen fruchtlos bleiben, diese verirrten Seelen wieder heimfinden zulassen. Gerüchte gehen um, daß selbst Mädchen aus religiösen Kreisen diese aufklärenden Vorträge besucht haben, ohne daß die Eltern wußten, wo ihre kaum erwachsenen Töchter in den späten Abendstunden sich aufhielten. Dieser Sturm der Entrüstung, der die Gemüter erregt, sollte auch unsere Gewissen wachrütteln und wecken! Es hat immer Missionsbestrebungen gegeben, nur scheint es — und das ist das Betrübliche dabei — daß das Betätigungsfeld fruchtbarer geworden ist! Es ist damit nichts genützt und nichts erreicht, die Fenster des Missionshauses einzuschlagen oder Protestversammlungen einzuberufen, sondern wir müssen daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen, IMSita^TO^^ Gebrißfcea,. inx. eigenen Lager zu beheben und zu beseitigen. Wohl brennen in unsern Häusern die Sabbathkerzen und die Chanukalichtlein. Hausfrau und Hausherr ließen es sich nicht nehmen, schon aus alter, vertrauter Gewohnheit, diese Lichter zu entzünden; doch in den Söhnen und Töchtern glüht nicht mehr die flammende Begeisterung des alten Hasmonäer Geistes. Gerade die ernüchternde Jetztzeit mit ihren Alltäglichkeiten und Allkläglichkeiten findet die Eitern übermüdet in der Sorge und Mühe des Werktages und es verstehen so wenige, selbst wenn die Wohnungsfrage gelöst ist, ihren Kindern ein Heim zu bieten. Es fehlt die Weihe, die Erhebung, die Erleuchtung, all das, was uns Juden in unverlöschlicher Erinnerung aus goldener Jugendzeit geblieben }st. Chanukas habajis, die Weihe des Hauses, wäre die erste Pflicht, um den Gefahren der Gegenwart am wirksamsten zu begegnen. Darin liegt ja das Geheimnis, daß das Judentum selbst in den Zeiten des finsteren Mittelalters den inneren Halt nie verloren hat, weil das Familienhaus und das Familienleben Schutz und Beistand bot, mochte es draußen noch so stürmen und. toben. Darum scheint uns heute die Mahnung nicht unangebracht, die wir euch jüdischen Vätern und Müttern ans Herz legen wollen, lasset eure Kinder in der Großstadt, die so reich an Gefahren, nicht Freuden und Vergnügungen außer dem Hause suchen, sondern die reinsten und höchsten Freuden im Hause selbst finden. Die Wirkung des Elternhauses muß tiefer gehen, als zum Begriff der Unterkunft herabgewürdigt ^^wjrden%jDas Elternhaus muß, wie es einstens waf,"das Lonrfiaus #<§fben,"kxfs^öjchem-^ie Kinder ihr Eigenstes und Bestes schöpfen. Solche Häuser \^ä-4 werden alle Lockungen und Verlockungen dor „Seegasse" nicht zu fürchten brauchen. Einige,, wenige Vorträge, salbungsvoller Pathos, gepaart mit Beredsamkeit, sollen genügt haben, in der empfänglichen Kindesseele Zweifel zu wecken, fremde Ideale siegreich aufkommen zu lassen! Und dieselben Eltern, die dieser Tatsache fassungslos gegenüberstehen, glauben es verantworten zu können, ihre Kinder der öffentlichen Schule anvertrauen zu Das Gelübde. {Jftne Erinnerung an R. Salomon Spitzer s. A., anläßlich seines 30. Todestages.) Als ich die Papiere eines vor nicht langer Zeit ▼erstorbenen alten Freundes zur Ordnung und Sichtung anvertraut erhielt, fand ich unter anderem die nachfolgenden Aufzeichnungen: BIch hatte an der Rabbinerschule in Preßburg die Bekanntschaft des Gelehrten (später nach Wien als Rabbiner berufenen) Salomon Spitzer s.'A. gemacht und obwohl ich an Jahren wie an Wissen weit hinter ihm zurückstand, durfte ich mich seiner herzlichen, von mir verehrungsvoll erwiderten Freundschaft erfreuen. Meine Verhältnisse brachten es mit sich, daß ich viele Jahre im Auslande dem geschäftlichen Berufe oblag, um dann nach Wien zu übersiedeln. Hier wirkte damals schon seit einigen Jahren Salomon Spitzer als Rabbiner an der zu jener Zeit noch an Zahl und wohl auch an zahlenden Mitgliedern nicht reichen Gemeinde, die unter dem Namen „Schiffschul" heute groß und blühend dasteht. Ich suchte und fand alsbald Gelegenheit, mich dem verehrten Manne wieder in Erinnerung zu bringen. Er nahm mich mit der ihm eigenen Freundlichkeit auf, aber es lag in den Verhältnissen, deren nähere Kennzeichnung mit dem Gegenstande dieser Notizen nichts zu tun hat, daß ich nur selten und da auch nur fllüchtig in seiner Gesellschaft weilen konnte. Ein eigentümlicher Zufall wollte es, daß ich bald darauf innerhalb weniger Tage — ich habe es mir genau notiert, es waren vier Tage — zwei Begegnungen hatte, bei denen das Gespräch sich fast ausschließlich um Rabbiner Spitzer und dessen — finanzielle Verhältnisse bewegte. Ja, es mag komisch klingen und es deucht auch mir, (während ich diese Zeilen für mich und vielleicht, wie ich wünschen möchte auch für meine Nachkommen zur Beherzigung niederschreibe) geradezu komisch, daß ich diese Bemerkung von den „finanziellen" Verhältnissen festhalte. Aber es war einmal so. In den erwähnten Gesprächen handelte es sich nicht um die große talmudische Gelehrsamkeit des Genannten, nicht um seinen anerkannten Scharfsinn, auch nicht um seine bewährte Klugheit — Eigenschaften, die man ihm alle nachrühmte, sondern um seine „finanziellen" Verhältnisse, die wahrhaftig, wie männiglich später bekannt war, zeitlebens sehr bescheidene, vielleicht schon mehr als bescheidene waren. In den zwei Gesprächen, deren Inhalt ich in Kürze hier skizzieren will, hörte ich allerdings sehr seltsam auseinandergehende Aeußerungen über die irdischen Besitztümer des frommen, klugen und gelehrten Rabbiners. Das erste Gespräch hatte ich mit. . . Doch nein, ich will nicht den Names des braven, armen Mannes hier nennen. Er selbst würde es wohl nicht verübeln, auch wenn er noch unter den Lebenden wandelte, aber seine Nachkommen, wohlsituierte, in geachteter Stellung sich befindende Personen, würden vielleicht es vorziehen, daß sein Name in diesem Zusammenhange auch in einem Manuskript nicht verewigt werde . . . Ich will ihn also nur mit N. bezeichnen. Eines Tages sucht mich also der alte, brave, auch im Talmud nicht unwissende N. (aus Preßburg) auf und bittet mich, bei Freunden eine kleine Kollekte für ihn zu veranstalten. Er sei wieder einmal in mißliche Lage geraten und bedürfe einer Werktätigen Hilfe. Unter anderem erzählte er mir dann gemütlich plaudernd: „Ich war auch beim Herrn Rabbiner Spitzer gewesen. (N. sagte, um wahrheitsgetreu zu bleiben, nur: bei Reb Salme Spitzer.) Unberufen, er muß hier ein sehr reicher Mann geworden sein ..." „Ein sehr reicher Mann?" fragte ich ein wenig ' verwundert. „Wie kommen Sie auf die Idee, mein lieber N.? „Nun, er hat bedauert, daß er gerade jetzt bei anderen nichts für mich tun kann, weil er besonders in letzter Zeit die Leute zu viel hat in Anspruch nehmen müssen. Aber er hat mir aus seiner Tasche zehn Gulden gegeben. Nun, ist er nicht sehr reich geworden? Zehn Gulden kann nur ein sehr reicher Mann mir geben." Ich teilte zwar nicht ganz diese Ansicht, mutete aber dem Rabbiner immerhin eher die Neigung zu als das Vermögen mit diesem Betrag ohne weiteres den guten N. zu beschenken. Darum bemerkte ich so nebenbei: „Der Rabbiner wird vielleicht doch einen kleinen Fonds zur Verfügung haben, aus dem er Ihnen diesen Betrag übermittelte." Nein, nein," protestierte N. mit aller, aus dankerfülltem Herzen kommender Entschiedenheit. „Er Schiff5 Pelzwarenhaus Engros und Erzeugunga!., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :-: Telephon 67-302 Detailverkaufs-Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Klairlsrtbacl, Alte Wiese.