Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1921-12-02 · 42 (2.12.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
42 (2.12.1921)
Date
1921-12-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2629906-2629949--0447-2632078
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. * Redaktion and Administration: Wien, II., Jtalzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Tnmergasse 14. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreichs800*—, Ungarn K 250-—, Tschechoslowakei Kö. 70*—, Deutschland Mk. 60*—, Schweiz Frcs. 10'—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 800'—. Einzelnummer d.-ö. K 15 —, Kc. 1*50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 10*— Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 42 Wien-Bratislava, 2. Dezember 1921 osnn '« rrDDDy-s - nn rryz | 7. Jahrg. Alarm! Das französisch-türkische Abkommen erfüllt die pessimistischesten Vorahnungen von der Gestaltung der Dinge im nahen Osten, beleuchtet den beispiellosen Leichtsinn und die Unverantwortlichkeit der Weizmänner mit dem grellen Lichte der Tatsachen und umdüstert den Horizont Erez Isroels mit gewitterschwerem Gewölke. Der Hüter Israels schläft und schlummert gewiß nicht, das ist unsere Zuversicht und unser Trost, unser notwendiger Trost, denn Israel schläft und schlummert — den Schlaf des Ungerechten. Zum dritten Male scharrt man in den heiligen Boden Erez Isroels Pogromopfer ein, Opfer des Hasses des Feindes, Opfer der treulosen Gleichgültigkeit des Freundes, jeder Tag bringt Kundgebungen feindseliger Natur, während die Versicherungen der Protektoren der Balfour-Politik immer nebelhafter werden. Der Exodus der Franzosen aus Ziljzien, die alle Nationalitäten, die sie gegen die Türken aufgehetzt haben, skrupellos in Stich lassen, um sie unbekümmert der Rache des aufs Aeußerste gereizten Todfeindes zu überliefern, malt das Schreckensgespenst einer Stunde vor, wo Palästina in eine ähnliche Situation geraten könnte. Aber schon der Rückzug der Franzosen selbst steigert das Kraftbewußtsein der Mohammedaner, beflügelt den Revanchegedanken, des in seinem nationalen Stolz und in seinem religiösen Fanatismus tief verletzten Moslims. In dem ganzen zionistischen Blätterwald vernimmt man keinen Laut der Besorgnis, keine Stimme des Gewissens, nicht die leiseste Andeutung von dem Verhältnis der Kemalisten zur zionistischen Sache. Aiqjg^toM öffentliche Meinung ISTbrffischenweltrei che aufrauscht und sich der Blick der englischen Staatsmänner besorgt nach dem Punkte wendet, der für sie nichts als eine von den vielen Positionen, für uns aber alles ist, gipfelt das Interesse der pärteizionistischen Blätter in den kleinlichsten inneren Angelegenheiten, und gestattet sichdie Parteileitung, die Oeffentlichkeit mit Kriegslügen über günstige Aussichten der zionistischen Sache zu täuschen. Während die trauernden Gemeinde^ in Jerusalem verzweifelt bei frischen Pogromgräbern stehen, durchziehen die verantwortlichen Führer der zionistischen Partei glückstrahlend das Dollarreich und lassen sich in wohlvorbereiteten Empfangs-Ausstattungsstücken als die Befreier des jüdischen Volkes und Erlöser für Erez Isroel feiern, statt aus allen Kräften Alarm zu i.utzr B. Hn das Obcrrabbinat in Warschau. Im Jahre 1873 gelang es der perfiden Denunziation der Assimilanten, von der russischen Regierung die Absetzung des letzten Oberrabbiners von Warschau zu erwirken. Im Jahre 1921 gelang es den Assimilanten in Verbindung mit den Misrachisten und Zionisten, den stark jüdisch-national betonten Prediger Doktor Poznanzky mit Hilfe der polnischen Behörde der Gemeinde Warschau als Oberrabbiner aufzuzwingen. Motiv i In beiden Fällen das gleiche. Der wütende Haß gegen das überlieferte Judentum in allen seinen Erscheinungsformen und der Versuch, die Entjudung des Judentums, auch äußerlich zum Ausdrucke zu bringen. Methode: In beiden Fällen dieselbe Korruption und Verdrehung der Tatsache, doch ein Unterschied besteht. Im Jahre 1873 lagen die Orthodoxen machtlos am Boden und waren nicht in der Lage, auch nur eine Rechtsverwahrung gegen die Kabalen der Assimilanten einzulegen. Im Jahre J.921 ist die Orthodoxie zwar nicht imstande, das polnische Ministerium von dem aller Gerechtigkeit Hohnsprechenden zu überzeugen, aber sie lassen keinen Zweifel, daß der religiöse Teil des Warschauer Judentums in Dr. Poznanzky niemals mehr sehen werden werde als den von der Regierung aufgezwungenen Kronrabbiner, und wer einigermaßen die russischen Verhältnisse im Gedächtnis hat, der ist sich noch über den inneren moralischen Wert der Stellung des Kronrabbiners genügend ,klar. Daß die Misrachisten durch ihren Wortführer Farbstein diese Verhöhnung des Thorajudentums, also des Judentums, gutheißen, ist nur ein Schattenstrich mehr in dem grotesken Gebilde. Man brauchte diese Ereignisse nur zu registrieren, um einfür allemal festzustellen, welche niederträchtige Lüge es ist, wenn man behauptet, man bedürfe für die Wahrnehmung der religiösen Interessen nicht einer selbständigen Orthodoxie. Es ist ein Pyrrhussieg des mit den Assimilanten verbundenen Misrachi. Polonius. Klare front. Das geheimnisvolle, trotz aller astronomischen Forschung noch nicht restlos erklärte Wechselspiel, mit dem das Meer bald seine Fluten brausend gegen das Gestade wirft, bald wie widerwillig sich vom Ufer zurückzieht, nennt der Seemann die Gezeiten. Unter Anlehnung an dieses Bild kann man auch von Gezeiten der Ideenkänmfe sprechen, die je nach "tarairnirt^^ und verflachen, bald im rasenden Sturm sich austoben. Man könnte es fast bedauern, daß die einseitige materielle Einstellung unserer Zeit dem Austrag gedanklicher oder gefühlsmäßig orientierter Gegensätze fast kaum noch irgend einen Raum läßt. Wie gewaltig, wie stark also muß eine Idee sein, gegen die man selbst in solchen Zeiten noch mit aller Wucht anrennt. Darin liegt für uns eine Quelle reinen Trostes, so wir sehen, wie man auf allen Seiten gegen die klare, reine, unverfälschte und zusatzlose Darstellung der religiösen Idee angeht. Wer nur etwas von der Weltgeschichte weiß, ist sich darüber klar, daß selbst im Leben der Völker endgültig nur das Prinzip siegt, welches die religiöse Idee als Gemeingut der Menschheit wenigstens eine Strecke ihres langen, mühevollen Weges vorwärts bringt, dem gegenüber will es gar nichts bedeuten, daß. die irdischen Lenker der Menschheitsgeschichte von heute klare Front gegen alle guten Geister beschlossen zu haben scheinen. Nur wir, die jüdischen &nä6r,WMdfirfen'']uclif vergessen, daß schön Emori dieselben Wege ging und trotzdem der Allmächtige nicht eher gen Emori vorzugehen hieß, als nicht die letzte Hoffnung auf ein Wiedererstarken der Gedanken der Liebe, der Hingabe an gerechten Ausgleich erloschen war. Wir dürfen nicht einstimmen in diese Dissonanzen des Hasses, der Lüge und der Entg-ttung des Weltgeschehens, auch dann nicht, wenn wir verfolgt werden, auch dann nicht, wenn wir um unserer Thoratreue willen von den Völkern der Welt mißachtet, von jüdischen Zeitsachverstandigen verdrängt werden. Dies alles dar Die Föderation der ungarischen Juden in Amerika. (Fortsetzung.) Am 16. Dezember 1916 fand die I. gründende Jahresversammlung der „Federation of hungarian Je\ys in Arnerica" im Versammlungssaale der hebrevv technical school statt. 80 ungarisch-jüdische Vereine hatten ihre Delegierten entsendet. In der Eröffnungsrede habe ich darauf hingewiesen, daß wir, um die Föderation stark und umfassend zu gestalten, dasjenige suchen und fördern müssen, was allen Schattierungen des ungarischen Judentumes gemeinsam ist": das religiöse Bekenntnis, hingegen jede einseitige politische Prononziation vermeiden müssen. Die bekannte Parole Abraham Lincolns sei als Wahlspruch über das Programm der Föderation zu setzen: With malice to none, with charity to all. In djesem Sinne wählte die Versammlung Rabbiner Dr. Philipp Klein zum Präsidenten des Ehrenrates, der aus den hervorragendsten Persönlichkeiten der ungarisch-jüdischen Gesellschaft gebildet wurde, wie Sam Koenig, Präsident der republikanischen Partei des Staates New York, Richter Hartmann, Mrs. Dr. Kohut, Alphonse Stern u. a. In das Präsidium wurden außer mir die Vizepräsidenten Max J. Holländer, Dr. Büchler und Fodor gewählt. Der überwiegende Teil des Ausschusses bestand aus Rabbinern. Das von mir entworfene Programm, das noch gegenwärtig in dem directory des Verbandes abgedruckt ist, lautet in den Hauptzügen: „DieFöderation der ungarischen Juden in Amerika hat eine anerkannte offizielle Vertretung des ungarischen Judentumes geschaffen, die bei jedem Anlasse die Ehre und das Interesse des ungarischen Judentumes wahren wird. Das Werk der Föderation beginnt mit dem Momente, wo der Immigrant den Boden Amerikas betritt und wird ihn vor den Irrtümern, Verirrungen und vor dem Unbill schützen, welche dem „Greenhorn" bei seiner Ankunft zuzustoßen pflegen. Der Immigrant, der aus dem alten Heim kommt, wird einen brüderlichen Empfang seitens der Föderation erfahren, die ihn mit Informationen, Empfehlungen und Arbeitsmöglicbkeiten versehen wird. Besonders wird die Föderation die einwandernde Jugend vor den Gefahren des Lebens in der Weltstadt bewahren, indem sie für die Jugend ein angemessenes gesellschaftliches Milieu aus Landsleuten schaffen wird. Die besorgten Eltern im allen Heim werden die Beruhigung haben, daß die Ehre ihrer Söhne und Töchter durch die soziale Aktion der Föderation geschützt bleiben wird. Die Föderation erstrebt die kulturelle und sittliche Hebung der jüdischen Masse durch Vorlesungen, Bibliotheken und Literatur. Sie wird das Zusammengehörigkeitsgefühl durch Arrangierung gesellschaftlicher Gelegenheiten fördern. Besonders wird die Föderation einen stärkeren Impuls bei der Anteilnahme an dem großen amerikanischen Hilfswerk bewirken, indem das ungarische Judentum einerseits zur intensiveren Mitwirkung an dem Sammelwerke angeeifert werden soll, andererseits eine wirksamere Vertretung der Interessen ihrer Brüder im alten Heim ermöglicht werden soll. Die Föderation wird solche philanthropische Institutionen zu errichten suchen, wie sie die Juden aus anderen Ländern bereits seit larigem besitzen, die aber dem ungarischen Judentum in Amerika noch fehlen.. . . Die Föderation wird bei wachsenden Mitteln ein finanzieller und wirtschaftlicher Wegweisa^ und Helfer für die ungarisch-jüdischen Massen in Amerika werden. ... Aufgebaut auf eine durchaus idealistische Grundlage soll diese Föderation selbst bei der minimalsten Unterstützung seitens des Einzelnen werden und bleiben der Stolz des Judentumes, die Ehre des .ungarischen Namens und ein nützlicher Faktor im Leben des neuen Vaterlandes. So möge kein ungarischer Jude sich in zynischer Weise dem Gebote der Mitarbeit an diesem edlen Werke entziehen!" Am 1. Jänner 1917 Avurde das Zentralbureau der Föderation der ungarischen Juden in Amerika in der zweiten Avenue eröffnet und ein monatliches Bulletin, das über alle Vorgänge im ungarischen Judentum Amerikas berichtete, herausgegeben^ (Fortsetzung folgt.) Schiff' Pelzwarcnhaus Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpelzen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.