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Jüdische Presse · 1922-07-14 · 25 (14.7.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
25 (14.7.1922)
Date
1922-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Vniv*rsnHi hlblh JÜDISCHE PUtSS („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS, Redaktion und Administration: Wien, H., Obere Donaustr. 91. - Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschiaß: Pttr Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Osterreich K4000, Ungarn K 350*-, Tschechoslowakei Kö. 70'—, Deutschland Mk.150«-, Schweiz Frcs. 10*-, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 1500-—. Einzelnummer d.-ö. K 80 -, Kö. l'BO. Zahlungen für Oesterreich: Postspftrkassenamt Wien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsparkassenamt Agram, Konto Nr. 40.217; für Rumänien: Banca Harmarosch Blano A Co. für Josef Floren« <& Co., Bukarest. Nr. 25 | Wien-Bratislava, 14. Juli 1922 ♦rrann nan rr msDDjna - nn m» j 8. Jahrg. Zur Lage. Das hätte Winston Churchill, der englische Kolonialininister, nicht sagen sollen, daß die Balfour-Erklärung und ihre politischen Konsequenzen gewissermaßen eine Belohnung seien für das Viele, welches die Juden während des Krieges England geleistet hätten. Denn, daß die in den Ententeländern beheimateten Juden ihren Heimatländern mit voller Treue sich hingegeben haben, bedarf keines Wortes des Dankes und keiner besonderen Belohnung. Andesreits aber protestieren wir mit allem Nachdruck gegen die mögliche Deutung, als ob die Juden in den Ländern der Ententegegner etwa während des Krieges englandfreundlich gehandelt hätten. Wir protestieren auch in dieser Hinsicht für die Zionisten und hoffen, daß diese sich in irgendeiner Form in dieser Hinsicht anschließen. Auch die Juden anderer Länder gaben ihrer Heimat ihr Bestes und dachten nicht an Lohn und Dank. Es ist ein dunkler Schatten, der da aus Churchills Worten auf die Motive der Palästinapolitik fällt; da hat Balfour doch anders gesprochen, als er jüngstens aus den dunklen Schauern weltgeschichtlicher Motive und aus dem hehren Tempel der Gerechtigkeit seiner Politik zwingende Deutung gab. Es ist publizistische Pflicht dies klar auszusprechen am Vorabend der Tagung des Völkerbundes, welche wohl dem Mandat ihr Plazet geben wird. Hier ist ja auch höchst bedeutsam die offizielle englische Regierungserklärung in bezug auf Palästina vom 3,, Jiüi .^ie, schafft in mancher Beziehung dankenswerte Klarheit, wohl auch manche Sorge. Wenn wir den Inhalt dieser Erklärung in das völkerrechtliche Idiom übertragen,^ so besagt sie, daß Palästina ein Nationalitätenstaat werden soll, in dem den Juden etwa die Stellung zugewiesen wird, welche man sonst unter nationaler Autonomie versteht. Mehr nicht. Inwieweit die nicht in Palästina wohnenden Juden gemäß dem Inhalt der Erklärung in dieser Gestaltung ein Zentrum ihrer jüdischen Interessen erblicken und daran teilnehmen können, das liegt an ganz anderen Faktoren, die zum Teil außerhalb der Einflußsphäre der englischen Regierung liegen. Solange sie dulden, daß die Zionistische Organisation mit derselben robusten Brutalität, wie bisher, Palästina zum Spiel einer Parteipolitik macht, kann eben der größere Teil des Judentums zu seinem bitteren Leid nur mit verhaltenem Schmerz an die Pforten dieses Zentrums pochen. England wird sicher eines Tages klar erkennen, daß die alten historischen Verknüpfungen in der Religion verankert sind und dann wird man in Downing Street und im Palais des Oberkommissärs einsehen, welch eine Verkennung es ist, wenn man gerade den Juden die volle religiöse Freiheit nicht gewährt und wenn der Teil, der nur aus religiösen Gründen, aus Gründen der Gewissensfreiheit sich gegen das aufgezwungene, in Stunden politischer Leidenschaft und ökonomischer Abhängigkeit und Machtlosigkeit geborene Oberrabbinat wehrt, einfach übergangen wird. Wir fürchten, daß die Einwanderung auch von den Machthabern nach diesen Gesichtspunkten gesichtet wird und wir hoffen, daß die englische Regierung in dieser Hinsicht volle Gerechtigkeit werde walten lassen. Zu den derzeitigen im Zionismus führenden Elementen können wir leider dieses Vertrauen nicht liegen. Allein der Herr wird sein Volk mit seinem Frieden segnen und also jedem ernsten Wollen für sein Wort freie Bahn nach und in Palästina erschließen. Am 17. Tamus. Agudas Jisroel. Oberhaus und Unterhaus haben endlich gesprochen und das Fazit ist, daß die seitens der zionistischen Leitung der Balfour-Erklärung unterschobene Erklärung sich als der größte Bluff des Jahrhunderts entpuppt hat Die heiße Liebe zu Zion, die dem gläubigen Juden seit Jahrtausenden im Herzen liegt und sich auch in großen materiellen Opfern äußert und stets geäußert hat, liegt so klar zu Tage, daß auch die dümmsten Angriffe der politischen Patentzionisten diesen notorischen Zustand nicht wegleugnen können. Während aber die besten Männer des Zionismus, wie Brandeis, Jakobus Kann, Marmorek, Nordau und andere, konstatieren, daß in der Partei eine wüste ,Ja.gd nach fetten *-****»i;{<~"fi» i'^"^^••^^•«•■«'if*»^''tV"*«^V-... —w •*-;«•• ••A-'-yh-'""'..... Pfründen eingerissen ist; die wachsame Orthodoxie seit dreißig Jahren feststellt, daß die Gilde östlicher Maskilim um Herzl im Zionismus ein gutes Instrument zur Entjudung des jüdischen Volkes erblickte, hat niemand der Orthodoxie in ihrer Beziehung den leisesten Vorwurf machen können. Der Kulturkampf, den der Zionismus besonders in Erez Jisroel führt, zwingt leider die Aguda ein gut Teil ihrer Kräfte diesem Kampfe zu widmen und selbe edleren Zielen zu entziehen. Während das orthodoxe Judentum die jüdische Ethik über alles stellt, ist den Zionisten (nach dem Ausspruch ihres größten Talmudisten) die A t h 1 e t i k dem Palter nahezu gleichwertig. Wir Orthodoxen haben wichtigere Aufgaben. Die Pflege des jüdischen Geistes in Schule und Haus, jenes altjüdischen Geistes, der uns durch ein zweitausendjähriges hartes Exil über Scheiterhaufen erhalten hat, als Juden erhalten hat, ist unsere jüdische Pflicht. Das Eindringen in den Geist des Judentums, der vor nahezu vier Jahrtausenden in moralischer, humanitärer und s oz i a 1 e r Beziehung unserem aufgeklärten Zeitalter weit überlegen war (dessen Entwickluig durch den Krieg und Nachkrieg ins Nichts zurückgeworfen würde), die Vorsorge* für die Bedrückten, die einen Hauptteil der Betätigung jüdischen Geistes bedeutet, das sind die Ziele der jüdischen Gläubigen. Und diese Ziele verfolgt die Agudas Jisroel. Für die Durchführung dieser Bestrebungen hat sich Agudas Jisroel zusammengefunden. Und weil diesem Programme die ewige Wahrheit der Lehre Moses zugrunde liegt, hat die Aguda auf dem Gebiete der jüdischen Erziehung und der jüdischen Wohlfahrtspflege Ungeheueres geleistet. Die durch den Krieg lahmgelegte Der Ring des Rabbi. (Aus den Erinnerungen eines Urenkels des Prager Oberrabbiners Ezechiel Landau.) Es ist eine oft beklagte Tatsache, daß so innig und erfreulich auch das Familienleben der Juden war, die Geschichte der jüdischen Familien verhältnismäßig wenig Pflege bei uns gefunden hat, und wir daher selbst über die größten rabbinischen Autoritäten oft nur spärliche biographische Mitteilungen besitzen. Von großen Rabbinern sind oft nur die Namen ihrer Werke genau erhalten geblieben, aber nicht immer sind wir selbst auch nur über die Zahl ihrer Lebensjahre mit voller Sicherheit unterrichtet, wir erfahren nichts oder nur weniges über ihre Familienverhältnisse, über die Schicksale ihrer Kinder usw. Mündliche Ueberlieferungen, an denen es gewiß niemals fehlte, versiegen oft plötzlich, während schriftliche Aufzeichnungen, wenn sie auch lange unbeachtet oder vergessen blieben, immer wieder entdeckt werden können. Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß es nicht Pietätlosigkeit war, die den Mangel an biographischen Details aus dem Leben großer jüdischer Gelehrter erklärt, es hängt dies sicherlich vielmehr mit dem in früherer Zeit nur wenig entwickelten historischen Sinn der Juden zusammen. Seitdem dieser geweckt und geschärft wurde, sehen wir mit Genugtuung, wie eifrig man auch den Spuren nachgeht, die Licht über den Lebensgang unserer großen Rabbiner verbreiten und wie dankbar jeder, auch der geringste Beitrag aufgenommen wird, der eine Ergänzung ihrer Biographie bietet. Einen solchen Beitrag finden wir, zu unserer nicht geringen Ueberraschung, in einem Buche, in dem man alles eher als dies gesucht hätte. Es ist dies ein längst verschollenes, wohl selbst von eifrigen Bücherfreunden kaum gekanntes Buch, das als „Manuskript" gedruckt vor einem halben Jährhundert erschienen ist und den Titel führt: „Stammbuchblätter", Erinnerungen aus meinem Leben von Hermann Josef Landau. Das Buch enthält eine stattliche Sammlung von Inschriften, welche die hervorragendsten Schriftsteller und Künstler seiner Zeit unserem Autor gewidmet hatten, der sie mit einem verbindenden, auch manche Erinnerung aus seinen persönlichen Erlebnissen festhaltenden Text, in einem stattlichen Bande vereinigte. Fast alle Größen der Zeit auf dem Gebiete der Literatur und der Kunst hatten ihren Beitrag gesteuert; man begegnet in dem Buche — wir greifen aufs Geradewohl heraus ohne eine chronologische Ordnung einzuhalten — Namen wie: Grillparzer, Bauernfeld, Saphir, Ilainerling, Mayerbeer, Vieuxtemps, Thalberg, Joachim, Johannes Rouge, Franz Deak, Jokai, Hermann Schiff, Hans v. Bülow, Eckermann, Marschner, Maximilian v. Heine, Melchior Meyer und noch viele, viele Namen, die noch heute von Ruhmesglanz umflossen sind, freilich auch noch viele, viele, deren Werke vergessen und verschollen sind. Landau hatte seine Autographensammlimg im Jahre 1839 — mit einer witzigen Inschrift, die ihm S a p h i r widmete, begonnen, und während seiner Jahrzehnte umfassenden Vorleser- und Schriftstellerkarriere mit nie ermüdendem Eifer und auch mit nie versagendem Erfolg fortgesetzt. Wer würde es aber in diesem Buche, das mit Saphir beginnt und mit einem musikalischen Beitrag des Komponisten Josef Low schließt, erwarten, Bausteine zur Geschichte der Familie des „Nöda Bijehudah" zu finden? Der Herausgeber dieses als „Manuskript" gedruckten Buches spricht mit außerordentlicher Pietät und Liebe von seiner Familie, insbesondere von seinem Vater, dem Abkömmling der großen talmudischen Autoritäten, die in Prag als Rabbiner fungierten. Wir geben hier Hermann J. Landau selbst das Wort: „Mein Vater," erzählt er unter anderem, „beschäftigte sich (trotzdem er, wie er an anderer Stelle bemerkt, in den talmudischen und jüdischen Wissenschaften wie nur irgendein Rabbi bewandert war) auch gerne mit Literatur. Er las täglich bis nach Mitternacht die älteren Klassiker, selbst die ihm schon bekannt waren, zu wiederholten Malen und alle ihm damals zugänglichen neuen literarischen Erscheinungen. Er schrieb Schiff' Felzwarenhaus Engros und Erzeugungs I., Bauernmarkt 24 (Ecke Flelschmarkt) :-: Telephon 67*302 Detail verkauf s - Niederlage: I., Graben 28 Filiale: KaxrlfiribaLCl» Alte Wiese.

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