Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 33-34 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 208 JÜDISCHE PRESSE Nr. 33/34 Die 11 katholischen Nationaljnden. Wie eine Bombe wirkte die vor einigen Tagen veröffentlichte Statistik der Prager Volkszählung auf die jüdische Oeffentlichkeit! Man traute zuerst seinen Augen nicht! Aber da stand das Unerhörte schwarz auf weiß: etwa 5000 Jüdischnationale jüdischer Konfession, 39 konfessionslose Jüdischnationale und 11 katholische Jüdisch nationale. Da also ist das Resultat der seit Jahren betriebenen Agitation für das jüdischnationale „Bekenntnis" bei der Volkszählung. Den Glaubenstreuen oder auch nur Pietätsvollen erfüllt es mit namenloser Empörung, der Christ staunt dieses seltsame Kreuzungsprodukt mit einer Mischung von Zorn und Grauen an und selbst den Herren Jüdischnationalen ist es dabei nicht geheuerlich zu Mute. Die „Vereinigte Jüdische Partei" ist endlich ihres Namens würdig geworden; sie vereinigt schon alle Konfessionen (mit Ausnahme der jüdisch-orthodoxen) in sich und bei der Dreistigkeit, mit welcher sie sich erkühnte, im Namen des Gesamt-Judentums zu sprechen, weil sie einige Paradeorthodoien in ihren Reihen zählte, würde es nicht Wunder nehmen, wenn sie auf Grund der 11 katholischen Jüdischnationalen auch als Vertreter des Gesamtkatholizismus agieren wird. Wir warten vergebens auf eine Aeußerung des Prager Oberrabbiners, der als Förderer der jüdischnationalistischen Bewegung doch irgendwie zu den 11 schwarzen Schäfchen in seiner Heerde Stellung nehmen müßte. Da kein Paragraph diesen katholischen Jüdischnationalen das passive Wahlrecht raubt, so ist es unanfechtbar, daß die der alleinseligmachenden Kirche angehörigen Jüdischnationalen eine führende Rolle erlangen könnten und sich der orthodoxen Kanzlei gegenüber als die wahren Vertreter des Judentums gerieren werden. Welches neue, ergiebige Feld für Missionäre! Man kann nach Prager jüdisch-nationalistischer Theorie ein ganz guter Jude sein, besser als die Orthodoxen und dabei streng katholisch sein. Wie gesagt, wir warten auf eine Erklärung des Prager Oberrabbiners! Aber wir warten auch auf eine Erklärung, ja auf eine Tat, eine recht energische Tat seitens der Leitung der slovakischen Orthodoxie. Wie klein nimmt sich gegenüber der aus dem grotesken Resultate der Prager Volkszählung dräuenden Gefahr die Frage der status quo und neologen Gemeinden aus! (Freilich hat gerade der „jüdische Gemeindebund" sich auf die jüdisch-nationalistische Basis gestellt!) Jetzt wird dem Blödsichtigsten, der unseren unentwegten Kampf gegen die jüdisch-nationalistische Politik nicht gewürdigt hat, die Gefahr dieser Bewegung offenbar. An die Orthodoxie tritt die gebieterische Pflicht heran, alle diejenigen bis lang geduldeten Elemente, welche dieser Bewegung Vorschub leisten, aus dem Glaubensleben auszuscheiden. Besonders verdammenswert sind die Misrachisten der Slovakei, welche sich in diesem modernen Kampfe der Peruschim gegen die Zaddukim auf die Seite der Letzteren gestellt haben. Aber so scharf der Vergleich scheint, reicht er nicht an die Gewissenlosigkeit der Misrachim heran. Denn die Zaddukim hatten ihr Glaubensleben. Die slovakische Misrachi stellt mit ihrer Organisation einen Korridor von der Synagoge in die katholische Kirche her. Sie hat noch kein Wort des Protestes oder nur der Ablehnung gegen die Zumutung des katholischen Judentums gefunden, sie, die jede Bewegung der Orthodoxie mit Irokesengeheul verfolgt. Sie kann ehrlicherweise nicht einmal dagegen Stellung nehmen, denn das Resultat der Prager Volkszählung ist eine konsequente Folge des jüdischnationalistischen Gedankens. Den Führern dei Orthodoxie in der Slovakei obliegt es aber, sich zur Höhe ihrer Aufgabe zu erheben. Lange genug hat sie| geduldet, daß die unverantwortlichsten Elemente des slovakischen Judentums sich leitende Stellungen usurpiert haben und sie durch den Terror ihrer gelben Presse, durch Denunziationen und Mißbrauch der Jointverwaltung behauptet haben. Die Orthodoxie hat jedermann aus ihrem Kreise durch eine zutreffende Maßregel vor die Alternative zu stellen: „Wollt ihr hinter dem Ewigen ziehen, so zieht, wenn aber hinter dem Baal, so geht hinter ihm." Wir erwarten von der slovakischen Orthodoxie, daß sie, eingedenk des großen Kampfes vom Jahre 1868, der anfangs von der Orthodoxie des Auslandes mißbilligt, später aber um so mehr gewürdigt und als begeisterndes Beispiel befolgt wurde, ihrem eigenen Gewissen Folge geben, mit starker Hand das Unkraut aus dem Weinberge Israels ausrotten solle. Rabbinerversammlung. Am Montag, den 18. Elul, wurde in Bratislava eine außerordentliche Rabbinerversammlung abgehalten. Oberrabbiner Schreiber (Preßburg), als Obmann des Rabbinerkomitees, eröffnete die Tagung mit einer in das jüdische Empfinden tief eingreifenden Rede, in der er die Notwendigkeit zur Einberufung der heutigen Versammlung trotz der ungelegenen Zeit so kurz vor den Jomim-Nojroim darlegte. Er deutet auf die große (Jefahr des Zionismus und Misraehismus hin. die die unverfälschte Jüdisehkeit bedroht und beantragt zur Ausmärzung dieses Krebsschadens des Judentums die schärfsten Maßregeln zu ergreifen. Es wurde darauf von allen etwa fünfzig anwesenden Rabbinern einstimmig der Beschluß gefaßt, den Anschluß an den Zionismus oder dessen, wie des Misrachi, direkte oder indirekte Unterstützung als mit dem Religionsgesetz in Widerspruch stehend zu betrachten und ^,ren alle diejenigen die diesem Beschluß die gebührende Beachtung nicht entgegenbringen, das Relurionsgesetz in seiner letzten Konseqenz mit unerbittlicher Schärfe walten zu lassen. Nach der Tagung wurde eine engere Besprechung abgehalten, in der die Stellungnahme des Munkacser Raw zur Aguda behandelt wurde. Wir können von den Verlauf dieser historischen Sitzung nicht mehr berichten, hoffen jedoch nächstens einen ausführlichen Bericht geben zu können. Oberrabbiner Spitzer (Kirchdrauf) und die Agudas Jisroel. Oberrabbiner Spitzer, den ein Mitarbeiter der „Jüdischen Presse" bezüglich seiner Teilnahme an der Coper-Tagung interviewte, hat folgende Erklärung abgegeben: „Als ich von der Reise des Munkacser Raw in Kenntnis gesetzt wurde, hatte ich es als meine Pflicht erachtet, der Wahrheit zu dienen, den Munkacser Raw über seine Impressionen zu befragen. Ich erhielt eine Einladung zur Coper-Versammlung und ich nahm sie an. um das dort zu Hörende einer »objektiven Kritik zu unterziehen. Nach dem zweistündigen Referate des Munkacser Raw, der den Antrag stellte, daß durch die Versammlung die Unzulässigkeit des Anschlusses an die Aguda für Pod-Karpatska-Ruß ausgesprochen werde, meldete ich mich zum Wort. Ich wies auf die großen Verdienste der Aguda für den Chisuk-Hadas hin, und war gegen den Antrag des Munkacser Raw. Ich beantragte ein Bes-din einzusetzen, das über die gegen die Aguda vorgebrachten Beschuldigungen entscheiden soll. Rabbiner Jonatan Steif (Uzhorod) ergänzte meinen Antrag dahin, daß wir uns bis über gewisse Einrichtungen der polnischen Aguda, die vom Munkacser Raw hauptsächlich angegriffen wurden, Klarheit geschaffen wird, von der Weltzentrale isolieren. Damit war die Vormittagssitzung beendet. Nachmittags wurde das Protokoll nicht verlesen, sondern es wurde in der sicheren Meinung, daß es sich bloß um die Festlegung des Antrages des Rabb. Steif handelt, von den Anwesenden und so auch von mir unterschrieben. Hiezu sei bemerkt, daß der größte Teil der auf dem Flugblatt Unterschriebenen in der Sitzung nicht anwesend war. Ich habe darauf mich mit dem Oberrabbiner von Nitra in Verbindung gesetzt, um ihn über das Geschehene zu informieren. Unterdessen wurde mir auch die richtige Tendenz des Protokolls bekannt, worauf ich aus Nitra telegraphisch raeine Unterschrift zurückzog und begründete in einem Expreßbrief die Zurücknahme genau. Trotzdem mir die Nichtveröffentlichung meiner Unterschrift versprochen wurde, mußte ich mit Bedauern feststellen, daß mit meinem Namen ein Manöver geschehen ist, dem ich in einer in kurzem in hebräischer Sprache erscheinenden Flugschrift entgegentreten werde. Ich hoffe, daß diese Schrift Klarheit über die ganze Angelegenheit schaffen wird." Eine einfache Erklärung einer merkwürdigen Tatsache. Es ist eitel Freude und Jubel in allen zionistischen Kreisen, weil ein Herr Rabbiner, dessen Schwiegervater jüngst noch in Mährisclv-Ostrau sich vom Misrachi feiern ließ und bei dem Rufe zur Thora ostentativ zionistische Ziele bekundete, ein Verdikt gegen die Aguda aussprach. Es läßt sich nun über den Geschmack streiten, wenn man hört, daß das Hauptmotiv des Verdiktes in dem Vorwurf liegt, die Aguda sei ein verkappter Zionismus. Doch die Tatsache des Jubels in Verbindung mit der anderen Tatsache, daß sich der Text des Verdiktes lange vor der Publikation in den Händen der Zionisten sich befand, gibt einer eigenartigen Vermutung Raum. Für den Preis, die ihnen so sehr verhaßte Aguda zu schädigen, entschloß sich die sicher im großen Umfange vorhandene zionistische Umgebung des betreffenden Herrn Rabbiners, demselben in fast diabolisch geschickter 'Weise zu suggerieren, daß die Aguda ein verkappter Kultur-Zionismus sei und so seine Stellungnahme gegen die Aguda zu veranlassen. Denn was verschlägt es diesen Herren, die über alles lachen, was irgendwie mit der Thora zusammenhängt, wenn derselbe Herr Rabbiner Zionisten und Misrachisten gleichfalls verurteilt, wenn nur auch die Aguda geschädigt wird. Das sind dieselben sauberen Herren, die den betreffenden Herrn Rabbiner einst soweit in die Irre geführt haben, daß er an den Nationalrat in Prag die Worte schrieb: „Möge dereinst mein Anteil mit euch sein." Da wir also in dem ganzen Issur ein ausgesprochenes zionistisches Machtwerk sehen dürfen, haben wir uns eigentlich damit, weiter nicht zu befassen. Es ist dieselbe Methode, ob ein Misrachi Führer in Neu-Rumänien die Aguda als ein Instrument der detuschen Politik bezeichnt, ob man dieselbe Behauptung der englischen Regierung suggeriert hat, ob man jetzt in zäher Arbeit den betreffenden Rabbiner umgarnt hat — mosrim, malschinim bleiben sich konsequent. Wieweit die Mitunterzeichneten sich der Situation bewußt sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Es wird darüber noch zu sprechen sein. Von der zionistischen Jahreskonferenz in Karlsbad. Schekelzahler. Die Delegierten der jüngsten Jahreskonferenz repräsentierten 319.140 Schekelzahler. Keren Hajessod. Die Gelder des Keren Hajessod wurden in erster Linie zur Deckung des regelmäßigen Palästina-Budgets verwendet, für welchen Zweck bis zum 30. März 1922 der Betrag von 322.3-16.2,2 Pfund überwiesenP wurde. Die Eingänge bei Keren Hajessod per 31. März 1922 belaufen sich auf 427.856,11,8 Pfund. Das amerikanische Keren Hajessod-Bureau hat bis zu diesem Zeitpunkt den Betrag von 1,090.506,74 Dollar nach London überwiesen. In Fortsetzung der oft geradezu stürmisch verlaufenden Debatte kam es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der pritaten Initiative in Palästina und der linken, namentlich von den Poale Zion gestellten Rednern zu dieser Frage. Levite (Polen) wendet sich in diesem Zusammenhange auch gegen den »tprimismus Dr. Ruppins, alles Bisherige in der Kolonisation Palästinas bloß verfehlte Experimente darstellt, die nicht fortgesetzt werden dürfen. H. Schocken, der namens des zionistischen Finanz- und Wirtschaftsrates eine Inspektionsreise durch Palästina absolvierte, beantragt die vollständige Trennung der ökonomischen von den politischen Angelegenheiten innerhalb der zionistischen Verwaltung, damit die wirtschaftlichen Departements ausschließlich nach kaufmännischen Grundsätzen verwaltet werden. Dr. Lieme unterstützt die Reformvorschläge Schockens und bezeichnet den Keren Hajessod als einen Felilschlag, da er sogar in diesem begeisterungsvollen ersten Jahre nur doppelt soviel wie der Nationalfonds zu sammeln vermochte. Dabei hat der Keren Hajessod die Arbeit des Nationalfonds in Amerika vollkommen rehindert. Der Nationalfonds muß die ihm gebührenden 20 Prozent des Keren Hajessod wirklich bekommen, überdies soll Keren Hajessod selbst 20 Prozent von seinen Eingängen für Bodenkäufe verwenden. Dr. Katzenelsohn (Hitachduth) befaßt sich gleichfalls mit dem Keren Hajessod und bemängelt die allzuhohen Kosten der Keren Hajessod-Administration, deren Apparat ein volles Drittel der Einnahmen verschlingen soll. Auf Antrag der Poale Zion soll die Jahreskonferenz auch zur leidigen Affaire Jabotinsky-Petljura Stellung nehmen. Die Poale Zion möchten " das Ausscheiden Jabotinskys aus der zionistischen Exekutive veranlassen. Jabotinsky. Dr. Arlosoroff: Es gibt keinen anderen Weg als den Aufbau einer g e m e i n s a m e n Heimstätte der Juden und Araber als gleichberechtigte Völker in Palästina. Man kann nicht einige Wochen nach der Resolution des 12. Kongresses der Regierung ein Memorandum über die Legion vorlegen. In der Donnerstag-Sitzung beantwortete Weizmann die Anfrage des Poale Zio-Vertreters B. Locker wegen der Beziehungen Jabotinskys zu dem Vertrauensmann des früheren Hetmans Petlura, Slawinski. Er verlas die Erklärung der Organisationsleitung von Jänner 1921, in welcher eine genaue Untersuchung der Angelegenheit angekündigt wurde und erklärt, daß die Ausführung des Beschlusses deshalb unmöglich war, weil Jabotinsky damals in Amerika weilte und nach seiner Rückkehr sofort nach Italien entsendet werden mußte. Weizmann versprach aber« daß in der ersten Sitzung der Exekutive nach der Konferenz, welcher die Sache unter Zugrundelegung des Materials Jabotinskys zur Erörterung gelangen wird und beantragte den Uebergang zur Tagesordnung. Der Antrag wurde gegen die Vertreter der drei Linksiraktionen Poale Zion, Hitachduht und Zeire Zion angenommen. Misrachi. Farbstein: Insbesondere müssen wir uns aufs Schärfste in der Frage des Eherechtes gegen die Handlungsweise der Exekutive wenden. Die englische Regierung hatte vorgeschlagen, für das jüdische Eherecht das jüdische Gesetz in Anwendung zu bringen: Dr. Weizmann aber hat, ohne sich mit den maßgebenden Instanzen zu verständigen, den Vorschlag abgelehnt. Das war ein Attentat auf die heiligsten Gefühle des religiösen Judentums, ein Attentat auf die künftige jüdische Gesetzgebung in Erez Iisroel. Dr. Weizmann: Wenn wir der englischen Regierung den Vorschlag machten, vorläufig noch nicht dem nichtfundierten palästinensischen Rabbinate Staatsgewalt einzuräumen, so war das kein Attentat auf die Religion. Da ich mich in diesen Sachen wirklich nicht finkompetent halte, so habe ich den Präsidenten des englischen Misrachi (Chief-Rabbi Herz) konsultiert und ich teile die Rüge des Misrachi mit dem Präsidenten des englischen Misrachi. Meine Herren vom Misrachi, Ihr Präsident hat uns, als wir im Kampfe standen, einen Stich versetzt. Ich habe den Misrachi aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen und der Misrachi hatte nicht den Mut dazu, weil es ein hochgestellter Herr ist. Sie haben nicht die politische Mannhaftigkeit gezeigt, es zu tun. (Zuruf: Stuart Samuel war nie unser Präsident!) Dann war er Ihr Vizepräsident oder Ehrenpräsident. Die Sitzung vom Freitag, den 1. September, dem letzten Tag der Jahreskonferenz, gab zu folgendem Zwischenfall Anlaß: Hermann Struck machte namens der Misrachi die Mitteilung, daß die Fraktion soeben eine Depesche des Vorsitzunden der englischen Misrachi- Organisaiton, Oberrabbiner Herz, erhalten hat, in welcher Herz die Behauptung Weizmanns, er (Herz), habe seine Zustimmung zu jenem Punkt der Verfassung gegeben, in welchem die rechtliche Form des Rabbinats in Palästina festgestellt wird, dementiert. Hier erhebt sich Dr. Weizmann und erklärt mit fester Stimme, daß er alle seine früheren Behauptungen aufrecht erhält. Jewish Agency. Aus Weizmanns Referat ist festzuhalten: Die Jewish Agency muß die gemeinschaftliche Organisation des jüdischen Volkes werden. Wir werden daher mit allen großen jüdischen Organisationen verhandeln, mit den großen jüdischen Gemeinden, mit den prominenten Persönlichkeiten im jüdischen Leben sowie mit den großen jüdischen Parteien und wir hoffen, daß eine gemeinsame Plattform zu finden sein wird. Wie der Berichterstatter des J. C. B. auf der zionistischen Jahreskonferenz in Karlsbad erfährt, hat die Frage der Schaffung und der Zusammensetzung der Jewish Agency zu einer scharfen Krise innerhalb der Exekutive der Zionistischen Organisation geführt. Anlaß zu dieser Krise gab die Forderung Dr. Weizmanns und Nahum Sokolows nach voller Handlungsfreiheit in ihren Verhandlungen mit den verschiedenen großen jüdischen Organisitionen und hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten zwecks Heranziehung derselben zur Bildung der Jewish Agency. Mehrere Mitglieder der Exekutive beharrten dagegen auf dem Standpunkt, daß sowohl Dr. Weizmann, wie Nahum Sokolow sich einer demokratischen Verantwortung gegenüber der Zionistischen Organisation nicht entziehen dürfen, ebenso wie auch diejenigen, mit denen die zionistischen Führer in Verhandlungen treten werden, einer demokratischen Verantwortung unterworfen werden müssen. In den Beratungen der Exekutive war die Mehrheit geneigt, sich den Standupnkt Weizmanns und Sokolows zu eigen zu machen. Die Exekutivmitglieder Jabotinsky, Soloweitschik, Lichtheim und Motzkin erklärten aber, für den Fall, daß dieser Standpunkt durchdringt, ihre Exekutivemandate niederzulegen. Daraufhin wurden verschiedene Kompromißvorschläge eingebracht. Ein entgültiger Beschluß ist zurzeit noch nicht gefaßt worden. Wie der Vertreter des J. C. B. auf der zionistischen Jahreskonferenz erfährt, sind die scharfen Meinungsver-