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Jüdische Presse · 1921-04-22 · 14 (22.4.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
14 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.004. Tschechoslowakei: Bratislava, Tarnergasse 14. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Montag, für Nachrichten Dienstag. Abonnementspreise: Ganzj&hrig: Für Österreich K 300*—, Ungarn K 250--, Tschechoslowakei Kc. 70 -, Deutschland Mk. 60'-, Schweiz Frcs. 10-—, Amerika 3 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 300-—. Einzelnummer d.-ö. K 6 —, Eö. l'SO. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 10* — Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 14 Wien-Bratislava, 22. April 1921 .xsnn rras a-voDosna - nri ,tj?d 7. Jahrg. fe^Z-^: Frühjahrstürme wallen durch die Lande, mildgewaltig wie der zeugende Odem des Schöpfers: von ferneher bringen sie berauschenden Hauch von Blüten und wecken sprießendes Leben aus schlafenden Keimen. Und brechen den starren Bann des triebfeindlichen Frostes und befreien den gefesselten Lauf befruchtender Quellen. Und verleihen den verstummten Bäumen wieder Myriaden Zungen, auf daß sie wieder ..jubeln die Gehölzer des Waldes und es in den Bergen halle wie Händeklatschen". Und streichen liebkosend über bewaldete Gipfel, daß „die Berge hüpfend erscheinen wie Lämmer, und Hügel wie Jungschafe14: Und wandeln den Eisfels wieder zu blitzendem Wasser, und .das Kieselharte zum sprudelnden Quell" ... Wie damals, „als Israel zog aus Mizraim und Jakobs Haus weg vom Volke der Barbaren". Wie damals ... als er aus dem farbenprangenden Säulenhallen der Pharaostochter entfloh, um Aeonen seiner lodernden Seele in die im Frondienst verdorrten Herzen der blutsverwandten Paria zu gießen. Wie in jenem verhängnisschweren Frühlingsmonat, von dem der Größte aller Zeiten ahnungsvoll in alle Geschlechter hinausrief: „Dieser Monat wird Euch ein Erster sein unter allen Ersten der Jahresmonde." Wie zu jener Mitternachtsstunde, die nicht nur die Nacht, sondern auch die Menschheitsgeschichte in zwei Teile, die Freiheit von Knechtschaft, Menschenrecht von Tyrannei und Licht von Finsternis schied. Damals durchzog die Gerechtigkeit selbst die Re- PASSAH sidenz der Tyrannei und zerschlug mit flammendem Schwerte alle „Vorrechte de:' Geburt"! Damals erdröhnten zum ersten Male die Grtmdvesten der Unterdrücker unter den Schrillen von sechsmalhunderttausenden Männern, die mit erhobener Hand in die Freiheit zogen! Und wurden, da sie die Leiden der Unfreiheit und der Tyrannei schmerzvoller als je ein Volk empfunden hatten, zu unerschrockenen Vorkämpfern für Freiheit und Menschenrechte! Und trugen auf den lastgewohnten Schultern die teure Bürde des Gesetzes von Sinai, und streuten daraus Liebe, Licht und Wahrheit in alle Völker! So ward der große Frühlingsmonat zum Völkerfrühling nach einem Zeitalter der erstarrenden, entwicklungstötenden Herrschaft der Gewalt. — — — Uralt wie seine Geschichte ist auch die Weise des Passahfestes. Was ist zu vergleichen mit der ergreifenden Poesie des Sederabends, mit der eigenartigen Weihe, in welche sigj^ die^rhabenheit der Urzeit, die Innigkeit des ramilientisöfies, die Feierlichkeit eines Gottesdienstes und die Heiterkeit des Gesellschaftsliedes mischt. Uralte historische Geschehnisse, an denen unser Volk noch mit; allen Fäden der Erinnerung hängt, werden nochmals durchlebt und der nächsten Generation, die mit kindlicher Empfänglichkeit froh-staunend aufhorcht, weiter überliefert. Wer vermag abzuschätzen, welch tiefe Eindrücke diese einzigartige Feier auf das Seelenleben der jugendlichen Teilnehmer hinterläßt? Wer lehrt die Erwachsenen die\hpJk€^sittiic1ife Schönheit des Sederabendes zu erkem^q^tini^ils kostbaren ethischen Schatz für. Kindeskinder erhalten zu suchen! Herrscht nichtt in tausenden jüdischen Häuslichkeiten die Oede des Alltagslebens an dem Abende, der „ausgezeichnet sein soll von allen anderen Nächten?" Wer doch solchen Eltern. wehren würde, ihre Kinder des ihnen nach dem Gebote unserer Religion und Nationalgeschichte gebührenden Erbgutes an sittlicher Erhebung und ethischem Kraftwerte gewissenslos zü berauben! Wer doch die Kinder lehren würde, aus der Hand der Eltern das veruntreute moralische Gut von teueren sittlichen Nationalgütern zu fordern und an den öden, den leiblichen Genüssen geweihten Tisch hinzutreten mit der vorwurfsvollen Frage: „Warum ist dieser Abend nicht ausgezeichnet von allen anderen Nächten?" Und wer lehrt das Haus, das sich in traditioneller Weise um den Sedertisch versammelt, den Sinn zu ^ergründer^, de^. in;cj.enuberiieterten. Worten...als..^ Botschaft starker Ahnen an ferne, schwachgewordene ' Enkel gerichtet ist? Wann werden die Worte der Hagada, die von gewaltiger Einfachheit sind, wie die von Goschens Bewohner erbauten Pyramiden, Widerhall finden in starkgewordenen Herzen vergangenheitsstolzer Epigonen! Welches Geschlecht wird jder überlieferten Formel „haschata hacha, leschana habaa beara de Israel" die Flamme wahrer, schaffensfroher Begeisterung verleihen?! —m. Pbarao. Pharao, . auf hebräisch Par-o, ägyptisch per-o, bedeutet nichts anderes, als das „große Haus", aiso soviel, wie bei uns „der Hof". Der neue Pharao, welcher dem philosemitischen Regime ein Ende machte, gilt als der Vertreiber der Hyksosdynastie, welche selbst einem Nomadenstamme angehörig, freundschaftliche Gefühle mit den eingewanderten Semiten gepflogen hatte. Der klassische Satz: „Siehe, das Volk der Söhne Israels ist uns zu viel und zu ^nächtig" usw., erlangt damit allerdings eine helle Beleuchtung. Von der Vertreibung der Hyksosdynastie bis zum Erbauer von Pitom und Ramses wären aber Jahrhunderte vergangen. Der kindermordende Pharao hieß Ramses II., und mit seinem vollen Namen Raufermaa setpenra. Er war der Sohn des Pharao Seti und Enkel des Pharao Ramses l., dem Begründer der 19. ägyptischen Dynastie. Ramses II. wurde schon bei Lebzeiten seines Vaters zum König gekrönt. Er regiert nicht weniger als 67 Jahre. Zahllose Standbilder künden von seinem Ruhme und von dem Frondienste seiner Völker. Er hat kaum geahnt, daß diese semitischen Fronknechte ihn berühmter machen werden, als der Stab seiner Künstler. Im Tempel zu Abydos zeigt ein großes Reliefbild ihn als Kronprinz, Trankopfer darbringend. Ein Papyrus im British Museum enthält ein Heldengedicht übelseinen Krieg mit den Söhnen Ghet. An den Tempelwänden in Theben und Luxor ist die große Schlacht bei Kadesch verewigt. Vier Armeesäulen, jede nach einem anderen äpyptischen Götzen benannt, marschieren mit viel Kriegskunst auf. Ramses II. führt selbst die nach dem Götzen Ammon benannte Armee und verrichtet nach dem Berichte seines Poeten Pentaur, dem Ebers in seinem Romane „Uarda" die Rolle des ersten Helden eingeräumt hat, Wunder an Tapferkeit. Die beiden Pferde vor seinem Schlachtwagen heißen: „Sieg in Theben" und „Mut ist. zufrieden". Er ist von seinem Löwen Smam-chef-tuf, das heißt „Zerreißer des Feindes", begleitet und kämpft gegen 2500 Kriegswagen. Auf einem Bilde kämpft er vor Dapur, einer Festung auf dem Berge Tabor. Trotz seines Sieges mußte er mit dem mächtigen Ghet ein Trutz- und Schutzbündnis schließen, das auf silbernen Tafeln eingraviert wurde und das unter die Obhut von tausend Götzen gestellt wurde, unter welchen uns Astoret von Ghet und Bai tsephon (äg. Sutech) von Aegypten wohlbekannt klingen. Der Friede wurde durch die Vermählung des Pharaos mit der Tochter des chetischen Königs besiegelt. Eine Tafel in den Tempeln von Jasambul und Medinet Habu kündet mit folgenden Worten von diesem erhabenen Akte: „König Ramses, ich habe Dich erhöht durch so wunderbare Gaben, daß Himmel und Erde vor Freude springen und die darinnen sind, Dein Dasein rühmen: Berge, Wasser und die Steinmauern auf Erden zittern vor Deinem Namen, da sie gesehen haben, was ich für Dich vollbracht, nämlich, daß ' das Ghetaland Deinem Palast unterworfen ist, ich habe in das Herz seiner Bewohner gesehen, daß sie Dir mit Gehorsam zuvorkommen in der Da»- bringung ihrer Geschenke. Ihre Häuptlinge sind Gefangene, all' ihre Habe ist Tribut ihrer Abhängigkeit von dem lebenden König; ihre königliche Tochter kommt an ihrer Spitze, um das Herz des Ramses zu sänftigen; ihre Reize sind wunderbar, aber sie kennt noch nicht die Güte deines Herzens; Dein Name ist gesegnet immerdar; der Erfolg Deiner Siege ist ein Wunder, welches man erhoffte, aber wie es seit der Zeit der (Götzen) nicht vernommen worden ist, eine verborgene Erinnerung im «Hause der Bücher, seit der Zeit des Ra bis zur Herrschaft „des Lebens, der Gesundheit und Stärke"; es war unerhört, daß das Ghetaland einhellig mit Aepypten sei und sieh, ich habe es niedergeschlagen unter Deine Füße, um Deinen Namen ewig leben zu lassen, König Ramses!" Ramses II. hatte III Söhne und 51 Töchter, eine andere Liste zählt 59 Töchter auf. Seine Hauptgemahlin hieß Hes-t-nefer und war die Mutter des künftigen Pharao, dessen zwölf ältere Brüder noch vor dem Vater starben. Ramses II. verlegte, da er das, Reich gegen Osten vergrößert hatte, die Residenz nach Tanis (Zoan). Die älteste Hauptstadt war: Memphis, ägyptisch nuph-ta, hebräisch noph, das Land war in 42 Gaue eingeteilt, an deren Spitze jeder einen eigenen Götzen und einen erblichen Statthalter hatte. Derjenige Gau, aus welcher die Dynastie stammte, erreichte samt seinem Götzen eine dominierende Stellung, so herrschte bald Ra, Pta oder Ammon über alle Götzen, späterhin warNecheb (El-Kab) die Hauptstadt. Der achte Gau von Unterägypten hatte die Stadt Pa-tum, hebräisch Pithom, zur Hauptstadt, daneben lag die Hüttenstadt der Hirten Sukkot. Heute befindet sich dort nur mehr ein Hügel Abu-Isleman, der vielleicht noch die Kelle unserer Ahnen in seinen Grüften birgt. Pithom lag am Eingange des Wadi Tum Hat, eine wüste Strecke, die Ramses II. durch einen Kanal aus dem Nilarm bis zum Krokodilsee in fruchtbares Land verwandelte. Der Distrikt beim Eingang des Wadi war tiefgelegen und fruchtbar zur Viehweide geeignet. Der Landstrich hieß bei den Aegypten! Kesem (Gosen), den nebenliegenden Gau hatte Ramses zur Hauptstadt. Pithom und Ramses wurden von Ramses II. zur Befestigung der östlichen Grenze erbaut, die „Vorratsstädte", namentlich Ramses (Heroopolites), wurden im Jahre 1883 vom Franzosen Naville bloßgelegt. Zehn Fuß dicke Mauern mit schweren Falltüren erzählen noch heute bei Tell-ell maschuta vom Frondienste

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