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Jüdische Presse · 1921-08-12 · 28 (12.8.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
28 (12.8.1921)
Date
1921-08-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JUDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Tnrnergasse 14. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K 300'—, Ungarn K 250«-, Tschechoslowakei Kc. 70-Deutschland Mk. 60--, Schweiz Frcs. 10--, Amerika 2 Uöllar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 600-—. Einzelnummer d.-ö. K 6 -, Kc. 1*50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 10 - Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 28 T Wien-Bratislava, 12. August 1921 .Kgnn tt m nraDDjne " rrps 7. Jahrg. Die Delegiertewersammluna des deutschen Gruppenverbandes. De]- (»ruß, welchen wir der Delegierten Versammlung des deutschen Gruppenverbandes der Aguclas Jisroel entbieten, könnte ein bedeutsames Symbol nein. 10r kann und soll Zeugnis ablegen für die Tatsache, daß d-er Denunziationsfeldzug unserer Gegner endgültig erledigt ist, daß heute auch der fernste und weltenfremdeste Hinterländer den Verleumdungen keinen Glauben mehr schenkt, welche aus dem Ereignis, das die erste VVeltversammlung der Agudas Jisroel in Kattowilz war, kleinliche und perfide Schlüsse zu ziehen sich erdreistete. Denn heute weiß es jeder denkende Jude den damaligen Führern in Deutschland Dank, daß sie fast in divinatorischer Erkenntnis eine Zusammenfassung der in der Orthodoxie schlummernden organisatorischen Kräfte in die Wege leiteten. Heute weiß jedermann, daß dies in selbstloser Weise geschah, daß man von seilen der in Kaltowitz geschaffenen Leitung ängstlich bemüht war, in kul- Iurellen und politischen Kragen die Autonomie der einzelnen Länder zu achten. Agudas Jisroel konnte dies leicht tun. denn sie mochte das Vertrauen zum Geiste der heiligen Thora hegen, daß die jeweiligen Fragen stets eine Lösung von Ewigkeitswert finden würden. Der deutsche Gruppen verband verkörpert heule schon eine Tradition des Verantwortlichkeitsgefühles. Das will viel besagen. Daraus folgte, daß man in Agudnkreisen die Methode der haznea leches befolgte, manchen sogar etwas zu viel. In den allerschwersten Zeiten, aber auch dann nur, wenn klarer, unzweideutiger Ruf und Beruf vorlag, hat der deutsche Gruppenverband Rat und Tat bedrängten Juden zur Verfügung gestellt. Und ihrer, sowie der Gesamtaguda höchstes Ruhmesblatt ist, daß sie sich ängstlich davor hütete, eine falsche Hoffnung zu erwecken. Das war nicht so leicht, und auf viele propagandistische Möglichkeiten mußte und muß man angesichts dieses Prinzips verzichten. Wir verbinden mit unserem Gruß den Wunsch, daß der deutsche Gruppenverband auf diesem Standpunkt verharre, daß er die Aguda lehre, außerordentlich gewissenhaft und standhaft jeder Versuchung zu widerstehen, sei es durch Prägung von Schlagwörter, sei es durch Formulierung von Ideen und Projekten, solche Kreise zu gewinnen, die uns innerlich ferne stehen. Die von uns vertretene Idee ist so stark und infolge der durchsichtigen Klarheil und Einheitlichkeit dieser Idee sind wir selbst so stark, daß wir als bewußte Wirklichkeitsmenschen keines Traumes, keines olam hadimjon bedürfen, um das Erbe der Ahnen ungeschmälert auf die Epigonen zu überantworten. Diese klare Erkenntnis, dieses bescheidene Selbstvertrauen leite die Tagung. Und aiso wird sie zum Segen werden. ' P. K. €cba?! B. — Entsteige nochmals dem 2000jährigen Grabe. Jeremias, dä"ß der mächtige Akzent" des ScRinerzes über Israels Schmach, Selbsterniedrigung und furchtbare Sühne an alle Saiten des jüdischen Herzens rühre, daß der heiße Föhn deines heiligen Prophetenzornes sie doch für einen einzigen Tag emporwirble aus dem tollen, selbstvergessenen Bachanale um das goldene Kalb, empor zur seherischen Perspektive, daß sie ihr ganzes Volksbild in Zeit und Raum überschauend, vom, überwältigenden Jammer ihres Daseins erschüttert." an ihrer Selbstherriiehkeit verzweifeln, daß sie in dem von dir entgegengehaltenen Spie'gel der Vergangenheit erstarrend ihr eigenes Medusenhaupt erkennend, sich der Verdammung vor dein Richterstuhl der Geschichte bewußt, sehend werden. Daß sie das hoffnungslose Defizit zwischen dem Soll ihrer Vergangenheit und dem Hiben ihrer Gegenwart in dem.. .Schuldbuche der, A'imacht ennessen lernen, den unseligen-*Zwespalt' "der"TöllfsseeTe, "tblTvön hoher Tradition und verächtlicher Wirklichkeit, vom paradoxalen Kontrast des Müssen und Wollen zur ewigen Unruhe verdammt . millionenfach die bange Rätselfragc wiederholen : Echa? Die Schrecken des Ghurban, diese letzte furchtbare Konsequenz des g-ttvergessenen Gesellschaftslebens, beleben die. gebotenen Worte des unglücklichsten aller Propheten mehr als jemals. Alle physischen und sittlichen Qualen des büßenden Volkes, die uns als verklungene düstere Legende — wie der flüchtige Erdschalten — "nur den einen Tag des 9. Ab. verfinstern konnte, sie spielen sich auf hunderten -Bühnen ab. Kein Tag, der nicht der Churban eines Mikdasch bedeutet, und die „Tore der Tränen", die ,rfore des Schreies" sind seit Jahren nicht geschlossen. Der heilige Zorn über die Feilheil falscher Propheten, der liefe Schmerz über die nationale Indolenz der in ihren Geschäften versunkenen Masse, sie haben niemals so schmerzlich an frische Wunden gerührt als jetzt. Der blutige Judenhaß rollt im Osten unsere ganze Front auf und strebt drohend westwärts, wo der stumpfsinnig gewordene jüdische Bruder in toller Mabulstimmung in rasch zusammengerafften Lebensgütern schwelgt. Bethar! Befhar! Der anklagende Todesschrci der Pogromopfer mischt sich grell in das Gelächter der um das Ägel Schlemmenden und Vollenden. Leih uns Schwachgewordenen den prophetischen Donnerkeil gegen die Sünden der falschen Propheten und die Vergehen der Priester! Echa :J .Niemals ist unser Recht auf die heilige Stätte mit solchem finsteren Haß verneint worden, wie in unseren Tagen, in diesen Tagen, wo falsche Propheten jubelnd verkünden, daß die Zeit, des Messias angebrochen sei. Zum ersten schmerzlichen Male ist unser Erdreich durch den Rat der Völker einem anderen Stamme zum Besitze zugeteilt worden. Mehr als je regt sich der bitterste Groll gegen uns und rollt wie ein unterirdisches Gewitter unter den Grundfesten unserer Heime. Aller menschlicher Ratschluß, die frivole Sicherheit der auf eigener Macht Pochenden bricht zusammen. Das Bewußtsein der Unzulänglichkeit unseres Könnens löst die ewige bange Rätselfragc aus: Echa? Wie geschieht es, daß dieses Volk, dem ewige Bahnen des höchsten Volksglückes vorgezeichnet sind, von einer rätselhaften Macht aus dem Geleise jgerissen. wjrd, dairiit ihm. seine,„mächtige Triebkraft zum 'FTuctre""siätf zum Segen" wird. 'Ectiä? * "• Die folgen der amerikanischen Immigrationssperre. (Interview der „J.P.Z." mit Jacob Fishman New York.) Mr. Jacob Fishman, der Herausgeber des „Jüdischen Morgenjournals" in New York, befindet"*sich gegenwärtig auf einer Europareise, wo er neben den Angelegenheiten seiner Zeitung insbesondere im Auftrag der ,,Hias" die jüdische Emigrationsfrage studiert. Fishman, der bereits die holländischen und belgischen Häfen besucht hat, gab in Berlin dem R.-Korrespon- (Jon iUien nach Dew Vork. (R o i s e b r i e Co.) Von J. Kreppet. 1V. In Cherbourg. KortBMzniiK.! Hallo ich schon auf der Eisenbahn und in Paris Gelegenheit, das Auswandererölend hinreichend kennen zu lernen, so bot. sich mir in Cherbourg das Bild in seiner ganzen Furchtbarkeit. Cherbourg war bis zum Kriege vornehmlich Militärhafen. Erst die Kriegsereignisse und die Ablenkung des AuswandcTtTslrornes von Hamburg und Bremen nach den französischen Häfen, hat auch Cherbourg zum Handels-, respektive Auswandererhalen gestaltet. Im Gegensatz zu Ihme und Bologne sur Mer gab es bislang in Cherbourg überhaupt keine Juden. Zurzeit wohnen dort, etwa acht jüdische Familien, von welchen zwei rituelle Restaurants eröffnet haben. Der großen Masse der Auswanderer ist dieser Umstand unbekannt und sie sind bei ihrem Ankommen, infolge Unkenntnis der Sprache. Opfer ihrer Verlegenheit und Verlassenheit. Bei meinem Anlangen in Cherbourg war die neue amerikanische Verordnung, wonach jeder, der sich nach den Vereinigten Stauten begeben will, im Ausgangshafen vorher eine 12- bis 18tügige Quarantaine absolvieren muß, gerade in Kraft getreten. Hunderte und Aberhunderte Emigranten, die in den letzten Tagen in Cherbourg eingetroffen sind, wurden durch diese neue Verordnung hart getroffen. Nur die wenigsten verfügten über die nötigen Mittel, um die Kosten des zwölftägigen Aufenthaltes in der fremden, nicht billigen Stadt decken zu können. Die meisten Auswanderer hatten gerade die vorgeschriebenen 25 Dollar, die beim Landen in ' Ellis-Eiland vorzuweisen sind, manchen fehlten auch hierzu einige Dollar. Bleiben sie nun 12 bis 18 Tage in Cherbourg, manchmal noch länger, da sie die Abfahrt eines Schiffes der Gesellschaft, bei der sie ihr Ticket gekauft haben, abwarten müssen, so können sie nicht mehr fahren und müssen neue Geldsendungen ihrer Verwandten aus Amerika abwarten. Das Elend und die Verzweiflung dieser Unglücklichen ist heizzerreißend. Und da leben sie noch in einer fremden Stadl, ohne Hilfe und ohne Rat. Der Mangel einer jüdischen Gemeinde, einer Abteilung des New Yorker „Flias", macht sich stark fühlbar. Zu allem kommt noch der Umstand, daß. dje wenigsten europäischen Staaten in Cherbourg konsularische Vertretungen unterhalten, so daß der Emigrant nicht einmal den Schutz seines. Konsuls anrufen kann, wenn ihm ein Unrecht geschieht. Anerkennend muß betont werden, daß sich die französischen Behörden, als auch die amerikanischen Sanitäts- und Einwaudorungsvertreter überaus entgegenkommend benehmen und zu keinen Klagen Anlaß geben. Von den Vertretungen der Schiffsgesellschalten läßt sich dies leider nicht sagen und ihnen gegenüber wäre ausgiebiger Schutz sehr geboten. Vor dem Kriege, als die Schiffsgesellschaften mit einander konkurrierten, waren sie jedem Passagier gegenüber äußerst zuvorkommend. Heute, wo die Konjunktur ihnen dienstbar ist, erlauben sie sich manches, was absolut unangebracht ist. Natürlich geschieht dies nicht seitens der eigentlichen Leitung, sondern seitens untergeordneter Organe, die hierbei irgendwie ihre Rechnung finden wollen. Gerade deswegen ist es angebracht, die Sache einmal offent- ' lieh zu besprechen. Um einen Begriff davon zu geben, welchen „Ueberraschungen" der Emigrant ausgesetzt ist, will ich meinen eigenen Fall erzählen, mit dem Hinzufügen, daß ich nicht als Emigrant gereist bin, daß ich diplomatische Empfehlungen hatte, daß ich bereits wiederholt, größere Seereisen unternommen habe und überhaupt nicht zu denjenigen gehöre, denen man auf den Kopf tanzen kann. Trotzdem mußte ich einen schweren Kampf führen, um aufs Schiff gelangen zu können. Was soll nun der arme Emigrant tun. der weder Sachkenntnis noch Empfehlungen besitzt und sich alles gefallen lassen muß? Mein Fall war folgendermaßen: In der zweiten j J-Iülfle des März dieses Jahres belegte ich bei der j Wiener Vertretung der White Star Line einen i II. Klasse-Kabinenplatz auf den am H. April von | Cherbourg abgehenden Dampfer „Olympic1*. Als ich | im Bureau der Gesellschaft vorsprach, hörte ich i etwas von der neuen (Juarantaineverordnungmunkeln. Ich fragte den betreffenden Funktionär, ob nicht dadurch eine Verzögerung eintreten werde. Er erwiderte: Das beziehe sich bloß auf eine gewisse Kategorie von Passagieren, Sie werden damit nichts zu tun haben. Sie werden mit dem „Olympic* fahren können. Sie müssen bloß für ein Telegramm bezahlen, damit wir den Platz belegen können. Ich „ erlegte die erforderlichen 700 Kronen und sollte mich nach zwei Tagen um die Antwort erkundigen. Nach zwei Tagen wurde mir der Bescheid zuteil, eine Antwort auf das Telegramm sei noch nicht eingelaufen, aber es ist ein freier Platz vorhanden, da ein Herr seinen belegten Platz zurücklegte und ich also unter allen Umständen mein Ticket erhalten werde, ich solle nur nach weiteren zwei Tagen wieder vorsprechen. Als ich zum dritten Male das Bureau aufsuchte, war noch immer keine Antwort auf mein

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