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Jüdische Presse · 1921-07-29 · 26 (29.7.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
26 (29.7.1921)
Date
1921-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 194 JÜDISCHE PRESSE Nr. 26 Eattdtswrband der Jfpda-Jugtnddruppen der Slowakei, Scbomrch $cftabbö$»$eKtion. Offene Stellen: Junger Bureaupraktikant, der ungarischen und deutschen, eventuell slowakischen Sprache mächtig, wird gesucht. Schnittwarenhündler sucht Lehrjungen. Schnittwarenhändler sucht Kommis. Kurz.warenhändler sucht Lehrjungen. Kappenmacher sucht Lehrjungen. Stellengesuche: 1. Oekonomieverwalter sucht Stelle als solcher oder anderweitige Beschäftigung in einer Wirtschaft. 2. Spezereiwarengehilfe sucht Posten. 3. Galanteriewarengehilfe (langjähriger) sucht Posten eventuell gegen Verpflegung und mäßiges Honorar. 4. Zwei anständige junge Leute vom Lande würden in einem Geschäfte (jeder Branche) gegen Kost und Quartier und kleines Honorar in Stellung gehen. Anfragen und Meldungen sind an den Landesverband der Aguda Jisroel-Jugcndgruppen in der Slowakei, Bratislava, Turnergasse 14—1(5, zu richten. Die Aguda-Jugendgruppe (Jüdischer Jugendverein) in Velke-Topolcany (Slowakei) kauft zur Vervollständigung ihrer BibtiothcK die Werke: S. Kolin, Judäus, Friedrich Rott, M. Lehmann, in neuem oder gebrauchtem Zustande. Diesbezügliche Offerte sind an Herrn Julius Link, Velke-Topolcany, zu richten. E>»jro^iiXi« Die Agudas Jisroel - Organisation, Ortsgruppe Bratislava, beabsichtigt für die Gemeinden in der Slowakoi Ksrogim (jTÖ 'D zu beschaffen. Es werden daher die Gemeindeleitungcn ersucht, ihren Bedarf der Aguda-Leitung (Turnergasse 1.4) unverzüglich telcgraphisch bekanntzugeben. Agudas Jisroel-Organisation, Bratislava. Die Markenaktion t,L»"- Jugendgruppen in der Slowakei dankt den Herren Müller, Vohlwert, Levkovits. A. Habermann (Presov) für ihre eifriere Sammeltätigkeit. Gate. Es war beinah so schön wie ein Märchen. Aber oina von den ganz seltenen, die. wahr sind. „Gedichtet" wurde es von guten Menschen, die in Straßburg wohnen, erlebt wurde es von Wiener Kindern und nacherzählt von jemand, der mit dabei war. Wir brachten 71 Wiener Kinder zum Ferienaufenthalte nach Straßburg. In Kehl, das ist die letzte Station vor Strasburg und der deutsch-französische Grenzort, begannen die Kinder in ihrer Sehnsucht nach dem gelobten Lande schon sehr unruhig zu werden. Aber die französische Grenzpolizei nimmt auf derartige Sentimentalitäten keinerlei Rftcksichten. Aber da waren auch schon drei Straßburger zur Stelle, Herr Großvogel, Frl. Estelle Metzger und Frl. Suzanne Bloch. „Ea wird alles geregelt", sagten diese beiden Damen einfach — und es wurde alles geregelt, ebenso einfach, wie sie es gesagt hatten. Als ich Herrn Großvogel zum ersten Male gesehen b.abe, wußte ich es schon, noch ohne ein Wort mit ihm gesprochen zu haben, daß es den Kindern in Straßburg gut gehen würde. In Straßburg am Bahnhofe empfing uns das gesamte Komitee, das so gar nichts von einem „Komitee" mit dem landläufigen Drum und Dran, das diesen respektablen Körperschaften gewöhnlich anzuhaften pflegt, an sich hatte. Alle waren da, Frau Großvogel, eine liebe mütterliche Frau, zu der Abreise der Kinder von Wien. man einfach Vertrauen haben muß, dann „Madame" Germaine Bloch, jung, blond und gertenschlank. „Madame" Germaine Bloch leitete die Aktion ein und führte von Straßburg aus die Korrespondenz mit Wien. Wenn von ihr, als Patronesse des Komitees, in Wien die Rede war, konnte ich sie mir beim besten Willen nicht anders vorstellen, als eine würdige Matrone, in schwarzen rauschenden Kleidern, mit grauem Haar, sehr rundlich und ein wenig asthmatisch. Warum ich mir von ihr dieses Bild gemacht habe, weiß ich selbst nicht. Noch in Kehl war meine größte Sorge beim Anblick meiner ehemals weiß gewesenen jetzt kohlschwarzen Pflegerinnentracht, die Angst vor „Madame* Germaines kritischen Blicken. Aber sie ist garnicht so, daß man Angst haben muß vor ihren kritischen Blicken. Auch die anderen Straßburger sind nicht so, und ich kenne viele, die Damen Grünewald, Herrn Grünewald und Herrn Metzger, Frl. Kahn, Frl. Weil, Frl. Stein, Frl. Mayer, Frl. Helene Mook, Frl. Jeanne Salamon und Herr Leo Großvogel und noch manche andere, deren Namen ich nicht behalten habe. Ab Straßburger Bahnhof wurde der Wiener Begleitung die Sorge um die Kinder vollständig abgenommen. Im „Lovisa", einem wunderschönen, weitläufigen, sehr alten, aber hygienisch eingerichteten Bau, waren wir die erste Nacht untergebracht. Vor dem Schlafengehen wurden die Kinder an langen, weißen, festlich anmutenden Tischen bewirtet. Ich saß in einer Ecke des großen Saales im wohligen Gefühle des endlich Geborgenseins. Man hatte das Gefühl, irgendwo in einem reichen Lande zu Gast zu sein und so behandelt zu werden, wie nur hochwillkommene Gäste behandelt werden. Wie wohl tat dieser feine Takt, diese umsichtige und vollendete Fürsorge — die mehr waren als bloße konventionelle Liebenswürdigkeit, das fühlte man wohl — nach den Strapazen der langen Heise! Ein schönes Erwachen gab es im „Orphelinat* gebenedeieten Angedenkens - ich werde seine Direktrice, Frl. Kahn und all die anderen Bewohner dieses gastfreundlichen Hauses niemals vergessen. Als ich in den Garten hinunterkam, war der Verwandlungszauber schon im vollen Gange. Die gestern nocli so müden, schmutzigen, manchmal verwahrlosten Kinder wareu schon gebadet, frisiert, von Kopf bis Fuß frisch und neu eingekleidet und mit einem Zeichenbuche oder so einem ähnlichen Geschenke versehen. Das Herz wurde mir weit und groß. Nicht darüber, daß die Kinder ganz neu eingekleidet worden waren, das ist am Ende alltäglich geworden, tun es auch andere „Komitees", aber diesmal wurde es doch anders und schöner gemacht. Diese Kinder waren nicht schon äußerlich durch eine Uniform als „arme Kinder" deklariert worden, ihre Gesichtchen glänzten nicht vom Schrubben mit der Seife, wie es bei armen Asylkindern vorkommt, wenn sie einer Vorstandsdame präsentiert werden sollen, diese Zöpfchen waren nicht stramm und fest geflochten worden, daß die Köpfe wehtaten, diese Buben wurden nicht kahlgeschoren — aus Zeitersparnisrücksichten. Diese Kinder waren von weicher, mütterlicher Hand mit liebevoller Sorgfalt gebadet und angezogen worden. Da wurde gepaßt und geprobt, länger und kürzer gemacht und Knöpfe befestigt, da wimmelte es von roten und weißen und blauen Haarschleifen, die der Kinder größtes Entzücken bildeten. Mit jener Selbstverständlichkeit, die nur Kindern eigen ist, fanden sich diese in die neue Situation. Ich glaube nicht, daß sie mehr als ein großes Wohlbehagen, glaube kaum, daß sie so etwas ähnliches wie Dankbarkeit empfunden haben. Aber das brauchen sie ja auch nicht, das sollen sie nicht, es ist ihr Recht, nicht dankbar sein zu müssen für ein bißchen Liebe und Sorgfalt, die man ihnen entgegenbringt. Noch am selben Tage begann die Verteilung der Kinder. Jene Familien, die sich zur Aufnahme eines oder mehrerer Kinder erbötig gemacht hatten — und es waren nicht nur Straßbürger Familien, sondern auch solche aus der Umgebung — kamen größtenteils selbst, um ihre kleinen Gäste in Empfang zu nehmen; manche gingen freudig mit, manche waren zu schüchtern um „ja" oder „nein" zu sagen, viele waren störrisch und eigenwillig, wie es eben Kinder sind. Die unglaublichsten Motive, die unlogischesten Einfälle, sehr viele Verwandtschaften, die bis zu dieser Minute durch Blutsbande augenscheinlich nicht im entferntesten bestanden hatten, also Wahlverwandtschaften waren, die der Augenblick der bevorstehenden Trennung geboren hatte, wurden hervorgeholt und als triftige und unumstößliche Gründe für oder wider eine Plazierung geltend gemacht. Da wollten zwei Schwestern zusammenbleiben, dort erklärten vier Cousinen und eine Freundin, sie müßten alle fünfe in einer Gasse untergebracht werden, zwei Buben wollten durchaus in einem Hause wohnen, weil sie in Wien auch in einem Hause wohnten. Manche sparten sieb die Argumente und ersetzten sie durch Tränen. Viele der Kinder ließen sich ja gutwillig bereden, mitzugehen, andere waren Vernunftgründen durchaus nicht zugänglich und in den schwierigsten Fällen, wo ich schon verzweifelt dachte, nun hilft kein anderes pädagogisches Mittel mehr als eine energische Bearbeitung der Erziehungsfläche, da hatten die Straßburger noch immer liebe, gütige, freundliche Worte, die letzten Endes doch mehr halfen als meine Methode wahrscheinlich genützt hätte. Eine Episode: Aus der Umgebung Straßburgs — ich weiß den Ort nicht mehr — kam eine Dame — weiß ihren Namen nicht mehr, aber Namen tun ja so wenig zur Sache — hatte sich ein kleines Mädchen ausgesucht und wollte es mitnehmen. Das Kind wollte aus den oben angedeuteten Wahlverwandtschaftsgründen nicht mitgehen. Die Dame bat, vi rsprach dem Kinde, daß seine Mutter es besuchen dürfe, daß es jeden Tag nachhause schreiben und viele Pakete schicken könne, umsonst. Die Dame sagte dem Kinde, daß sie es so lieb habe, ob es sie den garnicht ein bißchen lieb haben könne? Und die Dame sprach und bat lange — demütig, wie man immer ist, wenn man um Liebe bittet — bis sie siegte. Glückliche, gute Straßburger Leute, was soll man euch zum Danke für eure Güte sagen? Nur den Wunsch, daß ihr immer die beglückende Kraft haben möget, andere zu beglücken. T. Sehr. Oberrabbiner R. Joschua Heschel s. z. 1. Ein reines heiliges Leben, das sich von Urgroßvaters Zeiten zu uns herüber neigte, schließt sieh mit dem Tode des Kodosch we-Tohor, des Rabbi von Kaposch ab. Von frühester Jugend mit beispielloser Hingabe der Thora ergeben, war er der intimste Schüler des großen R. Meir Asch, von welchem er die hehre Lebensweise übernommen hat. Täglich nahm er Tewilo vor dem Lernen; im strengsten Winter wurde dazu das Eis aufgehackt. Keine Krankheit nahte ihm, dem nahezu Hundertjährigen. Vor einige Wochen befiel ihn Altersschwäche; plötzlich ging er von hinnen, ohne Todeskampf. Er hatte noch einen Moment vorher Tefillin angelegt (er legte täglich fünferlei Teffillin) und hatte Krias Schema gesagt; plötzlich vergeistigte sich sein Antlitz wunderbar und ward schöner als je; eine wahre Mißo be-neschiko! Die Lewajo fand unter großer Beteiligung der ganzen Umgebung statt. Zuerst sprach sein einziger Sohn, der jetzige Oberrabbiner von Kaposch, dann sein Schwiegersohn R. Aron Weiß, Rosch-Besdin von Munkacs-Oroszvegh, Oberrabbiner Grünwaid (Uzhorod, Ungvar), ein Enkel des Verstorbenen Oberrabiners Weiß-Benedike, der Oberrabbiner von Bdcs, der Oberrabbiner von Nagy-Gejöcz, Rabbi Moses Grünberger (Nagy-Mihäly), Oberrabbiner Teitelbaum (Kätbesek), Oberrabbiner Baruch Wiener (Battyvi), Rabbi Leifer f(Ungvär). Tausende von .'Menschen, horchten ergriffen den Hespedim, die insgesamt voller Bewunderung des großen, heiligen Lebens des Dahingeschiedenen, der ein Enkel des Rabbi Naftali Koben (Posen) war, gewesen sind. Eine Woche darauf wurde die Mazewo gestellt. Es hielten Trauerreden die Oberrabbiner Moskovics (Gälszecs), Rabbi Weiß (Oroszvegh), Oberrabbiner Glattstein (Kiratyhelmecz) und der Oberrabbiner von Kaposch. Es wird ein Ohel über das Grab gebaut, mit'separatem Eingang für Kohanim TOSUn Hakoton. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse Cf Hpdas Jisroci-Jugenagruppe. Wien, II., Obere Donaustraße 69. Jugendgruppe: Margit Pappenheim, Telegrammablöse; Hochzeit Ehrenfeld (Budapest) K 50, N. Nürnberger 100, Bernhard Fischl 50, N. üuschinsky 50, Leo Sternfeld 10, Emanuel Groß 10, Max Fürst 10, Erwin Lackenbacher 10, Emil Gerstl 10, Jakob Rosenblatt 10, Wilhelm Groß 10. Jeschiwo-Sektion: Majer Strahlberg K 100, Daniel Bonyhadi (Salzburg) für „Bamidbor" Spende 100. Machsike Loimde Thoiroh: Daniel ßonyhadi (Salzburg) 100. Soziale Fürsorgo: Leo Fürst I 100. Keren ojle Erez Jisroel (Fonds für Paliistinawanderor): Großrabbiuer J. M. Heschel (Kopyzince) 1000, Großrabbiner J. Friedmann (Husyatin) 100, Großrabbiner Markus Friedmann (Sadngora) 600, Großrabbiner J. Friedmann (Sadagora) 300, Großrabbiner M. Friedmann (Bojan) 100, Rabbiner N. Friedmann (Husyatin) 50, Rabbiner L. Hager (Wiznitz) 100, Rabbiner A. Heschel (Kopyzince) 200, Rabbiner L. Heschel, (Kopyzince) 100, Frau Großrabbiner Heschel (Kopyzince) 800, Frau Großrabbiner Friedmann (Husyatin) 50, Diverse Spenden 571, Sammlung der Herren Schabse Seidmann, Jacob Teitelbaum und L. Aschkenazy bei Hochzeit Großrabbiner Heschel, (Kopyzince, zusammen K 3471. Großrabbiner Markus Friedmann (Sadagora) 500, lsak Picker XX. 300, Ernst Breuer-Weil (Baden bei Wien) 100, N. N. durch Schabse Seidmann 123, N. N. durch Nathan Steiner 100, Gustav Pappenhehn 100, David Kolin l 10, S. Reich durch Joel Barbasch SO. Kriogswaisenfonds: Herr Stadtrat Prof. Dr. Oppenheimer 45.000, Herr Max Feiber (Hamburg) durch Herrn Jacob Braun 10.000. Tag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Thamus Juli 25. 31. 20. 27. 28. 29. Ab 1. 2. Notizen Tod R. Ephraim Naftali Ladomir 5382. — Tod R. Salomo Charit' Sluzk 5466. Tod B. Alexander Koben — Köln 5464. Tod H. Ghaim Koben Rappaporl, Lemberg 5531. Juden greifen Römer erfolgreich mit Schwefel und Feuer an 3830. — Tod R. Itzig, Chanf. Römer zerstören die Westseite Jerusalems. — Tod R. Moses Teitelbaum Ujhely 5599. Erew Rosch-Chodesch — Jnm Kippur-Koton - Fasttag der Chewra in Dubna wegen Kinderepidemie 5489. - Rosch Ghodesch l — Tod H. Elieser Isserlisch, Bruder des Remo, Eidam des Marschall Wien 5383 — Tod R. Jossef -- Dubna 5460. Mattos - Masse. -- Haltoro: Schiniu — 2 Perek — Titus stellt Sturmböcke auf— Märlyrertod B. Aron Tluimiin 5490 Pintschow. —

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