Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 11 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2629906-2629918--0202-2631802- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. II JÜDISCHE PRESSE Seite 8B Ägg&Ä EMIGRATIONSWESEN. ürfMift!r*llfc3k W$&2$* Mitteilnng der Verkehrs- und Transportgesellschaft „Siloah". Nach Ere» Israel. Wie uns seitens Her neugegründeten Verkehrs- und Transportgesellschaft „Siloah" mitgeteilt wird, soll der nächste nach Palästina abgehende Dampfer „Bulgaria" gegen Aatong April Venedig verlassen. Von Wien geht der Zug am 4. oder 5. April ab. Für koschere Kost am Sshiff wird gesorgt, doch müssen die Anmeldungen sofort erfolgen. Auskünfte und Ratschläge erteilt in entgegenkommendster Weise tlas Hauptbureau der «Siloah* im Lokale des Aguda, II., Malzgasse 12 a, Telephon 49054. „Ifavigasione Genorale Italiana, La Veloce, Trans- «ceanica". Luxuseillinien nach Nordamerika, Südamerika, Zentralamerika und Süd-Pacific. Frachtenlinien nach Nordeuropa, Levante, Ferner Osten, Antillen und Mexiko. Nächste Abfahrten ab Genua. Nach Nordamerika über Neapel nach New York. 5. April 1921 .America". 12. April 1921 s/s „Duca Abruzzi". 3. Mai 1921 s/s „Duca d'Aosta0. Nach Südamerika. 25. März 1921 s/s „Indiana" (N. G. I.), über 'Barcelona—Dakar—Rio de Janeiro—Santos— Rio Grande do Sul—Montevideo nach Buenos Aires. 21. April 1921 s/s „Re Vittorio8 über Barcelona, Gibraltar, Dakar, Santos, Montevideo, nach Buenos Aires. Auskünfte erteilen das Passagierbureau der ..Navigazione Generale Italiana" in Genua, Piazza Principe oder die nachstehenden Agenturen: Lloyd Triestino, Wien, I.. Kärntnerring 6, ferner München, Maffeistraße 14. Berlin, Unter den Linden 47. Triester Schiffahrtsbericht (abgeschlossen am 27. Februar 1921). Lloyd Triestino. „Bucovina" am 'iö. Februar von Tarent nach Tripolis: „Cracovia" in Bombay: „Hungaria" am 23. Februar von Moji nach Shanghai; „Aquileia" in Venedig; .Melpomene" inTriest; ,NipponB am 23. Februar von Port Said nach Triest; „Pilsna* am 11. Februar von Hongkong nach Singapore; „Scutari8 auf der Sardischen Linie; „Thalia" in Catania; „Trento* am 22. Februar von Tarent nach Triest; „Trieste" am 24. Februar Perim passiert nach Colombo. Cosulich. Nordamerikanischer Passagierdienst: „Argentina8 am 25 Februar von Triest nach Neapel; „Columbia* am 24. Februar von Oran nach New York; »Martha Washington" in Amerika; „Presidente Wilson* am 26. Februar von Patras nach Triest. Frachtendienst Nordamerika : „Giulia" am 22. Februar von Norfork nach Venedig; „Maria" erwartet in Baltimore; „Marianna" am 26. Februar von Oran nach Venedig und Triest: „Balaton" in Cagliari; „Corsinia* erwartet in New Orleans; „Graf Tisza Istvän" in Venedig; „Kühen Hederväry" in Barcelona; „Magyarorszäg* am 21. Februar von Malaga nach New York; ,Saint Ambroise" am 27. Februar von Marseille nach Fort de France; „Stereny14 erwartet in Triest. Nächste Abfahrten von Nordamerika nach Triest und Venedig, und zwar von New York: „Maria" beiläufig die ersten Tage März: .Columbia" beiläufig 16. März; „ArgentinaE beiläufig 19. März; „Presidente Wilson" beiläufig 26. März; von Savanah: „Kossuth F." beiläufig Ende März oder anfangs April; von New Orleans: »Corsinia* beiläufig Ende Februar; ,Magyarorszäg" beiläufig zweite Hälfte März; „Gerty" beiläufig zweite Hälfte April; von Galveston: „Georgia8 beiläufig Mitte März; „Stereny" beiläufig Mitte April; von Buenos Aires beziehungsweise 6 bis 7 Tage später; von Santos und Rio de Janeiro: „Francesca" beiläufig 16. März. k£AT£Mtfi! HiüÜ AGUDA. UM imn €rsic jahrcskonfcrenz der flguda Englands. Am 20. März hat in London (2. Eighbury Quandrant) die erste Jahreskonferenz der englischen Aguda stattgefunden. Die Tagesordnung bestand aus: Erste Sitzung, Sonntag 10 Uhr vormittags. 1. Eröffnungsrede des Rabbi Dr. Jung und andere. 2. Wahl des Konferenzkoinitees. 3. Allgemeiner Tätigkeitsbericht. 4. Tätigkeitsbericht der englischen Aguda. 5. Statutenentwurf für die englische Aguda. t. Debatte über Organisation und Propaganda. Zweite Sitzung, 7 Uhr abends. L Verwirklichung der Ziele der Aguda in England. 2. Thorafonds und religiöse Erziehung. 3. Palästina-Arbeit der Aguda. 4. Kriegswaisenhäusei und rekonstruktive Reliefarbeit. 5. Wahl der Delegierten in den Zentralrat der Aguda-Weltorganisation. Ein ausführlicher Bericht folgt. Koniarno. Samstag weilte Herr Rabb. Pollak aus Wien in unserer Mitte. Er hielt Nachmittag in der Synagoge einen Vortrag über „Ziele und Zwecke der Agudas Jisroel*. Unter dem Eindruck des Vortrages haben die führenden Männer der Israelitischen Kultusgemeindebeschlossen, eine Versammlung einzuberufen, die sehr gut besucht war. Vorsitzender Ew. OberrabbinerE. Deutsch hat unter dem Eindruck der glänzenden Ausführungen des Gastes in warmen Worten aufgefordert, sich der Agudas Jisroel-Bewegung anzuschließen und auch hier eine Ortsgruppe zu bilden, den bereits bestehenden „Jischuw Erez Jisroel- Verein" in die Ortsgruppe aufzunehmen und sprach die Hoffnung aus, daß diese „Kenessijoh leschem schomajim* zur Förderung des Taurolernens und der Taurobetätigung führen wird. Unter dem Eindruck der Ausführungen Sr. Ew. Herrn Oberrabbiners wurde mit großer Begeisterung die Bildung der Ortsgruppe beschlossen und die Leitung wie folgt zusammengesetzt: Ew. Herr Oberrabbiner E. Deutsch, Ehrenpräses; Israel Schwartz, Obmann; M. Raab, Stellvei treter; Siegmund Stern, Kassier; Israel Kohn, Schriftführer. An die Spitze der Jugendgruppe wurde Herr E. Samuel Ehrmann gestellt. AGUDA- Jü GEND GRUPPE. .Olillkommgrur. In einigen Tagen wird der neu konstituierte Zentralrat der Agudas Jisroel, nach dem Waad Harabauim die oberste Instanz der Aguda, seine erste Sitzung in Wien abhalten. Dem Zentralrat gehören auch sechs .Tugendvertreter an. „Beruchim haboim beschem Haschern*. Seid herzlichst willkommen Brüder und Freunde aus allen Teilen der Welt, die Ihr zusammenkommet, um den Beratungen unserer Führer beizuwohnen und Richtlinien für unsere fernere Tätigkeit zu empfangen. Die politischen und sozialen Umwälzungen der letzten Jahre sind auch an unserem Volke nicht »»purlos vorübergegangen. Ja noch mehr; wir die wir überzeugt sind „bereschis bischwil Jisroel schenikreu reschis*, daß die Welt um Jisroels willen erschaffen wurde und das alles Weltgeschehen von dem Verhalten Israels beeinflußt, von der Vorsehung des »am segulo* wegen diktiert wird, haben gesehen, da* gerade Israel in den letzten Jahren der Leiden am meisten gelitten hat. Während hunderte und lausende unserer jüdischen Brüder ihr Blut für die €!eburtstätten und für das Land, das sie beherbergt, geopfert haben, waren es die daheimgebliebenen Frauen und Kinder Jisraels, welche dem unausgesetzten Haß ihrer nichtjüdischen Mitmenschen ausgesetzt waren. Jenem Haß, der von einem unnatürlichen Instinkt diktiert, seit Jahrtausenden bemüht ist, natüriehe Begründung, in den manchmal wahren, meist aber nur von dem Bedürfnis eine Erklärung für diesen Haß zu finden, verlogenen Verhalten einzelner Mitglieder unserer Rasse zu suchen. Tausende Kinder unseres Volkes wurden in Rußland vor die Streitscharen getrieben, um dem Gegner als Beute seiner Mordwaffe zu dienen. Hunderttausende unserer Brüder und Schwestern im alten. Rußland und Polen wurden hingemordet, andere in tlie Ferne getrieben, wo sie wieder der Haß der bodenständigen Bevölkerung empfing. In Ungarn begann die Leidenszeit nach dem Krieg. In Wien haben erst vor kurzem gewissenlose Führer, halbwüchsige Jungen zu Raub und Plünderung angeeifert. Ja, selbst aus dem freien Amerika wird ein Anwachsen der antisemitischen Bewegung gemeldet. Fast überall aber begegnen wir dem wirtschaftlichen Boykott der Juden. Auch die sittliche Entartung der Menschheit während des Krieges und nachher haben unserem Volke tiefe Wunden beigebracht. Hunderttausende junge Kinder, deren Erziehung noch nicht beendet war, wurden von der elterlichen Stätte fortgetrieben in eine Welt des Mordens und Raubeos auf der einen Seite, in eine Welt des Erhaschens und rückhaltslosen Genießen irdischer Güter andererseits. Was Wunder, wenn nur wenige Standhalten konnten. Im heiligen Lande unserer Väter und unserer Zukunft, jenem Lande, das uns immer als Ideal eines Landes, erfüllt von Menschen, deren Leben G'tt geweiht ist, erschienen war, hat die geistige, soziale und moralische Entartung furchtbare Formen angenommen. Dort, wo vor tausenden Jahren ein Volk eingezogen war, das kurz vorher begeistert ausgerufen hatte „naasse we nischma", ziehen heule Scharen von irregeführten Menschen ein, mit dem Verlangen, alte Formen, die uns heilig sind, weil sie ihren Ursprung, G'tt, oder von g'ttlichem Geiste durchdrungenen Menschen, verdanken, umzustoßen. Heute, wo jeder, der mit klarem Auge sieht, anerkennen muß, daß die irreligiöse, nur von menschlichen Gelüsten diktierte Lebensauffassung den Bankerott der ganzen Welt verschuldet hat, finden sich Männer aus jenem Volke, das der Welt zuerst die Lehre von dem einig einzigem G'tte verkündet hat, die unsere althergebrachte, Jahrtausenden standgehaltene Ueberlieferung der modernen Anschauung assimilieren wollen. In dem Lande, wo einst G'tt begnadete Lehrer, die ihr ganzes Leben, ihr Sinne* und ihre Kraft dem Gesetzesstudium gewidmet haben, zusammengekommen sind, um ein Synhedrion zu bilden und das Volk zu belehren, kommen heute Rabbinen und Laien zusammen, unter den letzteren solche, welche dem jüdischen Geiste leider den Rücken gekehrt haben und bestimmen, wer berechtigt sein soll, Israel in seinem Lande geistig zu führen. In dem Lande jener heiligen Nation, von welchem selbst Gegner anerkennen, daß ihr Ehe- und Familienleben mustergültig ist, wollen Männer diesem neue Formen geben, Männer, die ruhig mitangesehen haben, wie unser geheiligtes Land mit Individuen überschwemmt wurde, die die Sittenlosigkeit zur höchsten Blüte gebracht haben. Als ein Agudaführer das Gleichnis brachte, daß wir, wie Esra von den vorkommensten Menschen am Aufbau des Landes nicht gehindert wurden, auch trotz unserer irreligiösen Brüder ein religiöses Zentrum in Palästina werden schaffen können, da wurde selbst in unseren Reihen Erregung laut ob dieser scharfen Ausdrucksweise. Wer hätte damals gedacht, daß heute nach einem Jahre erschütternde Berichte aus Palästina kommen werden, die besagen, daß dies damals nicht ein Gleichnis, sondern leider der Wahrheit nahe war. Millionen und Milliarden hat das jüdische Volk für den Aufbau des heiligen Landes geopfert und herzzerreissend sind die Schmerzen jener Spender, die die Früchte ihrer Gaben sehen wollen und venweifelt erkennen müssen, wofür das Geld verwendet worden ist. Nur Menschen, die dem idealen Geiste des religiösen Judentunis den Rücken gekehrt haben, können solches verteidigen. Doch „lau almon Jisroel". Von tiefer Religiosität und glühender Liebe zu unserem Volke durchdrungene, geistig hochstehende Männer sind aufgestanden und haben uns den Weg gezeigt, den wir zu wandeln haben. Gerade wir, die „Jugend" waren den Gefahren, die unserem Volke drohten, am meisten ausgesetzt. Da haben uns unsere Führer zugerufen: Schart Euch um die „Agudas Jisroel"! Wenn Zweifler fragen, .warum die Agudas Jisroel nicht schon früher mit großzügiger Arbeit eingesetzt hat, so antworten wir ihnen, daß auch dies eine gütige Fügung des Himmels war. Wäre die Agudas Jisroel in früheren Jahren erstanden, so hätten sich derselben einerseits so manche störende Elemente angeschlossen, andererseits viele unserer Gesinnungsgenossen den Geist der Aguda nicht erfaßt. Heute, wo Jenen, die nicht in dem Rahmen der Aguda passen, ein Forum gefunden, wohin sie »ich zu wenden haben, können wir mit Ruhe sagen, daß sich uns nur jene anschliessen, die wirklich von dem Wunsche beseelt sind, alten jüdischen Geist zu pflegen und zu fördern. Aber auch in unseren Reihen haben viele erst jetzt einsehen gelernt, daß ein wahres Judentum und echt jüdischer Geist nur in einem solchen Kreise wohnen können, wo die Gottesidee die Grundlage bildet. Und heute schon können wir konstatieren, daß gerade unter der .Agudajugend" diese Erkenntnis sich durchringt. Und es wird die oberste Aufgabe des Zentralrates sein, darüber zu beraten, wie der Agudageist, das Thorastudium und das Dwekus an den Allmächtigen innerhalb der Jugend gekräftigt werden kann. Wir sehen Gott Lob in vielen Ländern schon die Morgenröte der Erkenntnis aufsteigen. Es wird noch lange dauern, bis die Sonne am Zenit stehen wird; aber unverdrossen wollen wir an die Arbeit schreiten. Ihr jungen Brüder werdet unsere Gäste sein. Wir werden Gedanken, Erfahrungen und Anregungen austauschen. Wir werden beraten, wie wir die Aufgaben, die uns der Zentralrat geben wird, praktisch durchführen können und G-ttes Segen wird auf unserem Werke walten. G. Zur Cagung des Zentralrates. Der Zentralrat der Weltorganisation der Agudas Jisroel wird sich in Wien konstituieren. Aus fast allen Städten, in welchen sich die Aguda eine Stätte der Arbeit, des Aufhaues geschaffen hat, werden Vertreter kommen, überragende Größen des Judentums, unter ihnen Persönlichkeiten, zu welchen die ganze Judenheit ehrfurchtsvoll emporsieht; es sind durchwegs Männer der alten Schule, Männer, die fest am Althergebrachten halten, die der neuen Bewegung zuerst mißtiauisch, fast gegnerisch gegenüberstanden, die für sie erst gewonnen werden mußten und nun ihre stärksten Stützen sind.