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Jüdische Presse · 1922-01-27 · 4 (27.1.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
4 (27.1.1922)
Date
1922-01-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE ^TpT^^r», ^^^^S^^9yfZ^ („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion nnd Administration: Wien. IL, Obere Donaustr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K2000, Ungarn K 250*—, Tschechoslowakei Kö. 70*Deutschland Blk. 60-—, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 40 Dinar, Polen Mk. 1000«—. Einzelnummer d.-ö. K 40 -, Kc. l'BO. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 80' — . Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 4 j Wien-Bratislava, 27. Jänner 1922 ♦U'snn ruto D-a-VDDDjna " m jtjd | 8. Jahrg. farblos. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was einer Idee widerfahren kann, daß sie aus irgend welchem Grunde sich ihres Seihst hegibt und sich in Aeußerungen verliert, die ihren Ursprung möglichst schamhaft verbergen. Man mag 7.11 einer Idee innerlich stehen, wie immer man will, so ist es immer eine Tragödie, die jeden anständigen Menschen schmerzt. Ist eine Idee zum Tode verurteilt und muß sie sterben, dann soll sie wenigstens wie ein Held sterben und nicht ein schmachvolles Harikiri begehen. Der Gewinn, den eine Idee durch ein solches Vorgehen einheimst, kann zwar vielleicht manchesmal ziffernmäßig viel bedeuten, in der Welt des ethischen Wollens'und Empfindens ist es ein unwiderbringlicher Verlust. Man wird vielleicht in späterer Zeit den jähen Niedergang so manchen. Staatsgebildes mit Recht darauf zurückführen, daß man seitens der leitenden Parteien oder der Regierungen, um unbequemen Kämpfen auszuweichen, die Farblosigkeit und Verschwommenheit der Staatsmaximen machte. Welches Unheil nun gar dieses Prinzip der Prinziplosigkeit in der Welt der Journalistik anrichtete, kann im Rahmen dieser Darstellung nicht erörtert werden. Diese Gedanken bestürmen uns, wenn wir den Aufruf des Gründungskomitees Berlin für den Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) lesen. Die Unterschriften sind jedenfalls eine wunderbare Zusammenstellung und für denjenigen, der die Verhältnisse kennt, nicht ohne Beigeschmack eines haut-gout. Allein das sind deutsche Eigentümlichkeiten und es trägt wahrlich nicht zur Erhöhung des sittlichen Wertes des Aufrufes bei, wenn er sich auf religiöse Pflichtenberuft. Wir* dürfen 'i^ohhiiirmeThh^air^ nehmen, daß 'dieser Aufruf nicht ohne Zustimmung der zionistischen Leitung erfolgt ist und es ist immerhin bemerkenswert, wenn in derselben Zeit, in der Weizmann in Wien erklärt, daß die Jewish agency für eine Million Pfund zu haben ist (Angebot freibleibend) nun in Berlin sogar das religiöse Grundmotiv für den Zionismus hoffähig gemacht wird. Man wäre versucht zu fragen qui trompe-t-on? aber wir betonen es ausdrücklich, daß wir es nicht fragen. Denn es ist klar, daß die zionistische Organisation ihre dominierende Stellung in Palästina der Erwartung verdankt, daß sie die nötigen Mittel zum Aufbau Palästinas bereitstellen wird und möglichst darauf verzichten kann, die Mittel des Keren Hajessod anders zu verwerten als im Rahmen der Organisation. Es ist aber ebenso klar, daß andere Kreise, welche sich durch den Besuch Weizmanns bei den höchsten deutschen Stellen nicht verwirren lassen, sich stets dagegen wehren werden, daß ihr Geld zur Stärkung eines Gedankens dient, von dem sie innerlich weit entfernt sind. Es genügt uns ferner, zu konstatieren, daß an die assimilatorischen Kreise die Reinheit der Idee billiger verkauft wurde als um eine Million Pfupd. Denn es ist wahrlich nicht anzunehmen, daß das Gründungskomitee in Berlin diese Summe auch nur im entferntesten in Aussicht stellen konnte. Wir warnen jedenfalls unsere Freunde, sich durch diese scheinbare Verbeugung des Zionismus vor der Religion nicht täuschen zu lassen. Denn nach wie vor — und darüber geben die Berichte aus Palästina genügend Auskunft — ist die Gefahr der religionslosen Konstruktion des Lebens und des wütenden Ansturmes des äußersten Radikalismus nirgends so groß wie in Palästina. Wir müssen es uns versagen, diejenigen Gründe zu untersuchen, welche die deutsche Regierung veranlaßt haben, der zionistischen Idee in dieser Weise Raum zu gewähren, wobei wir nicht so klein sein wollen, die ganze Aufmachung der Berliner Weizmanntage als einen bloßen Höflichkeitsakt beiderseits zu bezeichnen. Wie immer die Verhältnisse sich gestalten, unsere Aufgabe wird es sein, unsere Idee rein zu erhalten und vor Farblosigkeit zu bewahren und sie nicht für alle Millionen Pfunde der Welt preiszugeben. Unsere Idee lebt und wird leben und wird Leben gewinnen. P. K. „Kriegführung undlPomik" von Cricb Cudendorff. Wir beschränken uns in dieser Nummer darauf, sämtliche auf das Judentum bezughabenden Stellen in diesem Buche im Wortlaut abzudrucken und behalten uns noch eine nähere Besprechung dieses Buches vor, das mit Rücksicht auf die Persönlichkeit des Autors, dessen geschichtliche Bedeutung nicht wegzudisputieren ist und mit'Rücksicht auf die das Judentum umgebende leicht entzündliche Atmosphäre, in welche dieser Feuerbrand geschleudert wird, eine tiefernste Gefahr für das Judentum darstellt. Seite 42. Sie geben sich willig volksfremden und namentlich jüdischen *Efaaßaß«B8*^ liefen. Das war um so gefährlicher, als das jüdische Volk selbst — um ein Volk handelt es sich ja den Juden 1 — ein 1 In seiner Abhandlung „Der JudenstaatLeipzig und Wien 1896 — die Auflage von 1918 hat ein Vorwort von Prof. Otto Warburg, Vorsitzender der zionistischen Organisation, das in späteren Auflagen fehlt — schreibt Theodor Herzl: Ich glaube die Judenfrage ist ebenso wenig eine soziale wie eine religiöse Frage, wenn sie auch gelegentlich diese oder andere Formen annimmt. Sie ist eine nationale Frage, die nur dadurch gelöst werden kann, daß sie zu einer politischen Weltfrage gemacht wird ..." stark ausgeprägtes Volksgefühl und einen starken Erwerbssinn besitzt. Beides war durch eine viele Hundert Jahre vor Chr. Geburt beginnende Inzucht immer mehr gesteigert worden. Das jüdische Volk erstrebte die Herrschaft über die Völker, die es aufgenommen hatten und die Besitzergreifung der zu diesem Zweck beweglich gemachten Güter. Die Gedanken, die die Judenschaft uns planmäßig verkündete können in die verführerisch klingenden Worte „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" zusammengefaßt werden. Ihre innerliche Unwahrhaftigkeit, und die Absichten mit denen sie uns wieder vorgesagt wurden, sind nicht erkannt worden, werden es auch heute noch nicht. Sie gipfeln darin, unsere weltbürgerlichen Anlagen zu vertiefen, Zur Erreichung seines politischen Zieles sah Herzl freundschaftliche politische Beziehungen zu England als besonders nutzbringend an. —.wi906--hatte Profr*Weizmann, einer der in Deutschland lebenden Führer der zionistischen Bewegung, mit Balfour eine Besprechung über die Rückgabe Palästinas an das jüdische Volk. Nach der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Mai 1921, faßte der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland im Mai 1921 unter anderem folgenden Beschluß: „Der Delegiertentag erblickt in der zionistischen Weltorganisation den Ausdruck der nationalen Einheit und des nationalen Willens des deutschen Volkes . . . Der Sitz der Exekutive soll entsprechend den gegenwärtigen politischen, organisatorischen und finanziellen Erfordernissen in London ] sein ..." Bilder aus flK-Prefibura. Die Beschießung desPrePurger Ghettos üureb napoleon im fobre 1*09. Nach dem hebräischen Texte der Memoiren des Rabbi Moses Sofer (Chassam-Sofer s. z. 1.). (Fortsetzung.) Auch viele Männer der Gemeinde retteten ihre Frauen und Kinder in die nächstgelegene Gemeinde. Es haben sich damals sehr viele von unserer Stadt entfernt, sie gewannen nichts dabei, denn jene (die Franzosen) ruhten und unternahmen nichts, zehn Tage lang. Auch als ich mich dort aufhielt, ruhte ich und rastete nicht wegen der Sorge über die heilige Gemeinde und das Geschwätze der Leute, die beunruhigende Nachrichten brachten; Lügengerüchte über das und jenes, dazu gesellte sich, daß der Pöbel des Städtchens (St. Georgen) mit den Juden stritt, indem sie sagten: „bringet uns keine Flüchtlinge mehr hieher, sie verteuern den Markt." Die städtische Behörde stand den Juden bei, wodurch sie sich erregten und die Juden waren stets in Gefahr und unruhiger Angst - viel Mühsal zog damals über unsere Häupter. Während der ganzen Zeit unseres damaligen Aufenthaltes beteten wir täglich „Owini malkenu" und jeden Morgen die Gebete von Montag und Donnerstag, ferner folgende Psalmen 2, 3, 10, 22, 31, 83, 34, 35, 37, 38, 51, 90, 91, 102, 103, 116, 117, 120, 121, 130, 144, ferner vom 119. Psalm die Absätze mit den Buchstaben Preschburg — nach der Orthographie der Scheidebriefe — ebenso die Buchstaben Kera Soton, el Schaddai und dann folgendes Gebet: . . . Auch als ich mich von der heiligen Gemeinde (Preßburg) verabschiedete, befahl ich meinen Anvertrauten, daß zwei Männer von Tür zur Tür der Reichen gehen mögen, um von allen Gemeindemitgliedern zu sammeln, um es an Arme und besonders Talmudbeflissene zu verteilen, wie ich es auch in der Moralpredigt des vorhergehenden Sabbat gesagt hatte. So geschah es auch und sie sammelten beiläufig 700 Gulden und wir verteilten es den Armen. Möge G-tt es ihnen zum Guten gedenken. Und siehe, während meines ganzen Exils war mein Lehrhaus nicht gestört, denn mit mir exilierten auch mehrere Schüler, wenn auch die meisten in der Gemeinde blieben. So lernten wir, dank dem Schöpfer, jeden Tag unser Pensum nach der Reihordnung, stets zumindest zehn Schüler. An dem Tage meines Anlangens (in St. Georgen) ließ ich mich zur Thora aufrufen und sprach den Segensspruch Hagomel und die Preßburger Leute, die mit mir waren, sagten im Plural nach: „Der uns alles Gute vergolten hat." Solches geschah auch in der iieiligen Gemeinde durch den Rosch-Bet-din Rabbi Mordechai Tosk, sein Licht möge leuchten! Nun aber, nachdem das Land tagelang ruhig und sicher dalag, kehrten die meisten Männer in die Heimat zurück, ließen auch Frau und Kind zurückkommen, „denn sie sahen, daß Ruhe sei und erstarkten ihr Herz". Sie ließen sich von eitlen Reden sicher machen, der Feind hätte eingesehen, daß er nicht in die Stadt kommen könne und ebensowenig sie in Brand zu setzen, da die Kraft der Geschosse nicht über den Strom reiche... ich aber sagte: „Wir kehren uns nicht an den Unsinn dieser Leute; solange der Feind uns gegenübersteht, kehren wir nicht in die Stadt zurück." Damals sagte ich mir, als Erev-Rosch Chodesch Tamus kam, wo der größte oder der ganze Teil des Volkes fasten würde, es wäre gut hinüberzufahren und Moral zu predigen einer großen Versammlung, ... sie werden geneigt zur Einkehr sein. Ich fürchtete keine Gefahr, denn es steht ja geschrieben: „Wer ein gutes Werk ausübt, wird nicht Böses erfahren." Dann wollte ich wieder nach Jörgen zurückkehren. Ich offenbarte auch meine Absicht einigen Bevorzugten. Am Erev-Rosch-Chodesch zur Minchazeit, kamen zwei teure Männer hieher, der reiche Moses Schacherl und sein Kompagnon, der reiche Gerson Frankfurter mit ihrem Wagen mich nach der heiligen Gemeinde Preßburg zu fahren, damit ich dort nach meinem Wunsche vor der Menge predige. Ich freute mich ihrer, bestieg mit ihnen den Wagen und wir fuhren durch Jörgen hinaus ... da stürzte aber der Wagen um . . . wir blieben wohl heil ... aber ich sagte mir dennoch, der Himmel will nicht, daß ich heute nach Preßburg gehen möge ... In derselben Nacht, auf den Mittwoch, den 1. Tamus, „kehrten die frevelnden Gewässer wieder zu ihrem Stande zurück", sie begannen Bomben zu schleudern, täglich eine oder zwei Stunden, tagsüber oder nachts, es wurden viele getötet, aber Dank dem Schöpfer, im Judenviertel war kein Verlust. (Fortsetzung folgt.) Schiff' Pelzwarenhaus Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Detairrerkaufs-Niederlage: I„ Graben Nr. 28 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpeizen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.

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