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Jüdische Presse · 1922-06-16 · 21 (16.6.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
21 (16.6.1922)
Date
1922-06-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ÜQX Vot;ita er, i>i:. V. b. b. JUDISCHE PBt> („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, IL, Obere Donanstr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschiaß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K 3000, Ungarn K 350«-, Tschechoslowakei Kö. 70«-, Deutschland Mk.150--, Schweiz Frcs. 10'—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 1500*—. Einzelnummer d.-ö. K 60 -, K6. 1*50. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkasaenamt Wien, Kont« Nr. 13.458; für Polen: PostsparkaaMnant Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Ifr. 60.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 68.388; für Jugoslawien! Postsparkassenamt Agrani, Konto Nr. 40.217; für Rumänien: Banca Mannaroseh Blanc A Co. für Josef Floren« * Co., Bukarest. Nr. 21 Wien-Bratislava, 16. J t ni 1922 ♦a'snn jvd *s rmDDjns - rm n-ps I 8. Jahrg. Kulturanleihe. Zurzeit schwirrt es in der Welt von Hoffnungen und Enttäuschungen in bezug auf Anleihen. Das ganze wirtschaftliche Loben wogt auf und ab mit dem Gedanken an die werdenden und nicht gewordenen Anleihen, und darüber vergißt man ^ar zu gerne, daß es Anleihen auch auf geistigem Gebiete gibt, die ebenso unentbehrlich sind, wie diejenigen auf wirtschaftlichem Gebiete. Nur bestellt darin ein kleiner Unterschied. Zu den Anleihen auf geistigem Gebiete bekennt man sich nicht so gerne und sucht sie zu verbergen hinter dem stolzen Worte einer „Nationalen Kultur". Es ist in diesen Blattern schon des öfteren ausgeführt worden, daß es von höchster Warte aus betrachtet, eine nationale Kultur nicht gibt, sondern, daß es im Gegenteil die feinste Blüte der Kultur ist, daß sie allgemeinmenschliche W e r t e schaff t, wobei es natürlich nicht ausgeschlossen ist, daß die einzelnen Nationen diese in ihres Geistes Sprache, je nach Temperament und Neigung, übersetzen. Wie in allen Dinaren, so ist auch für diese Frage das Wort unserer heiligen Lehre Weiser klaren Weges. Da war in d:is Lao'er Israels der Träger einer fremden Kultur gekommen, er hieß Jisro". Als er nach längerem Aufenthalt von seinen Kindern und dem jüdischen Volke scheiden wollte, da bat ihn Moses dringend, zu bleiben. Der Wortlaut in dem diese Bitte gekleidet ist, heißt: „Du sollst uns zum Auge sein." Drei Andeutungen sieht alt jüdische Weisheit inT diesem Ausdruck: imd z#ar zum Ersteh: %^Dvi" häst^es7 gesellen und sollst Zeuge sein." Damit wird eine der höchsten Errungenschaften kulturmäßigon Denkens der nationalen Enge entrückt. Das ist die objektive Beobachtung der Geschehnisse und die r;iklun«v des geschichtlichen Urteils. Es i*t daher die Wertung der Weltgeschichte, die dar-us geschöpften Lehren eine Anleihe, die Nationen gegenseitig beieinander machen und deshalb Kt. beispielsweise das Wort Bileams, den der Allmächtig zum verkündenden Richter über die geschichtliche Vergangenheit und künftige Entwicklung der jüdischen Geschichte bestellt. .\al, für uns vorbildlich geblieben, und jede Generali m bemüht sich, diese ..Kulturanleihe" bei der W-lt öffentlich zu erbitten und sie günstig zu gestalten Damit ist aber auch ferner ausgedrückt, daß auch die Beurteilung derjenigen Errungenschaften, welche auf dem Gebiete der eigentlichen Kubur liegen, erst dann eine vollkommene ist, wenn sie geistiges Eigentum unserer ganzen Umwelt geworden sind. Zum Zweiten. Die Meinung wird gesagt, daß Moses seinem Schwiegervater das Verlangen gestellt hat, er sollte Mitglied der richtenden Behörde sein. Welch ein stolzes Wort. Wenn man bedenkt, wie heutzutage fast, jede Nation und jedes Natiönchen, nicht nur verschiedene Rechte, sondern sogar verschiedene Rechtsgrundsätze hat, so weiß man, was es bedeutet, wenn ein Kreis von der allgemeinen Gültigkeit seiner Rechtsgrundlage so durchdrungen ist. daß er ein Glied einer absolut fremden Kultur ohne weiteres zur aktiven Teilnahme an der Betätigung dieser Rechtsgrundlage einladen kann. Und das ist in der Tat die Anleihe, die wir als Trägerin des göttlichen lleclit.es der ranzen Welt vorzustrecken berufen sind und das ist unser Stolz, daß im Laufe der Jahrtausende immer mehr und mehr die Uruntllaf.ro des judischen Keehtes allgemeines Gut der Welt o-eworden ist. Was aber zum Dritten, das Höchste ist, das ist die Verheißung Moses an Jisro: ..Du sollst uns lieb sein wie unser Augapfel." Hierin in der Tat. liegt, das ,A* und .0' des Glückes der Menschheit beschlossen, hier liegt anderseits die Erklärung alles Unheils, welches in so vollgerütteltem Maße über die Menschheit dahin braust. Je mehr der unheilvolle Begriff der nationalen Kultur die Menschen auseinanderreißt und in d en Dienst egoistischer Politik gestellt wird, desto ernster wird die Pflicht, mit derselben zarten Schonumr. mit der der Mensch das empfindlichste Gebilde seines Körpers, den Augapfel, behandelt, sich in das innere Leben der Fremden hinein zu versetzen und sehr genau zu prüfen, ob man nicht für augenblicklichen Vorteil das letzte Ziel der Menschheit oreiseregeben hat. Und jede Tat selb :tloser Liebe, ist eine Anleihe, die man der Welt zur Verfügung gestellt hat. P. K. Die Aguda-Delegation bei Herbert Samuel." London, 1. Juni 1922. Der Oberkommissär Herbert Samuel empfing am 31. Mai eine Delegation der Weltorganisation „Agudas IsroeP unter Führung des Präsidenten des Lpndoner Exekutivbureaus Solizitor J.Landau. m''WF^M^m^^m^n RaBbiner Horovicz (Jerusalem), Rabbiner Dr. Pinchas Kohn * Der in Nummer 19 unseres Blattes veröffentlichte Artikel gleichen Titels wurde vielfach als Wiedergabe von Gedankengängen der Aguda-Leitung aufgefaßt. Dieser irrtümlichen Auffassung tritt die Aguda in einem Communique an die Presse entgegen. Indem wir konstatieren, daß der Artikel die persönliche Anschauung der Redaktion über die Frage der Jewish Agency darstellt, möchten wir zugleich feststellen, daß es das gute Recht der Redaktion einer unabhängigen orthodoxen Zeitung ist, auch Ideen zum Ausdruck zu bringen, die von der offiziellen Leitung nicht geteilt werden. Die Redaktion. (Wien), Sally Guggenheim (Basel), Romy Lunzer (New York), Harry Goodmann (London) teil. Auf die bekannte Forderung der „Agudas Isroel" wegen Umgestaltung der Jewish Agency präzisierte Herbert Samuel seinen Standpunkt dahin, daß er alle an Erez Isroel interessierten Kreise des jüdischen Volkes, insbesondere auch die Orthodoxie in der Jewish Agency vertreten zu sehen wünsche. Das sei, wie er glaube, auch der Wunsch der Zionistischen Organisation, die keineswegs ein Monopol für sich beanspruche. Was die Wünsche der Jerusalemer aschkenasischen Gemeinde betreffe, so liege ihm an einer einheitlichen Zusammenfassung der jüdischen Gemeinschaft, wie auchMohammedanerund Katholiken in Palästina jetzt einheitlich organisiert seien. Dies Leitende Ideen in der jüdischen Geschichte. Von Rabbiner Dr. Hermann Klein (Berlin). (Fortsetzung.) Aber auch hier sehen wir die Wahrheit, daß, wenn auch der griechische Denker Recht hat, daß der Kampf wohl der V a t e r aller Dinge sei, aber nicht auch die M u t t e r. Die Mutter aller Dinge ist der Friede. Auf die Zeiten des Kampfes müssen lange Perioden des Friedens folgen, damit die Krrungenschaften des Kampfes gehegt und gepflegt werden. Line solche Periode des Friedens nach den heldenhaften Kämpfen der Makkabäer war dem .ludentum nicht bosehieden. Die ganze Zeit der Könige aus dem Hasmonäergeschlecht ist ausgefüllt mit inneren Kämpfen zwischen den S a d d u c ä e r n und P h a r i s ä e r n. Wer waren die Sadducäer, und was wollten sie? Wenn wir unseren zünftigen Geschichtsschreibern (Hauben schenken wollten, waren die Sadducäer eine religiöse Sekte, die gegen die Pharisäer in religiösen Dingen Front machte. Grätz in der Not. 10 des III. Bandes seiner Geschichte der .Juden sagt wörtlich Folgendes: „Es unterliegt j keinem Zweifel, auch wenn Josephus es nicht ausdrücklich bezeugte, daß diese heterodoxe Opposition der Sadducäer nicht der vormakkabäischen Zeit angehört. Vor dieser Zeit konnte sich wohl | durch Berührung mit dem Hellenismus eine antijüdische Partei bilden, aber keine M i 11 e 1p arte i, die gewissermaßen zwischen Assidäern und Hellenisten in der Mitte stünde. Hierzu kommt noch, daß das erste Makkabäerbuch die Sadducäer auch nicht mit einem Hauche andeutet und daß Talmud und Josephus den Ausbruch der Spannung zwischen Sadducäern und ihren Gegnern erst in Hyrkans Zeit verlegen. Alles spricht also dafür, daß diese Opposition erst unter den Hasmonäern sich gebildet hat und in den religiösen Zuständen dieser Zeit ihre Wurzel haben müßte. Um es mit einem Worte auszusprechen, nur die durchgreifende Reaktion gegen den antinationalen jüdischen Hellenismus konnte eine Oppositionspartei hervorrufen, welche gegen allzuscharl'e Hebertreibungen protestieren wollte. Die brutalen Angriffe auf das Judentum von Seiten der Hellenisten und des Syrerköngs hatten den Pharisäisnms (und auch wohl den Essenismus) ins Leben gerufen, und wiederum erweckte die Maßlosigkeit der vom Drucke befreiten Frömmigkeit den Sadducäismus, wie andererseits die Ausschreitungen des Sadducäismus, ,als er zur .Macht gelangte, dem Pharisäisnms Nahrung gab.'1 Wir hätten es demnach mit einer reinreligiösen Sekte zu tun, die durch die Maßlosigkeit der Pharisäer entstanden ist und eine Art von religiöser Mittelpartei geworden ist. „Der Pharisäismus', meint Grätz, „wollte die Rückkehr apostatischer Zeiten, wie die der Hellenisten, durch die skrupulöseste Beobachtung alles dessen verhüten, was im Volke als religiös eingeführt war. Der Sadducäismus wies dagegen solche Uebertreibungen zurück, ohne dadurch dem Judentum minder anhänglich zu sein.1' Es ist Grätz bei dieser Darstellung nur das kleine Malheur passiert, daß er in «der Note vergessen zu haben scheint, was er Seite 105 seiner Darstellung mit besonderem Nachdruck hervorhebt. Er sagt dort nämlich wörtlich: ,,Es kann nicht genug wiederholt werden, weil die falsche Auffassung zu weitverbreiteten Irrtümern geführt hat. daß, so wie die Benennung der drei Sekten ihren wahren Begriffen nicht ganz entspricht, ebenso die Bezeichnung als Sekte für alle drei ganz unpassend ist. Die Sadducäer hatten gar Nichts von einer auf's Religiöse gerichteten Sekte, vielmehr Alles, was eine politische Partei ausmacht: sie wollten sich von der religiösen Norm in öffentlicher Angelegenheit möglichst frei halten und nur vermöge des religösen Charakters der jüdischen Nation nahmen auch sie eine religiöse Färbung an.v Demnach waren also die Sadducäer keine religiöse Sekte. Die Wahrheit ist sicherlich die. daß die Sadducäer die geistigen Erben der Hellenisten waren. Wenn man dem 'Bilde der Darsteller unserer Geschichte glauben könnte, waren die Hellenisten auf einmal unter Simon ganz verschwunden. Grätz stellt es so dar, daß die Helleni- Engros und Erzeugungs I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :-: Telephon 67-302 Detail Verkaufs » Niederlage: 1., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese.

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