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Jüdische Presse · 1922-03-31 · 13 (31.3.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
13 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion nnd Administration: Wien, II., Obere Donanstr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Osterreich K 2000, Ungarn K 250*--, Tschechoslowakei K6. VO'—ji Deutschland Mk. 60-—, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänion 70 Lei, Jugoslawien 40 Dinar, Polen Mk. 1200'—. Einzelnummer d.-ö. K 50 —, Kc. 1*50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 30'—. Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 13 | Wien-Bratislava, 31. März 1922 ,D's^ jd^ o nnDDpD ■ n:i n'j?2 | 8. Jahrg. Das orthodoxe Schulwerk in Wien. Scbulfragen. Der (lieswöchentliche Wochcnabsclinitt bezeichnet Kapitel I der jüdischen Pädagogik, wobei wir unter diesen Worten verstehen und wissen wollen: die Richtpunkte, nach denen ein jüdisches Kind in das jüdische Wissen und Leben eingeführt werden soll. Aus uralten Zeiten kommt uns die Kunde, daß, wenn ein jüdischer Knabe die ersten Spuren von Auffassung zeigt, der Vater gehalten ist, mit ihm den Abschnitt Wajikra zu lernen. Mit der Modifikation: die Reinen sollen sich rüsten und beschäftigen mit der Reinheit. Das heißt, wir haben dazu erläuternd zu bemerken: 1. Ist der Sprachgebrauch bedeutsam, daß der jüdische Vater und ebenso sein Stellvertreter der jüdische Lehrer, das Kind nicht lehren sondern mit dem Kinde lernen soll. Vater und Kind lernen zusammen, beide sind lernende, um so mehr, wenn es gilt im Eindringen in die feinsten und zartesten dessen die Seele des Menschen fähig ist, in die Welt der Opfer und des Opfcrns. Wir meinen, dieser erste Schritt soll vorbildlich sein für das jüdische Schulwesen überhaupt. Seit einem Jahrhundert währt der Kampf um die Schule. Es sind dabei Schlagworte ohne Zahl geprägt worden, die umso bedenklicher sind, als der' staatliche Schulzvvang an und für sicli den Willen der Eltern in bezug auf die Erziehung in den Hintergrund drängt und sehr oft Gewissenskonflikte hervorruft. Es ist seltsam, daß man den Schauplatz politischer Kämpfe in die Schiden verlegt hat und daß infolge Js^Uksisa^^ sind, sich eines leichten Schauers nicht erwehren, wenn man von konfessionellen Schulfragen spricht. Diese guten Leute wissen gar nicht, wie sie eigentlich das Schulwesen damit beleidigen. Denn wenn man die Schule in erster Reihe als Erziehungsanstalt betrachtet, so möge man sich folgenden Gedankengang klar machen. Es ist der Wunsch der Eltern, ihre Kinder so erzogen zu sehen, daß sie Lebensauffassung und Weltanschauung an den religiösen l'flichtenkreis orientieren. Es ist ferner die durch den staatlichen Zwanggebotene Notwendigkeit der Erziehung der Kinder vom sechsten Lebensjahre der Schule zu überantworten, und irgend einem politischen Phantom zulieb, sträubt man sich dagegen, ein Schulwesen aufzubauen oder aufbauen zu helfen, welches die geradlinige Ergänzung des häuslichen Erziehungswerkes zu sein berufen wäre. Darum ist es im echt demokratischen Staat, von Staats wegen schon längst als moralische Notwendigkeit erkannt worden, 2 parallele Schulwesen zn schaffen, um sicher zu gehen, jeweilig engste Harmonie zwischen Haus und Schule hergestellt zu haben. Damit erst ist der Schule die Stelle wieder eingeräumt, die ihr gebührt. Wirklich liberale Menschen müssen also dafür Sorge tragen, daß der Kreis, der aus sittlicher Ueberzeugung ein konfessionelles Schulwesen für notwendig haltet, ein solcher stets zur Verfügung steht. Wie bereits gesagt wurde, ist es heute bereits das Abc der liberalen Schulpolitik im wahrsten Sinne des Wortes. Falsch und unbegreiflich ist es daher, wenn gar noch jüdische Kreise ihre „fortschrittliche" Gesinnung damit begründen zu müssen glauben, daß sie gegen die jüdische konfessionelle Schule Stellung nehmen. Ebenso unsittlich ist es, wenn man Kinder, wie das so häufig in Wien geschieht, veranlaßt einen Religionsunterricht zu nehmen, der den Anschauungen widerspricht, welche die Eltern in ihren Kindern erzogen zu sehen möchten. Und erbärmlich ist es, wenn Eltern genug gewissenlos sind, ohne Zwang ihre Kinder einen solchen Unterricht anvertrauen. Nur dann, wenn der Religionsunterricht das Kapitel I der jüdischen Pädagogik in den Mittelpunkt seiner Darbietungen stellt, nur dann wenn der profane Unterricht im Geiste der pädagogischen Welt von Herbart sich um die Religion freiwillig gruppiert, ist die Schule berechtigt, den religiös gesinnten Eltern gegenüber Anspruch auf eine Erziehungsanstalt zu erheben. Es muß uns für heute genügen, diese ganz allgemeine Grundlinie unseren Lesern zum Nachdenken zu unterbreiten. In einem späteren Artikel werden wir sie einladen, mit uns gemeinsam einen Spaziergang durch das jüdische Schulwesen Wiens zu machen und mit uns gemeinsam festzustellen, wo es fehlt und wo zu helfen wäre. rjüdisebes Scbulivcrk in iüicn. Wien, 27. März 1922. Das erfreulichste Zeichen der organisatorischen Zusammenfassung und des frisch pulsierenden Lebens der Orthodoxie ist das Bestreben, ein jüdisches Schulwerk zu schaffen. Als Grundlage dieses Schulwerkes, dienenjjorr.allem,.die,Tafen$4,, W67a-Vblksschule, ferner die verschiedeneif Chä-* dorim und Talmud Thora-Anstalten, die wohl segensreich wirken, aber ohne organischen Zusammenhang miteinander nicht zu der richtigen Entfaltung kommen können. Bei der Schaffung dieses Schulwerkes kommen hauptsächlich zwei Momente in Betracht. Vor allem unseren Kindern zu ersparen, daß ihre jüdische Seele schon im zartesten Alter die Weihe des Sabbats einbüßen oder ganz verlieren. Denn wenn sie einmal eine nicht-jüdische Schule besuchen müssen, so muß die heilige Freude des Schabbos bei ihnen verloren gehen. Statt Vergnügen wird dieser Tag ihnen nur Qual, wenn sie in der Schule den Sabbat beobachten wollen. Dabei kann man es gar nicht beschreiben, wie verheerend auf eine fromme Kinderseele der Anblick wirkt, wie viele jüdische Kameraden die Heiligkeit des Sabbats öffentlich JSÖK&J^k „AiiQh j^jerj^eist dje^er ^chiüßn nichts weniger als zuträglich für eine echte jüdische Erziehung. Als zweites Moment kommt der Umstand in Betracht, daß beim Besuch einer öffentlichen nicht-jüdischen Schule kaum Zeit bleibt, ein entsprechendes Maß von jüdischen Kenntnissen anzueignen; Die erschreckende Amrazus der selbst in frommen Kreisen herrscht, ist eine Warnung für die verantwortlichen Führer der Orthodoxie, keinen Augenblick zu zögern und die Schaffung eines groß angelegten jüdischen Schulwerkes mit allei; Energie zu betreiben. Von dieser Erkenntnis geleitet, hat sich seine Ehrw. Herr Oberrabbiner Fürst auf Veranlassung des Talmud Thora- Ret) Ttscbc Kapitalist. Ein Bild von der Windbörse. Von Sch. Schönfeld (Wien). Uebersetzung aus dem „Yddischen Leben" (Kowno). (Schluß.) Da hat sich Reb Itsche endlich auch — wie alle anderen — auf das Valutcngeschäft geAvorfen und einen Kauf von polnischen Mark gemacht, woran er sein ganzes Vermögen setzte. Schon nach einigen Tagen begann die polnische Mark zu fallen und zu fallen. Allein R. Itsche hat durch eine bezwingende Theorie bewiesen, daß die polnische Mark unbedingt steigen müsse. Er konnte dabei ganz genau ausrechnen, wie viel Wälder Polen besäße und wie groß ihr Ertrag sein muß. Das konnte er bis auf eine Prute ausrechnen. Und auf Grund dieser Theorie, borgte sich Reb Itsche wo er nur konnte, ein Sümmchen aus, um für das ganze (^eld polnische Mark zu kaufen, zu einem billigeren Kurse, um sie mit der teueren zu „mischen". Die polnische Mark gab nichts nach und fiel; Reb Itsche gab nichts nach und kaufte, so lange, bis die polnische Mark bis in die tiefste Unterwelt versank und sein Geld, samt seinen Anleihen, bis auf einen Heller verloren waren. Auf der Windbörse galt der Grundsatz, daß man von Reb Itsches Gesicht die Kurse ablesen könne. Bei diesem Krach hat man wahrhaftig den stets lustigen R. Itsche mit gesenktem Kopf, so tief wie der Kurs der Mark, gesehen. Das Feuer seine'r blitzenden Augen erlosch, die Züge schrumpften zusammen, und sein Körper krümmte sich. Sein Kummer galt nicht dem verlorenen Gelde, o, dazu hatte R. Itsche viel zu viel G-ttesvertrauen: nur das ausgeborgte Geld ging ihm an die Seele, obwohl Jene ihn nie gemahnt haben, aderabbe (im Gegenteil), sie boten ihm noch weitere Darlehen an, damit er weiter handeln könne — er wollte aber nichts mehr davon wissen. Als er dergestalt das Börsengeld poter geworden ist und nicht einmal etwas für trockenes Brot hatte, hat er keine Brere (Wahl) mehr gehabt, wurde Masehgiach (Aufseher) in einem lokalen Beshamedresch, wovon er seinen kleinen Lebensunterhalt deckte und auch noch die Schulden bezahlte. Die Aufsicht nahm nicht viel Zeit in Anspruch, da blieben ihm noch täglich einige Stunden zum Thoralernen übrig. Das Lernen machte wahrhaftig einen neuen Menschen aus ihm. Der Körper richtete sich wieder auf, seine Augen leuchteten wieder vor stiller Zufriedenheit, der alte Ii. Itsche lebte wieder vor unseren Augen auf. Aber wie sagen unsere Chasal? (Abkürzung von „unsere Weisen seligen Angedenkens".) „Wirf den Stock zur Erde, fällt er auf, die Wurzel." R. Itsche war derart an den Gang zur Börse gewöhnt, daß er selbst jetzt, wo er keine Berührung mit ihr hatte, sich nicht vom Schottenring trennen konnte. Jeden Tag mußte er den Platz vor der Börse passieren, und wenn er da hörte, daß die polnische gestiegen sei, freute er sich unbändig, daß man schier glauben konnte, er hätte ein paar „Tonnen" (100.000) polnische Mark. Er aber freute sich nur, weil seine Theorie dennoch gerechtfertigt war. So spazierte R. Itsche jeden Tag wohlgemut vor der Börse. Da geriet er am Tage des großen Exzesses vor der Börse in die Hände der Demonstranten und gerade R. Itsche war nebbich der Erste, der als Kapitalist gründlich verhaut wurde, so daß er viele Tage hindurch bettlägrig war. Zum Schaden gesellte sich ihm noch der Spott und von seinem Malheur her stammt sein Beiname R. Itsche Kapitalist. Der arme R. Itsche wurde geschlagen weil er ein Kapitalist sei, der auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung in Saus und Braus lebe — wie viele solche Kapitalisten gibt es noch in dieser Stadt! Schiffs Pelzwarenhaus Engros und Erzeugungs I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :-: Telephon 67 302 Detailverkaufs -Niederlage: I., Graben 28 Erstklassige Modelle In Damenpelzmäntel, Herrenpelze, Füchse

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