Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 37 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 268 JÜDISCHE PRESSE Nr. 37 unternimmt, richtet sich nur gegen einzelne und steht in gar keinem Zusammenhang mit dem religiösen Bekenntnis. Kanada. Wahlen. Die Wahlen in die Munizipalität von Montreal wurden für den 17. Oktober angesetzt. Da dieses Datum mit dem ersten Tag des Sukkothfestes zusammenfällt, wodurch ein großer Teil der Juden verhindert wäre, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen, wandte sich eine Deputation der jüdischen Gemeinde an den Bürgermeister um Vei legung des Wahltages, der nun automatisch um einen Tag verschoben wurde. Da aber dieses Datum auf den zweiten Tag Sukkoth fällt, wird die Wahl bis' in die späten Abendstunden ausgedehnt werden, damit, jedem Juden die Abstimmung ermöglicht wird. „J. P. Z.« Grundsteinlegung. In Montreal wurde am 18. September in Anwesenheit des Bürgermeisters, der Rabbiner Abramowitz, Cohen und Rosenburg, sowie prominenter jüdischer Persönlickeiten, der Grund-r stein zu einer dritten Synagoge durch die Beth Jehuda Congregation gelegt, wovon das Parterre vier Klassen für eine Talmud Thora-Schule enthalten Wird. maroRRo, Massaker in Melilla. Laut „Daily Expreß" haben die gegen Spanien kämpfenden marokkanischen Aufständischen bei ihrem Einmarsch in Melilla die Juden förmlich abgeschlachtet und deren Häuser total ausgeplündert. mesopotamien. Jüdischer Minister. Dem neuen Ministerium König Feysuls gehört auch ein Jude an, und zwar der Finanzminister Sassoon. Sassoon Effendi Haskail war früher Deputierter von Bagdad und ehemaliger Präsident des Budgetkomitees von Konstantinopel. Seit 1920 amtete er zur allgemeinen Zufriedenheit in Bagdad als Finanzminister. Er gehört der bekannten vornehmen Sassoon-Familie an. „J P. Z.a Lettland (JPZ) Die lettische Konstituante hat nach „JCB" eine Ausbesserung zu dem von der Regierung eingebrachten Staatbürgerschaftsprojekt angenommen, laut welcher alle Personen, die in Lettland seit dem Jahre 1894 wohnen, als lettische Bürger anerkannt werden. Dieser Beschluß macht automatisch ein Ende dem Problem der sogenannten „Achtziger" Juden (Juden, die seit 18S0 in Lettland wohnen), denen bisher die Gefahr der Ausweisung gedroht hat. Cypern, Die jüdische Kolonie auf Cypern. „Doyar Hayom" bringt ungünstige Nachrichten von der Lage der jüdischen Bauern auf Cypern. Die Situation ist noch schlechter als in früheren Jahren. Die Ica versagt ihre Unterstützung. Schlechter ist noch die kulturelle Lage. Die Kinder wachsen ohne jüdische Schule auf. Die Kolonisten haben sich telegraphisch an den Zionistenkongreß gewendet. Die Zionisten lehnen es aber ab, außerhalb Palästina die ohnedies unzureichenden Mittel zu verwenden. „Doyar Hayom" meint, daß die Ica moralisch verpflichtet sei, ihr Werk zu retten. Es müßte die Kolonie erweitert werden, da die vorhandenen 50 Familien nicht eine kolonistische Organisation bilden können. Auch solle ein Lehrer hingeschickt werden. Rosch-ha3chono in Haifa. Diesmal war die Zahl der provisorischen Minjanim auffallend. Ein Beweis des Aufblühens des jüdischen Lebens. Das Stadtoberhaupt stattete dem Rabbiner eine „Neujahrsvisite " ab, beglückwünschte ihn. Auch Dr. Benderli, derDelegierte des amerikanischen Palästinaverbandes, war anwesend. Die Oberrabbiner Jacob Meir und Kook wurden am 19. September von Samuel empfangen. Rabbi Jacob Meir erklärte, daß infolge Verminderung der Einnahmen das Oberrabbinat einzugehen drohe und ersuchte den Oberkommissär, die Kompetenz desselben zu erweitern, um sowohl das Prestige als auch die Einnahmen zu erhöhen. Samuel erklärte, daß der Verfassungsentwurf für Palästina, der sich derzeit in London zur Begutachtung befinde, auch Bestimmungen über die Leitung der verschiedenen religiösen Gemeinschaften enthalte. Die Oberrabbiner berührten sodann auch die Frage des Rahelgrabes (siehe an anderer Stelle) und die Antastung des jüdischen Friedhofes in Jaffa. Ben Jehuda ist von seiner Europareise zurückgekehrt und wird demnächst die Herausgabe des 6. Teiles seines Wörterbuches in Angriff nehmen. Dr. Faitlowitsch, der auch in Bratislava wohlbekannte Falascha-Forster, ist in Jerusalem eingetroffen. Missions.erfolge. Wie der „Israelit" vom 13. Oktober meldet, sollen die Missionäre in der letzten Zeit leider besonders erfolgreich unter den jungen Chaluzim gewesen sein. Viele von diesen können keine Arbeit finden und sehen sich der fürchterlichsten Not gegenüber. So werden sie leicht die Beute der Missionäre, die ihnen mit reichlichen Geldmitteln unter die Arme greifen und manchmal auch Arbeit zu beschaffen in der Lage sind. Eine neue Textilfabrik. Herr Morris Bloch aus New York, ein Bruder des bekannten Dr. Joseph Bloch in Wien, gründete mit einem namhaften Dollarvermögen eine Aktiengesellschatt z.wecks Errichtung einer großen Fabrik für Textilindustrie. Die Fabrik wird in einem geeigneten Gebäude zwischen Jaffa und Tel abib schon in den nächsten Tagen in Betrieb genommen. Der Streit um Raheis Grab. Vor einiger Zeit wandte sich das palästinensische Oberrabbinat an die Gemeinde von Bethlehem mit der Bitte, die Bewilligung 'für die Vornahme einiger Reparaturen am Grabe Raheis zu erteilen. Die Gemeinde gab dazu ursprünglich ihre Bewilligung, zog sie jedoch nach einigen Wochen in einem Schreiben an Rabbi Jakob Meir zurück, mit der Motivierung, daß Raheis Grab als heiliger Ort allen Konfessionen gehöre. Die Oberrabbiner hatten nun mit dem High Commissioner eine Besprechung, der ihnen zusagte, Experten zu entsenden, um die Notwendigkeit von Reparaturen festzustellen. Falls solche nötig sind, werden sie gemacht werden. Was das Meritum, die Zugehörigkeit des Grabes betrifft, so werde demnächst nach Palästina eine Kommission kommen zwecks Anstellung von Untersuchungen über die heiligen Orte, die auch über Raheis Grab beschließen wird. Im „Doar Hajom" vom 27. September veröffentlicht nun A. Almaliah einen Leitartikel über diese jetzt so brennende Frage. Da die Araber Raheis Grab als jüdisches Besitztum nicht anerkennen und es den Juden einfach absprechen wollen, weist Almaliah auf Grund historischer Daten nach, daß noch vor mehr als 300 Jahren, und zwar 1615, als Mahmud Pascha zum Gouverneur von Jerusalem proklamiert wurde, zu dessen Zeit der Jischub im heiligen Lande sich zu entwickeln begann, er die gerechten Forderungen der Juden anerkannte und ihnen das Grab, nachdem er es wieder restauriert hatte, zuerkannte. Aber bereits noch früher, im Jahre 1508, schrieb der arabische Schriftsteller Magir Edin über dieses Grab, es als einen heiligen Ort der Juden bezeichnend. Wo waren denn damals die arabischen Gelehrten und warum beanspruchte damals keiner von ihnen jas Grab für die Araber? Wenn man die Ansichten sämtlicher jüdischen und christlichen Historiographien vom zehnten Jahrhundert bis heute erfolgt, so findet man, daß sie alle dieses Grab als jüdisches Besitztum bezeichnen. Wer sich nur halbwegs in der jüdischen Geschichte auskennt, noch von den Zeiten Benjamins von Toledo (1170), Rabbi Psachjah aus Regensburg, Ramban, Owadjah de Bartin oro, Isaak Caro her bis 1866, in welchem Jahre Moses Montefiore die Wölbung über dem Grabe wieder herstellen ließ, jeder der etwelche Geschichtskermtnisse hat, weiß, daß, wenn irgend ein jüdisches Heiligtum in Palästina vorhanden ist, auf das bisher weder die Muselmanen noch die Christen Anspruch erhoben haben, dies das Grab Raheis ist. Es handle sich also jetzt darum,* gleich jedem Versuch der'Streitigmachung entgegenzutreten. Man dürfe darüber nicht mit Schweigen hinweggehen und wendet sich Almaliah an die Vertreter der Judenheit, sich unverzüglich energisch dieser Sache anzunehmen .und mit allen Kräften gegen die versuchte Depossedierung anzukämpfen. Elektrische Beleuchtung für Haifa. „El Carmel" veröffentlicht eine Kundmachung des Stadtrates von Haifa, wonach Haifa elektrische Beleuchtung einführen wolle. Die Konzession wird an Privatpersonen oder Gesellschaften gegen angemessene Bedingungen vergeben. Nähere Details sind bei der Stadtverwaltung zu erfragen. Bankhaus A. u. B. Friedmann & Co. Wien I., Wipplingerstraße Nr. 16 (Eingang Schwortg. 3) Tel. Nr. 61-6-22 interurlian übernimmt zur kulantesten Besorgung alle bankmäßigen Transaktionen. Die (Uocbe. Die Sidra „Bereschis". Ein Jahrtausend der Wunder und der Welträtsel umschließt der laufende Wochenabschnitt, genug verständlich selbst dem aufdämmernden Sichbewußtsein des lernenden Kindes und genug unergründlich für den grübelnden Scharfsinn des Weisesten. Das zarte Kind wird Schutaf le-maase bereschis. An der Cherubim Hand fliegt der neuerschlossene Geist vom Urbeginn durch zehn Geschlechter. Alle Geheimnisse des Weltwerdens werden ihm offenbar. Alle Probleme späteren Völkerringens symbolisieren sich ihm in verständlichster Form in dem Drama von dem Bauer Kaijin und dem Besitzer Hewel. Wie sich die Welt ohne G-tteserkenntnis mehr verals entwickelt und wie, die sich blasphemisch „Söhne G-ttes" nennen, das Erdengeschlecht mit Gewalt statt Recht regieren, bis der Ewige die erste Selektion trifft, den Gerechten in diesem Geschlechte reifen läßt und von ihm ein neues Geschlecht entstehen läßt. Sabbat Bereschis! Als das jüdische Leben durchpulst war von reiner Thoraliebe, da ward das Alltäglichste gemessen an dem großen Ideal. Schöpfungsarbeit schwellte da jeden Geist und jeden Arm. Mit Sabbat Bereschis begann die neue schaffensfreudige Arbeit in den Schulen, Chadorim und Jeschiwos. Ein edelgedachtes, begeistertes Schutfus an dem Werk des Ewigen; denn die Welt war wegen Reschis, die Thora, erschaffen, die Versittlichung des Menschen, der Krone der Schöpfung ist der höchste Schöpfungswille. Da begann die gute alte jüdische Welt mit erneuter Begeisterung mit zu schöpfen, neue Vorsätze, neue Ghewros, neue Opfer, neue Bücher, neue lernbegierige Jünger, die von weit her kamen, um ein neues Leben zu beginnen. Von dem großen Raw, der zu neuen großen Ghiduschim ausholte, bis zum putzigen Kerlchen, der zum ersten Male erlebnisfroh den jüdischen Kindergarten betrat, wehte Bereschis-Geist in allen Gemütern... B. nekrolog. Der Stoliner Rebbe y^j. Der „Stoliner Rebbe", Rabbi Jisroel, der sich seit Wochen in Frankfurt a. M. zur Kur aufhielt und die Roschhaschnotage in Nauheim verbrachte, verstarb dort am Mittwoch und wurde am Donnerstag vormittag auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt unter großer Beteiligung, besonders seitens der östlichen Kolonie zur letzten Ruhe gebettet. Der verstorbene Rabbi gehörte zu den gefeiertsten Männern in Rußland. Der Stoliner Rebbe war der einzige Rebbe in Litauen. Seine Ahnen wurden von den Mismagdim aus Pinsk-Karlin vertrieben und siedelten sich in der Nähe, in Stolin an. Er gehörte der Familie der Friedmanns (Raschiner) an und hatte als solcher schon als Kind den Rabbistuhl bestiegen. Seine Anhänger zählten nach Hunderttausenden. Ein Mann von großer Gelehrsamkeit, hervorragender Intelligenz und gewandter Weltklugheit, war er Helfer und Berater seiner Ghassidim in einem Zeitraum von vielen Jahrzehnten und genoß auch in nichtchassidischen Kreisen höchste Achtung. Rabbiner Pinchas Zanger b'"Xl. Am zweiten n"*V Tage starb in Frankfurt a. M. Rabbi Pinchas Zanger im Alter von 78 Jahren. Als Lehrer und Leiter einer großen galizischen Gemeinde und einer der Führer des galizischen Judentums, kam er vor sechs Jahren, da ihm der Krieg die Wirkungsstätte zerstörte, als Flüchtling zu seinen Söhnen nach Frankfurt und er erreichte auch hier bald als D2H Töbfl b)1) und besonders als nXTn SjD von erstaunlicher Gewandtheit und Beherrschung der ganzen für den JID^n pDS in Betracht kommenden rabbinischen Literatur große Berühmtheit. An der Bestattung auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft nahmen viele Hunderte teil. Herr R. A. G. Posen und auch andere Redner hielten ergreifende Hespedim. jri. 30 Millionen polnische Mark sind bisher in Lodz allein für den Keren Erez Isroel der Aguda gesammelt worden. Dieser schöne Erfolg ist umso bemerkenswerter, als dieser Betrag doch ausschließlich für Palästinazwecke dient. Agudaarbeit in Ostgalizien. Das Interesse für die Ausgestaltung der Agudas Jisroel in den Gemeinden Ostgaliziens verstärkt sich in zunehmendem Maße. Ein besonders schöner Erfolg war der Propaganda für die Aguda in Gzortkow beschieden. An der imposanten Versammlung, die dort vor kurzem stattfand, nahmen sämtliche angesehenen Mitglieder der Gemeinde sowie der Umgebung teil. Die Eröffnungsrede hielt der Gemeinderabbiner Se. Ehrw. Herrn Israel Rappaport. Er wies mit unwiderleglichen Argumenten die Notwendigkeit einer Organisation, wie die Aguda in unseren Tagen, dar und zeigte, wie es eine besondere Fügung der göttlichen Vorsehung wai, daß gerade jetzt die Idee der Aguda alle Herzen für sich gewinnt. Hierauf sprach Herr Hirsch Blei über die Bedeutung der Aguda. Herr L. Schacht er begeisterte die Zuhörer mit einer Ansprache über „Aguda Jisroel als Trägerin der Thora" und legte unter Anführung zahlreicher Stellen aus Bibel und Talmud die Notwendigkeit dar, daß die orthodoxen Juden vermittelst der Agudas Jisroel an der Besiedlung des Heiligen Landes Anteil nehmen. Die Ortsgruppe konstituierte sich und ein Komitee von dreißig führenden Persönlichkeiten von