Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 31-32 (1.9.1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 32 JÜDISCHE PRESSE Seite 199 jetzt in Amerika äußerst energische Versuche gemacht, die Jugend zum Festhalten am traditioneilen Judentum zu bestimmen. Namentlich durch die Errichtung von sog. „Jewish Centers" oder „Institutional Synagogues", wo neben den G-ttesdiensten und den Klassen für Unterricht in Hebräiscli und Bibel und Talmud auch für alle möglichen anderen Interessen der Jugend, wie etwa Vorträge und Vereinsräume und sogar für Gymnastik in reichstem Maße gesorgt wird. Diese Gebäude sind in hoch eleganter Weise ausgestattet und kosten Riesensummen, existieren aber schon in allen größeren und manchen kleineren Städten Amerikas. Das bezeichendste Merkmal des amerikanischen jüdischen Lebens ist überhaupt die lntensivität. Es wird gestrebt und gearbeitet und natürlich gegeben. Und das ist in gleichem Maße wahr nicht nur von der Orthodoxie, sondern auch von den anderen Richtungen im Judentum. England. Bevorstehende Reorganisation der »Ito". London.' Wie das J. C. B. erfährt, hätten ehemalige Leiter der jüdischen Territorialistischen Organisation „Ito" in Anbetracht des Angebotes der mexikanischen Regierung, jüdischen Emigranten ein großes Landgebiet zur Ansiedlung zu übergeben, das Wiedererstehen und die Reorganisation der jüdisch-territorialistischen Organisation in Erwägung gezogen. Vor einigen Tagen fand hier eine inoffizielle Beratung früherer „Ito"- ■ Vorsteher statt, in der diese Frage eingehend besprochen und eine internationale Konferenz der an der jüdisch-territorialistischen Bewegung interessierten Personen in Aussicht genommen wurde. Ukraine, Die Selbsthilfe der ukrainischen Juden. (J. C. B.) Nach einem uns aus der Ukraina zugegangenen Berichte, schreitet die Organisation der Selbsthilfe unter den Juden der Ukraine gut vorwärts. Das jüdische Bürgerkomitee der Ukraine unterhielt am 1. Juli im ganzen Land 463 Internate für 23680 Kinder, 157 Kinderheime für 12359 Kinder, 21 Kinderverpflegestationen für 13178 Kinder und 28 Verpflegestationen für Erwachsene, in denen 10859 Personen versorgt wurden. Insgesamt verpflegte das, jüdische Komitee 60077 Personen. Außerdem brachte das Komitee für die Saatkampagne 42447 Pud verschiedener Sämereien und Getreidearten zur Verteilung und zwar in Kryvy-Rih 12707 Pud, in Huljaj-ol'e 11715 Pud, in Marjupol 10446 Pud und in Nikolajew 7379 Pud. Ititxiko, Ein Charter für jüdische Kolonisation in Mexiko. (J. C. B.) Der bekannte jüdische Philantrop Paul Rothenberg, der von seiner Reise nach Mexiko zwecks Prüfung des Angebotes der mexikanischen Regierung, für die Kolonisierung osteuropäischer Juden in Mexiko ein umfangreiches Siedlungsland zur Verfügung zu stellen, soeben nach Chicago zurückgekehrt ist, gibt bekannt, daß der Präsident der mexikanischen Republik Obregon dem mexikanischen landwirtschaftlichen Departement die Instruktion gegeben habe, in Gemeinschaft mit ihm (Rothenberg) einen Charter zur Kolonisation des angebotenen Territorium zu entwerfen. Der Entwurf zum Charter wurde während Rothenbergs Aufenthalt in Mexiko nahezu fertiggestellt und soll in den nächsten Tagen Herrn Rothenberg und seinen Mitarbeitern zur endgültigen Entscheidung, in Chicago vorgelegt werden. Der Charter soll formell der vor kurzem hier ins Leben getretenen Jewish Mexikan Colonisation Association erteilt werden. Wie es heißt, wird kurze Zeit nach der Erteilung des Charters eine Konferenz nach Chicago einberufen werden, die sich mit der Ausarbeitung eines Planes der jüdischen Imigration nach Mexiko befassen und auch schon die ersten Schritte unternehmen soll, jüdische Emigranten aus Europa nach Mexiko zu befördern. TSCHECHOSLOWAKEI. Nove-Zamky. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe in Nove-Zamky hat mit großem Kostenaufwand einen „Erew" in der Stadt errichten lassen. Oberrabbiner Tiegermann hatte den Erew einigemal besichtigt, um zu prüfen, ob selber Schulchon-Aruchgemäß aufgestellt ist. Bratislava. Prüfung an der Vorbereitungsschule. An der unter der vortrefflichen Leitung des Rabb. B. Löbel stehenden Vorbereitungsschule wurde Sonntag, den 3. Elul das Verhören abgehalten. Zweck dieser Schule ist, den aus dar Talmud- und Jesodah-Hatora entwachsenen Schülern die Gelegenheit zur Fortbildung zu geben, daß sie selbständig ohne Nachhilfe die Jeschiwos besuchen können. Das Verlangen nach einer solchen Schule ist so alt wie die Jeschiwos selbst, da man die Schäden einer mangelhaften Vorbildung für das Selbstlehrnen der Jeschiwos gar oft zu sehen bekam. Einer kleinen Schar eifriger Thoraförderer ist es gelungen, die Gründung einer solchen Schule in Preßburg in die Wege zu leiten, wobei sich besonders die Herreh Grunwäld, Grünhut und Haar auszeichneten. Wie weit aber die an diese Schule gesetzte Hoffnung gerechtfertigt war, hätte die durch Rabbiner Wessely und R. Salaam Lichtenfeld in Anwesenheit zahlreicher Gäste vorgenommene Prüfung bewiesen. Es wurde im Sommersemester ganz Masseches Schabbos als Mischnajos und dreißig Blatt Gemoro Nedorim mit, dem Ran als Nebenschiur gelernt, welches Pensum die Kinder auswendig verständlich und auch den Fremden begreiflichmachend der Prüfungskommission aufgesagt haben. Nach der Prüfung richteten Rabbiner Wessely und H. Lichtenfeld einige Worte an die Schüler, in denen sie zur Strebsamkeit angespornt wurden. Ein besonderer Dank wurde Herrn Rabbiner Löbel ausgesprochen, der hervorragendes leistete. Das Verhören von „Schiur-ijün" soll am ersten Slichos-' tag von Oberrabbiner Schreiber vorgenommen werden. Velke-Topolcany. Ein erhabenes Bild der Anhänglichkeit und Liebe zur Thora zeigte die Abschiedsfeier des Rabbiner R. Mandel Deutsch. Der seiner großen Frömmigkeit und Gelehrsamkeit wegen berühmte Rabbiner hatte nun seine alte Vornahme, nach Erez-Hakdojscho zu fahren, verwirklicht. Am Schabbos Vormittag hielt der Rabbiner eine rührende Abschiedsrede, in welcher er der Gemeinde für die unter seiner vierunddreißigjährigen Dajantätigkeit stets erwiesene Liebe und Anhänglichkeit dankte. Besonders hatte er aber auf die besondere Aufgabe der Topolcanyer Gemeinde hingewiesen, die heute noch wie früher als Mustergemeinde für die Nordwest-Slowakei dastehen müsse. Die Topolildas JIspdbI (Schiffschul), 11., BroBe Schiffgasse 8. Gebetstunden: vom 8. bis 15. Elul 5682. Freitag, den 8. Elul D^Dp6'25 Unr- , Samstag x_fri O 'S, Morgengebet 6-15 und 9 Uhr, Mincha 12-15. Um 3 80 Vortrag von HDX \tHBi anschließend Mincha pTP "Kantt: 7-15 Uhr. An Wochentagen, Morgengebet 515 und 6, Mincha 6 03 Uhr. Herausgeber: „Jüdischer Verlag G. m. b. H." — Verantwortlicher Redakteur: Jakob Deitsch. Für die Tschechoslowakei: Heinrich Schwarz. — Druck: Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII-, Hernalser Gürtel 20. — Telephon Nr. 19.772. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 1000«—. Fürs Aasland 100 Prozent Teaerungszaschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. canyer Gemeinde, führte er aus, war stets das Bollwerk für den echt jüdischen Geist der Thora, während der Sturm der Assimilation und Reform den Thorageist von so vielen Gemeinden spurlos wegfegte. Nun möge die Geminde in diesem Vorhaben auch weiter schreiten. Die mit tiefem Gefühl gesprochenen schlichten Worte hatten von den Zuhörern Thränen entlockt und es herrschte eine würdevoll erhabene Stimmung, gepaart mit dem Schmerze der Trennung, die bis zur Abreise des Rabbiners bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck kam. Am Abend wurde eine schöne Mlawe-Malke arrangiert, bei der Sr. Ehrw. Oberrabbiner Weiß, R. Ghaim Fürst, H. Sarkower und R. Bezion Braun sprachen. Sonntag wurde der Rabbiner von der ganzen Gemeinde zur Eisenbahn begleitet, deren Glückwünsche den Rabbiner auf seiner heiligen Reise begleiteten. Möge R. Mandel Deutsch in Erez- Hakdojscho gegönnt sein, glücklich und zufrieden, kräftig und gesund seinem Wunsche gemäß, demt Lernen der Thora bis ins späteste Menschenalter' obliegen zu können. Eine Tempeleinweihung. Unser Berichterstatter aus Teplitz-Schönau meldet uns: In Soborten, einer sehr altehrwürdigen Gemeinde neben Teplitz- Schönau, wurde Freitag abends der neurestaurierte\ Tempel eingeweiht. Ein Damenchor rezitierte neben Orgelbegleitung deutsche Tempelgesänge, wonach der Rabbiner eine Einweihungspredigt hielt. Wie beklemmend'wirkte aber diese unjüdische Zeremonie auf das Empfinden jener, die ihre Blicke noch dem alten vierseuligen Almemeor — den man ohne Erschütterung des Baues nicht entfernen kann — zuwenden. (Die Gemeinde hatte einen neuen Almemeor vor der Bundeslade angebracht, wodurch der alte überflüssig wurde.) Dieser alte Almemeor weiß viel von dem "Glanz und von der Pracht der alten jüdischen Gemeinde, als hier noch ein heilig jüdischer Geist wehte, zu erzählen. Dieser Almemeor sah auf der Rednerkanzel. Männer, die die Leuchten Israels waren, deren Gelehrsamkeit und Heiligkeit einen weiten Weltruf hatten. Nun muß man sehen, wie „Seirim jerakdu schom" böse Geister der wahnwitzigen Reform die Erhabenheit dieser heiligen Stätte verunstalten. Das schlimmste an der Sache aber ist, daß der neugewählte Rabbiner, von dem man den Einhalt der Reforrnsucht und die Einlenkung zu einem konservativen Kurs mit Recht hätte erwarten können, nichts zur Verbesserung der Gemeinde vorzunehmen gedenkt. Kinder aufs Land in Nove-Zamky. Die Aguda- Jugendgruppe in Nove-Zamky hatte neun arme, unterernährte Preßburger Kinder bei Familien untergebracht, die Sonntag gut erholt zurückgekommen sind. Die Kinder waren bei den Herren Jenö Bineth, Rudolf Fleischer, Ede Bernfeld, Jonas Großmann, Heitier David, Herzka Henrik, Blau Jakob, Reichfeld Gabor, Reichfeld Josef, Reichfeld Adolf, Kaiisch N., Schwartz Henrik untergebracht. In Zlate Moravce: Steiner Miksa und Steiner Aron. Besonders haben sich bei der Unterbringung der Kinder ausgezeichnet die Herren Rudolf Fleischer, Josef Schönfeld, Adolf Bosinger, Oskar Seidel und Schönberger, Bratislava. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe (Bratislava) dankt auf diesem Wege den wohltätigen Familien, die dies schöne Werk der jüdischen Humanität so opferwillig und freudig vollbracht haben. Ein Eitualmordhetzer vor Gericht. Prag, 22. August. Anläälich des Mordes an Marie Pytlik in Polna veröffentlichte der „Stit Näroda" („Schild der Nation") am 1. August einen längeren Artikel, „Ritualmorde" überschrieben, in welchem mit sichtlicher Tendenz längst widerlegte Darstellungen früherer Ritualmordgeschichten und Prozesse wiedergegeben waren. So wird berichtet über die Ermordung des Paters Thomas in Damaskus im Jahre 1840, Zeugenaussagen aus den Prozessen von Tisza-Eszlar und Kischinew, auch Interpellationen des seligen Mechanikers Schneiders werden zitiert usw. Der Artikel verfiel fast in seiner Gänze (etwa viereinhalb Spalten) . der Konfiskation. Der Herausgeber des Blattes Dr. Josef Kasanda erhob Einwendungen gegen diese Konfiskation, über welche heute vor dem Preäsenat (Vorsitz Oberlandesgerichtsrat Kleiner) verhandelt und entschieden wurde. Der Staatsanwalt Dr. Papik begründete die Konfiskation mit dem Hinweis, daß der Artikel gegen eine Gruppe von Staatsbürgern aufreize und geeignet sei, eine Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung hervorzurufen. Der Herausgeber des Blattes Dr. Josef Kasanda und sein Anwalt Dr. Myslivec vertraten demgegenüber den Standpunkt, daß die meisten der inkriminierten Stellen Zitate aus unbeanstandeten Zeitschriften und Broschüren darstellen und somit als wissenschaftliche Feststellungen auch diesmal nicht zu konfiszieren waren. Der Gerichtshof schloß sich jedoch nach langer Beratung dieser Anschauung nicht an und bestätigte die Konfiskation in vollem Umfange. In der Begründung wird gesagt, daß für die Beurteilung der Beschlagnahme nicht einzelne Sätze und Zitate, sondern die aus letzteren gezogenen Konklusionen und überhaupt die ganze Tendenz des Artikels maßgebend seien. So werde wohl an einer Stelle gesagt, daß man Ritualmorde nur einer fanatischen Sekte zumuten könne, aber ein anderer Passus behauptet, daß hinter dieser Sekte die gesamte Judenschaft stehe. Schon mit dieser Behauptung erscheine die Beschlagnahme gemäß § 802 des St.-G. begründet. Das Auditorium, das zumeist aus Gesinnungsgenossinnen des Dr. Kasanda bestand, begleitete die Urteilsbegründung an einer Stelle mit Murmeln und Zwischenrufen, so daß es vom Vorsitzenden energisch zur Ruhe ermahnt werden mußte. Auf dem Gange sagte eine der Damen: „Auf der Burg wird man heute illuminieren!" Piestany. Aus Piestany wird uns gemeldet: Am Schabbos Reeh hatten wir die Ehre Rabbiner D. L. Silberstein (Alistal) aus Dunajeska-Streda in unserer Gemeinde als Gast zu begrüßen. Sr. Ehrw. Oberrabbiner Weber beehrte den Gast mit einer Droschoh. Die mit tiefsinnigem Charifus und gestreichem Magidus gewürzte Rede fand bei den Zuhörern allgemeinen Beifall. I. S. G. Tag Elul Septemb. Notizen Sonntag 10. 3. König Sigmund von Polen gibt den Rabbinern das Recht, nach talmud'schem Gesetz Urteile zu fällen 5346. — Josef Karo beendigt sein Werk „Beth Josef in Saffed 5302, begonnen in Adrianopel 6282. Montag 11. 4. Schelo und 15 Rabbiner werden vom Pascha in Jerusalem eingekerkert und erst Roschhaschana gegen Lösegeld befreit 5385. Dienstag 12. 5. Geburt Ramban 4955. — Tod R. Simon, Sohn des Rosch 5102. Mittwoch 13. 6. Märtyrertod R. Jzchok de Todres, Lissabon 5407. — Tod R. Tewele Fulda 5441. Donnerstag 14. 7. Ende der Frist für Kidusch-lewono. Freitag _____ 8. Tod R. Akiba Eyer des älteren, Preßburg 5518. — Tod R. Mair Hqrowitz, Lemberg 5601. Samstag 16. 9. Li sowo — Haftora: Kumi Ori — Perek 8 und 4. /