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Jüdische Presse · 1921-11-25 · 41 (25.11.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
41 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ptwfyywvwMnpfy ~W JüünkriE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: I Wien, II., Malzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Turnergasse 14. I Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: I Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. | Abonnementspreise: Gansu'ährig: Für Österreich K800-—Ungarn K 250'-, Tschechoslowakei Kc. 70-—. Deutschland Mk. 60--, Schweiz Frcs. 10-—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Loi, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 800«—. Einzelnummer d.-ö, K 15 —, Kö. 1*50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 10*—. Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 41 | Wien-Bratislava, 25. November 1921 .ysnn prn td nnoojns - n:-i ,tjd | 7. Jahrg. Diplomaten. Und wieder ist die Welt um eine große Enttäuschung reicher. Allerdings hatte sie nicht das Recht, auf Washingtons Abrüstungskonferenz allzugrbße Hoffnung zu setzen. Es war ja zu erwarten, daß lediglich mit anderer Rollenbesetzung sich das Schauspiel von Haag wiederholen dürfte. Auch das Thema lautet etwas anders. Damals stand das Talleyrandsche Rezept vom europäischen Gleichgewicht zu Gevatter, heute handelt es sich um das Weltgleichgewicht. Aber doch dasselbe Spiel. Wieder ist es nicht ein Gemeinsames, das aus den> Beratungen herausgearbeitet werden soll, sondern im besten Fall ein dürftiger Ausgleich der sich befehdenden Interessen. Die Herren Diplomaten können nicht einmal mehr das Gegensätzliche dieser Interressen verschleiern. Alte Schule? Nein, sondern die unerbittliche Rache der Wahrheit. Es geht nicht mehr an, staatlich-selbstisches Wollen mit solchen Gedanken zu drapieren, welche allgemeines Menschenwohl, von Grenzpfählen und Imperialismus Menschheitsglück begründen könnten. Wo ist ein Jesaias, wo ein Jecheskel, welcher diesen Diplomaten ihr „masso" entgegenhält? Wie jämmerlich wäre es um das Wohl der Welt bestellt, wenn es nicht gelingt, eine Spur des Ewigen in dieses Getriebe hineinzutragen, welches so allmählich nun auch dem Blinden es klar macht, daß der Friede kein Friede, der Vertrag kein Vertrag ist, daß auch nicht das allerkleinste Problem in Krieg und Nachkriegszeit seiner Lösung entgegen geführt worden ist, sondern, daß vielmehr lediglich selbst das dürftigste Gewand von der Gier zerissen und eine Fülle neuer Probleme geschaffen wurde. Aber wie könnte es besser werden, da denn doch (JPZ) Louis Marshall, der Präsident des American Jewish Gomitee führte in seiner Begrüßungsansprache anläßlich der Beratung der jüdischen Philanthropen Amerikas in Chicago u. a. folgendes aus: Seit Ausbruch des Krieges haben die amerikanischen Juden 47 Millionen Dollar aufgebracht, und man kann wohl sagen, daß sie weitere 20 Millionen an ihre Verwandten in Europa gesandt haben, so daß die. amerikanische Judenheit insgesamt 65 bis 70 Millionen Dollar für Hilfszwecke übermittelt hat. Es ^mm^^^^mmS^^^^^' Wohlan, es gibt «eine Diplomatenschule, aus der man auch in Washington manches lernen könnte. Denn schließlich enthalten die Kapitel 23 und 24 von Bereschith ein sehr klares Bild von Staatsaktionen, ja sogar der ersten Staatsaktion, welche Landerwerb in Palästina betraf. Ephron, des Chittivolkes König, war ein seh) geriebener Diplomat. Was hatte Abraham, der mit aller Höflichkeit als ein Fürst von des Allmächtigen Gnaden behandelt wurde, dem entgegenzustellen? Nichts, als die klare Fassung seiner Forderung, nichts, als das konsequente Festhalten an seinem Antrag, einerlei ob er den von Ephrons Majestät vorgeschickten Unterhändlern oder Ephron selbst gegenüberstand. Gewiß, mit Anwendung der besten- Formen unter Innehaltung der, wie es scheint, beim Chittivolk notwendigen demokratischen Verbeugung, aber doch in klarer Erkenntnis, welche Instanz eigentlich für einen solchen Staatsvertrag maßgebend war. Das war der Juden erstes Auftreten und erster Erfolg auf dem Parkett der Diplomatie. Abraham machte Schule. Der ganzen Stellung seines Hauses nach, war die Verheiratung seines Sohnes gleichfalls ein Staatsakt; es war also eine diplomatische Mission, in welcher Elieser hinauszog, seiner Herren Diener und gelehriger Schüler. Auch hier dasselbe Bild: Klare Präzision des Antrags, ungeschminkte Darstellung der Folgen einer etwaigen Ablehnung, die als Möglichkeit stets ins Auge gefaßt war und vor der man sich nicht fürchtete, edel selbstbewußtes Angebot der Gegenleistung und das alles einem Laban gegenüber, der das Instrument der sogenannten Diplomatie auf allen Saiten kunstgerecht zu spielen verstand. Als dann das ehrliche Eingeständnis, daß der überraschende Erfolg nicht das Werk seiner Kunst, sondern Fügung eines höheren Willens war, als dann weiter Beharrlichkeit gegenüber allen Verzögerungsversuchen der Gegenseite. Schließlich keine Geheimniskrämerei, sondern dem, den es anging, erzählte Eliesier alles. Das ist jüdische Diplomatie und nur in den Bahnen dieser Schule sollten von jüdischen Diplomaten jüdische Fragen behandelt werden. Klarheit und Ehrlichkeit in der Formulierung der Forderungen, Rücksicht und Ernst in ihrer Vertretung; die Möglichkeit des Nichterfolges deutlich sich ins Bewußtsein führen und den Erfolg als ein Werk der Vorsehung betrachten. Vor allen Dingen edelstolze Darstellung dessen, was Israel der Welt an Gegenleistung zu bieten imstande ist. Es wäre Glück und Friede der Welt, wenn die Diplomaten in Washington in Abrahams Diplomatenschule gingen. Dann könnte man Trost erhoffen für alles das, was die Welt verloren und Segen würde sprießen allüberall. P. K. £oui$ marsball über das ßilftwrk in Europa. ....... fetförg&aafea-Vni Herzen der osteuropäischen Ghettos. Der sogenannte Ansiedlungs-Rayon im zaristischen Rußland war Schauplatz; all der Kämpfe und die acht Millionen Juden wurden durch den Krieg im Osten aufs ärgste» mitgenommen. Der Krieg hat 5 Millionen Juden ökonomisch ruiniert und 8 Millionen Juden an den Bettelstab gebracht, so daß sie mehr oder weniger noch jahrelang auf unsere Hilfe angewiesen bleiben. Wenn wir annehmen, daß die jährliche Durchschnittssumme, die wir während der letzten sieben Jahre für Hilfszwecke gespendet haben, zehn Millionen Dollar betrügt und weiter annehmen, daß drei Millionen Juden im Osten unsere Unterstützungen empfingen, betrug unsere Spende pro Kopfund Jahr 3-38 Dollar. Man muß jedoch berücksichtigen, daß die während der letzten sieben Jahre für Hlifszweckeaufgebrachten 70 Millionen nicht zur Gänze für die Hilfe an die Notleidenden im Osten verwendet werden konnten. Das „JDC" hat Hunderte von Beamten und Vertretein in allen Teilen Ost- und Zentraleuropas gesammelten Geldes mußten für die Aufbringung und Verteilung venvendt werden, so daß eine beträchtliche Summe von diesen 70 Millionen in Abzug gebracht werden muß. Das Geldüberweisungs-Büro des „JDC" hat sich als kostspieliges Unternehmen erwiesen zufolge des rapiden Sturzes der polnischen Mark und der jüdische Spender in Amerika war der Verlusttragende. Die Föderation der ungarischen "Juden in Amerika. Wie das „Jüdische Korrespondenzbureau" mitteilt, hat die „Föderation der ungarischen Juden in Amerika" an dem von ihr veranstalteten ersten Hilfstag 45.000 Dollar für jüdische Kriegs- und Pogromopfer gesammelt. Damit hat die ungarische Föderation endlich den Weg des vorgezeichneten Prograinmes betreten. Die Gründung der ungarischen Föderation war kein leichtes Werk. Alle in den letzten zwei Jahrzehnten gemachten zahlreichen Versuche, einen einheitlichen Verband der ungarischen Juden von Amerika zu schaffen, erwiesen sich schon in der ersten Sitzung als aussichtslos. Jedes andere Emigrationsland besaß einen Verband seiner Landsleute in Amerika, welcher der jüdischen Oeffentlichkeit und oft auch den Behörden gegenüber die Rechte und die Interessen seiner Mitglieder vertreten hat; nur die ungarischen Juden waren nicht zusammenzufassen. Den ersten Rang nahm der „Verband der Juden aus Galizien und der Bukowina" ein, der 400 bis ■600 galizische Vereine vertrat und durch diese auf eine Mitgliedschaft von 50.000 bis 70.000 Seelen hinweisen konnte. Sehr bedeutend war auch der „Verband der rumänischen Juden", der allerdings darunter litt, daß eine zweite rumänische Gruppe einen besonderen Verband etablierte. Daneben gab es Verbände der bessarabischen, ruthenischen, polnischen und der orientalischen Juden, in welch letzterem die türkischen, syrischen und arabischen Juden organisiert waren. Im Sommer 1916 machte ich den Versuch, die einander schroff gegenüberstehenden Gruppen des ungarischen Judentums organisatorisch zusammenzufassen. Kein ariderer als der gegenwärtige Präsident der Föderation, Doktor Büchler, versicherte mir, daß hier der Liebe Mühe vergebens sei. Die orthodoxe Fraktion habe" von daheim das Prinzip der Trennungsorthodoxie mitgebracht, das wohl hierzulande nicht restlos durchgeführt werden könne, aber sich immerhin bei jeder einheitlichen Zusammenfassung als Hindernis einstellte. Die magyarische Gruppe der aus Ungarn eingewanderten Juden, wolle nicht mit den aus den Komitaten Bereg, Ung und Maramaros eingewanderten yiddisch sprechenden Juden,, die sie verächtlich „kajk" nennen, in gesellschaftlichen Konnex geraten (die yiddisch sprechenden, oder überhaupt aus dem Osten stammenden Juden werden von den amerikanischen Juden mit dem Spitznamen kaik belegt, angeblich weil sie statt cake Kuchen, kaik sagen). Dann kam die vierte Gruppe der amerikanisierten ungarischen Juden, die es aus patriotischen Gründen ablehnten, ihre ungarische Herkunft zu unterstreichen. Zu diesen internen Schwierigkeiten gestellte sich der Umstand,, daß gerade damals in der .jüdischen Presse ein Sturm der Entrüstung gegen das ungarische Judentum wütete, erregt durch Schilderungen ostr jüdischer Flüchtlinge über ihre schlechte Behandlung in Ungarn. Die magyarisch-sprechenden Juden in Amerika verleugneten übrigens bei jeder Gelegenheit ostentativ jede Solidarität mit dem Ostjudentum und waren darum in Amerika als jüdische Antisemiten verschrien. Ohne die kräftigste Unterstützung seitens der jüdischen Presse war eine über die ganze Union zu erstreckende Organisation nicht denkbar. Wenn ich die Schwierigkeiten dieser Gründung und deren Ueberwindung hier eingehender behandle, geschieht es, um die Lösung des stets aktuellen Problems der einheitlichen Zusammenfassung des Judentums zu demonstrieren. Jede Erfassung verschiedener jüdischer Fraktionen kann nur im Zeichen der Thora, der Tradition gelingen. Es war daher nicht bloß persönliches Bedürfnis, sondern die einzige richtige Methode, zur ersten Sitzung, welche die Konstituierung des provisorischen Komitees beschließen sollte, ausschließlich Bne Thora einzuladen. Diesö Einladung erging an alle aus Ungarn stammenden Rabbiner^ in New York, welche dortige Jeschiwos absolviert hatten. Das verlieh unserer Sache einen würdigeren, ernsteren Charakter und grenzte sich scharf gegen die zahlreichen Bluffs der wunderlichen jüdischen Welt in New York ab. Die erste Versammlung der zu gründenden Föderation der ungarischen Juden bestand ausschließlich aus Männern, deren Jugend dem Studium der Thora geheiligt war. Es waren erschienen die Rabbiner M. B. Klein, der greise Rabbi der Chassam-Sofer- Synagoge Glüh, Rabbi Neuländer-Bronx, Rabbi Abeles (aus Vacz), Rabbi Dr. Büchler, die Reverenden Dr. Wassermann und Tennenbaum, Rabbi Pfeffer und einige Laien. Um die kleine Gesellschaft schlang sich das Band gemeinsamer Erinnerungen an das wahrhaft idealistische, selbstverleugnende Leben des Talmudjüngers, das in solch schroffem Gegensatz'zu dem Realismus Amerikas steht, dem man sich widerwillig aber doch ergeben muß, das geheime Sehnen nach dem verlorenen edleren Leben wie eine unmännliche Schwäche scheu verbergend. Das verlieh unseren ersten Verhandlungen eine seelenvollere Note als es sonst drüben anzutreffen ist. Der Geist der Preßburger Jeschiba schwebte über die erste gründende Sitzung der Föderation der ungarischen Juden in Amerika, erfüllte uns mit hohem Vertrauen zueinander und sicherte ein felsenfestes Fundament für den Autbau der Föderation. (Fortsetzung folgt.) M ■ *PI*n PS 1 1 Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ii Hfl MM\ M ■bni % MW mWk I H M VB flft WM BM WM WM WM ■ ■ WM Ecke Fleischmarkt, Telephon ^rniTT J vDI71A1#lll!/ni1#IIIV Große Auswahl in Damenpelzmänteln, LILIIIII ■ Ljl/llflfUl tjllllUUiJ Füchsen, Herrenpelzen. Moderni- Mi mW III! 1 S WW mmW m m wm m Wm ,1111M M Wm sierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.

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