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Jüdische Presse · 1922-07-28 · 27 (28.7.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
27 (28.7.1922)
Date
1922-07-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 27 i JÜDISCHE PRESSE i Seite 171 Dtutscbosterrekl). Empfang der Verbandsleitung der aut. orth.-isr. Kultusgemeinden bei den österr. Behörden. Durch die Schaffung des Burgenlandes entstand für die historischen jüdischen Gemeinden auf diesem vielumstrittenen Gebiete eine neue Situation. Im früheren Ungarn haben die frommen Gemeinden eine besondere Konfessionsgemeinschaft gebildet, in deren Gemeindestatuten die uneingeschränkte Geltung des Schulchan Aruch für alle Zeiteh gesichert wurde und in der orth. Zenträlkanzlei in Budapest eine staatlich anerkannte Vertretung nach außen hatten. Durch die Aufteilung Ungarns entstand für die orth.-isr. Kultusgemeinden der abgetrennten Gebiete die Pflicht, die von den berühmten großen Führern s. A. erkämpften Rechte der Gewissensfreiheit und der religiösen Sicherung der Gemeindeinstitutionen zu wahren, beziehungsweise diese Rechte bei den' neuen Staaten, denen sie angegliedert wurden, zur Anerkennung zu bringen. Erfreulicherweise ist dies dank der staatsmännischen Klugheit der tschechoslowakischen und der rumänischen Regierung in der Slowakei und in Siebenbürgen in hervorragendem Maße gelungen. Die orth. Landeskanzlei in Bratislava und in Bistrita sind die von der betreffenden Regierung anerkannte offizielle Vertretung der orth.-isr. Gemeinden, ohne deren Befragung in jüdischen Angelegenheiten nichts vorgenommen wird. Da nun das Burgenland Oesterreich angegliedert und der burgenländische Land- . tag, die freigewählten Vertreter der burgenländischen Bevölkerung, dies anläßlich der feierlichen. Eröffnung des Landtags einmütig, bekräftigt haben, ist der Zeitpunkt gekommen für die burgenländischen orth.-isr. Kultusgemeinden, ihre religiösen Rechte beiden Landes- und Staatsbehörden geltend zu machen. Nachdem die Vertreter der betreffenden Kultusgemeinden bereits anläßlich der am,23. Mai 1922 stattgehabten Vollversammlung, an der auch sämtliche Rabbiner dieser Gemeinden teilnahmen, feierlich beschlossen hatten, die alten Rechte der Orthodoxie, gemäß der religiösen Verpflichtung, aufrecht zu erhalten und deren Bestätigung vom neuen Staate zu fordern, erschien nun nach vielfachen vorbereitenden Arbeiten sowohl bei der burgenländischen Landesregierung wie auch bei den Zentralbehörden in Wien die Verbandsleitung am 25. Juli offiziell vor der Landesregierung in Sauerbrunn und am 27. Juli vor dem mit der Leitung des Kultus- und Unterrichtsamtes betrauten Bundesminister Dr. Schneider. Sowohl Herr Landeshauptmann Hofrat Dr. Rausnitz wie auch Landeshauptmannstellvertreter Dr. Steyskal seitens der Landesregierung, die in Kenntnis der inneren Verhältnisse des Burgenlandes und der dortigen jüdischen Gemeinden, der Frage volles Verständnis entgegenbrachten, wie Herr Bundesminister Dr. Schneider haben erklärt, ' die Wünsche der Verbandsleitung, beziehungsweise der von ihr vertretenen Kultusgemeinden, ehebaldigst zu erfüllen und ihre Organisationsstatuten zu genehmigen. Die Agnda- Jugendgrnppe Presov für das Badener Aguda - Waisenhaus. Die Aguda - Jugendgruppe, Presov, hat es sich zur Pflicht gemacht, für das Aguda-Waisenhaus Baden Sammlungen zu veranstalten, dadurch kam dessen Vorstand in die Lage, im Monat April K 12.000, im Mai 20.000 und im Juli K 80.000 dem Waisenhause zukommen zu lassen. Besonderer Lob gebührt dem Vorstande der Jugendgruppe, Herrn Salomon Reinitz, Presov. Es möge als Beispiel dienen für die Aguda-Jugendgruppen aller Länder. Große Spenden eines amerikanisch-jüdischen Bankiers in Wien) (J. G. B.) Der amerikanische Bankier Otto H. Kahan, Gesellschafter der Finanzunternehmungen Jacob Schiffs, hat anläßlich seines Wiener Aufenthaltes 17 Millionen Kronen für verschiedene wohltätige Institutionen der Stadt Wien gespendet. In diesem Betrage figuriert von jüdischen Anstalten bloß das Israelitische Kinderspital mit K 500.000. Mr. Kahan hat bereits vor kurzem 20 Millionen Kronen für die gleichen Zwecke in Oesterreich gespendet; seine Zusendungen für die Stadt Wien belaufen sich nach der jüngsten Spende auf insgesamt 37 Millionen Kronen. Morris Engelmann in Wien. Der bekannte amerikanische Philantrop Mr, Morris Engelrnann, der gegenwärtig Mittel- und Osteuropa bereist, um die Lage der Juden zu studieren, weilte dieser Tage in Wien, wo er mit führenden orthodoxen Persönlichkeiten eingehende Besprechungen pflog. Engelmann, der den großen Hilfsorganisationen, „Joint", „Relief Gommittee* und anderen seit Anbeginn in leitender Position angehört und sich hervorragende Verdienste um die Organisierung und die grandiose Sammeltätigkeit dieser menschenfreundlichen Hilfswerke erworben hat, hat die orthodoxen Interessen stets warm vertreten und gefördert. Deutschland. Beschlüsse der Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes. Die am 18. und 29. Juni stattgefundene Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes erbrachte unter anderem folgende Beschlüsse: Ueber die Frage der Wiederverehelichung von Kriegerwitwen ist die Oeffentlichkeit durch Anschlag an den Synagogen, ferner fortgesetzt in der jüdischen Presse aufzuklären, mit besonderem Hinweis auf die Unzuyerlässigkeit der amtlichen Todesmeldungen. Der orthodoxe Rabbinerverband .verlangt von seinen Mitgliedern, daß sie künftig Kabolaus nur Kandidaten erteilen, die mindestens eine halbjährige Lelir- und Ausbildungszeit als Schochtim na'chweisen. Als besonders geeignetes Mittel zur Förderung der Qualität der Schochtimausbildung ist das Lernen auf Jeschiwos mit sich daran anschließender praktischer Lehrzeit bei Schochatim von größeren Gemeinden zu empfehlen. Die verschiedenen gesetzestreuen Vereinigungen sollen veranlaßt Wörden, Sofrim in Gemeinden zu entsenden, um schadhafte Thorarollen auszubessern, Tfilin und Msusoth nachzusehen, eine Verkaufsstelle von Tfilin und Msusoth einrichten und die jungen Leute .an den Jeschiwoth, den Lehrerseminarien und Präparandenschulen seien in der Prüfung von Tfilin und Msusoth, sowie im Schreiben der Buchstaben auszubilden. Hinsichtlich der Erziehungsfragen wurde beschlossen: Neben dem Religionsunterricht Thorakurse einzurichten, in denen Mischnajoth, Ghumisch und Gomoro zu lehren ist. Mit allen Mitteln anzustreben, die schulentwachsene Jugend vor dem Eintritt in das Berufsleben in den in Deutschland bestehenden Jeschiwoth einzuführen. Betreffs Erez Isroel ist die Beteiligung an der zionistischen Organisation ebenso wie ihrer misrachistis'chen Abteilung und ihrem Keeren Hajesod abzulehnen, um so entschiedener aber erklärt der orthodoxe Rabbinerverband die Beteiligung an Jischuv Erez Isroel, wie sie .der Thora vorgeschrieben als heilige Pflicht. Der zu diesem Zweck von der Aguda gegründete Keren Hajischuv, welcher der ßesiedelung Erez Isroels dient, sollen daher von den Mitgliedern des orthodoxen Rabbinerverbandes propagiert werden. Ebenso die Beteiligung an der von der Aguda eingerichteten Rosch Ghodesch-Spende, welche dem orthodoxen Schulwerk in. Palästina geweiht ist. Der orthodoxe Rabbinerverband erklärt sich solidarisch mit der unter dem Rabbinat des Rabbiner Sonnenfeld stehenden Waad hoir hoaschkenasi und protestiert gegen die Methoden der Bekämpfung dieses Kreises von gegnerischer Seite. Eine warme Anerkennung zollte die Generalversammlung der Aguda, für deren Bestrebungen sie ihre wärmste Sympathie aussprach und den Beschluß faßte, die Mitglieder aufzufordern, sich intensiv an dem Arbeiten des deutschen Gruppenverbandes der Agudazu beteiligen. Ferner erklärte der orthodoxe Rabbinerverband, daß sowohl das aktive, als auch das passive Wahlrecht der Frau in und für jüdische Gemeinden und ähnliche Körperschaften religiös unzulässig ist. 1 Sorget, daß die „Jüdische Presse'1 in Jedes orthodoxe Haus Eingang findet Batifiziernng des M andats. Das Palästinamandat wurde Samstag, den 22. Juli, gemäß dem Antrag der britischen Regierung, mit einer teilweisen Abänderung des Artikels 14 (Schutz der heiligen Stätten) durch den Rat des Völkerbundes bestätigt. „Jüdische Zeitung." Unter diesem Titel erscheint in Bratislava seit dem 22. Juli eine vorzüglich redigierte Zeitung, die von der Konservativ-jüdischen Partei herausgegeben wird. Wir begrüßen das neue Blatt als Zeichen der Erstarkung der thoratreuen Judenheit in der Slowakei. ' Ein Haus für Bachurim. Die orthodoxe Kultusgemeinde in Preßburg hat das Lemberg'sche Stiftungshaus, das seit dem Brande eine Ruine geblieben war, mit den Kosten von 160.000 ö. K adaptiert und eine Anzahl von Wohnungen hergestellt, die armen Jeschibabachurim zur Verfügung gestellt werden. Bei der. in Bratislava herrschenden Wohnungsnot ist diese Tat nicht genug zu würdigen. Eine absterbende Judengemeinde. Unter diesem Tilel schreibt das J. V. in Brünn einen längeren Artikel über die Gemeinde Lomnitz, nördlich von Brünn, die in der Vorwoche durch die Wetterkatastrophe hart betroffen wurde. Die Gemeinde, die bis zum Umstürze eine selbständige politische bildete, geht von Tag zu Tag abwärts. Der Tempel steht verwaist da, viele Thorarollen vermodern, wertvolle Preuches gehen ihrer Vernichtung entgegen. Der Artikelschreiber appelliert an die Judenheit, die jüdischen Werte der sterbenden Judengemeinde zu retten. Die „Kinder aufs Land"-Aktion der Bratislavaer Jugendgruppe hatte diese Woche eine Anzahl Kinder armer jüdischer Eltern zur .Erholung nach Presov und Nove-Zamky und Umgebung geschickt. Sonntag ging ein Transport unter Führung des Herrn Schönberger nach Nove - Zamky, wo die Kinder von der dortigen Jugendgruppe aufs herzlichste empfangen wurden. Montag mittag ging der zweite große Transport nach Presov unter Führung des vom vorigen Jahre in dieser Aktion bewährten Leiters Herrn Landesmann. Vor der Abfahrt untersuchte der Chefarzt des Jüdischen Spitals Doktor Oesterreicher die Kinder unentgeltlich. Das Gelingen dieser edlen Aktion ist ausschließlich der unermüdlichen Arbeit des Herrn Heinrich Kohlmann zuzuschreiben, Das Beth-Hamidrasch des R. Meschullam Tysmenietz. Wie die soeben erschienene „Jüdische Zeitung" in Bratislava schreibt, hat die orthodoxe Kultusgemeinde in Preßburg da? Beth-Hamidrasch des ob seines außerordentlichen Scharfsinnes und seines heiligen Lebenswandels berühmten Preßburger Oberrabbiner R. Meschullam Tysnenietz s. z. I. wieder in Stand gesetzt. Diese Räume, in welehen auch noch der Ghassam Sofer s. z. I. Schiur vorgetragen hat, sind bisher für Gemeindezwecke verwendet worden. Die Pietät der gegenwärtigen Leitung hat keine Kosten gescheut, um diese geheiligte Stätte wieder ihrer Mission zu übergeben. Die Ghewra h£schass und Agudas Reim werden da im Sinne der beiden Großen, die hier gelehrt haben, weiter wirken. Tag Ab i Juli Notizen Sonntag 5. 30. Tod Rij Hakodosch Saffed 5332 — Tod Schaagas Arje Metz 5898'*- Tod R. Meir Barbi, Preßburg 5549 — Drusen überfallen Juden, Saffed 5597. Montag 6. 31. Tod R. Nathan Kohen Komarno 5516. — Tod R. Jküsziel Jhüde Teitelbaum, Marmarosch- Sziget 5643. Dienstag 7. August 1. Der Tempel wird in Brand gesetzt 3830 — Tod R. Simcha Lublin auf dem Wege zum Antritte seines Rabbinates in Lemberg. — »Tod R. Mosche Grünwald, Huste 5670. Mittwoch 8. 2 Tod R. Raphael Abraham, Oberrabbiner, Jerusalem 5534 — Tod R. Juda L. Margolies, Przemysl' 5424. Donnerstag 9. 3. Tischo-beow — Zerstörung des Tempels unter Nabukadnezar 3338 und Titus 8328 — Einnahme Bethars — Hadrian läßt die Stadt pflügen. Freitag 10. 4. Geburtstag und Tod Issochor — Vertreibung aus der Provence 5062 — Vertreibung aus Frankreich 5066 — Märtyrertod R. Mordechai, Lublin 5396. Samstag 11. 5. Woes-chanan — Sabbat Nachmu — 3 Perek — Vertreibung aus Wien 5430 — Halbfeiertag in Bagdad. En gros En detail Wasserdichte Regenmäntel GUMMI-INDUSTRIE Wien, II., Taborstraße 39 Hotel Bayrischer Hoff. Teleph. 40324

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