Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 46 (8.12.1922)
- Date
- 1922-12-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 272 JÜDISCHE PRESSE Nr. 46 Adas Jisoel-Armenbeteilung. Wie alljährlich hat der Vorstand auch in diesem Jahre den Gesamteingang für nvby und die Spenden für npUC am att^l 'B rQtt? zur sofortigen Armenbeteilung bestimmt. Jahrzeitfeier Rabbiner S. Spitzer. Am 2. Tage riDlin dem Jahrzeittage nach dem seligen Rabb. Spitzer gelangen zwei Stipendien •für unbemittelte, würdige Jünglinge, deren Eltern in Wien wohnen und die an einer rO1^ mit besonderem Fleiße dem Thorastudium obliegen, zur Vergebung. Gesuche Trotz der deprimierenden Geschäftsstagnation, war die Leitung der Sozialen Fürsorge der Agudas Jisroel bemüht, die Vorarbeiten für den Betriebsbeginn im Internat für verlassene Knaben, Wien. III., Schimmelgasse fi, tunlichst zu beschleunigen. Die Notwendigkeit, den vielen obdachlosen Kindern raschest ein geeignetes Heim zu schaffen, zwang sie hiezu und sie teilt im Bewußtsein, sich, ihren Freunden und Förderern ein schweres Opfer aufzubürden, mit diesen eine neue große Sorge. Andererseits schafft, diese Sorge das befreiende Gefühl, den unverantwortlichen Zustand, der zahllose jüdische Kinder in völlig unzureichende oder gar eine — horrible dictu—jüdische Erziehung brachte, ein Ende bereitet zu haben. Wohl bestand für die Leitung schon lange die Absicht, ein solches Institut, zu gründen, doch scheiterten alle Versuche an der notorischen Wohnungsnot. Erst in letzter Zeit ist es gelungen, das freigewordene Gebäude in der Schimmelgasse zu erwerben, das nach gründlicher Wer Naturalien oder Geld im Werte von mindestens drei Millionen Kronen spendet, wird im „Goldenen Buche" als Stifter, wer eine Million als B ettstifte r, wer K 500.000 als Für derer verzeichnet. Wer in Erinnerung an einem ihm teuren Verblichenen ein Keren Kajemeth stiften will, spendet vier Millionen und es wird von einem elternlosen Knaben alljährlich am Jahrzeitstagc Mischnajoth gelernt, Kadisch gesagt und ein Jahrzeitlicht angezündet. Liste der noch dringendst zur Eröffnung des Internats für verlassene Knaben" benötigten Gegenstände : Winten öcke für Knaben im Alter von 7 bis 14 Jahren, Knabenanzüge, Schuhe, Bett- und Leibwäsche, Geschirr-, Hand-, Sack- und Leintücher, Strümpfe, Handschuhe, Lebensmittel aller Art, Kohle und Holz. Wir bitten unsere P. T. Freunde und Förderer, sind bis zum 20. Kislew an den Vorstand der Adas Jisroel zu richten. Subskription auf die Öoldschatzscheine und die Aktien der Mationalbank. Am 29. November 1. .T. teilte Bundeskanzler Dr. Seipel in einer im Finanzministerium abgehaltenen Pressekonferenz mit, daß die Subskription auf die Goldschatzscheine wie auch auf die Aktien der Nationalbank Montag, den 4. Dezember, beginnt und wird die Subskription auf Aktien der Nationalbank schon am 15. Dezember abgeschlossen. Es ist geplant, die Nntionalbank noch vor Weihnachten zu konstituieren. Neuadaptierung, mit seinen luftigen und lichten Räumen wie ein Schmuckkästchen aussieht und keineswegs an die typischen Waisenhäuser erinnert. Das Vorderhaus besteht, wie im Bilde ersichtlich, aus einem ebenerdigen Hause mit acht Fenstern. Der hinter diesem befindliche Garten wird an beiden Seiten durch zwei gleich große anschließende Gebäude umschlossen, welche rechts die Direktionswohnung und Wirtschaftsräume, links Speise- und Lehrsäle fassen, während der Hintergrund von einer Mauer gebildet wird, die zu dem Nachbargarten gehört. Die Inneneinrichtung läßt an notwendigem Komfort nichts missen und liegt begründete Hoffnung vor, daß das Ehepar Benö Glück, dem die Direktion anvertraut wurde, in solchem Milieu in den gefährdeten Kinderseelen neuen jüdischen Geist anfachen und zu voller Blüte entfalten wird. Werbet und spendet zugunsten des Internats für verlassene Knaben. i i . I ' Iff ViwV T »•■ -f ll^W/^Vr ^frtr^llfr^Wil&l'f«- -■•"l'-'iH—"~S -i rimr unter ihren bekannten Fabrikanten und Kaufleuten die Dringlichkeit dieser Anschaffung bekannt zu machen und sie zu Spenden, beziehungsweise zu wesentlich ermäßigten Verkaufsbedingungen zu veranlassen und uns schrittlich, beziehungsweise telephonisch (Tel. Nr. 49-0-54) hievon in Verständigung zu setzen. Die Leitung der Sozialen Fürsorge der Agudas Jisroel. __Agudas J*^^_ j[fofl__ Dienstag, den 12. Dezember 1922,7 Uhr abends, rindet im Festsaale des Hotel „Continental", II.,Taborstraße8, ein Vortrag Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, über dag Thema Die frage des jüdischen Weltkongresses statl. Gäste willkommen! IKislew 5683 ^er Vorstand Wien' Dezember 1922 der ASudas J^roel, Orts¬ und .lugendgruppe Wien Voranzeige. Sonntag, am 27. Kislew (17. Dez.), 725 abends, findet im großen Lehrsaale des Waisenhauses des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel in Baden, Germergasse 48, eine Ghanukafeier statt. Programm: 1. Ghanukalicht-Zünden durch ein Waisenkind mit Ghorvorträgen der Waisenkinder. 2. Begrüßung der Gäste durch Direktor Friedmann. 3. Festrede Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbiner Reich, Baden. 4. Chanukafestspiel „Das Treuderl8, aufgeführt durch die Waisenkinder. 5. Ghanukajause. Fünfundzwanzigjähriges Jubiläum des orthodoxen Bethausvereines „Adas Jeschurun". Der unter der Schiffschulflagge stehende orthodoxe Bethausverein „Adas Jesehurun", Wien, IX. Pfluggasse 5, begeht am Samstag, den 16. Dezember 1922, rOW rouni die Jubiläumsfeier des fünfundzwanzigjährigen Bestandes, und zwar anschließend an das Morgengebet (8—10 Uhr vormittags). Sämtliche Freunde und Gönner dieses Vereines werden zur freundlichen Teilnahme an dieser Feier höflichst eingeladen. Polen. Liquidierung der Wahlaktion des Minderheitsblocks. (J. C. B.) Nachdem der vorläufig zur gemeinsamen Durchführung der Wahlen in den Sejm und den Senat geschlossene Verband der nationalen Minderheiten in Polen seine Wahlaktion erfolgreich durchgeführt hat, hat nun die vereinigte Wahlaktion des Minderheitsblocks nach vorheriger Regelung der technischen Fragen die Wahlaktion als liquidiert erklärt. Was die Frage des weiteren Zusammengehens in den gesetzgebenden Körperschaften betrifft, so stehen der positiven Lösung derselben 'gewisse politische Bedenken entgegen.1 Auseinandergehen des Minderheitsblockes in Polen. (J. G. B.) Die vom Block der nationalen Minderheiten herausgegebenen Zeitungen „Nowiny codzienny" und „Warschawskoje Echo" wurden eingestellt. Die auf der Liste des Minderheitsblockes gewählten Deputierten und Senatoren erklärten den Minderheitsblock nunmehr als liquid. Es bildeten sich an dessen Stelle drei separate Klubs: ein jüdischer, ein deutscher und ein slawischer. Das Gentrai Belief Commitee für die polnischen Thoralehranstalten in Amerika, übersandte der orthodoxen Kulturorganisation „Esrath Thorah" 5000 Dollar als monatliche Zahlung für Oktober zur Erhaltung ihrer kulturellen Institutionen. Bas Internat für verlassene Knaben. Der Munkacser Issur. In der allerletzten Nummer leistet sich die „Jüdische Volkszeitung" ein Bravourstück, das in den Annalen der Journalistik nach einem Beispiel sucht. Den Geschmack ihrer Leser stellt sie diesmal auf eine harte Probe! Eine von Verleumdung und Unwahrheit triefende Schmähschrift des Munkacscr, die die schärfste Ablehnung aller Besserdenkenden — ob Freund oder Gegner — gefunden hat, dient ihr zum willkommenen Anlaß, dieselbe in freier Uebersetzung abzudrucken und mit hämischen Bemerkungen der edlen Schadenfreude, mit Berufung auf ihren Dr. B. zu glossieren. Da auch konkrete Verdächtigungen gegen die leitenden Personen der Landeskanzlei wiedergegeben sind, soll ihr Gelegenheit geboten werden, dies vor der Oeffentlichkeit zu beweisen. Die in ihrer Ehre angetasteten Leiter der Zentralkanzlei haben ihren Rechtsanwalt betraut, die „Jüdische Volkszeitung" zu belangen, das gerichtliche Verfahren gegen sie einzuleiten. Zum näheren Verständnis dieser unliebsamen Affäre diene folgendes: Im erwähnten Pamphlet des Munkacser wird mit Berufung auf den Kezmaroker Oberrabbiner der Landeskanzlei zur Last gelegt, daß sie demselben gedroht hätte, falls er seine Unterschrift, auf dem Coper Issur nicht revoziere, den Entzug seiner staatlichen Zulagen zu erwirken. Der Munkacser Rabbiner Ghaini Lazar Spira wurde aufgefordert, seine unerhörten beleidigenden Behauptungen vor dem vorgesetzten Forum der Kanzleileitung, dem Rabbinerkomitee, zu rechtfertigen. An den Rabbiner Grünburg, Kezmarok, wurde eine Zuschrift gerichtet, die Frage enthaltend, ob die unwahre Behauptung tatsächlich von ihm herrühre, worauf derselbe nach Darstellung des Tatbestandes folgendes bemerkt: ■nin by nrby \hnbtyüvn^r\^wb^rbnrvm m *ij?t£0 oans *r\mb tsraöi rn Daninm pus? Fökk *6i «omro *6i oma« n^a onma on:n ■»öttn nwa aro x'^Sw rctaxpjiö pp"Tjx annw •rn onwaa topi*? wa "ircro sb oai ^b: anaaa b"m ^b: ana&a ana^w n& rvmna nw *by bapa w\ ntö nm'» üw *b "n vbw omaa moi „Aus obigem geht sonnenklar hervor, daß ich nie die Absicht hatte Eure Ehre anzutasten, umsoweniger Euch vor der Oeffentlichkeit solcher Dinge zu zeihen, die Ihr weder gesagt noch geschrieben und scheint es mir unglaublich, daß der Munkacser Rabbiner solches in meinem Namen in seinem offenen Brief behauptet hätte, denn ich kann nicht annehmen, daß er rechtschaffene Männer in ihrer Ehre angreife und lehne ich jede Verantwortung für den Inhalt des offenen Schreibens ab. Haschern ist mein Zeuge, daß ich von selbem absolut keine Kenntnis hatte." Diese korrekte Erklärung des Kezmaroker Rabbiners wurde zur Kenntnis genommen, hingegen wird sich der Munkacser Rabbiner vor dem Rabbinerkomitee, die ihm' wohlgesinnte „Volkszeitung" im Gerichtssaal zu verantworten haben. AVäXAVAVAT&VAV&VAVAVAVAWWJkVWAW&W&lb Bn keinem Hause fehle die e»n fra ne Büchse! V *.VAVAfFA?AVAVA?AVAVAWAyAVAVA?AVAV,AVA? Erobert die Kultusgemeinden ... Es ist traurig, daß man aus den Erfahrungen anderer Länder gar nichts lernen kann. Auch hierzulande versucht man die Politik in die Gemeindestube zu tragen. Das alte Programm der Zionisten, die Eroberung der Kultusgemeinde, wird auch versucht, man vergißt nur dabei, daß nach der bisherigen Verfassimg die jüdische Kultusgemeinde lediglich einen Zweckverband zur Erstellung der Bedürfnisse der gemeinsamen Religionsübung bildet und daß die Kultusgemeinde in dem Augenblick der Auflösung verfalle, indem sie diese Kompetenz überschreitet. Um die Wahrung, oder wenn man will, Erkämpfung der politischen Rechte gibt es andere Organisationen, die Wahl zu der Kultusgemeinde hat lediglich unter dem Gesichtspunkte der Religion zu erfolgen. Wir vertrauen auf den gesunden Sinn der Wähler in der Tschechoslowakei, daß sie sich von dem gefährlichen Versuch, die Gemeinde zu politisieren, fernhalten und ihre Stimme nur auf solche Kandidaten abgeben, von denen sie die Wahrung der Grundlage der Gemeinde mit Recht erhoffen dürfen. Aber wir wollen einmal dem Schlagwort „Volksgenieinde" auf den Grund gehen. Tatsächlich waren unsere Kultusgemeinden Volksgemeinden im besten Sinne des Wortes, weil eben die religiöse Grundlage, auf welcher sie aufgebaut waren, allen Bedürfnissen, sowohl des Judentums, wie der Judenheit entsprochen hatten. In der alten Kehilo haben sowohl die kulturellen wie auch die sozialen Bedürfnisse von Jung und Alt Befriedigung gefunden, die in der Blüte der jüdischen Gemeinde sich zeigte. Selbstverständlich versteht man jetzt unter Volksgemeinde eine Gemeinde, die jenen