Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 1 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«JDISCHE ORGAN („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktiou nnd Administration: ] Wien, IL. Obero Donaustr. 91. — Telephon 48.142. [ Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. 1 Erscheint jodou Freitag. — Redaktionsschluß: 1 Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. | Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K1200, Ungarn K 250-Tschechoslowakei Kc. 70«-, Deutschland Mk. 60--, Schwei?, Frcs. 10* — , Amerika 2 Dollar, Italion 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 800*—. Einzelnummer d.-ö. K 24 -, Kc. 1'50. 1 Die 8 mal gespaltene Peiitzeile d.-ö. K 30' — . j Fürs Ausland 100 Prozent Touerungszuschlag. [ Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 1 | Wien-Bratislava, 6. Jänner 1922 ♦ri'snn reto 'i nnonps - nn rry- | 8. Jahrg. Und also geschab es. Seitdem Sokolow die Kühnheit haben durfte, ohne Mandat, aber doch als Dank für das Mandat dem englischen Staate das Bündnis von 14 Millionen Juden anzubieten (der Vertreter der englischen Regierung überging mit feinem Takt diese Taktlosigkeit), ohne daß wirksanier Protest dagegen von irgend einer nennenswerten jüdischen Seite erhoben wurde, bewegt sich die verderbliche Entwicklung in gerader Linie. Es war ein Fehler, daß man glaubte, es läge nur eine Uebertreibung Sokolows vor, eine Phrase, welche mit dem Ueberschwang eines feierlichen Augenblicks erklärt und entschuldigt werden könnte; es war eine Feigheit sondergleichen, daß all die Notablen und Organisationen Europas, obwohl sie die Bedenklichkeit jener Entgleisung empfanden und erkannten, trotzdem aus Furcht vor dem Kampf beharrlich schwiegen. Für den kühlen Beobachter war es klar, daß weitere Ueberraschungen folgen müßten, denn wer kann es Sokolow und seinen Gesinnungsgenossen verargen, wenn sie sich bemühen, die Einstellung der Juden auf die Weltpolitik in einer Art Polypragmosyne (Vielgeschäftigkeit) mit Energie zu betreiben. Vielleicht ist objektiv auch Jabotinskys bedenkliche Entgleisung so zu erklären. Wir sind zwar überzeugt, daß mehr als Papierprotest auch gegen dieses unfaßbare Spiel mit jüdischem Blut nicht erfolgen wird. Bei jedem anderen Volk dürfte es auch eine legitime Regierung nicht wagen, ihr Volk so einzusetzen; man muß sich schon in das achtzehnte Jahrhundert zurückversetzen, in jene Zeit, in der Despoten ihre „Landeskinder" verkauften, um fremder Länder Interessen mit ihrem Leben zu wehren. Das Beispiel der Kurhessen, die auf Amerikas Boden verbluteten, ist also doch nicht ohne Nachfolge in der Geschichte geblieben. Doch Jabotinsky braucht nichts zu fürchten, nicht er und nicht seine Hintermänner; man wird der „Bewegimg" wegen auch dieses Spiel dulden, womöglich noch beschönigen. Es muß einer späteren Zeit vorbehalten bleiben, schweigend zu registrieren, wieviel jüdisches Glück; durch Ehrgeiz und Größenwahn, durch Partei- | fanatismus und Parteilüge zu Grabe getragen wurde, j Unsere Aufgabe ist. es, den letzten Gründen dieser I Entartung nachzuspüren, sie zu verstehen, um ihr; künftig vorbeugen zu können. Da steht nicht mehr ' der Mensch zur Debatte und das um so lieber, als \ wirklich die Zeiten zu ernst sind, um über Billigung j oder Mißbilligung des einzelnen Menschen zu sprechen. | Einer Krankheit gilt es zu begegnen, nicht einem \ Kranken. Mußte es denn nicht so kommen, mit ■ zwingender Notwendigkeit? Eine Weltmacht hat! jüdische Interessen ernstlich in ihr Kalkül gezogen, i hat diese Interessengemeinschaft sichtbarer affichiert. I Da muß man schon sehr stark die Pflicht gewissen- I hafter Nüchternheit erfassen, um nicht in den Wahn i zu verfallen, als wäre man nun plötzlich in den Mittelpunkt des Weltgeschehens gerückt, als müßte man allüberall das Zünglein an der Wage sein. O, in den alten Fabeln kommt viel kleines, schwaches Getier zu Worte, das größenwahnsinnig dem Löwen unentbehrlich zu sein glaubt und vielgeschäftig sich an denselben heranbiedert, froh ob des Knochens, den ihm der Löwe in berechtigter Ungeduld zuwirft. Mehr ist darüber nicht zu sagen, und weinen sollte man, daß diese Materialisierung des jüdischen Wollens uns das Letzte rauben könnte, das Diadem der Schuldlosigkeit ob aller jüdischen Leiden. Das ist unser kostbarstes Gut; wehe uns, wenn wir auch das noch in den Strudel inhaltsloser Erfolghascherei werfen lassen. Dann hätten wir gar nichts mehr in die Wagschale zu werfen am Tage der Wahrheit, und schuldbeladen müßte Judas Gemeinschaft den Weg aller Völker gehen, die früher oder später dem Untergang geweiht sind, weil sie im Größenwahn ihr Ideal preisgeben. Wir möchten diesen Gedankengang auch in das Stammbuch all der jüdischen Nationalräte schreiben; wir möchten vor allen Dingen, daß sich die polnischen Juden diesen Gedankengang überlegen, bevor sie zu dem Grünbaumschen Projekte eines jüdischen Nationalrat.es in Polen Stellung nahmen. Ehe es zu spät ist! Daß für einen leeren Erfolg eines Augenblickstaumels nicht preisgegeben werde der wahre innere Wert unseres Judentums, nicht Rausch- und Flittergold getauscht wird für unser einziges Diadem. P. K. Von 0. H. E. Die bestehende Wahlverwandschafl zwischen den Söhnen Israels und Albions war schon damals Gegenstand der Behandlung, eh sie noch in den Räumen politischer Propaganda liebevolle Pflegestätte gefunden halte. Es gibt seit Langem gar eine society, die England als vom Reiche Israel abstammend wissen will und das Königshaus als Nachfahren des Könjg David. Zudem die gleichgeartete Mentalität, die im praktischen Leben nach den letzten Errungenschaften des menschlichen Qeist|is^^|(^,.:im, h'änsj>c,r.?n Lpl«n.. .aber-• BejEBä^fla^eist alter Zeiten" Bewahrt; starres Festbalten an d^^itw^fen kann sich neben der Geschmeidigkeit in -der^tipassungl an die realen Gebote der Zeit bei Beiden ungehemmt fort erhalten. Diese Eigenart ist, die Wirkung oder Ursache der zwiespältigen. Wesensart beider Rassen, in denen eine vererbte, haKe Idep-j logie in" stetem Widerstreit mit dem Versucher, dei' angeborenen Selbstischkeit ringt Wie die'jüdische "Volksseele;'mit sich selber hadert, wie listiger, realistischer Golüsgeist sich mühselig zu Israelswesen emporarbeitet, das hat sich mit fast greifbarer Plastik in dem Bilde zweier mit einander ringender Phantome des Jezer low und Jezer hora verdichtet. Das tragische Ringen zwischen dem Imperativ großer Pflichten und dem unglückseligen Erbübel der leidenschaftlichen Erwerbsucht datiert sich gerne entschuldigend von dem Auszuge aus Aegypten, wo sich in den reinen Stamm der Söhne Israels das volksfremde Element des Erewraw gemischt hat. Das wäre die Entstehungsgeschichte der beiden polaren. Kräfte der jüdjs^en' Psyche, die sieh bald zu',Engelshöhe"---ffrn'ebt, -um Ewiglceifs-' gesetze des Rechtes nnd der Wahrheit zu künden, bald zur Untiefe der „neunundfünfzigsten Pforte der Verdammung" abstürzt. Die ehrsame society, die den Glauben an die israelitische Abkunft der Engländer zu pflegen hat, darf ihre Argumente in der gleichen Erscheinung des tragischen Zweiseelentums des ewigen Ineinanderfluten zweier sich befehdender, gegen, sä,tzlicher Elemente, die beide Rassen von allen Anderen unter- €in Test der Tftora. Reine, volle Akkorde der Thora waren es, die an diesem moralisch so unvergleichlich hochstehenden Abend erklungen sind. „Die Tafel soll wie ein Altar sein", fordern unsere Weisen. Eine solche Tafel war die des Vereines „Tiferes Bacliurim", dessen Aufgabe die Erhaltung Wiener Kinder in den Jeschiwos ist. Frohgewidmete Opfer wurden darauf dargebracht. Nicht so sehr die respektable Summe von mehr als einer halben Million Kronen, die das Renschen alleinbrachte; höher geschätzt sei die edlere Opferfreudigkeit, das Gelöbnis der Hingabe des ganzen Selbst, das sich in schönen Thora- Avorten kundgegeben hat. Der Gründer und Präses des Vereines Herr Rosner eröffnet und begrüßt. Er ist ein Jünger der Preßburger Jeschiba und hat sich — inmitten realer Geschäftstätigkeit — gedrängt gefühlt, von diesem Geiste soviel Avie möglich in das Treiben der Weltstadt zu verpflanzen. Mit den bescheidensten Mitteln ist es gelungen, so viel Kraft und Begeisterung zu schaffen. Avie sie um diese Tafel versammelt waren. Dieser Erfolg mag ihm hohe Genugtuung für das jahrelange Streben im schwierigen Werke geboten haben. Er begrüßt mit Freuden die erschienenen Männer der Thora, die ehrwürdigen Rabbiner Baumgarten, Benedikt, Friedmann, Schenk und Weiß, die Vertreter der kultusgemeinde Wolf Pappenheim, Kommerzienrat S. Bondi und Jakob Pinkas und die Vertreter der Adas Jisroel Fuchs und Stern, ferner Herrn Bettelheim; für die Ghewra. kadischa Herrn Denes, die Delegierten des Bes hamidrasch Herren Austerlitz und Braun, für die »Einheit" Herr Max Hofbauer; für Tomech Ewjonim Herren Braun, Figdor; für Marpe-lenefesch Herren Gottfried, Fleischmann; für den Krankenhaus- -----------—--------------:----•—■ ,";"• v..," verein Herrn Frommer; für die Jesode hatora perr^rr. Kritzler und Lederer; für das Bethaus;(St^m'per-, gasse) Herrn Benau; für die Jugendgrupjpe' Hje^ia: Baiungarten und Steiner; für den DelBgie^ii'f: verband Herrn Josef Brodyu. A. und heißt :tvj|Ikommen. Es folgt die ungemein stimmungsv.Öllö urid und gedankenreiche Rede des Herrn Salomon Schreiber. Der Avundersehöne Vers des heiligen Schir-haschirim Ha-dudoim nosnu reach usav., wurde da zum Schwungbrett für eine tiefbeAvegende Verherrlichung der thoratreuen Jugend, der Freude an dem Triumph des Thorageistes und die Lobpreisung aller Unterstützer der Thora, die in dem Wunsche ausklang schelo jeAvosch hamaayon, „daß die Quelle nicht versiege und die Anpflanzungen nicht zerstört Avürden", Avobei Redner den Segen seines Ahnen des'Ghassam Sofer s. j. o. zitierte, daß auch die materielle Quelle Sebuluns nicht versiege. Der außerordentliche Eindruck der Rede löste große Begeisterung aus. Nun folgte die mit achtungsvoller Spannung angehörte Rede des allverehrten Rabbiners Josef Baumgarten n. j. Die Akklamation, die ihn begrüßte, klang da schon, wie ein Naase wenischmo. Redner Aveist darauf hin, daß die Ghanuka-Feier erst „laschono hoacheres", im zweiten Jahre beschlossen Avurde. Thorabegeisterung sei kein Strohfeuer, das im ersten Momente des Aufflammens gilt. In be- Avegenden Akzenten schildert Redner das Durchhalten der Thora und schließt mit dem Wunsche, daß es die Generation erleben möge, die große Menora in ihrem Avahren Glänze erstrahlen zu sehen. Herzliche Zurufe bekundeten die Wirkung der tiefgefühlten Ansprache. Der Waummangel gestattet uns nicht näher auf die einzelnen Reden einzugehen. Herr Schick bemerkt mit gutem Humor, daß, Avenn auch die Tafel schmal Avie Kriegsmenü sei, die geflossene Thora von Friedensqualität sei — nicht alt, sondern so gut. Er bittet um Opfer, da selbst das Pas bemelach tochal Aveal hoorez tischon schwere Geldopfer für den Bachur bedeute. Herr Dr. Reininger spricht in beifällig aufgenommener distinguierter Rede über den Heroismus inmitten fremder Unnvelt die Thora zu erhalten. Herr Jakob Pinkas spricht unter großer Aufmerksamkeit diwre. thora über den Verein, Ghanuka und die Thora. Er hat den Jüngeren den Platz in der Leitung überlassen und freut sich, daß er damit, die EntAvicklung gefördert hat. Die Rede machte einen sehr günstigen Eindruck. Zum Schlüsse sprach Herr Wolf Pappenheim, der die Jugend ermahnte, nicht auf den Lorbeeren zu ruhen. Nun richteten noch auf allgemeines Verlangen die ehrwürdigen Herren Rabbiner Schenk und Weiß dankbar begrüßle Thoraworte andieAn- Avesenden, ebenso an die Vertreter der Jugendgruppe. Nun folgte quasi der ZAveite Seder. Herr Wesel übernahm das verantAvortungsvolleÄmtdesBenschen- Auktionars, Avorin er eine Avahre Meisterschaft ent- Avickelte. Die erkleckliche Höhe von K 530.000, die er erzielte, ist teilweise seiner Kunst zu verdanken. Herr Schlachet Avar der Ausdauerndste derBietenden und errang den teuer erkauften Sieg. Die Verst, des Herrn Steiner soAvie die zwerchfellerschütternden Knüttelreime des unArerwüstlichen Herrn Dukes fanden stimmungsvollen Abschluß in der glänzenden gesanglichen Darbietung des Oberkantors Kunstadt. Das Menü Avar eine Spende der Gönner des Vereines und die überaus treffliche Küche Avard zugunsten des guten Zweckes kostenlos vom Ehepaar Ignatz Brody geführt. So blieben die an K 800.000 hinan-, reichenden Einnahmen ReingeAAdnn. Den Spendern der schönen ThoraAvorte sei aber versichert: toAV Ii toras picho mealfe sohoAV wo-chessef. Schiff' Felzwarenhous Wien, i. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Detailverkaufs-Niederlage: I., Graben Nr. 28 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpeizen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.