Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 40 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2629906-2629947--0431-2632060- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Turnorgasse 14. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K 800*—, Ungarn K 250--, Tschechoslowakei Kö. 70«Deutschland Mk. 60«-, Schweiz Frcs. 10«—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 800'-. Einzelnummer d.-ö. K 15 —, Kö. 1-50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 10*— Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungsauschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 40 | Wien-Bratislava, 18. November 1921 ♦n*snn jwn P rrDDopne - nn n-y- | 7. Jahrg. Bündnisfäbiakeit. Eines ist sicher. Der Allmächtige hielt Abraham und seine Nachkommen für bündnisfähig. Das ist unser Stolz und alles Recht, das wir in der Mitte der Völker besitzen und beanspruchen, kann sich immer nur auf dieses Bündnis beziehen. Irgendeine Beziehung der jüdischen Gemeinschaft oder eines Teiles derselben zur Umwelt, welches sich nicht auf diese Tatsache bezieht oder aus derselben ableitet, ist illegal für beide Kontrahenten. Ueber diese Behauptung lacht man, das wissen wir. Stört uns nicht, denn wir haben diesem blasphemischen Lachen ein anderes entgegenzusetzen, das Lachen unseres Bundespartners, von dem es heißt in Psalm 2,4: Der im Himmel thronet lachet, der Ewige spottet ihrer. Aber es wird eine Zeit kommen, da er zu ihnen in seinem Zorn reden, mit seinem Grimm sie erschrecken wird. Die alten Dynasten und Staaten waren einsichtsvoller. Als der Philisterkönig sich anschickte, den ersten Staatsvertrag zu schließen, dessen Gegenkontrahent der Ahne der Juden war, berief er sich auf den Allmächtigen. Die Legitimation Abrahams war wohl unbestritten. Der Schauplatz dieses Staatsaktes war also Palästina, denn Palästina heißt Philisterland.. Und wenn viele Zeitgenossen darüber gekränkt waren, daß die hebräische Aufschrift auf den Briefmarken so beängstigend an die Philister erinnerte, wir gestehen, daß wir in dieser Tatsache einen Anklang an dieses erste palästinensische Bündnis erblicken. Wir schmeicheln uns freilich nicht in der trügerischen Hoffnung, daß auch nur eine schwache Reminiszenz an dieses Ereignis im Völkerbund zu Worte kommen wird. Es genügt uns vollkommen, daß der Allmächtige die Wandlung der Dinge so führt, daß denn doch letzten Endes sein Bündnis wieder zum Durchbruch kommt. Schlimm ist es nur, wenn Juden dieses Ereignis aus der Geschichte streichen möchten. Gewiß, es gab im Leben anderer Völker Epochen, in denen man sich bewußt der Vergangenheit entschlug; das waren Taten und Zeiten der Verzweiflung und zumeist Vorboten' des nahen Untergangs. Nun, Abrahams Enkel können sich den Luxus einer solch vollkommenen Abkehr von dem frühesten Einst nicht gestatten; sonst hören sie auf bündnisfähig zu sein. Wir glauben, daß ungekünstelte Interpretation die Worte der Mandatseinleitung: „the historical connection of the Jewish people with Palestine" (der historische Zusammenhang des jüdischen Volkes mit Palästina) gleichfalls bis zu dem Urgrund dieses Zusammenhanges zurückführen muß. Denn wenn man schon durch Jahrtausende unterbrochene geschichtliche Zusammenhänge mit einer Renaissan beglückt, so kann man doch wahrlich nicht willkü lieh irgendeine Epoche der jüdischen Geschichte su& Anknüpfungspunkt auswählen. Und hier begegnen wir uns mit dem Gedankengang eines der begabtes! Männer, die an hervorragender Stelle der Leitu der Agudas Jisroel stehen, mit der Grundidee c Herrn Isak Thumim. Die Ansprüche Israels i Palästina sind nicht in den Dingen dieser Welt 1 gründet, sie sind nichts als ein Ausdruck des erst Bündnisses, welches der Allmächtige mit den Ahn Israels geschlossen hat, .sie sind eine Vollstrecku^ der Bedingungen dieses Bündnisses. Nur so ist eben zu erklären, daß die ganze Welt die Existe einer Frage bejaht, welche, am allgemeinen histo sehen Maßstab gemessen, eigentlich nicht existier könnte. Da geht ein wunderbares Geheimnis au durch die Staatsverträge der jüngsten Zeiten. wäre gegenstandslos, wenn man die jüdische G schichte ,erst mit dem Einzug Jesuas in das heilij Land beginnen würde. Nein, des jüdischen Volk Blick und Sehnen stammt aus einer Zeit, in der ■ ein jüdisch Volk noch nicht gab. Bruch des Bün< nisses trieb die Juden aus ihrem Heim. Und ni im Namen dieses Bündnisses haben" wir 'unser Fähigkeit erwiesen, eine geschichtliche Tat in di Wege zu leiten. P. K. frauenbiffe der-mit Jisroel. So wohltätig der segenspendende Regen auch sein mag, die hungrigen Pflanzen lassen wie beschämt die Köpfchen sinken, zu laut prasselt er hernieder. Still und anspruchslos, kaum merkbar, wirkt der Tau des Himmels, erquickend, ohne zu verletzen; erfrischt und erhoben weiden G-ttes Schöpfungen, und gleich Freudentränen funkeln die glitzernden Tropfen. So wirkt auch die Frauenhilfe der Adas Jisroel; still und bescheiden, jedem Geräusche abhold, namenlos und ungedankt, wie eine gütige Fee die Gaben verteilend und auf leisen Sohlen wieder verschwindend. Muß es nicht Wunder nehmen, daß der Frauenverein der Adas Jisroel jetzt erst ins Leben trat, wo doch von jeher die strengreligiöse Jüdin unvergleichlich in der Ausübung des Gebotes der Nächstenliebe war! In unseren Kreisen bedurfte es eben nicht erst eines Vereines oder einer Vereinigung um zu helfen, um zu retten, denn alle waren eins, wenn es galt, Hungrige zu sättigen, Not und Elend zu bekämpfen. Wo immer auch angeklopft wurde, wer wäre je abgewiesen worden? Stolz dürfen wir es bekennen: Unsere Mütter konnten des Vereines entraten. Jede Einzelne gab und leistete über ihre Kräfte hinaus, sie brauchten keine Vermittlung, jede gab nach ihrer Art, auf ihre Weise, Liebe, Mitleid, Gut und Geld, Doch das Elend wuchs gigantisch; Einzelarbeit war da unzureichend, um diese große Not erfolgreich lindern zu können, da konnte nur organisierte systematische Arbeit eingreifen, um gegen grenzenloses Elend wirksam ankämpfen zu können. Zu den weichen Regungen des Frauenherzens mußten sich auch Frauenhände regen, um das Schicksal ihrer armen und verarmten Schwestern und Brüder zu mildern und zu bessern. Aus dieser Erkenntnis entstand der orthodox jüdische Verein Frauenhilfe der Adas Jisroel, der im Jahre 1917 gegründet wurde. Auf Anregung unseres ehrwürdigen Herr Rabbiner Fürst, der unseren Tempel verein zu einer Gemeinde mit' allönnotwendigen -'MstUmi€«ravirad«WxyMfahrte?: einrichtungen ausbaute, berief Frau Fränze Bischofswerder im Jahre 1917 eine Versammlung der orthodox jüdischen Frauen Wiens ein, in welcher obgenannter Verein gegründet und Frau Rabbiner Fürst zur Präsidentin desselben gewählt wurde. Die praktische Ausführung dieser Neugründung wurde dadurch erleichtert, daß die Jugendgruppe der Agudas Jisroel in anerkennenswerter Weise ein geräumiges Amtslokal dem jungen Vereine zur Verfügung stellte. Jedes einzelne Mitglied der Vereinsleitung machte es sich zur heiligen Pflicht, einen Teil seiner Zeit in den Dienst der guten Sache zu stellen, um den vielen Hilfsbedürftigen, welche sich an die Frauenhilfe wandten, mit Rat und Tat beizustehen. In unmittelbarem Verkehr mit den Hilfesuchenden war der Kontakt mit ihnen bald hergestellt. Doch man begnügte sich nicht nur damit, Almosen zu geben, sondern man versuchte, den Schiffbrüchigen des Lebens wieder sozial empor zu helfen. Durch die Freude an eigener gewinnbringender Arbeit sollten diese Armen wieder neue Lebenswerte kennen lernen und in die Lage versetzt werden, sich neuerdings eine Existenz zu gründen. Der Verein half in so manchem Falle bei Anschaffung von Näh- oder Strickmaschinen zwecks Heimarbeit und stellte auch Arbeitsmaterial zur Verfügung. So mancher Frau wurde auch die Möglichkeit geboten, sich in der Wochenbettpflege auszubilden, um durch Ausübung derselben ihren Lebensunterhalt selbständig zu verdienen. Für arme Kranke sorgte der Verein, indem er ihnen die Aufnahme in eine Heilanstalt erwirkte und für die Kosten einer besseren und ausreichenden Verpflegung daselbst aufkam. Herr Dr. Armin Kohn hat vielen armen Kranken seine ärztlichen Ratschläge und Leistungen in selbstlosester Weise angedeihen lassen. Die Kurbeiträge des Vereines Frauenhilfe ermöglichten es, daß viele arme Kranke und Leidende Landaufenthalt oder ein Heilbad aufsuchen konnten. Welch höhere Aufgabe aber gebe es für einen ^Vereirr^üdircÄ in ihrer schweren Stunde beizustehen! Die Sot-ge für die Erstlingswäsche wurde in unzähligen Fällen von der Frauenhilfe übernommen. Ein bekannter Wohltäter, der wohl nicht genannt sein will, hat reichlich Stoffe für diesen Zweck vollständig kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Segenswünsche all der armen Mütter, deren Kinder er gekleidet, mögen sie in Erfüllung gehen! Wöchnerinnenfürsorge im Allgemeinen, Kostaufbesserung und Verköstigung der armen Wöchnerinnen gehören zu den täglichen Agenden der Frauenhilfe. So düster sich das Bild des Alltags für die Armen gestaltet, — in diesen'Nachkriegsjahren war es auch nicht leicht, selbst die Festtage würdig zu begehen. — Welch jüdische Frau aber hätte mit ruhigem Gewissen die Sederabende an reichsbesetzter Tafel feiern können, ohne das Bewußtsein erfüllter Pflicht, auch Bedürftigen und Hungrigen dazu verholfen zu haben, dieses schönste Familienfest freudiger begehen zu können. Darum hat die Frauenhilfe in den jüngsten Jahren nicht verfehlt, zu Pessach die erforderlichen Nahrungsmitteln zu verteilen. Durch große Spender! edler Wohltäter erhielt sie bedeutende Mengen nahrhafter Lebensmittel. Besonders hervorzuheben ist eine Lebensmittelspende des Herrn Bernhard Hofbauer. Die Mittel dazu wurden durch einen Schwiegersohn, Herrn Doktor Erlanger inLuzern, aufgebracht. Doch nicht müder Hunger mußte bekämpft werden,« sondern es galt noch die Unbilden des kalten Winters leichter ertragen zu helfen. Dies wurde ermöglicht durch eine große Kleidersammlung in der Schweiz, welche durch die Präsidentin der Prauenhilfe angeregt, und durch die bekannten Wohltäterinnen Frau Botschko und Frau Gugenheimer in Basel dortselbst so großzügig geleitet wurde, daß hunderte Arme und Frierende mit, warmen Kleidungsstücken versehen wurden. Die große Wohltat an den Armen und das erhebende Gefühl der Uebermittlerinnen mögen ihnen Lohn für ihre Hilfe sein. An dieser Stelle sei rühmend Erwähnung getan Schiff' Pelzwarenhaus Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpelzen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.