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Jüdische Presse · 1922-04-28 · 15 (28.4.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
15 (28.4.1922)
Date
1922-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion nnd Administration: Wien, II., Obere Donaustr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag-, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Osterreich K 2000, Ungarn K 250*—, Tschechoslowakei K6. 70-—, Deutschland Mk.150«—, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Loi, Jugoslawien 40 Dinar, Polen Mk. 1200*—. Einzelnummer d,-ö. K 50 —, Kc. 1*50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 30' — . Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 15 | Wien-Bratislava, 28. ApriE 1922 ♦3-snn p: •b rvDDDpna ■ nri tjes | 8. Jahrg. Die fiilfsakiion der figuda für die hungernden in Rußland. Der Aufruf des Zentralrates der Aguda für die Opfer der Hungerkatastrophe in Rußland hat in allen Landesorganisationen Widerhall gefunden. Die einzelnen Landesorganisationen versandten an die Ortsgruppen und Vereine dringende Aufforderungen, Geldsammlungen zu veranstalten und sie der Aguda zu überweisen. Nach den bisher an die Zentrale gelangten Meldungen zeigt sich überall ein warmes Mitgefühl mit den leidenden Juden in Rußland und dieses Mitgefühl äußert sich in reichlichen Spenden zur Linderung der Hungersnot. Die österreichische Landesorganisation hat vornehmlich in Wien eine breite Sammelaktion eingeleitet.Während der Pessachfeiertage wurden vor den Bethäusern Flugzettel verteilt, worin auf die Pflicht, den Hungernden zu helfen, hingewiesen wird. In den Synagogen und Bethäusern wurde für diesen Zweck beim Aufruf zur Thora gespendet. Eine große Anzahl von Herren und Damen haben in engeren und weiteren Kreisen zu sammeln begonnen, und manche haben bereits sehr schöne Resultate erzielt. Besonders ausgezeichnet hat sich die Jugendgruppe, die mit mustergültigem Eifer sich in den Dienst der guten Sache gestellt hat. Der Vorstand und das Rabbinat der Adas Jisroel (Schiffschul) hat die Mitglieder der Gemeinde durch Anschlag zu Spenden für die Hungernden aufgefordert. In manchen Synagogen haben die Rabbiner in öffentlicher Predigt im gleichen Sinne an die Beter appelliert. Die Sammlungen sind überall im Gange, so daß trotz des niedrigen Valutastandes ein befriedigender Erfolg zu erwarten ist. In Deutschland hat die Leitung derLandes- 'ÖrgäniSäHört ebenfalls -Maßnahmen zu einer "allgermeinen Goldsammlung getroffen.< Nähere Berichte stehen noch aus. In der Slowakei hat der Präsident der Aguda-Landesorganisation, Herr Rabbiner Aron Katz (Nitra), ebenfalls einen wirkungsvollen Aufruf ' an sämtliche Ortsgruppen und Kultusgemeinden und einen zweiten in hebräischer Sprache an die Rabbiner des Landes versandt. Aus Norwegen sind bereits die ersten gesammelten Gelder bei der Zentrale eingelangt. Aus der Schweiz wird ein größerer Betrag avisiert. In Jugoslawien zeigt sich ein sehr reges Interesse für diese Hilfsaktion. Alles in allem erweist es sich, daß das jüdische Herz sich auch unter den schwierigsten Verhältnissen nicht verschließt, zu helfen, wo eine Hilfe notwendig wird. Inzwischen hat das Hilfskomitee der Aguda bereits zwei Sendungen von Lebensmitteln nach Rußland überwiesen. Als Grundsatz gilt hiebei, die eingelaufenen Gelder ungesäumt den Notleidenden zugute kommen zu lassen. Es wurden bisher folgende Städte mit einigen Paketen bedacht: Mohileff, Berdyczew, Kiew, Rostow a. D., Kaminecz, Medzibusch, Proskurow, Odessa. In den nächsten Tagen kommen andere Gemeinden an die Reihe. Die Ueberweisung der Lebensmittel in Zehn Dollar- Paketen geschieht in der Weise, daß auf Grund des Uebereinkommens des Hilfskomitees mit einer amerikanischen Kinderhilfsorganisation, die bereits in Rußland in verschiedenen Depots lagernden Lebensmittel an die Adressaten telegraphisch überwiesen werden, sobald der Gegenwert bei der Wiener Vertretung der Organisation durch die Aguda in Dollar erlegt ist. Die Lebensmittel werden zu den Einkaufspreisen berechnet und stellen einen mehrfachen Wert des Erstehungspreises dar. In der Hauptsache werden, wenn irgendwie tunlich, folgende Lebensmittel abgegeben: Mehl, Reis, Zucker, Kondensmilch, Kochfett, Tee, Kakao usw. Das Hilfskomitee der Aguda (Vorsitzender: Herr Abraham Hornstein) richtet an alle diejenigen, die an .diesem Hilfswerk mitarbeiten wollen,- die dringende Bitte, sich unverzüglich mit dem Zentralbureau der Aguda, Wien, IL, Malzgasse 12 a, in Verbindung zu setzen. Gelder wolle man an das Postsparkassenkonto Nr. 124.904 der Aguda unter Stichwort „Rußland-Aktion" oder an deren Bankkonto beim Wiener Bankverein, Wechselstube, IL, Hollandstraße, überweisen. Telephonische Auskünfte werden auf Anruf der Nr. 49.054 erteilt. Sammelbogen für das russische Hilfswerk. Das Hilfskomitee der Aguda hat offizielle Sammelbogen für das russische Hilfswerk herausgegeben. Es wird dringend gebeten, sich beim Sammeln von Spenden zur Linderung der Hungersnot in Rußland dieser Sammelbogen, die fortlaufend numeriert sind, bedienen zu wollen. Sammelbogen sind erhältlich beim Zentralbureau der Aguda, Wien, IL, Malzgasse 12 a, Telephon 49.054. Die „Neue Freie Presse" veröffentlichte den Aufruf der Aguda zugunsten der Notleidenden in Rußland und erklärt sich bereit, Gelder für das Hilfswerk entgegenzunehmen. Die „Schiffschul". Ueber Aufforderung der Aguda ist auch die Adas Jisroel (Schiffschul), IL, Große Schiffgasse 8, Kanzlei: IL, Große Schiffgasse 1, bereit, Spenden für das russische Hilfswerk in Empfang zu nehmen und der Aguda abzuführen. In einem Aufrufe an der Pforte der Synagoge wird folgendes gesagt: „Erschütternd sind die Nachrichten, die von dem Elend in Rußland kommen. Der Hungersnot, wie sie ohne Beispiel in der Weltgeschichte dasteht, fallen Tausende und aber Tausende zum Opfer. Kein fühlendes Herz kann angesichts dieser Berichte teilnahmslos bleiben. Nach langen Unterhandlungen ist es endlich möglich geworden, nach unseren schwachen Kräften Hilfe zu bringen. Ein Paket im Werte von zehn Dollar enthält Lebensmittel, die für eine Familie für einen Monat lang ausreichen. Wir ersuchen alle, die ein fühlendes jüdisches Herz hafeen^-zur Linderung-der Not beizutragen.*------- Der Aufruf ist unterzeichnet von den Herren: Rabbiner S. Fürst, Oherrabbiner der Adas Jisroel; Rabbiner Josef Baumgarten, Rabb.-Ass. der Adas Jisroel; Ignaz Back, Markus Bondi, Kommerzialrat Siegmund Bondi, Eduard Deutsch, Jakob Fuchs, Samuel Glückselig, Emil Kritzler, Moritz Leitner, Franz Neumann, Wolf Pappenheim, Dr. Isidor Reiniger, Nathan Schiff, Julius Steinfeld, Jakob Stern, Michnel Sternfeld, Berthold Stroh. Bilder aus fllt-Pre&burg, (Schluß.) Nebst den Aufzeichnungen der Lokalgeschichte erzählt auch der Volksmund noch manche Episode ernsten und heiteren Charakters aus dem Schrecken, welchen der Sturm der Revolution im Wasserglase des Preßburger Ghettos erregt hat. Die Preßburger Judengasse war — um historisch wahr zu bleiben — durch und durch kaisertreu. Hatte doch die Preßburger Gemeinde seit undenklichen Zeiten das Privilegium, in der Martiniwoche persönlich vor dem Kaiser zu erscheinen, die Treue der Gemeinde neu zu besiegeln und manchmal auch irgend eine Konzession für das bedrängte Judentum heimzubringen. Die Sage läßt dieses Privilegium bis zur Belagerung von Wien zurückdatieren, wo ein patriotischer Jude, durch das Lager der Türken hindurch Lebensmittel, vornehmlich Gänse, geschmuggelt hätte. Seither war dem Preßburger Gemeindevorstande das Privilegium verliehen worden, dem Herrscherhause am Martinitag eine Bescherung von Gänsen darzubringen. Diese Gänse wurden allerdings nicht — wie es oft fälschlich dargestellt wird — von den Vorstehern der Gemeinde selbst überreicht, sondern einige Tage vor der Audienz des Vorstandes, vom Gemeindesekretär auf silbernen Schüsseln in der Hofküche präsentiert. Die Gänse waren eine Auslese ihrer Gattung, sie mußten von geborener Schönheit sein, genossen aber noch seitens der Gemeinde eine ganz hervorragende Pflege, wurden koscher geschlachtet, auf eine sorgfältige Weise gerupft, mit rol-weiß-grünen Seidenbändern gebunden, ihrer patriotischen Bestimmung zugeführt. Der Vorstand selbst, wurde in den allgemeinen Audienzen empfangen. Dieses Privilegium dauerte bis zum Weltkriege, währenddessen es nicht recht ausgeübt werden konnte und schließlich von Kaiser Karl gänzlich übergangen wurde. Im 18. Jahrhundert haben die Preßburger Gemeindevorsteher auch sonst offene Türen und geneigte Ohren in der Wiener Burg gefunden und manch rührende Anekdote von der ehrenden Haltung des Herrscherhauses gegenüber dem Preßburger Parneß wurde von den alten Vielwissern des Ghettos erzählt. Selbst der neun Jahre vor der Revolution verstorbene Gemeindevorsteher Abraham Hirsch Lemberger, hatte sich einer solchen Gunst bei Kaiser Ferdinand erfreut, daß ihn der Kaiser sogar einmal bei einem Finanzplane zu Rate gezogen haben soll. Die kaisertreue Juderigasse hatte um so weniger Anlaß von der Revolution begeistert zu sein, als ersten Präludien der Freiheit in Preßburg von einem wütenden antisemitischen Geschrei übertönt wurden. Der Volksmund bewahrte daher den Revolutionstagen in Preßburg kein schmeichelhaftes Andenken und hatte für dessen unrühmlicheBegleiterscheinungen ein schärferes Gedächtnis. Kaum hatte die erste Welle der Revolution die Stadt Preßburg erfaßt, so glaubte die freisinnige Partei, die sich im sogenannten Kasinoverein organisiert hatte, die Zeit für gekommen, ihrerseits die Führung des Judentums zu übernehmen. Besonders die studierende Jugend, die sich einerseits ihres höheren Wertes bewußt war, im Ghetto aber einer gewissen Mißachtung ausgesetzt war, war es, die vom Verbrüderungsrausch, der sie mit einem Male in freundschaftlichem Kontakte mit der angebeteten christlichen Gesellschaft gebracht hatte, hingerissen, die lästigen Fesseln des Ghettolebens zu sprengen müssen glaubte. Eine Schar jüdischer Studen ten und „Juraten" mit Redakteur Neustadt an der Spitze, zog in die große Synagoge und hielt angesichts der entrüsteten aber völlig eingeschüchterten Menge gottlose Relutionsreden. Man lief um den Vorsteher Hermann Pappenheim, der sich auch, trotz der Mahnung der Furchtsamen, schleunigst in den Tempel begab, sich durch die Menge drängte und sich auf den Almemor begab. Er faßte den deklamierenden Jüngling, zur Verbüffung Aller, beim Kragen und warf ihn die Stiege hinunter. Damit schloß auch die Versammlung. Die später folgende Plünderung des Ghettos war gewiß nicht geeignet, die Sache der Revolution sympathischer zu machen. Die Katastrophe wurde vielmehr als eine Strafe des Himmels wegen der Sünden der Neuerer angesehen und der Rabbi zitierte auch in der darauffolgenden Kanzelrede: umipne chatoenu. Der Fingerzeig war ja deutlich. Die Primärschule, die Burg der Reformer, lag in Trümmern da und die Volkswut richtete sich hauptsächlich gegen alles, was außerhalb des Ghettos gelegen war. Zudem war die ungarische Hofkanzlei in Wien den Orthodoxen wohlgeneigt und war stets bereit, ihre Beschwerden gegen die Reformer günstig zu erledigen. Diese Hofkanzlei wurde aber mit der Verleihung der ungarischen Konstitution aufgelöst, und unten in Pesth hatten die Reformer Oberhand. Allein der liberale Geist, der aus Pesth und Wien hinter der Revolution einherging, versöhnte die staatshv» * m Engros und Erzeugung 5 JlJllP STB 1 mm _ _ I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :-: Telephon 67-302 iff Pßlzwapenhaus rrsssrr

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