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Jüdische Presse · 1922-10-20 · 39 (20.10.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
39 (20.10.1922)
Date
1922-10-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. JUDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. 1 Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreichs48.000, Ungarn 1 K 1000, Tschechoslowakei Kö. 70«—, Deutschland Mk. 1000-—, 1 Schweiz Frcs. 10« — , Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, 1 England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, 1 Polen Mk. 5000*—. Einzelnummer d.-ö. K 1000, Kc. 1'50. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 13.458; für Polen: P03tsparkas9enant Warschan, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest,' Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsparkassenamt Agram, Konto Nr. 40.817; für Rumänien: Banca Marmarosch Blano & Co. für Josef Florens & Co., Bukarest. Nr. 39 Wien, 20. Oktober 1922 «a-enn ntyn ro nn ht - | 8. Jahrg. Der Weg zum Glück. Man wende sich nicht mit allzu großer Entrüstung von dem heutigen Zustand der Menschheit ab. Denn wahrlich, dem Suchenden erschließt sich manches wirklich Großes. Inmitten des abstoßenden Hastens nach Erwerb und Genuß gibt es viele, welche sich ernstlich bemühen, einen Ausweg zu finden, der auch die inneren Güter der Menschheit zu ihrem Werte gelangen ließe, der in die Entschlüsse und Taten der Mächte auf Erden einen weiten Blick für das Leid der Menschen und die Möglichkeit seiner Linderung tragen möchte. Wenn diese Bestrebungen nun noch nicht vom vollen Erfolg gekrönt sind, so liegt dies nur daran, daß man den Anfangspunkt, von dem dieser Weg ausgehen mußte, noch nicht richtig erkannt hat. Wir kennen ihn, und es wäre eine Unterlassung, wenn wir ihn nicht an dem Sabbat, welcher uns an den Anfang der Menschheit Tührt, der Welt künden würden. Als der erste Mensch, so wird erzählt, noch im Vollbesitz des Glückes war, gab ihm der Allmächtige, gab ihm sein Schöpfer das erste Gebot und zeigte ihm in diesem ersten Gebote die klar umzeichneten Umrisse der Verfassung, auf Grund derer in allen Lagen das Menschengeschlecht sich das Glück sichern könnte. Denn in diesem Gebote sind auch die sogenannten sieben noachidischen Gebote (13 "OS rfl2£D JDtt? angedeutet. Würde es also gelingen, diese sieben Forderungen zum Gemeingut der Menschheit zu machen, so wäre nach heiliger Verheißung der Weg' zum Glück erschlossen. Es lohnt also für jeden, die Grundzüge dieser Weltanschauung ^n^Qr^,^ lejneri.v _ , V * . ._________........__ Da sind es die GrunoTragen^ zunächst vor unser Auge treten. Entgegen so manchen Theorien, welche sich gerade in der neuesten Zeit wieder geltend zu machen versuchen, werden zwei Grundrechte der Gesamtmenschheit als Norm festgelegt, das Recht auf das Leben rDW mD"Ä ,und der Begriff des Eigentums btt *"flDX zwei Grenzmarken, innerhalb derer sich der einzelne Mensch sein Dasein zugestaltet hat, getragen von der ängstlichen Scheu, in diese Gebiete, soweit sie einem anderen Individuum eigen, einzugreifen. Achtung vor dem Leben des anderen, Achtung vor dem Eigentum des anderen, sind die Grundpfeiler der von G-tt gelehrten Soziologie und damit jeder Form der Vergesellschaftung der Menschheit, auch der Familie. Außerdem ist letztere das Feld, auf dem der Urbeginn aller Sittlichkeit, aller sittlichen Freiheit nplp "WH betätigt werden muß. Hier ist die Quelle der Versittlichung und Veredlung der Grenzgebiete, an denen sich Lebensbetätigung von Mensch und Tier einander nähert; hier ist auch in den Gesetzgebungen fast aller Staaten noch am deutlichsten durch alle Jahrtausende hindurch die Spur des g-ttlichen Ursprungs sichtbar, und solange noch diese Hochkultur, welche, ausgehend von der Heiligung des Verhältnisses zwischen Eltern und Kinder, sowie zwischen den Geschwistern, in die Familiengemeinschaft den Markstein der weltbezwingenden Kraft der Enthaltsamkeit setzt, ungeschwächt besteht, ist der Aufstieg der Menschheit gesichert. Aber auch die Beziehungen der Menschen zum höchsten Wesen, zu seinem Schöpfer sind als Rechtsverhältnis aufzufassen. Es bedeutet eine Verschüttung der Quelle des Rechtes, wenn das Recht nur als Schutz anerkannt und ihm die sittliche, aufbauende Bedeutung abgesprochen wird; dies jedoch wird immer dann eintreten, wenn ihan ihm die erziehende Kraft entzieht und die Spuren der g-ttlichen Liebe aus ihm zu entfernen sucht. Ausdruck finden diese totbringenden Versuche in der vollkommenen Abkehr vom Ewigen WD "YIDK Ottffi, in der G-tteslästerung einerseits, und in der Minderung des weltumfassenden* Rechtes des Ewigen, in der Ausgestaltung des Götzendienstes PITDJJ HDK PHt anderseits. Vor beiden Entartungen ist die Welt im ersten Gebote an. den ersten, noch im _—.—^_-mmm* - mmmmmmm mms^mmm So verstehen wir es durchaus, wenn der größte Teil der Menschheit unserer Tage solange sich vergeblich abmüht, einen Ausweg aus der Not unserer Zeit zu finden, als sie das Recht des Allmächtigen verkümmert. Unsere Aufgabe wäre es wahrlich nicht, vor dem Völkerbund das Recht der Minoritäten zu fordern, sondern das Recht G-ttes. Und wahrlich, das Lachen auch der Mächtigsten würde verstummen, wenn sie von uns erkennen würden, wie leicht der Weg zum wahren Glück zu bahnen wäre. Ob freilich auch das Hohnlachen der g-ttentfremdeten jüdischen Kinder??--- Wäre aber diese Grundlage erst gefunden und anerkannt, dann würden helleuchtend die zwei Diademe erstrahlen, welche den Adel der Menschheit bekunden. Gewiß, wir alle sind den Gesetzen des Stoffwechsels unterworfen gleich dem Tiere, wir müssen genießen in Speise und Trank, um zu leben, aber wenn man im Genuß Schranken anerkennt Tin Jtt "OK TIDK und bekundet, daß selbst das zur Erhaltung des Menschenleibes bestimmte Tier gewisse Rechtsforderungen zu erheben hat, dann ist ein Schutzwall gegen Roheit und Vertierung errichtet, Schlemmer wären Gegenstand der Verachtung und jede Mahlzeit wäre Veredlung des Körpers. Dem also geadelten Menschen hat der Allmächtige das Höchste übertragen, die Rechtspflege?W, die Obhut über die sittliche Entfaltung. Alle im Obigen geschilderten und gekennzeichneten Güter werden dadurch verinnerlicht, das Werk der Schöpfung wird dadurch gekrönt, daß seine Vollendung zum harmonischen Glück der Erde und ihrer Bewohner sich vollzieht TO Wpb vor den Augen Aller, denn alle würden, Kämpfer für den ***»»*th " ~ " mim mß^äm Für die Opfer der Hungerkatastrophe in Rußland. Der Festmonat Tischri brachte mit dem Ernst und der Einkehr seiner bedeutungsvollen Tage die richtige Stimmung, welche unsre Brüder, die auf dem ganzen Erdenrund in den Gotteshäusern versammelt, um Hilfe und Erbarmen flehten, auch für die Not unserer hungernden Brüder in Rußland zugänglicher machte. Die eigene Not in den zentraleuropäischen Ländern läßt vielfach den Gedanken zu, daß wir vor allem für uns zu sorgen haberf. Wer aber nur einmal Gelegenheit gehabt hat, Briefe oder authentische Berichte aus den Hungergebieten zu lesen, den wird nur ein Gedanke beschäftigen, wie man diesen unglücklichen Menschen, die nicht das Glück haben, rasen zu sterben, Hilfe bringen könnte. Auch läßt die Annahme, daß nun die Ernte eingebracht und die Hungersnot vorbei sei, viele Eine Panik in der Synagoge zu Metz vor 200 Jahren. Es sind 200 Jahre verflossen seit einer Katastrophe, welcher in der „Altschule" zu Metz Frauen und Kinder zum Opfer fielen und die die ganze Gemeinde in tiefe Trauer stürzte. Die Zahl der Toten betrug sechs, aber wie viele Schwer- und Leichtverwundete es gab, wissen wir nicht genau; denn wir erfahren nur, daß mehr als vierzig schwerverwundete Frauen auf dem Platze blieben. In dem Archiv der Metzer Gemeinde (in jener Zeit wurden selbst die Archive der größten Gemeinden oft nur mit einem bedauerlichen Mangel an Gründlichkeit geführt, wozu noch der Umstand kommt, daß bei den häufigen Feuersbrünsten diese Aufzeichnungen oft zerstört wurden) finden sich keine Mitteilungen über das traurige Ereignis. Auch kein Grabstein —"dieser stumme, aber oft doch so hilfreiche Wegweiser jüdischer Historiker — findet sich, der genaue Auskunft gäbe. Ein Denkstein, der mit einer Inschrift versehen, den Opfern der Katastrophe gewidmet wurde, ist verwittert und die Worte auf demselben sind nicht zu entziffern. Selbst über die Ursachen der Panik wissen wir nichts bestimmtes. Die Vermutung, die Carmoly (Jost, Annalen, I. Jahrg.) ausspricht, es sei infolge der Unzufriedenheit mit dem eben ins Amt getretenen neuen Rabbiner, Benjamin Wolf aus Lublin, in der Synagoge unter den Andächtigen eine Schlägerei | ausgebrochen, der die Frauen so abschreckte, daß sie fluchtartig sich entfernten und dabei verunglückten, hat keine große Wahrscheinlichkeit für sich. Eine solche Mißachtung der Synagoge, und noch dazu an dem zweiten Tage des Wochenfestes, der auf einen Sabbat fiel, ist den frommen Mitgliedern der Metzer Gemeinde vor 200 Jahren nicht so leicht zuzumuten. Diese lächerliche Ausschreitung würde doch auch, falls sie sich ereignet hätte, ihre Spuren zumindest in einem Responsum, das die Buße für ein solches Vergehen erörtert, hinterlassen haben. Viel wahischeinlicher ist, daß die Panik, wie das nicht nur in früheren Zeiten vorkam, ihre Ursache in einem plötzlich entstandenen, momentan unerklärlichen Lärm hatte. Dr. Nehemias Brüll hat, vor mehr als vierzig Jahren, ein im Jahre 1722 in Berlin gedrucktes Schriftchen entdeckt, welches einen, wenn auch nicht lückenlosen, so doch anschaulichen Bericht über das Ereignis bietet und das so selten ist, daß es bis dahin von keinem Bibliographen auch nur genannt wurde. Der Autor dieses in keinem Katalog noch verzeichneten Büchleins heißt Benjamin C. David von Krailsheim, seine, teils in hebräischer, teils in jüdischdeutscher Sprache verfaßte Schrift führt den Titel: „Chelkat Binjamin". Wir lassen das Wesentliche dieses Berichtes, nach der Uebersetzung Brülls hier folgen, als Erinnerung an eine Katastrophe, die vor 200 Jahren sicherlich große Trauer in weiten jüdischen Kreisen erregt hatte. Benjamin von Krailsheim erzählt: „Es war am Samstage, dem zweiten Tage des Wochenfestes im Jahre der Weltschöpfung 5475,' da waren wir fröhlich und wohlgemut, zu hören, das Gebet in der. Altschule, da der Vorbeter Rabbi Jokele v. Rzeszpw, seinen Gesang so süß ertönen ließ, als Orgeln'" und Pfeifen. Und da er nun lieblich singt und redet das Wört: „wenizke kulonu meheroh lea\iroh" (mögen wir uns bald alle seines Lichtes erfreuen), da wird sowohl in der Männerais auch in der Frauenschule gehört eine Stimme, als wenn ein Donner eingeschlagen hätte und ein Kanonenstück abgelassen worden wäre, oder viele Häuser in der Judengasse eingefallen sein möchten. So ist eine „Vertummung" unter den Weibern gewesen in einem Momente, daß sie gemeint haben, die Weiberschule falle auf sie, als wenn das Gewölbe unter ihnen zerbrochen wäre. Als die Männer .solchen Lärm vernahmen und hinausgingen in den Schulhof, um zu sehen, was passiert sei, da sahen sie, wie auf der Stiege, wo man von der Weiberschule herabgeht, zwei Mann hoch die Weiber übereinanderliegen und noch kontinuierlich zufallen, eine auf die andere. Weil große Angst auf ihnen gelegen, haben sie einander gequetscht und gedrungen, als wenn sie aneinande'rgenäht wären, konnten sie nicht voneinander kommen. Denn sie haben gemeint, die Stiege wäre eingefallen und es hat sie gedünkt, als ob das „Gehinnom" unter ihnen offen wäre. Diejenigen Weiber, die noch in der Schule waren, haben sich gedrängt, um sich herauszureterieren, denn sie dachten immerfort, die Schiff' Felzwarenhaos En gros und Erzeugung n I., Bauernmarkt 24 (Ecke Flelschmarkt);-: Telephon 67-302 Detail verkauf s - Niederlage s I., Graben 28 Filiale: Kcftjrl.sribck.cI9 Alte Wiese.

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