Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 31-32 (1.9.1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2629891-2629953-2629984--0694-2632358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE PRE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, IL, Malagasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Bracheint jeden Freitag. — Redaktionsschiaß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig:Für Österreichs 12.000,Ungarn K 350' — , Tschechoslowakei Kc. 70'—, Deutschland Mk.150-—, Schweiz Frcs. 10*-, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen. Mk. 1500*—. Einzelnummer d.-ö. K 250 —, Kc. 1'50. Zahlungen Nr. 13.468; Nr. 190.409 Nr. 50.170; Konto Nr. 5 Konto Nr. 41 für Oesterreich: Postspartassenamt Wien, Konto für Polen: Postsparkasaenamt Warschau, Konto , für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, 3.386; für Jugoslawien: Postsparkassenamt Agram, 3.217; für Rumänien: Banca Marmarosch Blanc A Co. für Josef Floren« & Co., Bukarest. | Wien-Brati! slava, 1. September 1922 ♦rrsnn i*bx 1 ymaasrto - n:*! m -2 | 8. Jahrg. Positive Leistung. Mit dankenswerter Offenheit schreibt ein zionistisches Organ jüngst folgende zwei Sätze: „Die durch den Zionismus präsentierte Jewish Agency muß es sein, welche dem werdenden Palästina ihren Stempel aufdrückt. Sie muß dafür sorgen, daß der Aufbau des Landes in einem Geiste erfolge, welcher durchaus mit der^neujüdischen nationalen Lebensauffassung und Wirtschaftsgesinnung harmoniert und einem freien, erdgebundenen und stolzen jüdischen Geschlecht den Boden bereitet." Wohl noch niemals ist die Abkehr vom jüdischen Ideal so klar ausgedrückt worden und noch niemals wurde so ohne Rückhalt offenbart, um was eigentlich der Kampf geht. Es sind diese Sätze so recht aus dem Geiste der Zeit geboren. Wohl ist es nicht das erstemal, daß innerhalb der Judenheit eine gewisse Müdigkeit in bezug auf die ideellen Aufgaben jedes einzelnen Juden Platz greift und diese Müdigkeit sich umsetzt in heiße, schrankenlose Sehnsucht nach dem irdischen Glück. Der Weg, den uns*der Prophet zeigt, „zuerst den Himmel festzupflanzen, dann die Erde zu gründen, daraus erst die Berechtigung zu gewinnen, zu Zion zu sagen, du bist mein Volk8, ist ein anderer, ist nicht ohne Dornen. Wir gestehen, daß man wirklich nicht erdgebunden sein darf, wenn man beispielsweise auch nur verstehen will, daß die heilige Schrift in der Uebertretung eines g-ttlichen Gebotes, auch wenn dies nur durch ein einzelnes Individuum in einer höchst eigenen Privatangelegenheit erfolgt, das Land, die Erde, mit Sünde belastet. Da gähnt eine Kluft die auch nicht im energischesten Kampfe überbrückt werden kann. Wer eben das „Joch" der Thora, das »Joch" der Gebote so betrachtet, daß er darin ein Verhängnis und eine Hemmnung auf dem Weg zur ^-^w^^^^j^tewSCf^^ Geschichtliches und Sagenhaftes aus Köln. * (FortBatzung.) Die Geschichte weiß uns noch von einem zweiten Convertiten in Köln aus dem 12 Jahrhundert zu erzählen, dessen historische Existenz, durch eine legendarische Erzählung, die sich an seinen Namen knüpft, in ein seltsames Licht gerückt wird. Die geschichtliche Existenz dieses Convertiten darf als verbürgt angenommen werden, denn Jahrhunderte hindurch wurde sie durch ein steinernes Bild verbürgt, das auf der Torwölbung des Stiftes von St. Andreas zu Köln gemeißelt, den Blick des ^Beobachters fesselte, und -das mit der Niederreißung des Stiftes in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts verschwand. Es war der Kopf eines Juden, der mit höhnischem Lächeln herabzuschauen schien. Rechts und links standen über der Torwölbung zwei Bronzestatuen, Knaben darstellend, die in jeder Hand ein Tier trugen, der eine einen Hund und' einen Hasen; der andere eine Katze und eine Maus. Das Stiftsgebäude mit den wunderlichen Figuren ist verschwunden, aber die Erinnerung an die merkwürdige Begebenheit, deren Illustration sie bildeten, ist nicht verschwunden, sie lebt noch in dem Gedächtnis der Liebhaber von Kuriositäten und ist auch schon einmal der Gegenstand einer psychologisch wenig vertieften, aber ungemein phantasisch aufgeputzten Erzählung gewesen, die vor nahezu 80 Jahren in einer Wochenschrift erschien. Im nachstehenden sei der Kern dieser Erzählung in Kürze wiedergegeben: In dem Stifte von St. Andreas in Köln lebte anfangs des 12. Jahrhunderts unter anderen ein Kanonikus, von dem die ganze Stadt wußte, <kß er als Jude geboren und erst in reiferem Alter zum Christentum bekehrt worden war. Und zwar unter sehr merkwürdigen Umständen. Wie der Kanonikus als Jude geheißen, meldete keine Chronik, aber es Erlangung des irdischen Glückes sieht, der hat auf den .jüdischen Adel verzichtet. Wenn man aber irgend einen denkenden Menschen aus irgend einem Kreise zum Richter aufruft, ob es nicht eine positive Leistung ist, diesen Adel allen Gewalten zum Trotz aufrecht zu erhalten, so könnten wir uns getrost seinem Urteil unterwerfen. Seit mehr als 100 Jahren kämpften die Orthodoxen diesen Kampf. Sie kämpften wegen der Herzen und der Seelen ihrer Jugend. Gewiß ist manches welke Blatt abgefallen und viele sind der Erde erlegen und haben in Erdgebundenheit den Himmel zerstört. Aber trotzdem haben sich mehr denn fünf Generationen ein neues Geschlecht gezeugt, welches, trotzdem es sich dem Himmel vermählte, dennoch seinen Weg über die Erde fand. Das ist eine „positive Leistung" sondergleichen. Wenn gutbezahlte Pfaffen oder noch besser bezahlte Agitatoren als ihre letzte schäbige Waffe im Kampfe gegen uns den Vorwurf erheben, als erschöpten wir uns in Negationen und brächten keine positive Leistung auf, so ist die Stellungnahme zu diesen Vorwurf ein Prüfstein für uns. Läßt irgend jemand sich dadurch beirren und fängt an die G-ttesleugner zu beneiden, weil ihnen nun so vieles gelungen sei, dann hätte er sich an die Erde gebunden, dann hätte er erwiesen, daß von dem Blute des Abraham, der auf Moria zu opfern bereit war, kein Tropfen durch seine Adern fließt. Das übrigens jener Vorwurf auch tatsächlich unberechtigt ist, daß wir sowohl inbezug auf werktätige Hilfe an leidende Menschen, als auch in Erstellung aller für das jüdische Leben notwendigen Einrichtungen meilenweit mehr geleistet haben, als solche Herren, welche in Amerika Geld erhalten haben, mit der Vorgabe es für Gemeindezwecke zu gebrauchen, und es nachher für Partefc^ wird berichtet, daß er schon in jungen Jahren unter' seinen Glaubensgenossen wegen seiner großen Kenntnisse im Hebräischen und Talmudischen berühmt war und daß sein Wissensdurst keine Grenzen'hatte. Dadurch kam er auch, was in jener Zeit nichts alltägliches war, mit christlichen Gelehrten in Berührung, so auch mit dem Pastor und den Canonici von St. Andreas die von seiner großen Gelehrsamkeit vernommen und bei wissenschaftlichen Arbeiten, wenn es sich um Erklärung schwieriger hebräischer Texte handelte, gerne seinen Rat beanspruchten. Er aber war wieder glücklich bei den geistlichen Herren Hilfe bei der Erlernung der lateinischen Sprache zu finden und auch Bücher, die ihn in die anderen Wissenschaften einführen konnten. Man muß es als selbstverständlich annehmen, daß die frommen, glaubenseifrigen Priester lebhaftes Interesse daran fanden, den gelehrten Juden zur Taufe zu bekehren, aber alle ihre Ueberredungskunst, alle ihre Bemühungen ihn von der Wahrheit der christlichen Religion zu überzeugen, blieben vergebens. Während der junge Jude im Verkehr mit den christlichen Gelehrten immer mehr an Wissen' gewann, verlor er zugleich bei seinen Glaubensgenossen an Vertrauen und auch an materiellen Vorteilen, die ihn bis dahin durch den Unterricht, den er den Kindern erteilte, zuflössen. Man begann ihm, wegen seines regen Verkehres mit christlichen Geistlichen zu mißtrauen, sah schon in ihm einen Abtrünnigen, dem man den Unterricht der Kinder nicht anvertrauen könne und der Arme geriet in immer größere Not, gegen die ihn die gelegentlichen kleinen Honorare, die er von den Stiftsgeistlichen für seine Arbeiten erhielt, nicht schützen konnte. Der Hunger und die verdächtigende Mißachtung seiner Glaubensgenossen waren endlich die kräftigsten Helfer bei den Bekehrungsversuchen der Geistlichen geworden und eines Tages erschien der junge jüdische Gelehrte mit blassen Wangen vor dem Pfarrer vom St. Andreas-Stifte und erklärte ihm, daß er endlich die Ueberzeugung gewonnen, die Beweises. Allerdings die „positive Leistung" haben wir nicht aufzuweisen, auch die nicht, daß wir für irdische Vorteile G-tt und sein Gesetz verraten haben. Würde alles dies erst klar erkannt sein, dann 'würde in reinlicher Scheidung neues Glück erblühen. Die Erdgebundenen würden untergehen, wie noch alle Völker untergingen, die nur aus der Erde ihre Kraft schöpften, nur an die Erde ihre Kraft gaben. Uns ist allerdings die schwere Aufgabe zuteil geworden, über diese Zeit der durch G-tt geübten Vergeltung Juda und die Menschheit hinüberzurettcn — wahrlich eine positive Leistung allerersten Ranges. P. K. Stimmen aus Jerusalem. Es wäre journalistisch und geschichtlich eine Unterlassung, wenn jüdisches Leid, wo immer in der Welt es sich ereignet, bei uns nicht wiederklänge und solchen Ausdruck fände, der es den späteren Historikern ermöglicht, unsere Tage "und das was in ihnen geschah zu beurteilen. Wir wiederholen ganz objektiv. Zwei junge feurige Menschen, denen das Herz blutete, ob der Unterdrückung der absoluten Thoratreue, die sie im heiligen Lande wahrnehmen zu müssen glauben und für die sie das mit Staatsgewalt eingesetzte Oberrabbinat in Jerusalem verantwortlich machen zu müssen glauben, haben ihrer Entrüstung in einem Flugblatte Ausdruck gegeben. Dieses Obeirabbinat, das merkwürdiger Weise zu gleicher Zeit von dem ganzen Exil unbedingte Anerkennung verlangte, hielt es in vollkommen unjüdischer Weise für gut, diesen Fall dem weltlichen Gericht zu überweisen. Es hatte damit aufs Neue erwiesen, daß Bs keine ^^^^^^^^^..^—->-,. ■ ■- ■ .....■ ■ christliche Lehre* sei die alleinseligmachenderer woile Christ werden und sich dem geistlichen Stande zuwenden. Die Erklärung wurde von dem Pfarrer mit großer Freude aufgenommen und die Nachricht erfüllte alsbald auch alle glaubenseifrigen christlichen Kreise in Köln mit großer Genugtuung. Der junge Jude wurde bis zum Tage seiner Taufe im Stifte zurückbehalten, doch mit allem Nötigen versehen um ihn vor den Versuchen seiner Glaubensgenossen, ihn zum Ausharren in der jüdischen Re-' ligion zu bewegen, sorgfältig zu schützen. Die reichsten Männer der Stadt wetteiferten um das fromme Verdienst, die Taufpaten des gelehrten Juden zu sein, beschenkten ihn reichlich und die Taufe wurde endlich in der Hauptkirche unter großem Pompe vollzogen. Der Proselyt, 9er als Christ den Namen Hermann erhielt, konnte, dank seinen einflußreichen Gönnern und Freunden, die ihm die Wege ebneten, kaum daß er seine Studien beendet hatte, zu Amt und Würden gelangen und es dauerte nicht lange, so war er als Kanonikus des Stiftes St. Andreas im Besitze einer reichen Pfründe, um die. ihn wohl viele Geistliche beneiden durften, die ihm im Alter weit voraus waren. Kanonikus Hermann zählte bald zu den geachtesten Geistlichen der Stadt. Sein Lebenswandel war schier der eines Heiligen. Er vertiefte sich in seine Studien, bei denen er ganze Nächte durchwachte, war wohltätig und gütig zu den Armen, lebte mäßig und enthaltsam als wäre er selbst der Aermste und seine Predigten waren von einem Geist der Liebe, Milde und Humanität erfüllt, daß seine Zuhörer und Zuhörerinnen häufig bis zu Tränen gerührt seinen Ermahnungen lauschten. Die Kirche war immer gedrängt voll, wenn Kanonikus Hermann predigte und seine Beichtkinder wären für ihn durchs Feuer gegangen. Der Ruf seiner außerordentlichen Frömmigkeit verbreitete sich immer mehr und wiederholt wurden ihm höhere Würden angetragen, die er aber alle in seiner demutsvollen Bescheidenheit ablehnte; Schiff' Felzwerenhaus Engros und Erzeugung: I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fielschmarkt) :-: Telephon 67-302 Detail Verkaufs « Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Keirlsfoticl, Alte Wiese.