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Jüdische Presse · 1922-11-17 · 43 (17.11.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
43 (17.11.1922)
Date
1922-11-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 JÜDISCHE PRESSE Seite 253 Die Beschlüsse in Mährisch-Ostratt. Bei dem letzten Zionistentag in Mähr.-Ostrau wurden die Beschlüsse gefaßt, von welchen wir folgende, auch das orthodoxe Judentum in der Slowakei teilweise berühren, hervorheben. Ort des Zionistenkon grosses. Der dritte tschechoslowakische Zionistentag richtet an die Exekutive der Weltorganisation die Einladung, den nächsten Zionistenkongreß wiederum nach einem Ort der tschechoslowakischen Republik einzuberufen. G e gen den T e r r o r d e r O r t h o d o x i e. Der dritte tschechoslowakische Zionistentag verurteilt aufs schärfste den von einer Gruppe slowakischer orthodoxen Rabbiner unternommenen Mißbrauch des Issurgedankens als Mittel politischen Terrors und ersucht den jüdischen Nationalrat vor dem nach den religiösen Gesetzen kompetenten Forum und gegebenenfalls auch bei den staatlichen Behörden Schritte zu unternehmen, um einen solchen Mißbrauch der Religion zu verhindern. Religionsunterricht. Das Kulturkomitee soll sich (im Wege der Zionistischen Organisation) an die Kultusgemeinden wenden mit der Forderung des Ausbaues des jüdischen Geschichts-(Religions-)Unterrichtes mit besonderer Berücksichtigung des hebräischen Sprechunterrichtes in moderner Methode im Einvernehmen mit den betreffenden zionistischen Funktionären der Ortsgruppe. Einzelne Schulen. Der dritte tschechoslowakische Zionistentag begrüßt das begonnene hebräische Schulwerk in Karpathorußland als ein verheißungsvolles Werk zur jüdischnationalen Erziehung in der Tschechoslowakischen Republik und fordert den Jüdischen Nationalrat auf, diesen Schulen jeden rechtlichen Schutz angedeihen zu lassen. Der dritte tschechoslowakische Zionistentag anerkennt die große Bedeutung der jüdischen Gewerbeschule in Mährisch-Ostrau für die Berufsumschichtung des jüdischen Volkes in der Tschechoslowakischen Republik und fordert die Zionisten auf, in den öffentlichen jüdischen Körperschaften (Verbänden und Kultusgemeinden) für eine tatkräftige materielle Unterstützung der erwähnten jüdischen Lehranstalt einzutreten. Das Exekutivkomitee wird aufgefordert, dieser Frage dauernd ihr Interesse zuzuwenden. Der Jüdische Nationalrat wird gebrten, in seinem Wirkungskreis die Subventionierung der jüdische Gewerbeschule in Mähr.-Ostrau durch staatliche Behörden anzustreben. Der dritte tschechoslowakische Zionistentag begrüßt den Plan der Misrachi-Ortsgruppe Presov, durch Schaffung einer Misrachi-Jeschiwah in Sebes auch in den Kreisen der dem Talmudstudium ergebenen Jeschiwah-Bachurim für die Erziehung zu nationalem Bewußtsein und zum Zionismus zu wecken und empfiehlt diese Jeschiwah der werktätigen Unterstützung sämtlicher Zionisten. R e i s e a u s 1 a g e n. Der dritte tschechoslowakische Zionistentag beschließt, daß allen Gesinnungsgenossen, welche Reisen im Dienste der Organisation und im Einverständnis mit dem Exekutivkomitee unternehmen, die Reisesnesen ersetzt werden, wofern sie nicht ausdrücklich darauf verzichten. P f 1 i c h t a b o n n e m e n t. Der dritte tschechoslowakische Zionistentag verpflichtet die organisierten Zionisten zum Abonnement einer offiziellen Parteizeitimg. Die Distrikte bestimmen, welche Organe für den Distrikt als offiziell zu gelten haben. Die Ortsgruppen (Vereine) werden verpflichtet, sich zwecks Durchführung dieses Beschlusses mit den betreffenden Zeitungen wegen der Verständigung über die näheren Modalitäten, insbesondere eine eventuelle Ermäßigung, ins Einvernehmen zu setzen. Wir enthalten uns jedes Kommentars. Daß die Beschließer ihr hier erwähntes Kulturprogramm verwirklichen wollen, zeigen die vielen Klagen besonders aus Podkarpatska-Ruß, wo seitens der Herrn Zionisten eine förmliche Chadorim- und Talmud Thora-Vergewaltigungswut grassiert. Das tragikomische an den Beschlüssen ist die Verurteilung der slowakischen orthodoxen. Rabbiner von Leuten die es offen betonen, daß sie mit dem religiösen Judentum als solches nichts gemein haben und ersuchen den fast ausschließlich aus solchen Leuten zusammengestzten Nationalrat, die im Monat Elul gefaßte Stellungnahme der Rabbinerversammlung gegenüber dem Zionismus und Misrachi, „als Mißbrauch gegen die Religion" zu verhindern. Die Volkszählung in der Tschechoslowakei. Die Juden in Mähren nach den Ergebnissen der letzen Volkszählung. Unter diesen Titel veröffentlicht Dr. Thedor Haas eine interessante Statistik über die Juden Mährens, aus der wir folgende Stellen entnehmen: Wie bereits durch mehr als ein halbes Jahrhundert stets zum Schlüsse des Dezenniums, wurde auch mit Beendigung des zweiten Jahrzehntes dieses Jahrhunderts eine Volkszählung abgehalten, allerdings in der tschechoslowakischen Republik mit dem Stichtage vom 15. Februar 1921. Die Mitteilungen des Statistischen Amtes brachten bisher Veröffentlichungen über die Ergebnisse der Volkszählung in Böhmen, Mähren, während die Ergebnisse bezüglich Teschen, der Slowakei und Karpathenrußland noch aushaften. Sowohl für Böhmen, als auch für Mähren ist ein allgemeiner Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu konstatieren, sowie die Konzentration der jüdischen Bevölkerung in den Städten. In Böhmen ist die Zahl der jüdischen Bevölkerung von 85.927 (im Jahre 1910) auf 79.777 zurückgegangen, hievon entfällt auf Prag allein die Anzahl von 31.751 Juden. Die nächstgrößten böhmischen Judengemeinden sind Teplitz, Pilsen, Karlsbad, Budweis, Reichenberg, Aussig und Saaz. In Mähren ist gleichfalls ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen, wie überhaupt sei mehr dls 30 Jahren eine konstante Abnahme der mährischen Judenheit zu verzeichnen ist. Bis zum Jahre 1848 war die jüdische Bevölkerung Mährens ungefähr gleich groß, da die Anzahl der für das Land systemisierten Judenfamilien durch ein halbes Jahrhundert unverändert blieb, nämlich die Anzahl von 5400 betrug, was gemäß der statistischen Aufzeichnungen für das Jahr 1848 einer Kopfzahl von 37.548 entsprach. Im Jahre 1890 wurde mit 45-324 jüdischen Einwohnern in Mähren der Höhepunkt "*erreicht. Die jüdische Bevölkerung Mährens hat nunmehr gegenüber einer Anzahl von 41.224 im Jahre 1910 den Stand von 37.989 erreicht, beträgt sohin derzeit nicht viel mehr, als die jüdische Bevölkerung Mährens im Jahre 1848 betragen hat. Hiebei ist diese Abnahme der jüdischen Bevölkerung eine progressiv steigende; denn die Juden bilden derzeit bloß 1.43 Prozent der gesamten Bevölkerung Mährens, während sie im Jahre 1910 1.52 Prozent, im Jahre 1900 1.84 Prozent, im Jahre 1880 2-05 Prozent und 'im Jahre 1857 2.21 Proeznt betrugen. Ein weiteres wichtiges Moment, welches aus den Ergebnissen der Volkszählung zu konstatieren ist, ist die Verteilung der jüdischen Bevölkerung innerhalb des Landes selbst. Gemäß der Ergebnisse der letzten Volkszählung zählt Brünn, das auch weiterhin die judenreichste Stadt des Landes geblieben ist, 10.86(5 jüdische Einwohner, beherbergt sohin mehr als ein Viertel der gesamten mährischen Judenheit, und hat gegenüber der letzten Volkszählung einen Bevölkerungszuwachs von nahezu 2000 jüdischen Einwohnern zu verzeichnen. Die zweitgrößte Judengemcinde des Landes bildet Mährisch-Ostrau mit 0872 jüdischen Inwohnern, sodann folgt Olmütz mit 2077 jüdischen Einwohnern. Auch diese beiden Städte haben gegenüber der vorhergegangenen Volkszählung eine Bevölkerungszunahme zu verzeichnen. Wer weiß was über ihn! Vor zirka drei Monaten ist der 15jährige Perez Deutsch, Sohn des Salamon Leb Deutsch aus Ujhely (Ungarn), zwecks lernen in einer slowakischen Jeschiwah herüber nach der Slowakei gekommen, seitdem ist von ihm jede Spur verloren. Der über ihn nur etwas weiß, möge es sofort seinem sehr besorgten Vater Salamon Deutsch, Satoralja-Ujhely (Ungarn), oder an Salamon Friedmann, Velke- Berezna (Slowakei), mitteilen und es wird als große Mizwah angerechnet werden. 200.000 Dollar für jüdische Wiederaufbauarbeit in der Tschechoslowakei. (JPZ) Laut Beschluß des JDO wird in allernächster Zeit die rekonstruktive Hilfsaktion des JDO in der Slowakei begannen. Eine Summe von 200.000 Dollar ist bestimmt worden zur Eröffnung von Leihkassen für den Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Eröffnung von Handwerkerschulen. Von diesem Betrag sind 90.000 Dollar für Subkarpathien bestimmt, das als die ärmste jüdische Gegend bekannt ist. Agudas Jisroel-Jugendgruppe Heim: IL, OBERE DONAUSTRASSE 69 .(Eingang Floßgasse) Geöffnet: Samstag u. Sonntag 10 bis 12 Uhr u. ab 2 Uhr nachm., an Wochentagen von 5 Uhr nachm. Schiupim-Einteilung bis auf Weiteres. Wlp rOttf: '/all Uhr vorm. Dm3K pfc D- Baumgarten, i/23 Uhr nachm. D!"H3X pÖ Abr- Schreiber, 3/.,4 Uhr Vortrag. Sonntag: 7 Uhr abends ign ItfÖHT 8 Uhr abends K-)J22 P*Y"TJ13D Simon Schreiber. Montag: Siehe Sonntag. Dienstag: 7 Uhr abends HTOttflö Drp- Kohn, 8 Uhr abends pTinJD X"HS3 Simon Schreiber. Mittwoch: Siehe Dienstag. Donnerstag: 727 Uhr abends nVJttJÖ» V28 Uhr abends P^finUD &HÜ3 Simon Schreiber, '/210 Uhr abends ^J? pai^l ra fs?to-ix3fcria ppv n mn mmn Täglich 6 Uhr abends -flyHtf J0193 ful' Kaufläute KJT3£ft Herr Sal. Schreiber, von 7 Uhr abends 'Hlyty der „B"-Gruppe. njnn nanb um« wao naabai man toi» nana laman "#3 u^i lmaia im naSia -poian fv3 1^3 p<arp. ^itts v'3 ^3 "TTillfc 'ÖH Jim J"Ü DK lDTlK1? ♦mm *inb «pinia_/att^K ppnaa 1331,-1*6 mai ö"tö ras uab püipa •"'3 nyba prana noa naSna -pDiön 'ai m m 'an njta «an-itt »-Hin» Tann 'ann na ra n« ion*6 /ttWD'K pp',taT3K twarca imn mn^n .ij? p-aa -.tw pan ♦ppö ^aba bv birw pya omata bw »Sjwmp nrc« «njrtr fparp »pno^a-ia "in ♦pnwa-i nanaa do-oö nba pnrp -paan bw voi-iab omt naa^ai nan bmö Tag Cheschw. November Notizen Sonntag 28. 19. Märtyrertod des Stadion R. Jakow hakodosch Posen 5497 — Tod R. Arje Leeb Frankfurt 5566 — Tod R. Schlomo London 5603 Montag 29. 20. Erevv Rosch-Chodesch — Massakre von Juden Bukarest durch Michal 5354 — Tossafos Jomtow tritt sein Amt an Krakau 5404 Dienstag Kislew 1. 21. Rosch-Chodesch — R. Zvvi Hirsch wird nach vergeblichen Versuchen, ihn durch Foltern zur Taufe zu zwingen, getötet und verbrannt Krakau 5515 — Tod R. Issachar, Hannover 5568 Mittwoch 2. 22. Beginn des Winters in Palästina nach R. Juda — Tod R. Schalom Schachna Lublin 5319 Donnerstag ' 3. 23. Tod R. Feiwisch Kremnitz Freitag 4. 24. Altjüdischer Halbfeiertag wegen Sieg der Hasmonäer (Taanis. 9) — Große Erdbebenkatastrophe in Lemberg 5463 — Tod R. Josef Dovid (Bes Dowid) 5497, Saloniki — Tod R. Boruch Osersch, Altona 5583 — purim im^Amzuslaw Samstag 5. 25. Toledoth — Haftoro: Masso dewar Haschern — Offenbarung zu Secharja im 4, Jahre des Darius — Tod R. Josef Mai, Breslau 5571 — Fasttag wegen Rettung in Tewarja unter Rabbi Chaim Abulafia 5503 Der Monat Kislew ist der neunte von Nissan und der dritte im Kalenderjahr. Sein Sternbild ist der Schütze. Er hat 29 oder 30 Tage. Der erste Kislew kann nie an Sabbat fallen. (In Palästina ist er die Regenzeit. Wenn Rosch-chödesch Kislew da ist und kein Regen, hat das Besdin 3 Fasttage ungeordnet Tanis 6, 10). Arn 3. Kislew stellten die Syrer Götzen im Tempel auf; als die Hasmonäer diese zerstörten, wurde der Tag zum Halbfeiertag gemacht. Am 6. kam Cuanoni zu Nehemia, um von der Zerstörung des neuen Tempels zu berichten. Am 7. starb Herodes, der Tag wurde als Freudentag gefeiert. Am 14. wurde Rüben geboren. Am 20. vertrieb Esra die heidnischen Weiber. Am 21. wurde Simon geboren. Am 21. forderten die Samaritaner von Alexander den GroÜen die Zerstörung des Jerusalemer Tempel und Anerkennung ihres Tempels auf Garizim. Am 24. wurde der zweite Tempel begründet. Am 25. beginnt Chanuka, dessen Lichtschein den ganzen Monat Kislew verklärt.

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