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Jüdische Presse · 1921-07-01 · 22 (1.7.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
22 (1.7.1921)
Date
1921-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. \ \ Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Tnrnergasse 14. Erscheint jeden Freitag1. — Redaktionsschluß: Für Artikel Montag, für Nachrichten Dienstag. Abonnementspreise: Gansgährig: Für Österreich E 300'—, Ungarn K 250--, Tschechoslowakei Kö. 70- Deutschland Mk. 60--, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 300'—. Einzelnummer d.-ö. K 6—, Kö. 1*50. Dio 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 1.0* - Flirs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 22 i Wien «Bratislava, 1. Juli 1921 ♦K Enn jvd no rvnDDjnD " nn nyz 7. Jahrg. äku Die folgen einer Revolution. (Eine nachdenkliche Geschieht e.) Nicht die Revolution meinen wir, welche im .fahre 1918 die Welt in ihren Grundvesten erschütterte und deren Auswirkungen noch nicht abzusehen sind, sondern wir denken an eine gleichfalls sehr erfolgreiche Auflehnung der Volksgemeinschaft in der Nacht zum 9. Ab vor ungefähr 8500 Jahren. Sagt doch die beilige Kunde, daß die Tränen, die damals in blinder Empörung und in vollständiger Verkennung des Zieles von einem ganzen Volke geweint wurden, diese Nacht, stets wieder als eine Unglückszeit des jüdischen Volkes in Erscheinung treten lassen. Es ist männiglich bekannt, daß die Erzählung von der Entsendung der Kundschafter, so wie sie uns im Verlaufe des VVochenabschnitt.es mitgeteilt wird, nur dann verständlich ist wenn man sie im Zusammenhange liest, mit dem was im 5. Buche Moses. Kapitel 1, Vers 20 bis 46, berichtet wird. Man stand an der Schwelle des Heiligen Landes. Jm Auftrage des Allmächtigen hat der Führer Moses das Volk auf diese Situation aufmerksam gemacht und an dasselbe die Aufforderung gerichtet,' es nun in Besitz zu nehmen. Da geschah etwas Seltsames im Bewußtsein tast des ganzen Volkes. Man hätte diese Ankündigung in voller Demut als ein Zeichen besonderer Gnade hinnehmen sollen, allein die Dinge entwickelten sich ganz anders. Plötzlich erwachte die Sucht nach dem Volksbewußtsein, welche sich zunächst in undankbarer Abwendung von dem bisherigen Führer äußerte. Man hatte sich die Güte der bisherigen Betreuung.sehr gerne gefallen lassen, aber nun hieß es, wir .brauchen keine Bevorrnundüng^ie^ unwürdig, uns führen zu lassen, wir führen uns selbst, wir selbst werden uns die Männer auswählen, die das Land erschauen und uns ~- wohlgemerkt uns — nicht Dir — Bericht erstatten sollen. Nochmals versuchte Moses in seiner unpersönlichen Weise diese Gefahr abzuwenden und vielleicht mit zerrissenem Herzen der Lage die Wendung zu geben, daß er wenigstens das eine rettete, die Berichterstattung auch an seine Adresse gelangen zu lassen. Der Allmächtige hatte ja schon dem revolutionären Begehren die Antwort gegeben, indem or an Moses den Befehl gerichtet hatte, die Entsendung der Kundschafter solle als sein Werk in Erscheinung treten. Es ist ja auch gar nicht, inißzirjerstehen. daß in dem Volksbegehren auch eine Auflehnung gegen die bisherige unmittelbare Führung durch den Allmächtigen enthalten war, denn das Volksmandat wollte auch Aufschluß haben über den Weg. der ins Heilige Land führt. Man war der bisherigen Leitung durch Wolken- und Feuerssäule überdrüssig geworden, und wollte vielleicht den verehrten Herren Nachbarn dadurch imponieren, daß man möglichst ferne von G-tt den Einzug ins Heilige Land bewerkstelligte. Im Auftrag, welchen Moses an die Kundschafter erteilte, fehlt deshalb begreiflicherweise unter den Fragen, welche den Männern vorgelegt werden, der Punkt wegen des Weges, denn füglich waren es Männer, welche Moses entsendete. Daß sie so jämmerlich Schiffbruch erlitten, dafür ist. der Grund in einem Wort der Heiligen Schrift klar angedeutet: alsie zurückkamen, erstattete sie ihren Bericht nicht sowohl ihren Auftraggebern Moses und Aron, sondern sie zogen es vor, über ihren Auftrag hinaus, sich auch unmittelbar an das ganze Volk zu wenden. Es mochte ihnen mehr schmeicheln, als Volksbeauftragte in Erscheinung zu treten, als lediglich in der Form von Gesandten des Führers. So war die Katastrophe eingeleitet und das übrige, wie es in der Heiligen Schrift berichtet ist, liegt klar vor. Man hatte das materielle Wohl der Kinder Israels vorgeschützt, um eine Auflehnung in Szene zu setzen. Die Zukunft zeigte, daß in ganz anderer Form das Glück des jüdischen Volkes aufgebaut « werden müsse. Daß der nochmalige Versuch mit rein materiellen zwingen mit einem Ghormo endigen mußte, sollte uns auch jetzt zum Nachdenken anregen. P. K. Churchills Hede. Ich muß heute zum Ausgangspunkt die Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten wählen, welche England im Mittleren Orient, ühernommen hat und die ich im Einklang mit der Politik der Regierung zu erfüllen hestrebt hin. Während des Krieges eroberten unsere Armeen Palästina und Mesopotamien. Sie besetzten diese beiden Provinzen de< türkischen Reiches. .Sir brachten die Araber und Landesbewohuei zum Aufstand gegen die Türken. Wir hoben die türkische Verwaltung auf. und abdie Armeen vordrangen, setzten wir an ihrer Stelle eine Militär Verwaltung ein. Um die Mitwirkung eines möglichst großen Teiles der Landesbewohner zu erhalten, gab man Zusagen, die türkische Herrschaft, werde in diesen Gegenden nicht wieder eingeführt werden, reber diese Zusage ist nicht zu streiten. Sie erfolgte durch Lord Hardinge. durch Sir Peroy-Scott und durch General Maiide und sie wurden wahrend des Krieges von seiten des jetzigen Ministerpräsidenten ausgesprochen. Um die Unterstützung der Araber gegen die Türken zu gewinnen, machten wir gemeinsam mit unseren Verbündet e u wä Ii ren d d es K ri eges ein e weitere Reihe von Versprechungen den Arabern gegenüber. Wir sagten ihnen durch die Person des Königs Hussein und derjenigen, die sich um ihn vereinigt hatten, die Wiedererrichtung der arabischen Nation nud so weit als •möglich die Wiederherstellung arabischen Einflusses und Ansehens in den eroberten Provinzen oder, wie wir sie nennen, tlcr befreiten Provinzen zu. Auch über diese Zusagen gibt es keinen Zweifel. Mit bezug auf Palästina wurde ein drittes Versprechen von sehr wichtigem Charakter von seilen der Regierung durch meinen sehr ehrenwerten Freund, den Präsidenten des Staatsrates (Mr. Balfour) am 2. November 1917 gemacht, wonach Großbritannien im Falle des Erfolges im Kriege seine besten Kräfte gebrauchen wolle, um ein jüdisches nationales Heim in Palästina zu errichten. Das war die Lage und das waren unsere Verpflichtungen, als der Krieg endete. Nach der schicksalsvolleu Kriegszeit treten wir in die schwierige Zeit der Friedensverhandlungen ein. Die Grundsätze für die Verfügung über die eroberten türkischen Provinzen und über die deutschen Kolonien unter den siegreichen Verbündeten wurden vom Obersten Rate entschieden, der während des Jahres 1919 in Paris tagte, und seine Beschlüsse wurden in die Verträge von Versailles und Sevres und in die Völkerbundakte aufgenommen. Diese Verträge wurden für Großbritannien durch das damalige Kriegskabinett gebilligt und ihre Bestimmungen wurden durch das Parlament angenommen oder gutgeheißen. Unter den aus diesen Verträgen folgenden Entschließungen haben wir feierlich vor der ganzen Well die Stellung einer Mandatarmacht für Palästina und Mesopotamien ajngetiommen. JDies^.ist, eine seinernste yerantwQrtlichkeit. Es ist nichritfo^ soH^ei-n: eine wirkliche Verantwortung. Wir sind zurzeit im Besitze dieser Länder. Wir haben die einzige Regierungsform, die dort bestand, zerstört. Wir haben den Bewohnern ,die Versprechungen gernac ht, die ich soeben aufgezählt, h a h e, u n d w i r in ü s s e. vi n n s b e m ühen, unsere Pflicht zu tun, und uns auf nüchterne un'd ehrenhafte Weise zu halten und Verpflichtungen einzulösen, in die wir mit offenen Augen eingetreten sind. Wir können nicht diese Bemühungen leichtherzig zurückweisen. Wir können nicht Kehrt machen, unsere Armeen an die Küste marschieren und die Laudesbewohner, für deren Sicherheit und Wohlbeiinden wir uns selbst in der öffent- I mabaram flscb s. I. (Zu seinem Todestage am 27. Sivan.) Dem Schreiber dieser Zeilen bereitet es eine Freude, mitteilen zu können, daß in einigen Wochen aus der Feder Dr. Bernhard Wachsteins eine gründliche Arbeit über die die Judengemeinde Eisenstadt erscheinen wird. Auch in diesem Werke sind die gleichen Forschungsmethoden wie in den früheren Arbeiten dieses Forschers angewandt. Da am 27. Sivan der Gedenktag des Todes des großen Lehrers und Meisters ist. wollen wir hören, was uns Wachstem über diesen weit über die Grenzen Eisenstadts bedeutenden Mann zu sagen hat. Und diejenigen, die die Fortpflanzung der Thora im traditionellen Sinne anstreben, können auch hei dieser Arbeit konstatieren, daß Wachstein als objektiver Forscher den Manen unserer großen Lehrer gerecht wird. Mit schlichten, aber vielsagende]) Worten beginnt seine Betrachtung über Rabbi Meir ben lsak. „Eine kurze Inschrift auf dein einfachen Grabe gibt Auskunft über den Mann, der hier begraben liegt: Hier ist geborgen der bedeutende Rabbiner khnvrr Meir, Oberrabiner der Gemeinde Eisenstadt und des Kreises. Er starb und wurde begraben am Sonntag, den •27. Sivan 504 nach der kleinen Zeitrechnung . Bis auf das Wort „hogadol" (groß, bedeutend; als Epitheton zu „ha Rab (Rabbiner, Gelehrter) kein Wortes des Lobes und kein Hinweis auf die literarische Bedeutung des Verstorbenen, offenbar auf dessen ausdrücklichen Wunsch. Gleichwohl hat die Gemeinde ihren ersten Rabbiner nicht vergessen, der auch dem Range nach ihr Erster blieb. Dafür aber lebt auch sie in der Erinnerung der gelehrten Welt, denn nach seiner letzten Wirkungsstätte wurde und wird .er noch jetzt Meir Eisenstadtv oder in der üblichen Abbrevierung m!i h u r * m AS genannt. Dem Oberlandrabbiner Samson Wertheimer dürfte — wir folgen hier dem Verfasser — die Bestellung unseres Meir ben lsak zum Rabbiner von Eisenstadt wohl zu verdanken sein. Er kam nach einem finanziellen Tiefstande der Gemeinde, am 3. Dezember 1717, einem Erew Schabbos, seinen Einzug haltend, allerdings als ein schon anerkannter Mann, denn der erste Band seiner Responsen erschien 1715. „Nicht immer, vielleicht nur selten, ist einem Manne von Bedeutung geglückt, ein seinem Können entsprechenden Wirkungskreis zu finden, in welchem die ihm von der Natur verliehenen Fähigkeiten im Interesse der Oeffentlichkeit ganz zur Auswirkung kamen." Schweren Herzens brechen wir hier ab, denn was Wachstein zur allgemeinen Charakteristik sagt, sind tiefergründete und goldene Worte. Was aber den liesern dieser Zeitschrift und jedem Thoratreuen nicht vorenthalten werden darf, ist Nachfolgendes, weil hier die Objektivität Wachsleins zur Geltung kommt, der auch den Männern der Tradition volle Gerechtigkeit werden läßt: „Speziell zur Erfassung eines jüdischen Gelehrteni lebens in der zurückreichenden Zeit gehört die I Kenntnis des damaligen Wirkungskreises, in den sechsundzwanzigeinhalb Jahren seiner Eisenstädter I Wirksamkeit ist der größere Teil der liierarischen Arbeit Meir Isaks entstanden, aber diese war nicht ein Werk der Muße oder gar der Langeweile im stillen Orte, sondern aus dem Leben und der beruflichen Tätigkeit hervorgegangen." Und nun wendet sich Wachstein seiner Lehrtätigkeit zu. Die einleitenden Worte geben uns aber eine Vorstellung, was die Aufgabe des Rabbiners jener Zeit im allgemeinen war. Das Abhalten von Kursen und Diskussionen im höheren Unterricht war nicht nur eine übernommene Pflicht gegen die Gemeinde, sondern ein dem Rabbi zuerkanntes Recht, auf das er unter keinen Umständen verzichtete. Rabbi Meir s. I. suchte eine Stätte, wo er solche Lehrtätigkeit üben konnte und dafür war Eisenstadt sehr geeignet. Wachstein schildert uns dann eingehend die Art seiner Lehrtätigkeit so greifbar, so daß wir glauben, er wäre selbst Meharam Asch zu Füßen gesessen. Seine juristischen Entscheidungen sind ganz im Gegensatze von pereal mundus, Recht geschehe und wenn dabei die Welt zugrunde ginge. Wachstein gibt die Responsen so wieder, daß die Rechtsanwälte unserer Zeit gewiß das Verlangen haben würden, Schüler dieses Meisters des Rechtes zu sein. Wer sich mehr für das Biographische interessiert, der wird an dieser Monographie genügend Befriedigung finden, ganz besonders an den Stellen, die sich mit dem nicht ganz aufgeklärten zeitweiligen Verlassen Eisenstadts befassen. Seine Stellung als Rabbiner gegenüber einem in administrativen Belangen selbstbewußten Gemeinrlevorstande wird mit einigen kurzen Worten scharf beleuchtet. „Was R. Meir b. lsak s. 1. der nächsten Umgebung in Wirklichkeil gegolten, wie sein Privatleben beschaffen war, wie er auf die Welt reagiert hat, darüber fehlen uns die Zeugnisse ..." Zwei Seiten des Werkes' wären hier wiederzugeben, die die Schwierigkeit besprechen, die Frage zu beantworten, ob Gelehrter und Mensch sich decken und zeigen uns, daß das Problem beim jüdischen Gelehrten jener Zeit noch schwerer zu erfassen ist. Diese Stellen möge sich niemand entgehen lassen. Die Selbständigkeit unseres Maharam Asch will Wachsteiii nicht so sehr von der intellektuellen Seite, als von der des Charakters werten. In dieser Monographie werden uns alle Werke genannt, die Nachkommenschaft wird aufgezählt und der Gelehrtenkreis, mit dem Meir b. lsak persönlich in Berührung trat, wird ebenfalls literarisch beleuchtet. Wenn uns schon eine Monographie aus diesem Werke so fesselt, so müssen wir auf das Erscheinen des ganzen Werkes um so mehr gespannt sein. Wir hoffen, dann dem geehrten Leserkreis auch andere besonders mitteilungswerte Partien bieten zu können, Dr. (i. Freud mann (Wien).

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