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Jüdische Presse · 1921-04-22 · 14 (22.4.1921) · page 9

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
14 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 JÜDISCHE PRESSE Seite Ul KALENDARIUM. | Tag Sonntag j Montag i Dienstag j Mittwoch i Donnerstag | Freitag j —! Samstag Nissan J April 16. | 24. n 25. 18.! 26. 19. : „. 20. 28. 21. 29. 22. 30. j Notizen II. Tag Pessach j Ghol-hamoed — Tod Jalkut Ruweni, Prag- (5433)! Chol-hamoed I_____.........! Chol-hamoed! Chol-hamoed — Tod R. Jecheskel BemH, Knrlsbursr (5605); Schwii schel Pessach — Tod H. Arjel Leb. Amsterdam (5515) j Preßburger Ghettos 5608 (184S) 1 Achron schel Pessach — Pogrom in Kischenew (5663) Sefira 1 Sefira 2 Sefira 3 Sefira 4 Sefira 5 Plünderung des Sefira 6 Impressionen. Die Paliistina - Delegation der Aguüas Jisroel ist von Erez Jisroel zurückgekehrt und bringt uns aus dem heiligen Lande beschämende für alle Chauwewc Zion völlig niederschmetternde Nachrichten, die unsere Gedaule hatauroh schon durch Jahrzehnte in kluger Voraussicht befürchtet haben, aber nicht auszusprechen wagten. Wie eine Vision sahen sie mit banger Erregung die Drohung und den darin liegenden Fluch „weloi soki horez es-chem". Aber tränenüberfließende Augen und gebrochene Herzen zwang das gebieterische „al tiftach peh lesoton" zum Schweigen. Oeffne deinen Mund nicht zum Bösen. Lasse dröhnende und packende Schlagworte den Zeitgeist regieren. Weder die Taktik praktischer Notwendigkeiten, noch der Rausch von „Erfolgen" brachte sie von ihrer durch Centenien vorgezeichneten Linie um Haaresbreite ab. In ideellen Dingen gibt es für sie um realer Vorteile willen keine Kompromisse. Wessen Ziel und Mittel, wessen Denken und Streben unsere Tauroh hakedauschoh ist, der läßt den Mut nicht sinken, (der kennt keine Schwächen „ki lau almon Jisroel" (Israel verwaiset nicht!). Wer neben oder gar über dem Schulchan Aruch ein anderes Gesetz als bindend anerkennt, der darf und kann nicht die Verantwortung für Klall Jisroel mit unseren Geauneh hadaur teilen — vertragen sich ja auch zwei so heterogene Geistes¬ und Seelenverfassungen, wie die aufs eigene Können pochende Macht des Bibel-Babelstürmers mit der Demut des g-ttergebenen gläubigen Juden, aus rein ethischen Gründen nicht miteinander. Hier trennen zwei Weltanschauungen Idealisten von Realisten. Jene weisen den objektiven Beobachter auf nichts geringeres als eine Jahrtausende währende Geschichte ihrer Religion hin, welche ihrem Volke allen anderen zum Trotze nicht nur blühende stets neue produktive Kräfte gebärende Existenzmöglichkeit, sondern Ewigkeitswert verliehen hat. Diese haben die gleißnerisch schönen Träume des Freigeistes (lies nach Strindberg: „frei von Geist"), dem der Begriff der Nation an sich genügt, um an deren Grenzen haltzumachen, über deren Alltäglichkeit er nicht zu schauen vermag und die Nüchternheit eines nach Freiheit lechzenden geknechteten und gequälten Volkes für sich. Die Erfahrung lehrt, daß Geschichte erst nach Jahrhunderten richtig beurteilt werden kann; erst dann erkennen wir „G-ttes Willen in der Weltgeschichte", erst dann erfassen wir die Logizität und subtilen Zusammenhänge einzelner Ereignisse. Nur das Genie, die überragende Persönlichkeit bildet eine Ausnahme. In ihm sind die Erfahrungen vieler Geschlechter aufgespeichert (der Psychologe spricht von „Engrammen") und nur er findet die Lösung schwieriger Probleme großer Menschheitsaufgaben. Bei unseren großen „Adireh hatauroh", den „Trägern der Tauroh", ist auf Grund heroischer Ueberwindungen und vollkommener Hingebung an das g-ttliche Leben der Zustand genialer Denkerkraft und wirklicher innerer Freiheit gleichsam zu einer dauernden geistigen Verfassung geworden. Nur solche Menschen, deren wahrer Ernst nicht im Persönlichen und Praktischen, sondern im Objektiven und Theoretischen liegt, sind imstande, das Wesentliche der Dinge und der Welt aufzufassen. Das wahrhaft Geistige kann nur dort herrschen, wo in den Grundfragen der Lebensdeutung die höhere Einsicht all der Kedauschim und Ghachomim anerkannt wird, die in ihrem persönlichen Leben zu jener sittlichen Freiheit gelangten, in deren Bereiche überhaupt erst von einem wirklichen Gebrauche der Vernunft die Rede sein kann. Wohl gilt ihre Botschaft oft als „lebensfeindlich*, weil sie nicht auf greifbare Nützlichkeiten zurückzuführen ist. Doch bedürfen wir eben der Lehrmeisterin Geschichte, die uns nach langer Zeit, das von unseren genialen Führern Vorausgeschaute verstehen läßt und den weckenden und ordnenden Einfluß der religiösen Autorität unzweideutig beweist, der nicht stark genug betont werden kann, denn er vereinigt in sich alles, was dem individualistischen Standpunkte fehlt, nämlich Selbsterkenntnis, Demut und sittliche Vollkommenheit. Welch maßlose Verheerung Schlagwörter bei Juden anrichten, die Religion und Autorität als leere Begriffe klassifizieren, bedarf keiner näheren Erläuterung. Unbegreiflich vom logischen und tief beklagenswert vom ethischen Standpunkte bleibt aber die Frage, wieso die eingangs erwähnten traurigen Tatsachen — also nur allzurasch greifbar gewordene Geschichte noch immer auf einige Jereim, die, von ihrer realistischen -Taktik" ins Schlepptau genommen, unter der Devise ,,Jisroel af al pi schechoto Jisroel hu" ein dem Schulchan Aruch coordinierendes System konstruiert haben, nicht die einzig mögliche Wirkung ausgelöst haben. Bei dieser Gelegenheit sei auf die von Abgeordneten Rabb. Halpern jüngst in seinem Vortrage in der „Jugendgruppe" wundervoll ausgeführte Widerlegung* der sinnstörenden Ausbeutung dieser Devise hingewiesen, die darin gipfelte, daß Jisroel schechoto, daß ein Jude, der einmal gesündigt hat, nicht mit einem Jisroel schechaute. der fortwährend neuerlich sündigt, zu verwechseln sei. Doch wollen wir alles Vorhergesagte als hypothetisch beiseite lassen, denn wir wissen, wie stark der Autoritätsglaube Gott sei Dank noch immer in unserem Am Kodausch lebt; wir wissen wie unzertrennlich die große Masse unserer Brüder in Polen und Galizien, der Quelle unserer Volkskraft, an ihren Rabbeim hängt und wir wissen die weittragende Bedeutung der regen Anteilnahme dieser an der Agudaarbeit und ihres persönlichen Erscheinens beim Agudazentralrate entsprechend einzuschätzen. Wer es sich wie die vielen Tausende von Jehudim, die aus allen Windrichtungen Europas hieherkamen, unzählige Male fast die Türen einbrachen, um die von ihnen verehrten und geschätzten Rabbeim und Rabbonim Mekabel Ponim zu sein, — ihres Blickes teilhaftig zu werden, wer es sich nicht nehmen ließ, sie bei ihrer heißen Arbeit zu sehen: wer beim überwältigend imposanten Anblicke von mehreren Minjonim Geauneh Hadaur, in deren Augen sich Siw Hatauroh, der Glanz der Thauro wiederspiegelte, deren Stirne ausnahmslos von hoher Weisheit und deren ganzes Aeußere von Keduschok zeugte, nicht von Ewigkeitsschauern erfaßt wurde und wenn diese in der Geschichte vielleicht beispiellos dastehende Tatsache, daß prominente Persönlichkeiten der chassidischen Richtung und solcher ihrer (allerdings in den arba am aus der halacha möglichen) Antipoden eine ganze Woche ununterbrochen beisammensitzen, um über das Schicksal ganz Jisraels zu beraten; wenn dieses ungeheuere Ereignis nicht rein gefühlsmäßig befriedigende Beruhigung seines ungestümen Besserwissenwollensund einen mächtigen Wegweiser in seinen Zweifeln gegeben, der ist wahrlich kein Bar Jehudi. Mi—hu. Vortrag Oberrabiner Starnberg. Die Wiener Jugendgruppe hat wieder einmal einen großen Erfolg zu verzeichnen. Der gefeierte Gaon, der greise Oberrabiner von Brody n. j. hielt am Schabbos Hagodol um 5 Uhr nachmittags im großen Saal der Jugendgruppe einen Vortrag. Mit Bewunderung und großer Aufmerksamkeit lauschte das Publikum den geistreichen an Scharfsinn unübertroffenen Ausführungen des Vortragenden (der das Thema von Jezias Mizrajim, verflochten mit einem Piipul in der Sugje Schoalim wedorschim behandelte). Unter anderem erwähnte er auch den Midrasch, daß Israel, aller Verdienste bar und um der Geuloh würdig zu sein, sich in der Mizwas Korban Pessach bestätigte, wie wohl der Midrasch an anderer Stelle ihnen als Verdienst anrechnet, schelo schinu es Schemom welo schinu es Leschonom, daß sie sich durch Beibehaltung ihrer hebräischen Namen und Sprache sich von den Mizrijim auszeichneten, doch sei das Verdienst des Hebräischsprechens unbedeutend, wenn man nicht Mizwas maassios ausübt, wenn man nicht die Mizwos der Thora zur Tat werden läßt. Möge es uns noch oft vergönnt sein, in unserem Kreise aus dem Munde dieses Gaon Diwre Thora zu hören. S. Vortrag Dr. Deutsch. Am April d. J. hielt der Arzt Herr Dr. Samuel Deutsch in der Jugendgruppe Baden der Agudas Jisroel einen Vortrag über jüdische Lebensauffassung. Aus seiner durchwegs originellen Behandlung dieses Thema sei folgendes kurz skizziert. Die Basis für die jüdische Lebensauflfassung darf ein Volljude nur aus dem Kern unseres eigenen Volkstumes schöpfen, wie es klassisch in Jeschajah Kap. 1 Vers 1—9 dargestellt ist. Dabei ist die Sonderstellung der jüdischen Lebensauflfassung wohl zu beachten, wie dies aus den Gebeten und Semiroth am Sabbathausgang, insbesondere aber aus der „Hawdoleh" klipp und klar hervorgeht. Hamawdil ben kodesch lechol, ben or lechoschech, ben Jisroel loamim. Der Kern der jüdischen Lebensauffassung leuchtet aus den Segenssprüchen und Gebräuchen anläßlich der verschiedenen bedeutsamen Ereignisse des menschlichen Lebens hervor. So bei Brit-Milah „lehazil jedidues scheerenu mischachas", bei der Hochzeit „wehiskin lo mimenu binjan ade adK und „ascher boroh sossaun wessimcho, giloh, vinoh, aha wo weachwo, scholaum wereiis, mit welchen den Menschen in die Brust gesenkten göttlichen Gefühlen der Volljude nie sein amüsantes Spiel treibt, das zum ^Schachass" zum Verderben führt, bei Bar-Mizwah, und auch bei den Vorschriften und Bräuchen beim Hinscheiden eines jüdischen Bruders. Nach einer kurzen Besprechung des Begriffes Zedokoh und Tefilloh schloß der Vorsitzende sein hiermit noch nicht erschöpftes Thema, von einem zahlreichen und mit tiefer Empfindung seinen Ausführungen lauschenden Publikum zur gelegentlichen Weiterführung dieses Thema gebeten. Uereinswesen. Verein Mewaksche Thora. Der von uns schon des öfteren rühmlich genannte Verein „Mewaksche Thora", der sich ob seiner segensreichen Tätigkeit auf pädagogischem Gebiete unter seinen, der werktätigen Preßburger Jugend angehörenden Mitgliedern allgemeiner Beliebtheit erfreut, veranstaltete, am 24. März 1. J. im Turnsaale der orthodoxen israelitischen Volksschule eine Purimfeier. Nach der Eröffnung durch den Präses Herrn Josef Weiß, deklamierte Herr Robert Müller mit Schwung und Pathos das hübsche Gedicht „Bleibe Treu". Sehr angenehm und gefühlvoll brachte sodann Herr David Iritzer Jargonlieder zum Vortrag. Für die Erheiterung der zahlreichen Anwesenden war durch die überaus gelungene Aufführung der urkomischen Posse „der Schlemiel" gesorgt. Die Mitwirkenden Josef Dannenbaum, Heinrich Kohn, Emanuel Neumann, Josef Guth, Viktor Kastner und Brüder Bruck, boten ihr Bestes, was von den Gästen mit reichem Beifall gelohnt wurde. Talmud Thora. Aus Nove Zämky wird uns berichtet : Daß unsere Talmud Thora auf der Höhe ihrer Aufgabe steht, daß sie eine Pflanzstätte des echtjüdischen Geistes und Thoralernens ist, hat die gestern abgehaltene Schlußprüfung abermals bewiesen. Die Zöglinge haben sowohl Talmud wie von Tnach so ausgezeichnet geantwortet, daß Herr Oberrabbiner Tigerman sich veranlaßt fühlte, sowohl die Schule, wie den erstklassigen Lehrer besonders zu beloben. Von der oberen Klasse gehen drei Zöglinge nach Pessach auf einer Jeschiba. Somit sind bei \ unserer Talmud Thora*Schule, welche mit einem Bürgerschulkurse verbunden ist, einige Plätze frei. Kundmachung. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft werden hiemit zu der am 4. Mai 1921, um 11 Uhr vormittags, im Gebäude der Gesellschaft, Wien, I., Am Hof 2, stattfindenden achtundsechzigsten ordentlichen Generalversammlung eingeladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden. 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1920. 2. Bericht des Revisionsausschusses. 3. Antrag des Verwaltungsrates auf Verwendung des Reingewinnes. 4. Antrag des Verwaltungsrates auf Erhöhung des Aktienkapitals um K 100,000.000. 5. Antrag des Verwaltungsrates auf Aenderung der §§ 6, 5fi letzter Absatz und 100 der Statuten. 6. Wald von Mitgliedern des Verwaltungsrates. 7. Wahl von vier Mitgliedern in den Revisionsausschuß. (§ 52 der Statuten.) Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche als solche drei Monate vor dem Zusammentritte der Versammlung in den Aktienbüchern der Gesellschaft, eingetragen waren und an der Generalversammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien vom 19. April 1921 angefangen his längstens 27. April 1921, 1 Uhr nachmittags, bei der Liquidator der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschäft in W i e n oder bei der Böhmischen Escompte-Bank und Credit-Anstalt in Prag und deren Filialen zu erlegen. Die Aktien sind arithmetisch geordnet, mittels einer einfachen Konsignation einzureichen und dem Einreicher wird hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener General-Versammlung die Aktien rückgestellt werden. Je zehn Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf* den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen. Wien, am 18. April 1921. Niederösterreichische Eseompte-Gesellschaft. (Nachdruck wird nicht honoriert.)

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