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Jüdische Presse · 1921-09-23 · 34 (23.9.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
34 (23.9.1921)
Date
1921-09-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES OpTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Tien, IL, Malzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.054. "hochoslowakei: Bratislava, Tnrnorgasse 14. scheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: i ir Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag-. Abonnementspreise: Ganzjährig-: Für Österreich K 400*—, Ungarn E 250«—, Tschechoslowakei Kc. 70*—, Deutschland Mk. 60'—, Schweiz Frcs. 10- — , Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, En^and 10 Shilling, Rumänien 50 Lei. Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 600'—. Einzelnummer d.-ö. K 8 —, Kc. 1-50. Die 8 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 10* — . Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 34 Wien-Bratis lava, 23. September 1921 .x-snn b&x o msDDp-ß " rro | 7. Jahrg. Der XII. Ziomstcnko^refK in. Dia Eröffnung. — Das siamesische Präsidentenpaar. Welcher böse Geist ist in diese Organisation gefahren, der alle ihre Wege verkrümmt, ihre Handlungen verdreht und ihre Worte verzerrt? Man iime nur das Programm des XII. Zionistenkongresses /.-ir Hand; der Blick haftet erstaunt an dem ersten Programmpunkte: Eröffnung des Kongresses durch den Präsidenten der Organisation Ch. Weizmann und den Präsidenten der Exekutive N. Sokolowl Zeigt uns noch ein zweites Parlament oder einen Kongreß, die von zwei Personen eröffnet werden, zumal wenn diese beiden Personen gar einer einzigen Körperschaft angehören. Einer Eifersüchtelei zwischen Sokolow und Weizmann zuliebe mußte dieser Nonsens gleich an die Spitze der Offenbarungen dieses Kongresses gesetzt werden. Denn während Weizmann mit tausend Künsten glücklich über Warburg, Brandeis, Rothschild, Nordau hinweg an das Ziel seines Ehrgeizes gelangt ist, heftete sich ihm Sokolow hartnäckig an die Fersen .und will durchaus im toten Rennen Hals an Hals neben Weizmann durchs Ziel geschossen sein. Dieses unrühmliche Bild des schnajim ochsin betalis, wie die zwei edlen Nationalhelden am Leitseil der Organisation hin und her zerren, ist nicht allein der Jammer der zionistischen Organisation, es ist — wir gestehen es offen — eine Unehre fürs ganze Judentum, daß zwei seiner immerhin führenden Männer in dieser verhängnisschwersten aller Zeiten, auf deren Ernst sie sich genug oft selbst berufen, ihre und die Würde der Sache gänzlich vergessend, vor Augen aller diesen erbärmlichen "Mlenftogel^ erklärt uns den* Ghiluk zwischen dem Amte des Präsidenten der Organisation und des Präsidenten der Exekutive? Er besteht dort, wie zum Beispiel in Amerika, wo der Präsident eine hervorragende staatsmännische Position einnimmt und mit seinem Einfluß der Sache außerordentliche Dienste leisten kann, sich aber mit den technischen Arbeiten der Organisation weder beschäftigen kann noch soll. Die Verwaltung der Organisation besorgt da der Präsident der Exekutive. Das Verhältnis glich etwa dem eines Bankpräsidenten, der mit seinem Namen das Prestige einer Bank hebt, zu dem fachtüchtigen leitenden Direktor. Im Falle Weizmann-Sokolow trifft dies nicht zu. Hier ist nur durch ein salamonisches Urteil die umstrittene Leitung in zwei Teile zerschnitten worden. Der eifersüchtige Dualismus Weizmann-So'rolow hat auch die schwere Verletzung des Orgar .sationsstatutes, wonach der Präsident der Exekutive nicht Präsident des Kongresses sein darf, zur Folg^ gehabt. — Die Auch-Eröffnungsrede des Auch-Präsiclenten Sokolow war nichts anderes als das bisher bei allen Kongressen obligate Referat über „Die allgemeine Lage der Juden", welches stets nach der Wahi des Kongreßbureaus gehalten wurde. Eigentlich ttand die Eröffnungsrede nach dem Organisationsgesetz dem Prof. Otto Warburg zu, den der letzte Kongreß zum Präsidenten der Organisation gewählt hatte und alles was inzwischen geschah, bedurfte der; Legalisierung des Kongresses. Die Eröffnungsrede Weizmann, plus Sokolow war also fortgesetzte Usurpation. In se;. er Eröffnungsrede macht Weizmann nicht die leiseste Andeutung darüber, daß er organisationsgesetzliche Ursachen hätte, zu erklären, warum er den Kongreß eröffne. Die Manier, die aus der Eröffnungsrede Weizmann spricht, ist einfach ordinär! Er schweigt die ganze" Vergangenheit des Zionismus tot. Die alte Organisation, sagt er dreist, wäre in Trümmern gelegen und er hätte eine' neue erbaut. Es war Tohuwabohu, da sprach Weizmann: es werde Licht. Er schweigt über Warburg, er schweigt den großen amerikanischen Kongreß tot. Auf dem ganzen wochAnlangen Kongresse ist der Name Herzl nicht genannt worden!! Wie unwahr ist der Satz Weizmanns: „Der Weltkrieg erschütterte unser ganzes Werk in seinen Grundfesten, die Existenz unserer Organisation war bedroht und wir mußten alle Kräfte aufbieten,' um aus dem Zusammenbruche zu retten was zu retten war." Die zionistische Organisation war auf den" -Weltkrieg "eingestellt: und' dirEmpfang-e* Herzls beim deutschen Kaiser, Viktor Emanuel und in England wären weit ausholende Vorbereitungen zü der dem Weltkriege folgenden Friedenskonferenz. Die Unfähigkeit der Charkow-Clique, welche nach dem Tode Herzls in die alte kleinliche Chowewe Zion-Methode verfiel, erlitt natürlich beim Ausbruch des Weltkrieges Bankerott. (In Amerika wurde schon im Dezember 1914 ein klares Programm für die Friedenskonferenz festgelegt und Brandeis war imstande, das Gesamtjudentum Amerikas für die Unterstützung der Palästina- und .Judenfrage an der Friedenskonferenz zü gewinnen.) - Hohle Phrasen machen den übrigen Inhalt der Weizmannschen Rede aus. Bemerkenswert ist der Satz: „Die britische Regierung will ihr Wort halten.8 Welches Wort? Die Balfour-Deklaration schließt mit der Klausel, •daß nichts geschehen dürfe, was die religiösen und bürgerlichen Rechte der bereits in Palästina lebenden Einwohnerschaft beeinträchtigen würde. Wir^- sind daher von Anfang an auf das Wohlwollen der Araber angewiesen worden. Die politische Macht der Araber stieg in dem Maße, wie die Leistungs-4 fähigkeit der zionistischen Organisation enttäusöht hat. Die zionistische Organisation hat nicht , dem hundertsten Teil der Erwartungen entsprochen^Cdife*- in ihr von England gesetzt worden sind. Was Wei'^- 1 mann über die Situation des Zionismus sagt, wäre"" vielleicht für einen zionistischen Agitationsabend in Pinsk gut genug, nicht aber als Rechenschaft eines verantwortlichen Führers an die nach acht Jahren tagende Nationalversammlung. Das von ihm in der Eröffnungsrede entworfene Zukunftsprogramm ist kläglich, groß genug für die Leistungsfähigkeit einer Handels- und Gewerbe^G. m. b. H. in einer Provinzstadt, nicht aber für ein ganzes Volk. Auf den allgemeinen Wunsch der Zionisten und Nichtzionisten, einen Frieden mit den Arabern anzubahnen, reflektiert Weizmann in unverantwortlicher Weise, die nur geeignet ist, die Feindschaft der Araber zu verschärfen. Er hat die Dreistigkeit, in der Eröffnungsrede die Schaffung der jüdischen Legion anzudeuten, trotzdem er weiß, daß neun Zehntel des Kongresses und 99 Prozent des Gesamtjudentums die Idee der jüdischen Legion verabscheut. Er schlägt damit der großen Majorität, der politischen Logik und dem Gewissen brutal ins Gesicht, aber das attakierte Publikum reagiert auf die unverantwortliche Rede mit „stürmischem Applaus". Die „Eröffnungsrede" Sokolbws. Die Auch-Eröffnungsrede des Auch-Präsidenten Sökolows ist in der »Wiener Morgen-Zeitung" mit einer höchst seltsamen Vorbemerkung eingeleitet. In der Nummer 934 des vortrefflichen Blattes wird erzählt: „Ganz anders Sokolow. Zierlich, blond und hell (Gretchen!), kommt er gut gelaunt vor das Rednerpult, er hat noch ein munteresLächeln um den Mundwinkeln!" Dann heißt es aber: „daß er mit erstaunlicher Kraft der Sprache den Leidensweg des jüdischen Volkes malt. Wenn er über das Martyrium in tiefer Bewegtheit spricht, erzittern die Der Regenbogen. In das süßliche Gefiedel der Musikkapelle mischte sich das Brausen der im Stadtpark promenierenden plaudernden Menge und das Plätschern des prachtvollen Monumentalbrunnen, des Stolzes der guten Grazer Stadt. Die Sonne warf noch einen schrägen Strahl in das anmutige Spiel der weißen Wasserstrahlen, daß sie buntfarbig wie Diamanten leuchteten. Die zwei Männer auf der Bank vor dem Springbrunnen genossen so wohligen Gefühles den Ohrenschmaus der Musik und den frohen Reigen sorgenlediger Menschenkinder um den Brunnen. Das tat doppelt wohl nach einem ganzen Tag angestrengter geschäftlicher Kombinationen und unholder Ziffernarbeit. Fremd waren sie noch gestern einander gewesen, doch eine auf Jahre hinausreichende geschäftliche Transaktion, die eine langdauernde innigere Interessengemeinschaft erforderte, hatte um die Beiden das Band der Freundschaft -geschlungen, trotzdem ihre' Wesensart sie weit von einander schied. Der Jüngere mit dem vom nivellierenden Geschäftsgeiste geprägten Alltagsgesichte, restlos praktischen Erwägungen ergeben, hatte in dem Aelteren, dessen edlere, seelenvolle Züge auf ein reiches Innenleben schließen ließen, zum ersten Male einen Juden von Geist und Bildung kennen gelernt, der aus der altjüdischen Tradition die strengsten Konsequenzen für seine ganze Lebensweise zog. In seiner eigenen Umgebung hatte er bisher jüdische Strenggläubigkeit als die Kultur unterer Gesellschaftsschichten angesehen. Sein neuer Geschäftsfreund überraschte ihn völlig. Es berührte ihn seltsam, lächerlich und imponierend zugleich, wie dieser mit tiefem Ernste den Sabbat und jüdische Religionsgesetze' in das kalte Kalkül des Vertrages mit einrechnete, und wie er es ablehnte, in seinem Hause auch nur eine Schale Kaffee zu trinken, obwohl seine ganze Existenz 'von der Gunst des Jüngern bedingt war. Freilich bot diese eiserne Charakterstärke eine wichtige Garantie für die auf Vertrauen aufgebaute Verbindung und die in den eingeholten Informationen allseits besonders gerühmte Zuverlässigkeit hob die Abneigung auf, die er gegen die geschilderte Strenggläubigkeit des Aelteren empfunden hatte. In der religiösen Disputation, die er überlegen begonnen hatte, mußte er die Superiorität seines neuen interessanten Freundes anerkennen, und unbewußt regten sich auch in ihm bessere Vorsätze. Der andere fühlte sich durch diese Wahrnehmung reich belohnt. So saßen sie eine Zeitlang schweigend neben einander, von einein Gedankenspiel höchst realer und idealer Dinge beschäftigt. Die Sonne zog langsam tiefer und traf die ganze Wassergarbe des Springbrunnens in der Matte. AUmählig woben sich irisierende Farben um den Brunnen. Dann trat daraus in leuchtenden Farben ein Regenbogen hervor, welcher sich in prachtvoll schimmerndem Halbkreis über den Brunnen spannte. Jubelnd begrüßte die Kinderschar das Wundergebilde. Den Jüngeren reizte es da, noch eine Attacke auf die Ueberzeugung des Freundes zu versuchen. „Der Regenbogen soll ja nach der Bibel ein Zeichen himmlischer Botschaft sein, ein Trost und eine Verheißung nach Unglückszeiten! Er ist aber nichts als ein prosaischer physikalischer Vorgang, der immer erfolgt, wenn das Sonnenlicht sich in Wasserstrahlen bricht." „Eigentlich," sagte er ironisch, „müßten Sie auch über diesen Regenbogen den Segen sprechen." „Das habe ich auch," sagte der andere. ernst. „Hören Sie einmal. Ich kannte einen jungen Mann aus gutem jüdischen Hause, der sein geliebtes Studium unterbrechen mußte, da sein Vater im besten Mannesalter plötzlich starb, außer dem Sohne noch fünf junge Mädchen hinterlassen hatte, und kein anderer da war, der das die Familie erhaltende Geschäft führen konnte. Der Vater war ein geschäftliches Genie. Sein Sohn zu ideal veranlagt und erzogen, um ihm gleichen zu können. Er rang mit allen Kräften gegen das Leben und gegen sich. Nach einem Jahrzehnt freudloser, seelentötender Arbeit hatte er die Schwestern versorgt und ging daran, ein eigenes Haus zu gründen. Die Last des Geschäftes wuchtete immer schwerer. Den Schwestern mußte auch noch oft geholfen werden. Jeder Tag mußte dem Leben abgerungen werden und die Aussicht auf die Zukunft wurde immer unfreundlicher. Da kam der Krieg. Mein Mann erfüllte seine Pflicht vor G-tt und vor den Menschen. Er lernte alle Schattenseiten der großen Umwälzung kennen. Das gm 1 m RM. Wm fl 1 Wien, l. 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