Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 45 (23.12.1921)
- Date
- 1921-12-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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"A/XAJW*^— judische presse („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion nnd Administration: Wido, II.) Malzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Turnergasse 14. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. j Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreichs800-—, Ungarn K 260*-., Tschechoslowakei Kö. #0'--. Deutschland Mk. 60«-, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika* 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 800'—. Einzelnummer d.-ö. K 15 -, Kö. 1'50. Die 6 mal gespaltene Pelitzeile d.-6. t. 80'—. Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungsauschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 45 | Wien-Bratislava, 23. Dezember 1921 &tnn )boD MrraDDjriD " rrpa | 7. Jahrg. mathisjabus Söhne. Ein seltsamer. Zwiespalt geht durch die Welt. Auf der einen Seite das sichere Erwarten des Wunders, das Suchen nach demselben. Auf der anderen Seite ein unbegreiflicher Stolz des selbstbewußten Menschen, der sich aufbäumt gegen alles Wunderbare, vermessen glaubt, daß alles restlos erklärt werden kann und das, was von dem kargen Ausmaß ihrer Vernunft nicht erfaßt werden kann, als nicht vorhanden betrachtet. Die ersteren rekrutieren sich meist aus den Reihen derer, welche von dem Kriege oder der nachkriegszeitlichen Entartung angeekelt, einen neuen Sieg erringen müssen, wenn sie nicht als Opfer des .Lebens unterliegen sollen. Auf der anderen Seite stehen all die seelenlosen Menschen, die aus den jüngsten sieben Jahren nichts gelernt haben. Wenn die Welt noch nicht genesen ist oder sich gar noch keine Spuren der Genesung zeigen wollen, so trifft diese nüchternen, ausgebrannten Herzen die Schuld. Wir haben am Chanukafeste allen Grund, uns und unsere Umgebung daraufhin anzusehen, zu. welcher Klasse wir gehören. Die Gläubigen in Israel sind stolz auf das Chanukawunder. Sie sind die echten Söhne der Mathisjahu. Die besonderen Gebete zu diesem Feste erzählen nichts vom stolzen Wagemut der Männer, an deren Fahnen sich der Sieg geknüpft hatte, sondern sie registrieren die Tatsache, daß der Allmächtige die Starken in die Hand der Schwachen, die Unreinen in die Hand der Reinen und die verruchten Frevler in die Hand derer gegeben habe, die sich mit seinem Worte beschäftigen. Doch haben leider einem Teil der Juden diese Gebete nichts zu sagen, sie wissen nicht von dem Feste des Wunders und/jvohen >S£rtS.-2:Swm\f^^^tS^liS^iAuX^ und suchen den Inhalt dieser Tage in stolzen Siegesliedern und in der Verherrlichung der KörpergeAvalt, welche die Gegner niederringt. Die Toren! Sie spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Die Kurz-, sichtigen, die nicht wissen, daß, wenn heute Mathisjahu aus dem Grabe erstünde, er die Waffen gegen sie kehrt, weil sie vor seinen Augen nicht um ein Atom besser sind, als diejenigen, gegen die sich die Waffen der Söhne des Mathisjahu gewendet haben. So ist auch das Ghanukafest ein Bild des Lebens der Gegenwart, ein Bild dös verzweifelten Ringens derer, die alles verlieren würden, wenn ihr stolzes Selbstbewußtsein irgendwie Not litte, wenn sie sich eingestehen müßte, daß das Geschick ihrer Tage denn doch noch eine andere Quelle hat als ihr eigenes Wollen. Auf der anderen Seite die keusche Regung der Hoffnung, daß es naöh Erfüllung mit neuem Geist, unter Auftakt eines neuen Herzschlages, der Welt gegönnt sein wird, einen Blick zu tun in das wunderbare Gefüge des Planes, nach dem sie durch das Leben geführt werden,!.die einen glücklich, die anderen zu Boden geschmettert in der sichtbaren Erscheinung des Wunderbaren. Ist es wirklich noch von Nöten, dies Alles durch weitere Worte zu illustrieren, ist es wirklich so schwer, den Chanukaträum in die Gegenwart hinüber zu spinnen; muß man nicht blind sein, wenn man nicht erkennt, welches besondere Gnadenwunder es ist, daß allen , Gewalten zu Trotz das Wunder des idealen und selbstlosen Menschen sich erhalten hat? Um so mehr ist es unsere Pflicht, in allen Angelegenheiten, die unser. Heiligstes betreffen, uns alle Zeit zu bewähren als die echten Söhne Mathisjahu, die losgelöst von Zahl und Zeit in dem Bewußtsein der Reinheit ihres Wollens, in dem Bewußtsein der Wunderkraft des göttlichen Waltens wissen, das Sieg und Sang das Erwarten der echten Ghanukatage ist, das erfolgbewußte Warten auf das Wunder der Erlösung. P. K. CHANUKÄ Die drei Segenssprüche, \.die in so melodischem Tonfalle beim ewigschönen Akte der Entzündung der Menora erklingen, schienen sie nicht oft das Bekenntnis dreier aufeinanderfolgender Generationen von'Großvater, Vater und abhn zu sein? f: Aus dem Ersten klang dj strenge Unbedingtheit leidenschaftlicher G-ttergelkmg, der unbeugsame Wille, G-ttes Gebot als das oierste gestaltende Gesetz aller :Dinge zu proklamieren! dessen Ewigswert $be> den vjon Zeitlichkeit beschränkten Menschengeist zu erheben und in dessen; Jfon!keinem Zweifel an- J"*"^Hffrminir-^^^ Geschicke bewirkt zu sehen. Anhebt der Zweite, der vom Vater den unerschütterlich treuen Glauben an ein höheres Walten geerbt' hat, aber die Zusammenhänge der Dinge mit seinem Geiste zu durchdringen versucht, aus der Vergleichung historischer Geschehnisse von Einst und Jetzt, bajomirn hohem basman hase, logische, geschichtliche Gesetze erforscht, die er allerdings noch immer von der Wundern and G-ttes geleitet sieht, die ihm aber gestatten, selbst die Hand an das Steuerrad der Geschichte zu legen. Selbstbewußt und der vermeintlichen Unmündigkeit des Glaubenstreuen enträfft, preist der Dritte das Erleben einer Epoche, die freies Handeln, gleich anderen Völkern gebietet. Mit dem egozentrischen Individualismus des Schwachen im Glauben glaubt der Jüngste immer in seiner Aera die Erwartete erlebt zu haben, und es wiederholen sich Zeit- 4äuftent--*wo- * A£v:n-F^ner ^e9-^üng*ieä>Uli^ immer, leiseren Bekenntnisse der Aelteren überhallt, der Tatendrang einer zur Herrschaft gelangten Jugend, der dieser ihre Zeit als die prädistinierte vortäuscht, aus welcher Illusion sie rauh das Erkennen der furchtbaren Folgen vernachlässigter Gesetze g-ttlichen Waltens emporreißt,- die uralte und ewig neue Moral der jüdischen Geschichte wieder erahnt, dieses Die Föderation der ungarischen Juden in Amerika. (Schluß.) Ein jüdischer Schriftsteller klagt, „daß alle anderen Völker nach ihren Besten beurteilt werden, die Juden aber nach ihren Schlechtesten". Die Ursache ist in dem Umstände zu suchen, daß organisierte Gruppen naturgemäß ihre Besten zur Exposition bringen, während die in „ungeordneten Verhältnissen lebende Konfession" nach ihren lärmendsten und unverantwortlichsten Elementen beurteilt wird. Das galt in besonderem Maße von den ungarischen Juden in New York, die sich wahrhaftig nicht des besten Rufes erfreut haben. Die orthodoxe Fraktion, die unter der Leitung des allgemein verehrten Rabbiner Dr. Klein steht, bestand zumeist aus deutschsprechenden Elementen; in der Synagoge selbst wird neben englisch zumeist deutsch gepredigt. Sie fiel daher ebensowenig, wie die aus dem Nordosten Ungarns eingewanderten jiddisch sprechenden Elemente als Ungarn auf. Das unrühmliche Renommee des ungarischen Juden stammte nur von dem magyarisch sprechenden, aus Mittelungarn stammenden Milieu, das zumeist durch daheim erlittenen gesellschaftlichen Schiffbruch nach der Küste Amerikas verschlagen wurde. Das füllte die wenigen Kaffeehäuser New Yorks, genoß den wohlverdienten Ruf der Arbeitsunlust, fristete mehr schlecht als recht das Dasein von Luftmenschen, das auf Pump gebaut, dennoch Mittel zum Exterieur eines Gentleman lieferte. Trotzdem diese Spezie einen kleinen Bruchteil auch des magyarisch sprechenden Judentumes ausmachte, erweckte sie durch ihre von daheim mitgebrachte Ostentation im Auftreten und ihre sinfällige Sichtbarkeit in den öffentlichen Lokalen den Eindruck, als ob sie das magyarische Element pa'r excellence vorstellen würde. Die Unpopularität des jüdischen Kaffeehausmagyaren erfuhr eine Steigerung durch ihr brüskes.( Benehmen gegen das ostjüdische Element, selbst wenn es aus Ungarn stammte, und ihre passive Resistenz in allen Fragen des Gesamtjudentums. Die Gründung der Föderation war daher eine wahre Ehrenrettung des Namens des ungarischen Judentums. Sie repräsentierte durch eine Anzahl glänzender Persönlichkeiten, deren ungarländische Abstammung bisher wenig bekannt war, den Namen des ungarischen Judentums in ganz anderer, vorteilhafterer Weise und zur rechten Zeit Denn von drüben her kamen schlimme Anklagen gegen die Budapester jüdischen Führer wegen ihrer kalten, unbrüderlichen Behandlung der ostjüdischen Flüchtlinge. In einer Zeit, wo die Juden aller Länder freundschaftliche Beziehungen zum amerikanischen Judentum gesucht haben, hat das ungarische Judentum daheim und in Amerika alles getan, um sich mißliebig zu machen. Im September-Bulletin des Glevelander People-Relief-Gommitee erschien folgender Schrei der Entrüstung: „Gedacht soll es den ungarischen Juden im Buche der jüdischen Geschichte werden, wie herzlos sie sich gegen ihre jüdischen Brüder benommen haben; sie sind übermütig durch ihre glückliche Lage; aber es wird die Zeit kommen, wo auch sie ihre jüdischen Brüder im Auslande brauchen werden und wir wollen es uns merken." Diese Ausbrüche haben durch Ereignisse traurige Erfüllung erhalten. Die Fahrlässigkeit des ungarischen Judentums in der Aufgabe der guten Beziehungen zum Auslande während des Krieges, ist freilich nur ein Kapitel im Buche der verfehlten Auslandspolitik des ungarischen Staates. „Wen der Himmel verderben will, schlägt er mit Blindheit." Während alle Regierungen in Amerika mit ihrer Judenfreundlichkeit Parade machen wollten und sogar der Zar sein berühmtes „An meine lieben Juden" von Stapel ließ, gefiel sich die ungarische Gesellschaft in Amerika in antisemitischen Allüren, trotzdem oder weil daheim die Judenfreundschaft den Glimax erreicht hatte. Bezeichnend ist, daß so viele der diplomatischen Vertretung Ungarns nahestehende Juden in New York getauft waren. Daß diese Personen nicht geeignet oder gar gewillt waren, zwischen dem dortigen ungarischen Judentume und den anderen zu vermitteln, versteht sich wohl von selbst. Es ist eine bittere Ironie des Schicksals, daß gerade die jetzige Regierung Ungarns im Auslande diejenige judenfreundliche Politik machen will, welche die hyperliberale Regierung zur Kriegszeit verabsäumt hat und daß die Delegation der Budapester Gemeinde post festum jetzt erst dasjenige nachholen will, was sie durch Jahrzehnte unterlassen hatte. Die Gründung der Föderation hat auch von dieser Seite nicht die leiseste moralische oder finanzielle Unterstützung gefunden und mußte sich ausschließlich auf die allerdings herzliche Sympathie der jüdischen Presse stützen. Von der ungarischen Föderation ging die Anregung aus, eine Vereinigung aller landsmannschaftlichen Föderationen zu gründen. In der Tat haben sich die sieben Landsmannschaften, die rumänische, Schiff' Pelzwflponhaus Wien, I.Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpelzen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.