Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 40 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2629891-2629906-2629947--0434-2632063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 286 JÜDISCHE PRESSE Nr. 40 einigten Jüdischen Partei* betont habe, sich diesmal auf das Minoritätsrecht berufen hat. Diese Angabe ist unwahr. Der Vertreter der Orthodoxie hat sich auf den Friedensvertrag berufen, der die Sabbatfrage behandelt. Im Friedensvertrage sind übrigens religiöse Minoritätsrechle garantiert, die im Gegensatze zu den nationalen respektiert werden. Unwahr ist überhaupt gar, daß die sogenannte (der Name schon ist Humbug) „Vereinigte (?) jüdische Partei" nationalpolitische Postulate angenommen hat. Wahr ist das Gegenteil. Wahr ist, daß sogar alle ehrlichen Zionistenführer scharf gegen diese nationalpolitischen Postulate" auftreten: wahr ist, daß sogar der Präsident der zionistischen Organisation sich scharf gegen diese „nationalpolitischen Postulate" gewendet hat (siehe Jüd. Corr.-Bureau Briefwechsel Weizmann-Untermeyer) und daß nur gewissenlose zionistische Streber in den verhängnisvollsten Zeiten Erez Israels das Geld der Zionisten, ihre ganze Kraft und Energie auf Stadtrat, Nationalrat und andere Mandate vergeuden. Der Artikel des Weißwäschehändlers Weiß schließt mit den dreisten Worten: „Fort mit den politischen Dilletanten und Strebertum!" Es sei dem Herrn Weißwäschehändler gesagt, daß die damit Bezeichneten ihre Stelle einem lebenslangen Studium einer echtjüdischen Lebensweise und einer korrekten demokratischen Wahl verdanken. Welches von den Dreien kann von den Herren der Volkszeitung behauptet werden. »Und dem Frevler sagt. Er, was hast du*meine Gebote zu verkünden?", Was leitet dem, der sich stets stolz als Kofer belkoi bekannt hat und sprichwörtlicher Posche-Isroel ist, den Sabbat gegenüber der Orthodoxie zu verteidigen. Liebe zum Sabbat oder Mandatismus? Kaiser'Josef hat der Frau v. Kemmeter, die ihm ihre Verse zur Beurteilung eingesendet hat, bekanntlich mit den Vers geantwortet: Liebe Frau von Kemmeter Näh1 sie lieber Hemmeter. Wir empfehlen dem Weißwäschehändler Weiß, für den ein Artikel augenscheinlich eine Zangengeburt ist, dasselbe. Generalversammlung des Topolcsanyer Jüdischen Jagendvereines. (17. Oktober.) Präses Alfred Friedmann eröffnet die Generalversammlung, begrüßt die Anwesenden und beantragt die Wahl einer Wahlkommission. Es werden die Herren Sandor Link, Julius Weiß und Alfred Löwy gewählt. Zur Tagesordnung übergehend, erörtert Vorsitzender die heutige Lage und Situation des Vereines und betont, daß der Verein auf den verschiedenen sozialen Gebieten nur durch Mithilfe und enge Zusammenarbeit mit der Agudas Jisroel segensreich wirken konnte und seinen moralischen Aufschwung auch in vielen Beziehungen derselben zu verdanken hat und beantragt, sich der Agudas Jisroel anzuschließen. Die Herren Adler .und Schwarz wünschen Auseinandersetzung des Arbeitsprogrammes der slowakischen Aguda, welchem Wunsche Herr Julius Link entspricht. Hierauf faßt die Generalversammlung einstimmig den Beschluß, sich der Agudas Jisroel anzuschließen. Des weiteren referiert Vorsitzender über die einzelnen Arbeitssektionen des Vereines, namentlich über Lokalgruppe, Jeschiwa-Aktion, Keren Erez Isroel, Bibliothek, Unterrichtswesen, legt zugleich die Bilanz dieser Aktionen vor. Lokalgruppe schließt mit den Gesamteinnahmen von K 9052*20, Keren Jeschiwa von K 5745-16 (mit Defizit von K 423-76), Keren Erez Isroel von K 1730-—. Der Bericht wird beifällig aufgenommen. Herr Präses teilt mit, daß Sonntag, den 28. Tischri, eine Delegiertenversammlung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe in der Slowakei stattfindet, zu welcher zwei Delegierte zu wählen wären. Es wurden gewählt die (Herr Alfred Friedmann als Mitglied des Landesverbandes) Herren Julius Weiß und Paul Link als Delegierte und Herr Julius Link als Ersatzdelegierter. Herr Julius Link beantragt: 1. mit Rücksicht auf die finanzielle Lage des Vereines die Erhöhung der Mitgliedstaxen auf K 3'— per Monat und 2. die Aufnahme der Mitglieder im Vereine vom 13. Lebensjahre. Beide Anträge werden nach einer kleinen Debatte angenommen. Es wurde gewählt]: Alfred Friedmann, Präses; Paul Link, 5Vizepräses{; Julius Link, erster Schriftführer; SamuvBernfeld, zweiter Schriftführer; Max Stern, Kassier; David Spitzer, Kontrollor; Heinrich Friedmann, Julius Weiß, Philipp Krojnik, Alexander Link, Ludwig Weill, Jakob Adler, Alfred Löwy, Josef Schlesinger, Julius Ascher und Sandor Schwarz, Ausschuß. Sämtliche Arbeitssektionen sind von diesem Ausschuß zu wählen. Für die ukrainischen Waisen. An den hohen Feiertagen wurden laut Beschluß des Bratislavaer orth. Kultusvorstandes in allen Synagogen für die ukrainischen Waisenkinder gespendet, wobei zirka Kö 15.000*-— insgesamt aufgebracht wurden. Wir empfehlen dieses Beispiel allen Gemeinden zur Nachahmung. Jeschiwa. Die Einschreibungen an der Bratislavaer Jeschiwa haben bereits stattgefunden und ist abermals eine größere Schar thorabeflissener Jünger aus allen Gegenden nach dieser berühmten Thorastätte geströmt. Auch in den übrigen Jeschiwos der Westslowakei in Magendorf, Tyrnau, Huncovce, Komarno, Neutra und Surany befinden sich b. e. h. zahllose Bachurim, die sich dort unter bewährter Leitung fleißig dem Studium widmen. Jüdische Jugend. Die zweite Nummer des Organes der Aguda-Jugend in der Slowakei „Jüdische Jugend", wird Anfang Dezember mit reichhaltigem Inhalte und in sehr schöner Ausführung erscheinen. Die hiefür entfallende Subvention aller Jugendgruppen möge ehebaldigst eingesendet werden. Delegiertentag der Agudas Jisroel Jugeudgruppen in der Slowakei. Infolge der eingetretenen Verhältnisse, war die Bratislavaer Zentralleitung des Landesverbandes gezwungen, den für den 28. Tischri 1. J. angekündigten Delegiertentag der Jugendgruppen im letzten Augenblick bis auf Weiteres zu verschieben. Der Delegiertentag ist nunmehr für den 25. Dezember 1. J. (24. Kislew) bestimmt worden und sind hiebei alle Instruktionen von früher gültig. Die Tagesordnung bleibt auch die gleiche, u. zw.: 1. Eröffnung durch den Vorsitzenden, 2. Wahl des Bureaus, 3. Berichte der Zentralleitung, 4. Allgemeine Aussprache über die Berichte, 5. Vorlage des endgültigen Statutenentwurfes, 6. Aussprache über die einzelnen Aktionen, 7, Wahl der Zentralleitung und Bestimmung des Sitzes. Aron Kober s. A. Ein kurzes Telegramm meldet das plötzliche Hinscheiden Aron Kobers. Hunderttausende werden die Trauerbotschaft mit tiefer Erschütterung aufnehmen. Denn unübersehbar groß ist die Zahl derjenigen, die Aron Kober kannten, seine ganze Persönlichkeit aufrichtig verehrten und seine seltenen menschlichen Vorzüge bewunderten. Wie viele gibt es denn unter uns, die gleich ihm ganz ausgefüllt sind von dem unablässigen Bestreben, im Judentum, das Höchste und Edelste zu erblicken und all ihre Tatkraft, all ihr Sinnen und Trachten diesem Urquell aller Tugenden zu widmen? — Nicht nur in Breslau, wo er die treibende und bewirkende Kraft aller orthodoxen Institutionen Jahrzehnte hindurch gewesen ist, sondern weit über die Grenzen des deutschen Reiches hinaus im ganzen Judentum, wo immer es für Tauroh und Jir'oh zu wirken gab, war Aron Kober unter den ersten, die mit tiefem Verständnis und mit praktischem Sinn nach dem Richtigen sahen. Hervorragend und erfolgreich als Kaufmann und Leiter eines anerkannten Geschäftshauses, hielt ihm irdisches Streben doch nicht im Banne. Alles hatte für ihn insofern Wert, als es sich als taugliches Mittel zur Veredlung seines und seiner Mitmenschen Lebens erwies. Sein Innerstes war immer dem Judentum, der Ausübung von Mizwos und Maassim towim zugewandt. Sein goldreines Herz geriet in Erregung so oft sich ihm Gelegenheit bot, Gutes zu stiften und für das Judentum zu wirken. Ein Tätigkeitsdrang beherrschte sein ganzes Denken und Fühlen; er wollte stets mehr leisten als er vermochte. Ahnte er, daß sein gottgeweihtes Leben mitten im reifen Mannesalter, noch bevor „seine Jahre voll werden" jäh abgeschnitten würden? Agudas Jisroel war ihm tiefes seelisches Bedürfnis. Ihr weihte er aus innerster Ueberzeugung sein bestes Können seit ihrer Gründung bis in die letzten Tage hinein. Nimmer verlor er sie und ihre Ziele aus dem Sinn. Jahrelang unterhielt er ein eigenes Bureau für die Agudas Jisroel in Oberschlesien und ihm ist es zum größten Teil zu danken, wenn die Flügelschläge einer neuen Zeit für das Judentum auch in jener Gegend vernehmbar sind. — Man muß ihn in der Zeit der Kattowitzer Konferenz und bei anderen Gelegenheiten in Aguda-Sitzungen gesehen haben, um zu begreifen, weswegen die gesamte Aguda um seinen allzufrühen Heimgang in grenzenloser Wehmut trauert. p^JiC *OT J. J. B. mm® Reime, „Die Zeit", das Organ der Poale-Zion Arbeiterpartei in Amerika, bespricht in einem längeren Artikel die Organisation der Aguda und schreibt unter anderem: Die Oiganisierung der orthodoxen Juden, die gegenwäAig in der ganzen Welt — in den letzten Monaten auch in Amerika — unter dem Namen „Agudath Jisroel", vor, sich geht, ist eine erfreuliche Erscheinung. Die mächtige Strömung im orthodoxen Judentum, sich zu organisieren, ist nicht etwa ein Ergebnis von Reaktion oder verstärktem Klerikalismus, wie so viele Schmalköpfe unserer Radikalen meinen, sondern im Gegenteil, diese Strömung ist ein Resultat der europäischen Revolution . . . Dem jüdischen Volk ist es nur ein Vorteil, daß der orthodoxe Teil des Judentums endlich weltlich organisiert ist, denn damit ist der Prozeß, alle produktiven Teile im Judentum zu organisieren, sozusagen beendigt. Die große Mehrheit der jüdischen Masse befindet sich zwischen den Klausjuden. Im jetzigen Moment, wo das Judentum der ganzen Welt so viel gelitten hat und in allen seinen Winkeln zerstört wurde, ist eine übernatürliche Anstrengung aller Volkskräfte erforderlich, um es vom Untergang zu retten .. . Die Leiter der Aguda sind sich vollkommen der großen Gefahr bewußt, die uns von der Desorganisation und Zersplitterung unserer Kräfte droht... Es ist sicher, daß, wenn solche reine und ideale Persönlichkeiten, wie Doktor Nathan Birnbaum und Rabbi Zirelsohn an der Spitze der Agudath Jisroel stehen, wird sogar der Kampf zwischen ihr und uns eine „Machloko lschem schomajim" sein, und wir werden gewiß viele Berührungspunkte haben, wo wir friedlich und brüderlich zum allgemeinen Wohle unseres leidenden Volkes werden arbeiten können. „Kol Jisroel", das Organ der Aguda in Jerusalem, schreibt über den Zionistenkongreß: Die Misrachi hat auf dem Kongreß eine Resolution eingebracht, daß die zionistische Organisation nichts gegen den jüdischen Glauben unternehmen wird,, und daß am Sabbat in den Komitees nicht gearbeitet werde. Die Resolution wurde jedoch in der Abstimmung abgelehnt und erst zufolge einer Intervention Weizmanns ist ein nichtssagender Vergleich zustande gekommen. Es ist sonderbar, daß diese Tatsache von der jüdischen Welt ohne Protest hingenommen wurde . .. Wie viel Mühe hat es den jüdischen Gemeinden in Polen gekostet, damit die Regierung die Heiligkeit des Sabbat anerkenne. Was für einen Wert hätte die ganze Arbeit, wenn die Regierung auf die zionistische Abstimmung hinweisen kann? ... Hunderteinundfünfzig Juden haben gegen die Heiligkeit des Sabbat gestimmt. Sie haben das nicht als Privatleute getan, sondern als Vertreter Hunderttausender Juden. . . Diese Abstimmung wird der Außenwelt als Beweis dienen, daß der Kongreß nicht als Vertreter von Klal Jisroel anzusehen ist, weil Klal Jisroel nicht gegen die Heiligkeit des Sabbat stimmen würde. Hguda. ***** Ein Immigrationsbureau der Aguda in Palästina. Am Rosch-Chodesch Gheschwan wurde in Jerusalem ein Immigrationsbureau für Einwanderer von Mitgliedern der Aguda Jisroel eröffnet. Das Bureau wird auch für Verköstigung und Unterbringung der Ojlim sorgen. Ferner hat das Bureau im Stadtzentrum mehrere Abend-Schiurimkurse eingerichtet. Aehnliche Bureaus sollen auch in den anderen Städten, besonders aber in Jaffa eingerichtet werden. Zur Hebung von Handel und Industrie in Palästina. Bekanntlich wurde in Polen durch die agudistische „Schlome Emune Jisroel" eine Zentrale für Handel und Industrie in Palästina gegründet, deren Sitz in Lodz ist. .Die Zentrale ist bemüht, die Ein- und Ausfuhr zwischen Palästina und Polen zu regeln und in Palästina Handel und Industrie zu entwickeln. Vor wenigen Tagen ist nun Herr Nuchem Rosenfeld, Fabrikant aus Warschau, als Vertreter dieser Zentrale in Palästina eingetroffen, um die Errichtung von Industrien zu bewerkstelligen. Des weiteren ist in Palästina eingelangt Herr Kahane, Hojzhändler aus Riga, und hat sich in Jaffa eine Holzhandlung gegründet. Er wurde zum Leiter der Agudas Jisroel-Gruppe in Jaffa gewählt. Von der Schweizer Aguda. Die Schweizer Aguda Jisroel-Organisation hat in den letzten Tagen eine eifrige Tätigkeit zugunsten des Keren Hajischuw entfaltet, für welchen Fonds sehr ansehnliche Beträge gesammelt wurden und außerdem hat die Organisation die monatliche Besteuerung der Mitglieder eingeführt, welche Aktion ebenfalls ein sehr günstiges Ergebnis zeitigte. Bisher sind über' 1200 Francs eingelaufen. Zugunsten der Jeschiwtos in Litauen, für deren Aufbau Herr Rabbiner Dr. Kohn aus Basel vor kurzem in einem warmen Aufiuf appelliert hat, wurden ebenfalls 1200 Francs gesammelt. Von der Aguda in Polen. In einer der letzten Sitzungen der polnischen Landesorganisation der Aguda, an der auch Rabbiner Salomon Ahronsohn aus Kiew teilnahm, wurde die Frage der ukrainischen Flüchtlinge behandelt. Herr, Krumpuß, als Vertreter der ukrainischen Orthodoxie und Rabbiner Ahronsohn gaben charakteristische Details vom Leben der dortigen Juden, die auch religiös sehr unterdrückt werden. Trotzdem ist eine starke religiöse Strömung in einem großen Teil der jüdischen Masse zu bemerken. Die dortige Orthodoxie sucht Wege und Mittel, den Juden in religiöser Hinsicht zu helfen. Die Arbeit wird jedoch durch die gegenwärtig traurige ökonomische Lage sehr erschwert. Herr Schachne Awrech referierte über seine Reise nach Wien und über die Aktion der Aguda zugunsten der ukrainischen Waisen. Er berichtete über seinen Besuch im Waisenhaus der Aguda in Baden. Außerdem hat die Aguda mehrere hundert Waisenkinder bei Familien in Deutschland, Ungarn und Tschechoslowakei untergebracht. In kurzer Zeit wird Herr Dr. Butterweiser nach der Ukraine delegiert werden, um die Lage der dortigen Waisenkinder zu studieren und um dort ein Waisenhaus zu errichten. Spendet für die Jugendgpuppe!